Kritik der modernen Ästhetik

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    Jahreshauptversammlung 2019: 1. und 2. Juni in Balingen/Zollernalb. Mach mit!

    • Oh Gott! Hoffentlich liest dies nicht auch unsere Dresdner Gestaltungskommission!

      Die könnten ja doch noch auf die Idee kommen, sich beim Hotelbau in der Rampischen auf die Traufe des fertigen Objekts zu stellen und a la Aktionskünstler alle gleichzeitig ihre Hosen herunter zu lassen und schön gleichmäßig ihre in der Konsistenz unterschiedlichen Fäkalien quasi und hierbei als Ornamente tituliert, das Gebäude von oben herab fallen zu lassen und somit einen unverwechselbaren Akzent und obendrein mit persönlicher Note versehenen Fäkalitär zu kreieren.

      Dann kommt auch gleich die Denkmalpflege und möchte diese für ihre Zeit typische Ornamentierung gleichfalls unter Schutz stellen, da ja einzigartig. Da jedoch die Fassade der Witterung ausgesetzt ist, muss jedes Jahr im Frühjahr das Prozedere neuerlich stattfinden. So erhält die Fassade ihre eigenwillige Dynamik, typische für die Hand...ähhm..Poschrift seiner Schöpfer.

      :gg:
      Weniger EU ist mehr Europa!








    • Die Baseler Ausstellung

      Es heisst:

      Die Sehnsucht könnte größer nicht sein, nach dem Alten, nach barocker Pracht, klassizistischer Größe, nach Fachwerkgemütlichkeit. Ein heftiges Rekonstruktionsfieber hat die Republik erfasst, überall werden Schlösser, Kirchen und Bürgerhäuser im alten Stil neu erbaut. Wer nach den Gründen für die Retrolust fragt, bekommt meist eine Antwort: Die Architektur der Gegenwart sei schuld, zu viel Glas und Stahl und Nacktbeton, zu kalt, zu herzlos. Tatsächlich lässt sich nicht bestreiten, dass vieles von dem, was heute gebaut wird, banal und nichtssagend ist.


      Überall??? Retrolust??? Ausserhalb Dresden gibt es doch wenig Retro oder? Ja in Warschau oder Danzig. Die Polen schaffen es wenigstens.

      Es könnte sogar unter die Modernen einigen geben die nackte Wände etwas anders gestallten dann früher der Fall war aber es sieht noch immer wenig stimmig, harmonisch, romantisch oder intim aus.

      Wenn man die alte Farbenbilder der Potsdamer Graben mit schönen Kandalaber und Häuser mit stimmige Mansardedächer sieht dann kommt doch sofort die Sehnsucht hoch nach dieser herrlichen Architektur.

      Dass ist auch wahr für die einstige Prachtstrassen Dresdens, die einstige Altmarkt (wie hat man diese prächtige Platz so verunstallten können??) aber auch das Herz Berlins, die alte Leipzigerstrasse, die wunderbare alte Plätze des vernehmen Westens (z.b. Prager Platz oder die Savigny Platz).
      Diese Bilder mit schönen grünen Platzanlagen kommen vor wie aus dem Paradies.

      Auf Komputer simulationen des alten Regierungsviertel in Berlin (kann man so bestellen) kommt dieser Welt vor wie aus ein Märchen!!!!

      Deswegen sollen in Dresden (einige der) alten Prachtstrassen wieder entstehen. Dann erst hat Deutschland sich etwas geheilt vom Wunden der II. Weltkrieg.

      Gerade in der Rekonstruktion der Vergangenheit befindet sich die Heilung. Das steht vollkommen neben der Schuldfrage.

