Artikel zum Thema Rekonstruktion

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    • Re: Artikel zum Thema Rekonstruktion

      Pro und Contra der Rekonstruktion in der Nachkriegszeit am Beispiel des Goethehauses in Frankfurt am Main:
      Goethe-Haus - Es lag die Welt in Scherben
      Alles nachgemacht: Das Goethe-Haus ist eine originalgetreue Kopie des 1944 zerstörten Gebäudes
      Der Goethe-Geburtstag am 28. August 1945 stellte für das Freie Deutsche Hochstift wohl den Tiefpunkt in seiner Geschichte dar. „Noch nie ist der Himmel über uns so sonnenlos gewesen wie heute“, klagte Ernst Beutler, der damalige Direktor des Hochstifts, auf der ersten Mitgliederversammlung nach dem Krieg. Sie musste im Sendesaal des Rundfunks an der Eschersheimer Landstraße stattfinden, denn das Goethe-Haus mitsamt dem Goethe-Museum und den angrenzenden Gebäuden lag in Trümmern. Lediglich das Haus Hochstraße 42, eine Schenkung der Frankfurter Bürgerin Jenny Eyssen, war erhalten geblieben, dort befand sich nun das Geschäftszimmer des Hochstifts. Wie das Hochstift diese schwierige Zeit gemeistert hat und vieles andere aus der Geschichte dieser nun 150 Jahre alten Institution stellt Joachim Seng in seinem im November im Wallstein Verlag erscheinenden Buch „Goethe-Enthusiasmus und Bürgersinn. Das Freie Deutsche Hochstift – Frankfurter Goethe-Museum 1881–1960“ dar.

      Beutler hatte einst gehofft, Frankfurt werde nicht bombardiert werden, weil hier das Goethe-Haus stehe. Doch der Direktor war realitätstüchtig genug gewesen, um dennoch Vorbereitungen für den Ernstfall zu treffen. Auf seine Anweisung hin hatten Mitarbeiter des Hochstifts schon an Goethes Geburtstag im Jahr 1939 damit begonnen, das Museum zu leeren und Bilder aus dem Goethe-Haus nach Oberstedten im Taunus in ein in Frankfurter Besitz befindliches Haus auszulagern.
      [...]

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      (Immanuel Kant)
    • Re: Artikel zum Thema Rekonstruktion

      Dem Fachwerk eine Gasse
      von Dankwart Guratzsch
      Zum Beispiel Frankfurt am Main: Der Streit um den Wiederaufbau zerstörter Altstadtviertel wird schärfer
      Auch so eine schöne Formulierung von Architekten: "Ästhetik des Widerspruchs". Dieses Thema hat seit einiger Zeit Konjunktur beim Bund Deutscher Architekten (BDA), dem renommiertesten Verband von Baumeistern hierzulande. Es geht um die Art und Weise, wie sich moderne Architektur an Altbauten "abarbeiten" soll, wie sie sich neben ihnen in Positur zu setzen und sich zu behaupten habe. Dabei gilt immer noch weitgehend als Konsens, dass es im Umgang mit dem baulichen Erbe vor allem darauf ankomme, mit den historischen Vorbildern "in einen Dialog einzutreten" und sie "in eine neue Formensprache zu übersetzen" - die sich dann allzu oft als Sprachlosigkeit entlarvt. [...]

      Inzwischen geht es längst nicht mehr nur um jene sieben "Knusperhäuschen", die der Verwaltungsapparat den Opponenten gegen die städtische Baupolitik schließlich zähneknirschend zugestanden hatte. Laut Internetseite des Traditionsvereins "Freunde Frankfurts" wird jetzt schon die Zahl von mindestens 16, wenn nicht gar, wie vor dem Zweiten Weltkrieg, 43 neuen Altbauten in spitzgiebeliger Fachwerkeinkleidung anvisiert. Studenten erarbeiteten detailgenaue Computermodelle mit dem Vorkriegszustand für ein ganzes Quartier - und brachen damit gleich noch eine weitere Verteidigungsstellung der Planer auf, nach der man "gar nicht genau" wissen könne, wie Frankfurts Altstadt vor den Bombenangriffen einmal ausgesehen habe.

