Artikel zum Thema Rekonstruktion

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    Verstehe ich das richtig und Fidel Castro ist für dich gleichbedeutend mit Franco?


    Nein, aber sie sind beide Diktatoren (merke: zu sagen, daß zwei Dinge unter dieselbe Kategorie fallen, bedeutet nicht zu sagen, daß sie identisch sind; wenn ich z.B. sage, daß Bochum und Paris beides Städte sind, behaupte ich damit nicht, daß Bochum und Paris identisch sind) und den einen nicht als solchen zu bezeichnen ist offensichtlich ein Messen mit zweierlei Maß.


    Aber jetzt bitte zurück zum Thema (und die Aufforderung gilt natürlich auch für mich ... :peinlich:) !

  • Ich habe das Ganze nicht mitverfolgt, aber Dirk hat eine Mail von Herrn Klemm erhalten, die ich gerne hier einstelle (ich hoffe, er hat das noch nicht selbst getan, sonst ist sie jetzt doppelt ;) ):



    Ich darf an dieser Stelle vielleicht gleich die Beteiligten resp. Angesprochenen um etwas Mäßigung bitten. Manchmal dürfte es zudem besser sein, eine inhaltliche Meinung (bei konstanter Aussage) in weniger persönliche Begriffe zu verpacken (sprich z.B. "absurd" anstelle von "krank" zu schreiben etc.). Die Verbindung Internet-Forum plus Pseudonym sollte nicht zu Äußerungen (ver-)führen, die man realiter in keiner Weise anbringen würde/könnte/dürfte.
    Danke für euer Verständnis!

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

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    seit Thomas Manns Reden während
    und nach der Nazizeit ist das Thema auf der Tagesordnung und wird - zugegeben -
    unterschiedlich beantwortet.


    So war ich 1999 auf einer Ausstellung im Schillerhaus in Weimar, wo die Deutsche Klassik aus dieser Gedanke heraus auch direkt mit der Nazizeit (hier: Buchenwald) in Verbindung gebracht wurde. Auf Nachfrage erwiderte ein Angestellter, diese Verbindung sei ebenso unausweichlich und naturgemaess gegeben.
    Ist es denn nicht moeglich, dass Thomas Mann sich bei all seiner Groesse hier geirrt haben koennte? Dass er Dinge koennte verwirrt haben?
    War in Auschwitz wirklich mehr Genie am Werk als im Gulag, bei der amerikanischen Atombombe, oder bei der Chinesischen Kulturrevolution?


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    Über die Einstufung
    dieser Tat als Verbrechen sind sich die Historiker wohl noch uneins.


    Das werden sie immer bleiben, weil die Historiker eben aus verschiedenen Nationen stammen und auch nur Menschen sind. Die Englaender geben dieses Verbrechen ja nicht nicht zu, weil ihnen die Tatsachen dieses Bombardements unbekannt sind, sondern aus ideologischen und, vor allem, nationalistischen Gruenden.


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    Der Heilige
    Geist jedenfalls hat in dem Gemäuer im Moment noch einen schweren Stand.


    Das ist eine Vermessenheit, da das dem Herrn Klemm gar nicht bekannt sein kann.


    Insgesamt doch sehr schlimm, wie solche gutpositionierten Leute sich ueber den Ruecken eines ganzen Volkes beweihraeuchern, denn als tadellosen Moralisten darstellen wollen. In dieser Eigenschaft sind doch das Christentum und sein verweltlichter Ableger, der Kommunismus, ziemlich eins und dasselbe.

