• Ich schäme mich für mein (Bundes-) Land wo der Denkmalschutz zu einer reinen kapitalistischen Hure verkommen ist.
    Ich hoffe, ich werde dieses Congress Center nie betreten müssen...

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Ist Denkmalschutz in der BRD nicht Staatsziel?`
    LG

    Leisten sie Ihren Beitrag zum Wiederaufbau der Wallwitzburg!

  • Hm... so genau weiß ich da nicht drüber Bescheid. Aber soweit ich weiß hat das Rheinische Denkmalamt zu entscheiden... und die sind mir in letzter Zeit schon öfter wegen einer Abrißfreigabe negativ aufgefallen.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Es ist Schande!

    Dann müsste man auch Sterbehilfe bei Menschen erlauben..

    :( :schockiert:

    Leisten sie Ihren Beitrag zum Wiederaufbau der Wallwitzburg!

  • @ vegoh: Den Vergleich finde ich ein bisschen sehr weit hergeholt.... aber über den Abriß könnt ich mich immernoch maßlos aufregen...

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • So ein schönes Bauwerk soll abgerissen werden für einen massigen
    Kongressbetonbunker ? Wieviel schönes muss noch zerstört werden,
    bis die Leute endlich kapieren, was sie uns antun ?

    :schild4:

  • Auf dem Gelände welches mit dem Uno-Kongesszentrum bebaut werden soll, haben Archäologen Überreste einer römischen Siedlung gefunden. Bis jetzt wurden eine große Badeanlage, ein Tempel und "die Fundamente einer "monumentalen Anlage" von wahrscheinlich zwei Stockwerken" gefunden. Des weiteren wurde ein fünf Zentimeter große Haarnadel mit Menschenkopf an der Spitze, Küchengeschirr, Gefäße und Becher gefunden. Auch Objekte späterer Epochen kamen zum Vorschein, darunter Stahlhelme und eine Schachtel mit der Aufschrift "Propagandamaterial" der CDU, 15. September 1957.

    Bis zum Oktober haben die Archäologen jetzt noch Zeit zu graben, dann nämlich beginnen die Bauarbeiten für das Kongresszentrum.

    Quote

    Im Jahr 13 vor Christus hat Kaiser Augustus seinem Sohn Drusus den Befehl gegeben, 50 Kastelle am Rhein entlang zu errichten. Den Legionären folgten die Siedler, die sich auch auf dem Gebiet des heutigen Bonns mit Handwerkern, Händlern und Künstlern niederließen. Sie lebten getrennt von den Soldaten, deren Lager sich nach Erkenntnissen der Forscher in der jetzigen Bonner Altstadt befand.

    Die Archäologen fanden in dem Vicus Spuren von Steinbauten und römischer Lebensart, die laut Kunow "jedem Germanen auf der anderen Rheinseite demonstrierten, welche zivilisatorische Kraft hinter römischer Urbanität steht". Beheizte Thermen, Ziegelbrennöfen, Geschäfte und Häuser zur Begegnung der Bürger zeichneten den Vicus aus.

    Das klingt für mich ziemlich spektakulär. Deshalb wundert mich, dass das Gelände scheinbar trotzdem bebaut wird. Man könnte doch statt dessen einen archäologischen Park anlegen, oder die Mauerreste in die Keller integrieren. So aber werden Jahrtausende alte Spuren menschlicher Kultur unwiederbringlich vernichtet.

    Ich versteh´s nicht! :augenrollen:

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/m…,432079,00.html

    Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)

  • In der FAZ von heute ist auf Seite 9 eine hübsche Bilderfolge eines Nachkriegskioskes zu sehen, an dem der Bundestag seinerzeit seine Zeitungen gekauft hat und der nun per Kran an einen anderen Platz verfrachtet wird, weil er einem (vermutlich unerfreulichen) Neubauvorhaben im Wege steht - Anschauen lohnt sich.
    Hat jemand zufällig Photos aus Bonn oder Bonn - Beuel, die er hier reinstellen mag? Kann mich vage an schöne Villenviertel erinnern, auch das Poppelsdorfer Schloß ist reizend; am Marktplatz überzeugt leider nur noch das Alte Rathaus.

  • Metropol: „Neue Eigentümer haben sich verspekuliert“
    Kulturarbeit, Kino - 30.12.06 - Klaus Torsy


    Mit scharfen Worten zieht die Initiative zum Erhalt des Metropol-Kinos eine Jahresbilanz: „Nicht Aufgabe der Öffentlichkeit, Fehlspekulation zu heilen“.


    Rechtzeitig zum Jahresende hat die Bürgerinitiative zum Erhalt des Metropol-Theaters Bilanz gezogen. Auf ihrer Website wendet sie sich mit Nachdruck gegen vermeintliche Zugeständnisse der beiden großen Ratsfraktionen, dem Drängen der neuen Eigentümer nachzugeben und das unter Denkmalschutz stehende Gebäude zum Umbau freizugeben. (...)

    Quelle:
    http://www.kultur-in-bonn.de/1/nachrichten/…ge/37/1812.html

  • Bei dem Neubauprojekt handelt es sich um einen Erweiterungsbau des "World Conference Center Bonn" (vormals "Internationales Kongresszentrum Bundeshaus Bonn"[IKBB], http://www.worldccbonn.com/Der-Erweiterungsbau.11.0.html).

    Es ist ein mit öffentlichen Mitteln gefördertes Projekt, das den Bonner Strukturwandel nach dem Regierungsumzug und den Ausbau der "UN-Stadt" begünstigen soll.