      Typisch für die Entfremdung zwischen Bauverwaltung und Bürgerschaft ist diese Frontstellung deshalb, weil sie sich an zahllosen Schauplätzen in Deutschland spiegelbildlich wiederholt. In Wesel am Niederrhein, wo die Bürger vor zwei Jahren nach jahrzehntelangem Kampf den Wiederaufbau der berühmten gotischen Rathausfassade erzwungen hatten, will die komplementäre Ergänzung dieses Projekts durch eine Gestaltungssatzung für den in den letzten Kriegstagen total zerstörten Großen Markt bis heute nicht gelingen. Planungs- und Bauamt, in traulicher Eintracht mit dem "Gestaltungsbeirat", zogen ein Hearing mit Fachleuten durch, unter denen die Streiter für die Gestaltungssatzung "keinen einzigen Befürworter von Rekonstruktionen" ausmachen konnten.[...]

      Quelle und Volltext: WELT online
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      (Immanuel Kant)
    • Re: Artikel zum Thema Rekonstruktion

      Der Artikel ist sehr gut! Es ist jämmerlich, aber wirklich fast alle Bürger wollen, ja lechzen nach Rekonstruktionen und die städtischen Bauverwaltungen torpedieren als absolute Minderheit diesen Bürgerwillen an allen Fronten.

      Der heutige Faschismus heißt Bauverwaltung. Und der (ideologische) Geist dahinter gleicht jenem aus den Tagen des 3. Reiches und der DDR. :boese:
      "Man kann einen gesellschaftlichen Diskurs darüber haben, was Meinungsfreiheit darf.Oder man hat Meinungsfreiheit."
    • Re: Artikel zum Thema Rekonstruktion

      Habe ich das etwa als einziger gelesen? Nun denn...

      Bürger sehnen sich nach der guten, alten Stadt
      Von Andreas W. Voigt 4. April 2010, 04:00 Uhr
      Initiativen setzen sich für bauliche Rekonstruktionen ein. Ausgerechnet der Denkmalschutz warnt aber vor Beliebigkeit
      "Frankfurt", sagt Günter Possmann ein wenig wehmütig, "hatte einstmals eine der schönsten Fachwerkaltstädte Deutschlands." Doch im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs gingen die mehr als 1200 Fachwerkbauten bis auf wenige Ausnahmen unter. Der Rest fiel dem modernen Wiederaufbau zum Opfer. Die Stadt Frankfurt "verlor damit ihr geschichtliches Fundament", beklagt Possmann. Der 71-Jährige stellt hauptberuflich Apfelwein her und setzt sich in seiner Freizeit zusammen mit mehr als 1200 Mitstreitern des Vereins "Freunde Frankfurts" seit 2005 für den Wiederaufbau eines Teils der Frankfurter Altstadt ein.

      Nahezu die gleichen Ziele verfolgt der 60 Mitglieder zählende Bürgerverein "Pro Altstadt". Überdies gibt es "zahlreiche Einzelkämpfer, die sich für unser Ansinnen einsetzen und ebenso viele junge und ältere Bürger, sagt Günter Possmann, "die sich nach einem Stück verloren gegangener Altstadt in Frankfurt sehnen".

      Mit vereinten Kräften haben sie etwas geschafft, was vor wenigen Jahren noch undenkbar erschien. Zwischen dem Dom und dem Römer, entlang des alten Krönungsweges, den im Mittelalter zehn deutsche Kaiser im Zuge des Krönungszeremonielles passierten, werden insgesamt 30 Altstadt-Häuser rekonstruiert. Das von den Frankfurtern ungeliebte, in den 1970er-Jahren errichtete technische Rathaus muss dafür weichen und wird derzeit abgerissen. Im Gegenzug baut die Stadt sieben historisch besonders bedeutende Gebäude wie etwa die "Goldene Waage", "Klein Nürnberg" oder das "Rote Haus" bis 2013 originalgetreu wieder auf. Der Rest, so Possmann weiter, werde entweder auch rekonstruiert oder zumindest historisierend wieder aufgebaut.