      Noch mal zurück nach Würzburg wo wieder solch einer modernistisches Ungetüm an die Ecke der Schönbornstrasse droht!!!!
    • Re: Kritik der modernen Ästhetik

      Keine Ahnung - ich packs einfach mal hier herein:

      Letztes Wochenende besuchten wir das Bauhaus in Dessau. Den Tempel der "Moderne".Wer dort als Lehrling anfangen wollte, mußte alles an traditionellem Wissen ablegen, was er bis dahin vermittelt bekommen hatte, sei es Architektur oder Kunst. Der Bruch eben. Soll ja heute noch vorkommen. Im Zimmer des Chefs wurden wir ehrfürchtig auf eine Vertiefung in der Decke über dem Schreibtisch von Gropius aufmerksam gemacht.Dies sei ein negatives Podest - hier sitzt der Chef. Aber nicht darauf sondern darunter- verkehrte Welt. Provokation. Solch eine Vertiefung gibt es nur an dieser Stelle. Dann das übliche "Form folgt der Funktion" usw. Und was mußten wir dann feststellen? Das Waschbecken in Gropius`Büro war in einem Wandschrank versteckt. Der Form wegen. Des besseren Aussehens wegen. Das wurde auch ausdrücklich so von unserer Führerin gesagt.Sieh an. Tata. Die Form ist Funktion. Selbst im Bauhaus gibt es sowas.

      Das Bauhaus selbst war nur ein Experiment...mit der ersten Teerstraße Deutschlands. Damals sensationell. Heute allenfalls Durchschnitt.

      Aber ein paar nette und auch ästhetische Möbelstücke hatten die dort...
    • Re: Kritik der modernen Ästhetik

      Die Väter der Kulisse
      Star-Architekten machen die Städte austauschbar
      GERHARD MATZIG

      Quelle:
      http://www.sueddeutsche.de/953382/077/2738783/Die-V-aeter-der-Kulisse.html\r
      www.sueddeutsche.de/953382/077/2 ... lisse.html



      Die Väter der Kulisse
      Star-Architekten machen die Städte austauschbar


      Was haben Bad Oeynhausen, Untereisenheim und München gemeinsam? Sie spielen in einer Liga - was Prominenz-Architektur mit eingebautem Spektakelwert angeht. In Bad Oeynhausen, der lieblichen Kurstadt am Südrand des Wiehengebirges im ostwestfälischen Kreis Minden-Lübbecke, steht seit geraumer Zeit ein von Frank O. Gehry veredeltes Blockheizkraftwerk. Untereisenheim, das Weinparadies an der Mainschleife, punktet dafür mit einem von Friedensreich Hundertwasser gestalteten Weingut. Und München balzt um Norman Foster, den man sich gleich im Doppelpack gönnen möchte. Beim umstrittenen Umbau des Lenbachhauses soll Foster demnächst demonstrieren, dass er von den stadträumlichen Zusammenhängen an Ort und Stelle nicht viel begriffen hat. Und nun hat auch noch das Deutsche Museum glücklich vermeldet, dass es gelungen sei, den vielgerühmten Baukünstler aus Londondubaimoskau als Berater zu gewinnen.

      Wenn der Museumschef erzählt, dass er mit dem "Partner" Foster öfter mal an einem Tisch sitze, dann ist der Stolz auf diese unerhörte Nähe zu den Größten der Großen der Baubranche kaum zu überhören. Der Starkult in der Baukultur wird immer geräuschvoller und lässt sich von PR-Umtriebigkeit nicht mehr ohne weiteres unterscheiden.

      Im Zeitalter der Verstädterung, in dem die Wertschöpfung einiger Städte schon so manches nationale Bruttoinlandsprodukt hinter sich lässt, geraten die urbanen Zentren in eine Konkurrenzsituation, die auch eine mediale ist. Auch sie unterliegen offenbar der "Ökonomie der Aufmerksamkeit" (Georg Franck). Deshalb entdecken die kommunalen Entscheider zunehmend die Bedeutung der "Corporate Architecture". Sie kaufen sich architektonische Labels, damit in der Zeitung stehen kann: Die Stadt A habe den "Star-Architekten" B verpflichtet, der übrigens auch schon in C gebaut habe, während in D noch überlegt werde, ob man sich den E, der aber gerade mit F verhandelt, leisten könne. Die Stars müssen dann nur noch zusehen, dass die Vielfliegermeilen nicht verfallen.