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    Unhaltbar sind nun die Vorwürfe der Forumsmitglieder, ich erläge einem "aggressiven Drang nach Vernichtung": vielleicht kann ich ihren Benutzer 'heimdall' mit der Auskunft beruhigen, dass ich als Besitzer eines Stifterbriefes in Silber den Bau der Frauenkirche sogar unterstützt habe, lediglich in Umsetzung, Ästhetik und inhaltlicher Ausgestaltung des Projektes mir herausnehme, andere Meinungen zu beziehen und Dinge zu benennen, die ich als Defizite empfinde.
    Sehr umfangreich sind die Vermutungen über meinen Namen, der umstandslos mit Nazigrößen in Beziehung gesetzt wird (was Benutzer 'heimdall' gottlob selbst ad absurdum führt), auch die Wortspielerei "ver-klemmter Kommentar" darf natürlich in diesem Zusammenhang nicht fehlen. Ich kann alle so gründlich recherchierenden Forumsteilnehmer beruhigen: der Name Klemm ist in Mitteldeutschland beinahe so häufig wie Meier, Müller oder Schulze, ein Blick ins Telefonbuch reicht. Mit den erwähnten Nazigrößen ist mir keinerlei Verwandtschaft bekannt. Meinen Namen trage ich nicht vor mir her, ich habe ihn 1958 erhalten und lebe mit ihm, so wie andere auch. Meine Eltern haben den Weltkrieg als Jugendliche erlebt und sind beide existenziell vom Erlebnis der Bombardierungen betroffen gewesen.


    Also, die Bezeichnung "ver-klemmter" Kommentar sehe ich bestätigt, und das will ich begründen. Ansonsten möchte ich kurz etwas erläutern: Selbstverständlich war mein Beitrag mit den diversen Namensvettern nur eine Satire gewesen. Da wurde doch nicht ernsthaft eine Verwandtschaft unterstellt (und selbst wenn wirklich zufällig eine solche bestünde, sagte das doch überhaupt nichts über Herrn Klemm aus). Das alles ist doch wohl jedem halbwegs intelligenten Menschen augenfällig. Es ging allein darum, zu zeigen, daß man NS-Assoziationen zu allem und jedem herstellen kann, wenn man es will (und wenn einen das immer noch so sehr beschäftigt, obwohl die Probleme dieses Landes nach 70 Jahren eigentlich sehr anders aussehen). Das ist übrigens so mit allen religiösen Gebilden oder Fixpunkten, auf die man einseitig geistig konzentriert ist. Der Frömmler des Mittelalters konnte in einem Kuhfladen einen Fingerzeig Marias erkennen, der Stasi-Mitarbeiter in einem harmlosen Witz den Aufruf zum Umsturz. Und so ist das auch mit den Bildern des zweiten Weltkriegs, die man selbst im braunen Ledermantel eines pöbelnden, alten Kiosk-Penners bedrohlich wiederkehren sehen kann. Wenn man denn will. Selbstverständlich war deshalb auch der von mir gewählte Terminus "aggressiver Drang nach Vernichtung" nicht ernst gemeint. Die Trockenheit der Antwort darauf, die nahelegt, daß all das aber ernst aufgefasst wurde, werte ich dann schon als "ver-klemmt".


    Ansonsten aber hat sich Herr Klemm Gedanken gemacht und die Mühe zu einer sachlichen Antwort. Und das finde ich anerkennenswert. Und dafür gebührt ihm Dank.
    Auch wenn ich und vermutlich auch viele andere Forumsmitglieder seinen Prämissen nicht zu folgen bereit sind. Denn natürlich ist schon der Gedanke von "Schuld" ein letztlich religiöses Motiv. Und dies wird noch gesteigert durch eine "deutsche Schuld", faktisch also ent-individualisiert und kollektiviert. Und dann wird noch eins draufgesetzt. Nun sei auch noch die Frauenkirche das "Symbol der deutschen Schuld". Wer hat das denn nun festgelegt? Der liebe Gott, als er Metall vom Himmel regnen ließ? Es sind eben religiös-ideologische Konstrukte, die Herr Klemm von sich gibt, die sein Denken bestimmen. Und natürlich ist die protestantische Zerknirschtheit, die keinesfalls nur ihn, sondern auch viele andere, auf diesem "Schuldkult" beharren lässt, auch ein Produkt der selbst beschriebenen "deutschen Gründlichkeit".