      Auch in anderen Städten engagieren sich Bürger für den Wiederaufbau historischer Gebäude oder gleich für die originalgetreue Rekonstruktion eines ganzen Altstadtareals. In Berlin und Potsdam sind es Bürger gewesen, die den geplanten Wiederaufbau der beiden Stadtschlösser erst ins Rollen brachten. In Dresden haben Bürger mit überwältigender Mehrheit für die weitgehende originalgetreue Rekonstruktion des Dresdener Neumarktes votiert. Und dass in Hildesheim neben dem berühmten "Knochenhaueramtshaus" nun auch das Fachwerkhaus "Umgestülpter Zuckerhut" neu entsteht, ist zu einem großen Teil auf das unermüdliche Engagement von Hildesheimer Bürgern zurückzuführen. Dabei sind es nicht einmal nur ältere Menschen, die sich nach alten stadtbildprägenden Bauwerken und historisch geschlossenen Stadt- und Ortskernen sehnen. Die Mitglieder des 2006 gegründeten Vereins "Stadtbild Deutschland" sind überwiegend unter 35 Jahre alt. Sie begehren auf gegen "dogmatische Rekonstruktionsverbote", einer "Architektur ohne lokalen Bezug" und "einer Stadtplanung losgelöst vom historischen Kontext". [...]

      Quelle und Volltext: Die Welt
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Re: Artikel zum Thema Rekonstruktion

      Schön, daß wir nun auch in den "Qualitätsmedien" auftauchen, Danke für den Hinweis.

      Der Einwand von Ursula Schirmer, Pressesprecherin der Stiftung Denkmalschutz

      Je mehr Rekonstruktionen entstehen, desto größer ist die Gefahr, dass wirklich historische Bausubstanz nicht mehr geschützt wird, weil sie jederzeit reproduzierbar erscheint

      ist in meinen Augen völlig haltlos. Wir haben ja nun wirklich nicht die Situation, daß die wenigen Rekonstruktionen hierzulande nach dem Prinzip "Abreißen - Einfach neu bauen" erfolgen. Es gibt kein einziges Beispiel, wo derartig vorgegangen wurde. Mir scheint, dieses Argument ist eines der wenigen noch verbliebenen im Repertoire der dogmatischen Rekonstruktionsgegner, und auch das überzeugt nicht mehr.
      In dubio pro reko
    • Re: Artikel zum Thema Rekonstruktion

      Dass ausgerechnet die Stiftung Denkmalschutz "dogmatische Rekonstruktionsgegner" (wie hier ihre Pressesprecherin Schirmer) fuer sich zu Wort kommen laesst betruebt mich ausserordentlich. Diese weithin geachtete Organisation sollte dringend mal in sich gehen und ihre Rolle angesichts der tatsaechlichen Lage ueberdenken. Was ist das ueberhaupt fuer ein Unsinn mit der "wirklich historischen" Bausubstanz die angeblich nicht mehr geschuetzt wird? Eben da sollen die sich gefaelligst reinwerfen, denn das ist ihre wahre Aufgabe!

      @Palantir: Auch von mir vielen Dank fuer den Artikel. :D
    • Re: Artikel zum Thema Rekonstruktion

      Hallo Leute,

      im heute erschienenen SPIEGEL findet ihr einen sehr interessanten und kritischen Bericht über die Entwicklung der deutschen Städte nach 1945. Es ist sogar die Titelstory - "Aus Schutt und Schuld - der unglaubliche Wiederaufstieg der Deutschen nach 1945". Hatte jetzt einen Artikel über alles mögliche erwartet - aber es geht wirklich explizit um Architektur. Absolut lesenswert (und bei einem Blatt mit dieser Auflage auch sicherlich ein paar Leserbriefe wert :zwinkern: )!
      "Willst du eine Stadt vernichten, baue Kisten, Kisten, Kisten!"
    • Re: Artikel zum Thema Rekonstruktion