      Es muss komisch sein, wenn sich auf dem deutschen Städtetag die Bürgermeister treffen, um sich gegenseitig zu übertrumpfen: Christian Ude kann etwa zwei Herzog-und-de-Meurons, zwei Coop-Himmelb(l)aus und demnächst vielleicht einen gebauten und einen beratenden Foster ins Feld führen, während Düsseldorf (Kö-Bogen, auch das eine aktuelle Sensationsmeldung) um Libeskind buhlt, Wolfsburg aber schon lange eine Hadid besitzt.

      Mal Schuhe, mal Schokolade

      Architektur ist eine internationale Kunst: Warum also sollte sich die Globalisierung ausgerechnet auf diesem Terrain zugunsten eines Regionaldenkens zurücknehmen, das ja auch immer furchtbar provinziell wirkt? Vielleicht deshalb, weil uns schon der "International Style" austauschbare Stadtansichten in aller Welt beschert hat, weil Bauen immer nur im lokalen Kontext mit viel Ortskenntnis zu wahrer Größe findet - und vielleicht auch deshalb, weil man den Jetset der Architektur erfahrungsgemäß eher zu Presseterminen als zu Planungsgesprächen motivieren kann. Die Ausführung der Schauwert-Architektur wird außerdem oft delegiert an lokale Statthalter aus der zweiten Reihe - als sei der Bau selbst eine lästige Zutat zur Star-Architektur, die auch immer öfter aus suggestiven Computersimulationen und später aus wenig überzeugenden Details besteht.

      Die in aller Welt herumgereichten Promi-Architekten garantieren nicht immer großartige Architekturleistungen: Die Schuhkollektion, die Zaha Hadid gerade für Lacoste entwirft, muss man erst mal abwarten. Ihre Möbel sind schon überflüssig genug, in Berlin aber steht seit langem ein Hadid-Wohnblock, der zu den hässlichsten und dysfunktionalsten Architekturen der Stadt gehört. Auch die Firma Nestlé ist mit der Schokoladen-verpackung, die sich Jean Nouvel für die ehrwürdige Marke Cailler ausgedacht hat, gestrandet: Der Umsatz brach um die Hälfte ein, denn kaum jemand wollte die Nouvel-Schokolade. Vielleicht wären manche Bauten von Hadid, Nouvel & Co. besser, wenn die Architekten nicht so sehr damit beschäftigt wären, als Partner für dies und das an irgendwelchen Tischen in aller Welt herumzusitzen.

      So lange Norman Foster noch keinen Herrenduft entwerfen muss, wird er hoffentlich noch etwas Zeit für seine Beratungstätigkeit am Deutschen Museum in München erübrigen. Als Model für Rolex soll er sich ja auch wieder zugunsten der Architektur zurückgenommen haben. Kommt Zeit, kommt Rat: Das ist dem Deutschen Museum zu wünschen. Und dem Lenbachhaus ebenso. Dort sollte man sich die Foster-Pläne mal etwas genauer ansehen. Nicht jedes Label schmückt auf Dauer.

      Das mussten übrigens auch einige Mitglieder des Deutschen Bundestags erfahren, die es mal gewagt hatten, sich die Möbel im von Norman Foster umgebauten Reichstag selbst auszusuchen. Foster sah sein Urheberrecht geschmälert und klagte gegen den Deutschen Bundestag auf Unterlassung. Marken wissen eben, wie man zur Marke wird. Schade, dass jetzt auch eine Stadt wie München, die selbst eine Marke ist und über viele herausragende Architekten verfügt, auf die Kulissenschieberei der internationalen Architekturmarken hereinfällt. GERHARD MATZIG


      "Europa wurde von den Bürgern erbaut und von den Proleten zerstört."
      - Sándor Márai
    • Re: Kritik der modernen Ästhetik

      Ich hole mal diesen alten Faden hervor. Denke dieser Videolink paßt auch hier herein und nicht nur zum Thema Stuttgart 21:

      Hier eine schneidend, scharfe Rede zur Wiedergewinnnung eines menschlichen Städtebaus und die treffend vernichtende Abrechnung mit den Investorenorientierten, seelenlosen Architekturauswüchsen derzeitiger Stadterweiterungen von Joe Bauer, Kolumnist bei den Stuttgarter Nachrichten, gesprochen auf der letzten Montagsdemo, am 31.01..
      Sehr sehenswertes Video, das Ihr Euch reinziehen solltest, da es unserer Argumentationslinie für die Würdigung der architektonischen Werte der alten europäischen Stadt voll entgegen kommt! :D
      Es tut sich was im städtebaulichen Bewußtsein in Stuttgart!!!

      http://www.kopfbahnhof-21.de/index.php?id=706\r
      www.kopfbahnhof-21.de/index.php?id=706

      runterscrollen, letztes Video auf der Seite!
    • Nachdem bei uns in Österreich das Land im Schneechaos mutmaßlich aufgrund der "globalen Erwärmung 8) " untergeht, habe ich in der Zeitung nachfolgendes Foto gesehen, wo bereits das Militär einberufen wurde, unzählige Flachdächer von den meterhohen Schneemassen zu befreien - dieses Flachdach ist übrigens kurze Zeit später trotzdem eingebrochen...


      krone.at

      Zum Glück sind die Soldaten rechtzeitig und heil herunter gekommen, sonst hätte dieses Flachdach auch hier wieder Engel gemacht. Man kann es ruhig laut sagen: Flachdächer sind in unseren Gefilden lebensgefährlich! :lehrer: Vielleicht wecken die aktuellen Ereignisse den einen oder anderen Architekturstundenten aus seinem Wachkoma auf, bevor er vollends indiktriniert wurde. Es wird schon mehere Gründe gegeben haben, weshalb unserer Vorfahren bei uns stets Steildächer ausgeführt haben ;) .
      Weniger EU ist mehr Europa!








    • Mal ein linksradikaler Beitrag zur Architekturdebatte. Damit man weiß, was von dieser Seite propagiert wird. "Jungle World" ist eine Linksabspaltung der einstigen FDJ-Zeitung "junge welt" und vor allem Heimat der "antideutsch" ausgerichteten intellektuellen Linken. Der Autor Felix Schilk promoviert an der TU Dresden im Rahmen eines Promotionsstudiums der Hans-Böckler-Stiftung, Studienförderungswerk des DGB. (siehe hier)

      Eine Kritik linker Debatten über das »gute Wohnen«
      Für einen modernen Urbanismus
      Linke Debatten über das »gute Wohnen« erschöpfen sich meist in defensiven Forderungen, wie der nach bezahlbarem Wohnraum. Eine linke Wohnungspolitik muss ihre eigenen vier Wände verlassen.
      jungle.world/artikel/2018/11/f…ernen-urbanismus?page=all
    • Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das hierher gehört, es geht um das Versagen der sog. Designarchitektur, die eben keine Architektur ist, weil sie den Gesetzmäßigkeiten des Bauens in tektonischer, konstruktiver, technischer und geistiger Hinsicht vollkommen zuwiderläuft und entsprechend negative Ergebnisse zeitigt. Hier als Exempel die Freiburger Universitätsbibliothek von 2015.
      Man verkaufte den Entwurf als einen geschliffenen Diamanten - weil der Kern des Vorgängerbaus aus den 1970er Jahren in leicht reduzierter Form erhalten blieb und eine neue, eigenwillig-polygonale Glashülle bekam








      Über die städtebauliche Wirkung dieses skulpturalen Solitärs kann sich jeder seine Meinung bilden:



      Schon kurz nach der Fertigstellung stellte man fest, dass die Autos bei einem gewissen Sonnenstand durch die Reflexion des Glases geblendet werden, so dass temporär immer eine große Folie vorgespannt wird.







      Darüber hinaus haben sich nun nach bereits vier Jahren die geklebten Alu-Schienen gelöst. Das Glas, das nach außen schwarz wirkt, kondensiert innen und wird fleckig; zum Teil lugt, wie ich heute sehen konnte, schon das Isoliermaterial hervor.



      Das Innere ist ziemlich kalt - eine Lernfabrik aus Sichtbeton.







      Zum Vergleich am Schluss einer der (leider nicht mehr erhaltenen) Lesesäle der Alten UB und deren noch weitgehend erhaltener Außenbau.