    Dieses Denken mag ihm belassen sein. Gleichwohl wird er eben auch auf Kritik derjenigen stoßen, die diesem metaphysischen Konstrukt entschieden widersprechen.

  • Ich will nun wirklich kein Öl ins Feuer gießen, aber dieser Brief von Herrn Klemm ist, aus den von Heimdall recht genau aufgezeigten Gründen, wirklich ein geistiger Tiefflug sondergleichen, der wirklich nicht von sonderlichem Reflexionsvermögen zeugt. Als Dokument einer hoffentlich bald augestorbenen Geisteshaltung ist der Brief allerdings interessant und bestätigt noch einmal meine These, daß der massivste Grund dafür, warum man sich in Deutschland so schwer tut dieser absurde, rassistisch-kollektivistische Gedanke einer "deutschen Schuld" (= logischer Kategorienfehler, da Schuld nur per definition nur von moralfähigen Entitäten, sprich menschlichen Individuen ausgesagt werden kann), für den man mit der Abwesenheit der eigenen gebauten Geschichte zu büßen hat, ist. Wer noch daran gezweifelt hat, hat mit Herrn Klemms Brief nun den Beweis Schwarz auf Weiß.


    Da hilf es auch nicht viel, sich auf einen anderen großen geistigen Tiefflieger der deutschen Literaturgeschichte, Thomas Mann, zu berufen. Mann mag ja ein guter Schriftsteller gewesen sein, intellektuell war er in der deutsche Geistesgeschichte aber ein ziemlicher Ausrutscher nach unten. Ich habe, ehrlich gesagt, selten so viel Unsinn gelesen wie in Thomas Manns Reden und Essays.

  • Philon: Ich glaube, Du hast recht mit deiner These. Aber was kann man dagegen unternehmen?


    Bei der Dresdner Frauenkirche ist man der Wunsch nach einem Mahnmal schon ziemlich weit entgegengekommen, indem man aus ihr die groesste Leistung des Substanzfetischismus weltweit gemacht hat (das Verbauen der Originalsteine und Ruinenteile) Aus aesthetischen Gruenden haette man sich da durchaus auch anders entscheiden koennen.

  • Wohlwissend, dass man mit den Kategorien "links" und "rechts" heutzutage nicht mehr weit kommt, würde es mich doch mal interessieren: In welche Richtung tendieren die Leute hier im Forum mehrheitlich? Natürlich geht es mich nichts an und im Grunde tut es nichts zu Sache - und keiner wird mir seine Parteizugehörigkeit verraten. Außerdem bin ich der letzte, der jemanden vorschnell einen Stempel aufdrückt. Mir ist aber im Forum schon ein paar Mal ein SPD-Bashing aufgefallen. Ich habe diese Partei nie gewählt, aber ich kenne einige Leute im "linken" Spektrum (was auch immer das heute konkret bedeutet - kann man ja im Moment so ziemlich allen Parteien anhängen), die Anhänger von Rekonstruktionsbemühungen oder -vorhaben sind. Ich würde pauschal sagen: Die meisten Menschen sind meiner Meinung nach pro Reko, weil sie mangels Sachkenntnis die Projekte als "schön" ansehen, mehr auch nicht - ganz unabhängig von der politischen Ausrichtung. Seien wir ehrlich, wie viele Ottonormalbürger sind willens bzw. fähig, sich mit den hier im Forum ausgetragenen Grabenkämpfen auseinanderzusetzen...


    Meine Oma setzt sich schon seit Jahren für den Abriss des leerstehenden Karstadtgebäudes in Rüsselsheim ein - ein wirklich widerlicher Kasten. Als ich sie befragte, warum sie das Ding weghaben wolle, meinte sie, das Monstrum sei einfach hässlich, vorher hätten da ein paar "schöne alte Häuser" gestanden. Tja, und das war's auch schon mit der Argumentation. Meiner Meinung nach eine repräsentative Argumentation. Meine Oma wählt schon immer SPD.