      "Dirk" schrieb:


      Der Einwand von Ursula Schirmer, Pressesprecherin der Stiftung Denkmalschutz

      Je mehr Rekonstruktionen entstehen, desto größer ist die Gefahr, dass wirklich historische Bausubstanz nicht mehr geschützt wird, weil sie jederzeit reproduzierbar erscheint

      ist in meinen Augen völlig haltlos. Wir haben ja nun wirklich nicht die Situation, daß die wenigen Rekonstruktionen hierzulande nach dem Prinzip "Abreißen - Einfach neu bauen" erfolgen. Es gibt kein einziges Beispiel, wo derartig vorgegangen wurde.


      Nun ja, in Einzelfällen leider doch: architekturforum.net/viewtopic…92ae25ec0092b4d4&start=36 Und doch zeigt gerade dieses Beispiel, daß der Einwand von Frau Schirmer so eben nicht stimmt - denn es ist ja kein Zufall, daß das gerade in einer Stadt passiert, in deren Verwaltung der Denkmalschutz ohnehin einen schweren Stand hat, daß der Abbruch sogar von der dortigen Denkmalschutzbehörde verteidigt wurde und daß eben diese Behörde den Nachbau selbst gefordert hat (der noch dazu in den Maßen verfälscht sein wird), um im Grunde nur über ihr eigenes Versagen hinwegzutäuschen. Und es ist auch kein Zufall, daß dies dort bereits der zweite Fall seit 1967 ist, daß ein wichtiges, originales Kulturdenkmal gegen den erheblichen Protest der Bevölkerung abgerissen und durch eine nicht sehr glückliche Nachahmung ersetzt wird - während ergänzende Rekonstruktionen kriegsbeschädigter Bauten (Kuppel auf Schloß Wilhelmshöhe, Karlshospital etc.) von der Bevölkerung vergeblich gefordert und von einschlägigen Kreisen als "Geschichtsverfälschung" verunglimpft wurden (wobei dieselben Kreise im Falle von Abbruch und Nachbildung eigenartigerweise ihren Mund halten).

      Man könnte als Folgerung daraus sogar die Gegenthese aufstellen: Wer sich gegen Rekonstruktionen wehrt, hat auch kein echtes Interesse an historischer Baukultur und Bausubstanz und gibt sie bedenkenlos preis; wer sich dagegen ernsthaft für fachgerechte Wiederherstellungen einsetzt, ist mindestens ebenso auch am Erhalt echter historischer Bauwerke interessiert. - Das ist zwar genauso Schwarz-weiß-Malerei, wie sie Frau Schirmer betreibt, macht aber im Grunde die Absurdität solcher Argumentationen deutlich, weil die jeweiligen Beweggründe und Zusammenhänge wesentlich komplexer sind. (Vielleicht sollte man ihr ja mal mitteilen, was einzelne Denkmalschutzbehörden so treiben...)
    • Die Sehnsucht der Deutschen nach der alten Zeit....

      Hallo,

      heute in der Onlinausgabe der Welt gelesen.

      Die Sehnsucht der Deutschen nach der alten Zeit


      Viele haben kein Vertrauen in moderne Architektur und treiben den Wiederaufbau ihrer zerstörten Altstädte voran. Touristen sind begeistert, Kritiker sprechen von "Disneyland".

      Nicht ohne Stolz steht Torsten Kulke vor dem Barock-Haus in der Rampischen Straße 29 mit seinen durch Segmentsbögen und Dreiecksgiebelverdachungen hervorgehobenen Fenstern, nur einen Steinwurf weit von der Dresdener Frauenkirche entfernt. Der 47-jährige Versorgungstechniker ist stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden (GHND), ohne die es den Wiederaufbau des Dresdener Neumarktes wohl nicht gegeben hätte.

