Hamburg - Freie und Abrissstadt

  • Sehr schöne Nachrichten, ein weiterer ätzender Nachkriegsklotz, sogar unter Denkmalschutz (!) kommt weg, hier unten links im Bild:



    (Foto: Michael Rauhe für das Hamburger Abendblatt)


    Und der Altbau wird erhalten.

    Das war ja eigentlich umgekehrt geplant. Der Altau wurde vom Denkmalschutz für nicht erhaltenswert erachtet, da "nur" die Fassade tatsächlich alt ist (Nach-Brand Architektur von Martin Haller), der 70er-Jahre-Klotz sollte hingegen denkmalgerecht saniert werden.


    Ich mag diese Wandlung kaum glauben - phantastisch!

  • Endlich mal eine positive Entwicklung in der "Freien und Abrissstadt Hamburg". Ich bin angenehm überrascht, insbesondere da so etwas nach den Errfahrungen der letzten Jahre nicht zu erwarten war.

  • Hier ein Bild des Neubaus, der das Hochhaus ersetzen soll. Ich wüßte sehr gerne, wie es zu dieser - im Vergleich zu den ursprünglichen Plänen - extrem erfreulichen Entwicklung gekommen ist.


    Hamburger Abendblatt

  • Allerdings werde ich aus folgender Aussage nicht so recht schlau: "Geplant ist zudem, stilbildende Fassadenelemente des weißen Altbaus daneben zu erhalten und in einen zweiten Neubau zu integrieren."

    Das wird vermutlich heißen, der Bau wird komplett entkernt und einige der Fassaden bleiben stehen, werden aber verändert. Da eine Tiefgarage geplant ist, nehme ich an, dass da wirklich nur die Außenmauern stehen bleiben. Auf dem Rendering ist zu erkennen, dass zur Wasserseite hin die Fenstereinteilung schonmal anders ist. Außerdem ist das Dach weg und der in der Nachkriegszeit abgeschlagene Bauschmuck wird wohl leider nicht wiederkehren. Aber es ist erst mal auch nur ein Wettbewerbsentwurf, ich bin gespannt auf das Ergebnis.

  • und der in der Nachkriegszeit abgeschlagene Bauschmuck wird wohl leider nicht wiederkehren

    Vielleicht wäre es hilfreich, wenn Stadtbild dem Investor einige Bilder des Bauschmucks zukommen ließe? So könnte er vielleicht das Potenzial des Gebäudes noch besser einschätzen?

  • Das wird vermutlich heißen, der Bau wird komplett entkernt und einige der Fassaden bleiben stehen, werden aber verändert.

    Die vollständige Entkernung ist in diesem Fall meiner Meinung nach unkritisch und sogar ausdrücklich zu begrüßen, da das Gebäude in der Nachkriegszeit bereits komplett entkernt wurde und nachfolgend niedrigere Geschosse, die nicht zu den originalen Fensterlaibungen passen, eingezogen wurden.


    Offenbar werden die Altbaufassaden, soweit vorhanden, erhalten. Die Gesamtsituation, die sich ergibt wäre dem Entwurf nach für mich schlüssiger als die Vorkriegssituation mit nicht zueinander passenden Teilaufstockungen.

  • Hier ein link zum deutschen Architekturforum; in dem Thread ist ein großes Bestandsbild sowie der Entwurf für den Neubau in einem großen Bild zu sehen.



    https://www.deutsches-architek…um/showthread.php?t=14101


    sowie eine alte Ansicht


    http://www.hamburg-bildarchiv.de/XAA2807.jpg


    (Das Überseehaus im Hintergrund, heute die Patriotische Gesellschaft, könnte auch eine Reko des Daches vertragen, aber das nur nebenbei ;))



    und eine aus den 70ern(?)


    http://www.hamburg-bildarchiv.de/XB8975.jpg

  • Und wieder spielt das Denkmalamt in diesem schmutzigen Spiel die Rolle des Erfüllungsgehilfen von Investoren. Traurig, schäbig, erbärmlich.

  • Wirklich eine Schande. So ein Gebäude, das gut saniert nicht nur eine Augenweide wäre, sondern auch durchaus im finanziellen Wert steigen könnte. Aber es geht mal wieder nur darum, ein Mehr an vermarktbarem Raum herzurichten, um die Rendite zu vergrößern.
    (Zitat: "Ein Neubau mit 20 Mietwohnungen auf fünf Geschossen.")
    :daumenunten:

  • Bei 20 Wohnungen und 5 Geschossen auf den schmalen Grundstücken würde ich als Bewohner der Nachbarvilla auch über einen Verkauf nachdenken - da rücken einem die neuen Nachbarn ja ganz schön auf die Pelle.


    Eine Schande was aktuell hinsichtlich Verdichtung alles passiert. Dabei ist die langfristige Bevölkerungsentwicklung rückläufig und wenn die nächste Wirtschaftskrise kommt, entspannt sich der Wohnungsmarkt auch ruckartig, da viele berufsbedingte Zweitwohnungen nicht mehr gebraucht werden.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Ist ja jetzt schon so, dass die Preise in vielen Ballungsräumen stagnieren oder nur noch langsam steigen (Ausnahmen wohl am ehesten Berlin, München, die üblichen Verdächtigen eben). Hamburg hat auch massiv gebaut in den letzten Jahren und extrem viele Wohnungsfertigstellungen stehen in vielen, großen Entwicklungsgebieten noch bevor.


    Die Notwendigkeit, eine derartige Form von Nachverdichtung zu betreiben, besteht ganz sicher nicht mehr. Das ist in der Tat sehr trist, eine solche Meldung.

  • Und das, was da neu entstehen soll, sieht doch ganz passabel aus: Backsteinfassaden, die sich in den Kontext der umgebenden Kontorhäuser einfügen. Eine riesige Baumasse zwar, aber doch differenziert unterteilt in diverse Baukörper und mit einem deutlich erhöhten Erdgeschoß. Bin gespannt, wenn das fertig wird. Eine umfassende urbane Verbesserung. Schafft Stadtraum!


    https://www.competitionline.com/de/ergebnisse/243410


    http://www.kpw-architekten.de/…id=77&sortorder=sortorder

  • Wikos Mein Herz hat gerade ohne Spaß einen Aussetzer gemacht! Ich kann nicht glauben,dass diese Villa wirklich abgerissern werden soll!:aufdenkopf::wuetenspringen::kopfwand:

    Lübeck, mein Lübeck, an der Waterkant
    Königin der Hanse, Perle am Ostseestrand.

  • Ja, völlig absurd das Ganze. In einer Zeit, in der von Nachhaltigkeit gesprochen wird, ein völlig intaktes, historisches Haus abzureißen ist ein Verbrechen.

  • Ist doch klar,man nimmt natürlich wesentlich viel mehr Geld ein wenn mehrere Wohnhäuser auf ein und demselben Grundstück stehen als nur eins und dazu noch ein altes.Durch diese Ökonomischen Interessen wird es weiterhin in deutschen Städten zu Villenabrisse kommen. :sad:

    Da kennt die Immobilienlobby keine Gnade.