    Alles, was lediglich wahrscheinlich ist, ist wahrscheinlich falsch. (Descartes)

  • Also ich glaube, dass Sie Recht haben, obwohl eine
    pauschale Aussage hierzu schwierig ist!
    Ich glaube auch daran, dass je spießiger und
    konservativer die Leute sind = desto mehr haben sie Angst,
    als solche “entlarvt zu werden = desto mehr geben Sie vor,
    ”Modernes” zu mögen = und desto mehr bauen sie die ganzen
    “Beton- und Glas/Stahlmonster” in den Städten.
    Bestes Beispiel hierzu ist Stuttgart und seine Bevölkerung.
    Hier stehen Rekos erst gar nicht zur Diskussion (=unehrlich).
    Meine These kann ich dadurch untermauern, dass es mehr
    Rekos im Süden als im Norden gibt.
    Ich z.B. bezeichne mich auch als konservativ und spießig,
    aber ich stehe zu meiner Spießigkeit. Da die
    württembergische CDU jedoch genau diese Beschreibung oben
    widerspiegelt, würde ich die nie wählen! Für Leute wie
    mich gibts leider noch keine Partei. Wenn die Grünen so
    weitermachen, vielleicht die...

    Der Tiefpunkt der Baukultur wurde in den 60er und 70er Jahren des 20sten Jahrhunderts erreicht...

  • Leider argumentieren die politischen Entscheidungstraeger, Rekonstruktionsgegner und Fachleute (Architekten) meistens sehr wohl politisch, fast immer rundum den Stichwoertern "Geschichtsfaelschung" und "Kriegsschuld". Dabei koennen die Argumente sowohl politisch links als auch rechts inspiriert sein. Herr Klemm berief sich z. B. auf Thomas Mann, und einen Christlichen Hintergrund, war also nicht sehr links.
    Der Grabenkampf ist also nicht sosehr zwischen links und rechts, sondern zwischen Substanzfetischismus und Schuldkult einerseits, und aesthetischem Empfinden und tieferem geschichtlichen Bewusstsein andererseits (naehmlich dass die dt. Geschichte mehr als nur 12 Jahren beinhaltet)
    Dieser Kulturkampf ist in Deutschland unausweichbar. Da hilft es auch nicht, sich nur auf dem Niveau der Bildzeitung zu begeben, wie letztlich bei dieser "Krawalle" beim Gespraech ueber das Historische Museum in Frankfurt am Main. Denn dann wird man von den Entscheidungstraegern und Fachleuten in diese Ecke gesetzt und einfach nicht ernst genommen.

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    Dabei koennen die Argumente sowohl politisch links als auch rechts inspiriert sein. Herr Klemm berief sich z. B. auf Thomas Mann, und einen Christlichen Hintergrund, war also nicht sehr links.
    Der Grabenkampf ist also nicht sosehr zwischen links und rechts, sondern zwischen Substanzfetischismus und Schuldkult einerseits, und aesthetischem Empfinden und tieferem geschichtlichen Bewusstsein andererseits (naehmlich dass die dt. Geschichte mehr als nur 12 Jahren beinhaltet)


    Sehr gut beobachtet. Überhaupt ist es m.E. nicht richtig, den gegenwärtigen deutschen Schuldkult für etwas typisch Linkes zu halten. Auch wenn er gegenwärtig eher im linken Spektrum zu finden zu sein scheint, ist er doch in wesentlichen Punkten von einem konservativen Luthertum und einem rechtsnationalen, kollektivistisch-rassischen Nationenverständnis inspiriert (bei Thomas Mann kommt beides zusammen)... nur daß halt dessen Vorzeichen umgekehrt wurden.
    Umgekehrt konnte die deutsche Linke vor '68 mit solchem Schuldkult wenig anfangen (der erste SPD-Vorsitzende Kurt Schuhmacher hat sich beispielsweise gegenüber solchen Vorstellungen immer äußerst befremdet gezeigt und sie mehrfach für abstrus erklärt); er was da eher eine Sache des protestantischen Bürgertums und hat von dort aus dann die Linke "infiltriert" ... und von da aus dann wieder das gesamte Spektrum der Gesellschaft bis in's ansonsten dagegen recht resistente katholische Milieu hinein (zu dem ich mich übrigens, obwohl ziemlich ungläubig, auch zähle).