      [...] In Frankfurt am Main war das einstige Herzstück der im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstörten Frankfurter Altstadt zwischen Dom und Römer "über Jahrzehnte eine Art Bauausstellung für zeitgenössische Architektur“, sagt Jürgen Aha – für ihn ein Ärgernis. Er ist Initiator des "Altstadtforums“, eines Zusammenschlusses mehrerer Bürgervereine, die sich für den Wiederaufbau der Kernaltstadt Frankfurts starkmachen. Dort wo einst reich verzierte Fachwerkbauten den sogenannten Krönungsweg säumten, "wurde in der Nachkriegszeit permanent aufgebaut, abgerissen und wieder aufgebaut“, sagt Aha. Zuletzt wurde das "Technische Rathaus“, ein großflächiger Bau aus der Waschbetonära abgeräumt, um Platz zu machen für den vom Altstadtforum durchgesetzten Wiederaufbau des Dom-Römer-Areals im historischen Erscheinungsbild. Die Rekonstruktion von acht Fachwerkbauten hat die Stadt bereits zugesichert. Für die restlichen 28 Grundstücke suchen die städtische Dom-Römer GmbH und das Altstadtforum derzeit Investoren....

      [...] Von der Dresdener Altstadt führt der Weg über die Elbe direkt auf den Neustädter Markt, einen der ehemals bedeutendsten Plätze der Stadt. Nur die Statue August des Starken, der hoch zu Ross sich den Weg in die sich anschließende Innere Neustadt bahnt, erinnert hier noch an die Vorkriegszeit. Die den Platz querende Große Meißner Gasse wurde nach demKrieg im Zuge der verkehrsgerechten Stadt zugunsten des Autoverkehrs auf sechs Spuren verbreitert. Plattenbauten begrenzen die einstige Platzanlage und schirmen das dahinter liegende noch gut erhaltene Barockviertel hermetisch ab. "Wie vor dem Krieg möchten wir die Straße deutlich zurückbauen und die Plattenbauten langfristig durch kleinteilige und abwechslungsreiche Neubauten ersetzen, um so dem Platz seine ursprüngliche Fassung zurückzugeben“, fordert Torsten Kulke.

      [...] Doch gegen die Pläne des Dresdener Bürgervereins formiert sich Widerstand. "Nur weil eine Neubebauung in den Augen vieler Betrachter vermutlich schöner ausschaut, ist dies kein Argument für den Abriss der Plattenbauten“, meint Alexander Pötzsch, Architekt und Mitglied der "Zeitgenossen Dresden e.V.“, einer Initiative Dresdener Architekten und Stadtplaner, die für mehr Mut zur zeitgenössischen Architektur in der Elbmetropole wirbt.

      Weiter bei: Die Sehnsucht der Deutschen nach der alten Zeit

      XFlipX
    • Telepolis hat das Thema auch entdeckt:

      Einfach wieder aufbauen - darf und soll man das?
      Seit der deutschen Wiedervereinigung häufen sich die Rekonstruktionsprojekte: In vielen Städten scheinen die Bürger mit den architektonischen und städtebaulichen Ergebnissen der Aufbaujahrzehnte zunehmend unzufrieden zu sein und wünschen sich die Stadtbilder aus Vorkriegszeiten zurück. Architekten und Denkmalschützer befürchten eine Entwertung der verbliebenen authentischen Baudenkmäler und ein Abgleiten in die historische Beliebigkeit.

      Quelle: heise.de/tp/r4/artikel/34/34372/1.html
    • Falk Jaeger wettert gegen Retro-Architektur in Frankfurt

      Sächsische Zeitung [online] - Kultur: Säule und Gebälk fürs Zeitalter des Internets
      Säule und Gebälk fürs Zeitalter des Internets

