Hamburg - Freie und Abrissstadt

  • Der Spekulant wird mit Watte beworfen. Das weiss er und lacht ueber Politiker. Soll er eine Mal in andere Staaten machen. Aber dort wuerde er sich nicht trauen. Zahnlose und blinde Krokodil ist Deutschland und das nutzen viele aus. Schade um diese schoene Haus. Nun ist es halt weg...

  • Unfassbar. Ergänzend sei noch auf dieses Bild hingewiesen. Man erkennt dass der betr. Bau der einzige verbliebene Altbau in einer Reihe öder, belangloser Gegenwartsarchitektur ist. Wo bleibt das Veto der Denkmalschützer??

    „Die Freiheitsliebe ist bei den Deutschen nicht entwickelt“ (Madame de Stael)

    „Die Frage ist nicht, was wir dürfen, sondern was wir mit uns machen lassen“ (Nena)

  • Ich bin einfach nur entsetzt.


    Die Hafenkante wird endgültig zum gesichtslosen 0815 Neubaugebiet. Und das liegt nicht am Krieg - die Gebäude waren fast alle erhalten, es wurde einfach schleichend über Jahrzehnte eines nach dem anderen abgerissen.

  • Man wundert sich, wieso dieses Schmuckstück an dieser Stelle nicht unter Schutz steht. Ganz links in der Reihe, steht auch noch der Rest von einem Altbau. Den wird es sich auch noch irgendwann erwischen.


    (...) Das 5-geschossige Bestandsgebäude soll abgebrochen und durch einen attraktiven Neubau ersetzt werden. (...)

    Da haben wir ja Glück, daß der hässliche Klotz endlich weg kommt und durch einen attraktiven Neubau ersetzt wird. Dieser Neubau hat dann auch gleich 7-8 Geschosse. Da lässt sich natürlich viel mehr Kohle rausquetschen.


    Auf folgendem Bild sieht man die städtebauliche Wirkung des Hauses Johannisbollwerk 10. Dieses typische weiße Hamburger Haus, wird auf jeden Fall fehlen. Da ist es auch kein echter Trost, daß das neue Gebäude ebenfalls weiß werden soll.


    https://www.premium-properties…bollwerk/img/objekt-1.jpg

  • Der geplante Neubau findet sich hier

    Auf der verlinkten Seite kann ich keinen attraktiven Neubau finden.


    Der Bestandsbau sieht aber wirklich arg heruntergekommen aus. Und ist schon 100 Jahre alt. Da kann ja ein Erhalt kaum wirtschaftlich sein.


    Ohne Worte was da in Hamburg passiert. Back to the Seventies (Oh Entschuldigung - Englisch wird ja von der Moderation nicht gern gelesen).

  • Hamburg hat noch viele schöne alte Gebäude. In Köln ist es ganz anders, rund 85% des Bestandes um 1930 sind vernichtet.

  • Die grösste Verlierer an historischer Bausubstanz anno 2020 im % sind nun einmal: Köln (1. Stelle), Berlin, (2.Stelle), Dresden (3.Stelle), Magdeburg 4.Stelle), Hamburg (Aussenviertel), Hannover, Mannheim (Innenstadt), Kassel und Chemnitz (Innenstadt), abgesehen von schwerstens zerstörten Königsberg und Aussenviertel Breslaus.


    Deswegen wird Köln auch immer genannt und weint man bei Vorkriegsbilder von Berlin, Dresden oder Magdeburg.

  • Stuttgart gehört sicher auch dazu, etwa gleichauf mit Hannover und Mannheim. Dresden, Kassel und Magdeburg haben prozentual sicher weitaus mehr Bausubstanz verloren als Berlin.

    In dubio pro reko

  • Berlin ist noch recht gut erhalten, in vielen Kiezen könnte man meinen, es habe nie den Krieg gegeben.

  • Solinger ja, in einige Kiezen (Stephans Kiez, Bergmann Viertel) doch, aber zu viele erhalten Häuser (Wohnbezirke) haben alle Pracht und Schnorkel verloren und sehen nicht "reich bestuckt" aber eher desolat aus. z.B. die Sonnenallee in Neukölln war vor dem Krieg eine Pracht Strasse, heute ist davon wenig übrig. Nur am Landwehrkanal stehen noch einige Prachtbauten....

    In der Mitte Berlins ist die einst so reich ornamentierte und sehr dichte Bebauung kaum noch zu finden. So haben die Mitte UND Aussenbezirke Berlins schwerstens eingebüsst im Vergleich mit dem Vorkriegszustand.

  • Ja, besser ist der neue Entwurf auf jeden Fall. Das ist aber auch nicht schwer. Er ist allerdings unschönerweise auch viel höher - ganze 5 Stockwerke mehr, wenn ich richtig gezählt habe.


    Und neu ist an dem Entwurf leider nicht viel - der Architekt hat schlicht bei sich selbst abgekupfert, siehe hier. Steht bei mir um die Ecke, daher fiel mir das sofort auf.

    Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)

  • Ja, besser ist der neue Entwurf auf jeden Fall. Das ist aber auch nicht schwer. Er ist allerdings unschönerweise auch viel höher - ganze 5 Stockwerke mehr, wenn ich richtig gezählt habe.


    Und neu ist an dem Entwurf leider nicht viel - der Architekt hat schlicht bei sich selbst abgekupfert, siehe hier. Steht bei mir um die Ecke, daher fiel mir das sofort auf.

    An diesem Standort stört Höhe meiner Meinung nach nicht. Die für die Stadtkulisse relevanten Kirchen und das Rathaus sind weit genug weg, und das Umfeld ist ohnehin sehr heterogen. Schade finde ich, dass auf eine geschlossene bauliche Fassung des Kanals verzichtet wird, die gegenüber liegende Wohnbebauung hätte davon profitiert.


    Immerhin, eine erhebliche Verbesserung - was anderes war bei dem unsäglich schlechten Vorgängerbau auch nicht zu erwarten.

  • Ich weiß nicht, ob es zulässig ist, diesen Link hier einzustellen.


    Im DAF wird ein alternativer Entwurf für diesen Standort gezeigt, der erfreulicherweise nicht zum Zuge gekommen ist:


    DAF

  • Die Proportionen des Neubaus könnten wirklich eleganter sein, die Fassade ist banal gestaltet, aber das Material sollte gut mit dem Sonninhof von 1914 auf der anderen Kanalseite harmonieren. Angesichts der deutlichen Verbesserung im Vergleich zu vorher und der Anknüpfung an den Backsteinexpressionismus eine gute Nachricht für Hamburg. Stärker in die Höhe zu bauen ist in so zentraler Lage nur realistisch und wirkt auch nicht unpassend neben Kontorhäusern. Auch wenn ich mir mehr Neubauten mit den Proportionen eines Kontorhauses wünschen würde.