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    Da hilft es auch nicht, sich nur auf dem Niveau der Bildzeitung zu begeben, wie letztlich bei dieser "Krawalle" beim Gespraech ueber das Historische Museum in Frankfurt am Main. Denn dann wird man von den Entscheidungstraegern und Fachleuten in diese Ecke gesetzt und einfach nicht ernst genommen.


    @ Brandmauer
    Das stimmt nicht! Es war DRINGEND geboten, eine solche Aktion in Frankfurt zu starten, sonst wären wir ins Hintertreffen geraten. Die BILD-Zeitung hat zwar nicht das höchste Niveau, das bestreitet ja keiner von uns, sie ist aber ein Massenmedium, das viele Leute erreicht. Von der Wirkung, die die Telefonumfrage auf die Entscheider hatte, von der wir vorher übrigens gar nichts wussten, das hat die BILD einfach so gemacht, gar nicht zu reden. Dies wurde mit den Plakaten im Historischen Museum sogar noch verstärkt. Ich will jetzt nicht zu viel verraten, aber diese beiden Aktionen sind in Frankfurt wie eine Bombe eingeschlagen und haben bereits viel in unsere Richtung bewirkt.


    P.S.: Wie den meisten Frankfurtern ja bereits bekannt sein dürfte, rechne ich mich zum linken Spektrum, bin aber der einzige im inneren Zirkel der Frankfurter Reko-Anhänger. Mit Parteipolitik hat das in der Tat nichts zu tun. Und noch etwas: Die Meinung "Die alten Häuser waren ja so schön" halte ich nicht für Unwissen oder mangelnde Sachkenntnis, sondern für ein wesentliches Argument!

  • [quote="Philon"][quote]


    Sehr gut beobachtet. Überhaupt ist es m.E. nicht richtig, den gegenwärtigen deutschen Schuldkult für etwas typisch Linkes zu halten. Auch wenn er gegenwärtig eher im linken Spektrum zu finden zu sein scheint, ist er doch in wesentlichen Punkten von einem konservativen Luthertum und einem rechtsnationalen, kollektivistisch-rassischen Nationenverständnis inspiriert (bei Thomas Mann kommt beides zusammen)... nur daß halt dessen Vorzeichen umgekehrt wurden.
    Umgekehrt konnte die deutsche Linke vor '68 mit solchem Schuldkult wenig anfangen (der erste SPD-Vorsitzende Kurt Schuhmacher hat sich beispielsweise gegenüber solchen Vorstellungen immer äußerst befremdet gezeigt und sie mehrfach für abstrus erklärt); quote]


    Genau, diese Begriffe dienen heute eher dazu, andere Leute politisch totzuschlagen; wie wenig sie noch taugen, sieht man bei den sogenannten Grünen, bei denen marxistisches Gedankengut und sehr konservative Haltungen unter einem Markenzeichen zu finden sind. Auch der Nationalsozialismus war originär eine "Linke" Partei, zumindest bis der Strasser-Flügel ausgeschaltet wurde und die SA hat sich mit den Kommunisten geprügelt, das waren die (ideologischen) Gegner.
    Eben, um sich abzugrenzen, wurden die Nazis später als "rechts" bezeichnet; man könnte sich ewig darüber streiten, ob das "Linke" Element nicht überwiegt.


    Jedenfalls sollte man sich über jeden Bürger und Menschen freuen, der sich für ein intaktes Städtebild und eine lebenswerte Umwelt einsetzt und wo er alle paar Jahre sein Kreuzchen macht, sollte uns egal sein. :)

  • sollte man nicht mal eine umfrage deutschlandweit finanzieren, zum thema: modernistische Architektur, traditionelle Architektur?