      Von Falk Jaeger Frankfurt am Main eifert Dresden nach und macht die gleichen Fehler. Auch dort soll Altstadtidylle neu gebaut werden.
      Ein, wenn auch selten gewordener kritischer Kommentar. Persönlich greift er Kollhoff an:
      Die Speerspitze der Nostalgiker bildet ...Architekt Hans Kollhoff, der in Frankfurt mit einem Eckgebäude einen der... Preise errang. Was... erschrickt, ist die hemmungslose Verbalhornung der Baugeschichte. Auf einen Sandsteinsockel mit unhistorisch querrechteckig proportionierten Schaufenstern (!) setzt er drei wie bei einem Fachwerkhaus überkragende, weiß verputzte Geschosse. An der Längsseite Fenster mit T-Teilung des 19. Jahrhunderts, an der Schmalseite bodentiefe Französische Fenster und im gebusten, glockenförmigen Renaissancedach eine Gaube mit Palladiomotiv. Gekrönt wird die skurrile Melange von einem achteckigen Barocktürmchen.
      Der Entwurf würde mich doch sehr interessieren.
    • Siehe hier:

      Das DomRömer Projekt :: Hühnermarkt 22 (optionale Rekonstruktion)

      Ich finde den Entwurf recht überzeugend. Die französischen Fenster werden hier zur modernen Ausbildung eines Risaliten benutzt, die übrigen Eigenschaften zitieren die des historischen Vorgängerbaus. Was insgesamt an dem Entwurf so schlecht ist, vermag der gute Herr Jaeger ja auch nicht so recht zu artikulieren. Man könnte seinen Beitrag beinahe als Plädoyer pro Rekonstruktion lesen. :lachen:

      P.S.: Kann einer von der Technik hier mal diese saudämliche automatische Umwandlung der Links abschalten? Von hundert Foren im Internet ist das das einzige mir bekannte, das sowas macht... :daumenunten:
    • Tja, die in realiter politisch durchsetzbaren Entwürfe werden gandenlos niedergemacht, das kennen wir ja von Dresden. Man könnte meinen, wie oben bereits angeklungen, dass dem guten Herrn Jäger nur eine echte Rekonstruktion lieb ist. Dass dem nicht so ist, braucht man hier niemandem zu erzählen. Bei soviel Heuchelei wird mir übel!
      "Ich denke an Wien, so wie Sie an Brüder, an Freunde denken, die jetzt an der Front sind. Nun sind sie fern von Ihnen und Sie wissen sie in Gefahr, ohne ihnen beistehen, ohne diese Gefahr teilen zu können" - Stefan Zweig 1940
    • Traditionalismus

      Telepolis - Traditionalismus als kulturelle Prägung?

      Wie selbstverständlich stehen sie nun da, in Berlin und andernorts: Klassizistisch angehauchte Villen, frei von postmoderner Ironie und fraglos identifizierbarer Zeitgenossenschaft. An allen Orten in unserem Kulturkreis, von der Urban Renaisssance eines Gabriele Tagliaventi über das englische Poundbury bis zum amerikanischen New Urbanism, zieht sich ein Netz zusammen, in das ein recht distanzloses Verhältnis zur Vergangenheit tief eingewoben ist. Muss man dies als ästhetischen Ausdruck einer gesellschaftlichen Regression lesen? Oder ist der Traditionalismus, ganz im Gegensatz zu seinem Gehabe, gar nicht so unzeitgemäß?

      [...]
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller
    • öffentliche Räume

      Ästhetisch oder authentisch?

      Dass ihre Plätze die "lächelnden Augen" einer Stadt darstellen, ist eine so eingängige wie zutreffende Metapher, die gleichwohl an der Wirklichkeit erheblich gelitten hat. Bleibt man im Bild, dann wird man nämlich konstatieren müssen, dass viele dieser "Augen" leider "blind" geworden sind: Ohne klare räumlich Fassung, gefräst durch überbreite Straßen, von Autos entweder durchbraust oder zugeparkt, ungastlich und bar jeglicher Aufenthaltsqualität. Wer setzt sich schon gerne auf den Innsbrucker Platz in Berlin, um ein Buch zu lesen? Wer möchte seine Kinder zum Spielen zum Sendlinger Tor in München schicken? Und wer mag den Kölner Neumarkt zu einem frühsommerlichen Sonnenbad nutzen? [...]


      statt authentisch hiese es besser autistisch... :augenrollen:
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller
    • Kaltenbrunner: Stadt als (vergessenes) Sinnversprechen