    Leider mußte der ehemalige Sitz der Parlamentarischen Gesellschaft, die gründerzeitliche Villa Dahm, diesem Ausbau weichen. Der Siegerentwurf des Büros "YES architecture" aus München sieht - im Gegensatz zu vielen anderen der beim Wettbewerb eingereichten Vorschläge - den Erhalt und die Integration dieses Gebäudes nicht vor. Bevor die Baugrube ausgehoben wurde, wurde eine riesige archäologische Notgrabung auf dem Gebiet durchgeführt (Informationen dazu hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Vicus_bonnensis).

  • Namen-Jesu-Kirche, Altstadt.

    Zur Zeit wird darüber nachgedacht, wie die barocke Namen-Jesu-Kirche in der Bonngasse nachgenutzt werden kann. Das Gotteshaus hat keine Verwendung mehr; die zuständige Münsterpfarrei hat erklärt, es nicht mehr zu benötigen. Eigentümer ist das Land Nordrhein-Westfalen.
    Die Namen-Jesu-Kirche befindet sich in der Bonner Altstadt, ganz in der Nähe des bekannten Geburtshauses Beethovens. Die Kirche ist wie viele Barockkirchen in die Blockrandbebauung eingebunden; ihre schöne Westfassade steht in der Flucht der Bonngasse. Es war einst die Kirche der Jesuiten in Bonn und bis vor kurzer Zeit die Kirche der Katholischen Hochschulgemeinde. Eine Nutzung für den Einzelhandel scheint recht wahrscheinlich, da es in der Bonner Innenstadt seit Jahren ein Unterangebot an Geschäftsflächen gibt und Einzelhandelsprojekte an anderen, auch gut geeigneten Orten im Zentrum immer wieder scheitern.

    Artikel im Kölner Stadtanzeiger (mit Bildern aus dem Innenraum):
    http://www.ksta.de/html/artikel/1203412412578.shtml\r
    http://www.ksta.de/html/artikel/1203412412578.shtml

  • Quote from "Gregor"

    ...Eine Nutzung für den Einzelhandel scheint recht wahrscheinlich...

    Vielen Dank für deinen Beitrag. Zuerst war ich ja sehr erschreckt, als ich dies gelesen habe. Etwas beruhigend finde ich aber den Kommentar des Denkmalschützers, der den Erhalt der Architekturhülle und ausschließlich reversible Umnutzungen fordert. Hoffentlich setzt er sich hiermit durch.

  • Ich schätze, daß die Bürger die Entwicklung recht genau beobachten werden. Denn der geplante Umbau des historischen Metropol-Kinos am Markt hat bereits zur Gründung einer Bürgeriniatitive geführt, die erst 40 000 Unterschriften gesammelt hat und nun ein Bürgerbegehren initiiert. Die Eigentümer planen tiefgreifende bauliche Veränderungen, um das Filmtheater in ein Kaufhaus umzuwandeln. Näheres findest Du hier: http://www.architekturforum.net/viewtopic.php?t=1154&postdays=0&postorder=asc&start=0\r
    http://www.architekturforum.net/viewtopic. ... sc&start=0

    Es gibt viele Kaufhausketten, die daran interessiert sind, sich in Bonn anzusiedeln. Da die Stadt seit Jahren nicht in der Lage ist, innerstädtische Brachflächen in bester Lage zu entwickeln, lastet ein hoher Druck auf jener historischen Bausubstanz, die bisher noch nicht für den Einzelhandel genutzt wird.

  • Haus "Im Bären", Altstadt.

    Das Haus "Im Bären", Acherstraße 1, erstmalig erwähnt 1385 als "Haus zum schwarzen Bären neben der Pfarrkirche St. Remigius", neu gebaut 1690, Inschrift am Haus: 1638 (bis 1944), wird nun nach langem Leerstand zu einem Modegeschäft umgebaut. Wie tief die Eingriffe in die Substanz sein werden, ist mir unbekannt. Auf jeden Fall wurde ein Turmdrehkran vor dem Gebäude aufgerichtet. Zwischen 1690 und 2003 (ohne Unterbrechungen [?]) Gasthaus.
    Sollte die inschriftliche Datierung zutreffen, wäre der Bau vor allem wegen seiner Errichtung vor der großen Zerstörung Bonns im Jahre 1689 sehr wertvoll.

    Bild:
    http://www.express.de/XP/expressbild/xxl/383510335.jpg\r
    http://www.express.de/XP/expressbild/xxl/383510335.jpg

  • Leider wieder mal eine zwiespältige Nachricht aus Bonn. Hoffen wir, dass die Denkmalschützer auch in diesem Fall zu weitgehende Änderungen verhindern. Wie ist denn der Zustand im Innern des Hauses? Denkst du, dass ein großer Verlust an historischer Bausubstanz zu befürchten ist?

  • Der Kran läßt größere Veränderungen erwarten, und die bestehende Partie im Erdgeschoß ganz ohne Schaufenster ist ziemlich ungeeignet für die Warenpräsentation. Und nicht zuletzt können auch "reversible" Änderungen das Haus seiner Wirkung berauben. Eine Glastür reicht.

    Weder Bürger noch Denkmalschutz haben sich zu den Veränderungen öffentlich geäußert. Ein Kinosaal wie der des Metropols ist wahrscheinlich stärker im Bewußtsein verankert als ein einzelnes nichtöffentliches Profangebäude.

  • Geschützte Teile des Bären sind laut Denkmalliste der Stadt Bonn der äußere Baukörper, das statische Tragsystem sowie die Wände und Decken. Dies gilt auch für das sich rechts an den Bären anschließende Haus Acherstraße 3.