    Am besten man sucht sich vielgelobte ikonen der moderne in D (Ungers, Chipperfield, Behnisch) und lässt über einen bildervergleich abstimmen.
    10 * diese moderne, 10 * nichtmoderne


    das geht 100% auf ablehnung der moderne hinaus.


    das mit der bildzeitung war ein genialer glücks-coup...

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    @ Brandmauer
    Das stimmt nicht! Es war DRINGEND geboten, eine solche Aktion in Frankfurt zu starten, sonst wären wir ins Hintertreffen geraten. Die BILD-Zeitung hat zwar nicht das höchste Niveau, das bestreitet ja keiner von uns, sie ist aber ein Massenmedium, das viele Leute erreicht. Von der Wirkung, die die Telefonumfrage auf die Entscheider hatte, von der wir vorher übrigens gar nichts wussten, das hat die BILD einfach so gemacht, gar nicht zu reden. Dies wurde mit den Plakaten im Historischen Museum sogar noch verstärkt. Ich will jetzt nicht zu viel verraten, aber diese beiden Aktionen sind in Frankfurt wie eine Bombe eingeschlagen und haben bereits viel in unsere Richtung bewirkt.


    Vielleicht ist die Meinung der Buerger doch maechtiger, als ich einschaetzte.


    Quote

    Und noch etwas: Die Meinung "Die alten Häuser waren ja so schön" halte ich nicht für Unwissen oder mangelnde Sachkenntnis, sondern für ein wesentliches Argument!


    Ich auch! Das ist etwas Greifbares oder direkt Anschauliches, das fuer traditionelle Architektur und Rekonstruktionen spricht. Dem koennen die Modernisten einfach nichts gegenuebersetzen.

  • ...In der LVZ (Leipziger Volkszeitung) ist heute, am Donnerstag den 20.3.08 ein großer Artikel im Magazin über die "Wiederaufbauwelle" in Deutschland. Dabei wird der Blick auch zurück geworfen, als nach dem Krieg die erste Rekonstruktionsphase (Berliner Staatsoper, Herkulessaal in München, Kronprinzenpalais, Franfurter Paulskirche) lief. Der Bogen wird dann gespannt zu aktuellen Projekten (natürlich Dresdner Neumarkt, wie auch Berlin, Frankfurt).


    Überschrift: DAS ALTE WIRD WIEDER NEU GEMACHT
    Vergangenheitsbewältigung, Sehnsucht nach Geschichte, Geschmacksdiktat? In Deutschland ist eine Wiederaufbauwelle ausgebrochen. Neues wird auf alt gemacht, am besten originalgetreu.



    :buchlesen:

    PUBLICO CONSILIO PUBLICAE SALUTI

  • :buchlesen::?: Der Artikel scheint sehr interessant zu sein, da es Rekonstruktionen und traditionelles Bauen in Deutschland als spaeter Wiederaufbau zu verstehen scheint. Das ist angesichts der enormen Zerstoerungen und Verlusten auch die einzig sinnvolle Sichtweise. Aber dafuer muss man sich zuerst das Ausmass der Verluste und Zerstoerungen anerkennen, und das ist in Deutschland bisher nicht auf breiter Ebene geschehen. Vielleicht ist dieser Artikel eine Ausnahme. Auf jeden Fall schlaegt es den Bogen von der Wiederaufbauzeit zur heutigen Wiederaufbauzeit, wo so viel mehr moeglich waere, aus politischen und finanziellen Gruenden.

  • Heute 09.02.2009 · 19:30 Uhr
    Deutschlandradio Kultur


    Deutschlandradio Kultur - Zeitfragen


    Bau mir ein Schloss
    Wollen Bürger historische Gebäude wiederhaben?