      Ein bemerkenswerter Text von Robert Kaltenbrunner in Telepolis, das Online-Magazin aus dem Heise-Verlag, eine Annäherung an die Wiederentdeckung stadtprägender Architektur und die Rekonstruktionsszene:

      Im landläufigen Sinne geht es dabei um die Sicherung historischer Kontinuität - in der Substanz und im sichtbaren Bild. Dass der Traditionalismus eine neue Dynamik und Größenordnung erreicht ... erscheint deshalb wenig überraschend. Stadtgestaltung mag anknüpfen an einzelne, besonders bedeutende Bauwerke von historischer Aussagekraft, an das bauliche Gesamtgefüge im Sinne des Ensembles, aber auch an die Erhaltung von Stadtgrundriss und Raumfolge bei weitgehender Veränderung der Gebäude. Geschichtliche Kontinuität schließt indes auch Ehrlichkeit gegenüber der Gegenwart ein: Geschichte lässt sich weder anhalten noch zurückdrehen. Das wiederum spricht gegen eine Art von Anpassungsarchitektur, die den Eindruck zu erwecken sucht, als handele es sich um historische Substanz. Und für eine Aneignung der Geschichte mit den Mitteln (und Formen) von heute.


      Er folgt ein Plädoyer für das Stadtbild:
      Durch stadtgestalterische Maßnahmen lässt sich die public domain zwar nicht ersetzen; gleichwohl aber braucht es die Rückgewinnung eines mit den Sinnen erfahrbaren Stadtraums. ...Nicht nur Architekten und Planer, auch Bürger sollten sich endlich (wieder) als das begreifen, was sie auch sind: Nämlich Subjekte und Akteure im Prozess der Stadtbildung und -gestaltung.


      Auch verwiesen sei auf ältere Artikel von ihm:


      Ich finde, wir sollten uns näher mit dem Argument der "Anpassungsarchitektur, die den Eindruck zu erwecken sucht, als handele es sich um historische Substanz" beschäftigen, weil dieses Argument immer wieder in den Debatten auftaucht, und aus der klassisch denkmalpflegerischen Tradition entspringt. Spontan fallen mit da künstliche Ruinen ein, die den Eindruck erwecken, sie seien Überreste von einer historischen Bausubstanz aber in Wahrheit nur romantische Epitaphen. Das Argument gegen die plastische Chirurgie am Stadtkörper nimmt diesem nämlich das Recht die Wunden zu schliessen, die Kriegsvernichtung gerissen hat. Kaltenbrunner regt zu einer offenen Debatte an, indem er die rekonstruktionistischen Bestrebungen ernst nimmt und anregend diskutiert.
    • Zwei interessante Artikel aus der Welt

      Vielleicht ganz interessant:

      Architekten-Streit: Wieviel "Veraltertümelung" vertragen unsere Städte? - Nachrichten Kultur - WELT ONLINE

      Städtebau: In Ostpreußen werden die Altstädte neu erfunden - Nachrichten Kultur - WELT ONLINE

      Mein Lieblingszitat aus dem ersten Artikel:
      Malgorzata Olimanowska von der Polnischen Akademie der Wissenschaften behauptete, die jungen Polen säßen die ganze Nacht am Computer, suchten im Netz nach alten Gebäuden und fragten, was man noch wiederaufbauen könnte. Das Motto sei: „Ach, war die Stadt schön!“
    • Beachtenswert hirnverbrannt finde ich ja dieses Zitat aus dem ersten verlinkten Artikel.
      Seine Kollegin Gabi Dolff-Bonekämper forderte Respekt auch vor Verlusten ein: "Zählen nicht auch sie zum Erbe? Sind sie nicht das eigentlich Zusammenhaltende?"
      Ein Erbe, welches überwiegend aus Verlusten besteht, wird in der Regel ausgeschlagen.
      Aber im Ernst: Hätte das Erbe der (Bewahrung der) vernichteten Warschauer Altstadt eine Wirkung des Zusammenhalts für die Polen gehabt. Doch wohl nur gegenüber den Deutschen?
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)