    Von Adolf Stock
    Der Wunsch nach Rekonstruktion historischer Gebäude wird immer stärker. Bürger wollen Schlösser, Kirchen und sogar ganze vom Krieg zerstörte Altstädte wiederhaben. Warum ist das so, ist der Wunsch nach der guten alten Architektur ein Krisensymptom?



    Leute vom Fach, Stadtplaner, Denkmalschützer und Architekten sind häufig skeptisch, sie fürchten sich vor einer bunten Kulissenwelt, die sich wahllos im architektonischen Fundus bedient. Doch Rekonstruktionen wie die Dresdner Frauenkirche sind ein Erfolgsmodell.


    In Potsdam und Berlin werden Schlösser wieder aufgebaut, und in Frankfurt am Main wird heftig gestritten, ob am Römerberg historische Straßen und Häuser rekonstruiert werden sollen, was zunächst bedeutet, dass das Technische Rathaus aus den Siebzigerjahren abgerissen werden muss. Wer hat bei solchen Diskussionen die besseren Argumente? Welche Rolle spielen die Kommunen, die am Ende entscheiden, was in unseren Städten gebaut wird? Und warum fällt es Politikern, Fachleuten und Bürgern offensichtlich so schwer, miteinander konstruktiv zu reden?


    Manuskript zur Sendung als PDF-Dokument oder im barrierefreien Textformat

  • Danke für den Hinweis! Habe das Manuskript eben einmal überflogen - Peter Cachola Schmal, Gabi Dolff-Bonekämper, Heinrich Wefing, Christoph Mäckler etc. kommen zu Wort, das Ganze wirkt insgesamt recht ausgewogen....

  • Danke für den Link, LE Mon. hist.!


    Genialer Beitrag, der auch auf die soziopsychischen Gründe eingeht.
    Interessant vor allem folgende Stelle von Christoph Mäckler:


    "Das ist ein grundsätzliches Problem ("Großinvestoren"), wir müssen nämlich zurückfinden zu
    einer Bebauung, die einer Bürgergesellschaft entspricht, das heißt, statt in
    irgendwelchen blöden Fonds zu investieren, gibt es jede Menge Ärzte,
    Anwälte und sonstige Mittelständler, die gerne in der Stadt ein Haus bauen
    würden, aber es wird ihnen politisch gar nicht die Möglichkeit gegeben. Man
    kommt gar nicht auf die Idee, dass man so ein Viertel mit einzelnen Bauherrn
    bebaut und in einzelne Parzellen aufteilt, sondern man geht immer her und
    sucht einen großen Investor und man sucht einfach jemanden, der kräftig
    genug ist, so etwas aus einer Hand zu machen. Und das ist ein
    grundsätzlicher Fehler. Die Kleinteiligkeit, die Parzellierung in der Stadt, das
    ist ein wesentlicher Faktor für das Lebendig-Sein einer Stadt."


    Trifft zum Beispiel auch auf die geplante Brühl-Bebauung in Leipzig zu, dessen Großinvestor mfi nun aufgrund der Finanzkrise wohl ins Stocken gekommen ist.


    Ich würde das Internet mit als DEN entscheidenen Faktor der zunehmenden Reko-Wünsche auf breiter bürgerlicher Ebene nennen.
    Es ist heute für JEDEN möglich, sich Informationen über fast alles zu beschaffen. Zu jeder Zeit und an jedem Ort.
    Man braucht nur bei google ein paar Begriffe eingeben, und schwups sieht man, wie schön es früher am heutigen Ort war.
    Dies war früher nur Fachleuten vorbehalten, die über genaue Kenntnis von Quellen und Kontakten verfügten.
    Das Internet ist die größte Bibliothek der Welt. Auf den ersten Blick vielleicht sehr oberflächlich, auf den zweiten monumental.


    PS: Die Sendung selbst gibts auch zum Download! Als mp3: http://ondemand-mp3.dradio.de/…0090209_1930_9d1ced5a.mp3

    Leipzig - Back to the roots