Hamburg - Freie und Abrissstadt

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    • ...und weiter geht´s. Jetzt soll die Alte Fischfabrik von 1890 in Ottensen abgerissen werden. Der Investor glättet die Wogen, indem er eine Bürgerbeteiligung für den Neubau verspricht. Vielleicht sollte er einfach den Altbau stehen lassen und die Denkmalbehörde ihre Arbeit machen... ndr.de/nachrichten/hamburg/Mar…-weichen,ottensen188.html
      Im Herzen von Europa Frankfurt am Main
    • Abriss Deutschlandhaus:
      Entfernung einer Identität
      faz.net/aktuell/feuilleton/deb…urg-geplant-15447035.html


      Deutschlandhaus am Gänsemarkt: "Der Protest ist zu leise"
      Das Deutschlandhaus am Gänsemarkt soll abgerissen werden. Das macht den Architekten Jan Störmer furchtbar wütend.
      zeit.de/2018/10/deutschlandhau…ss-architekt-jan-stoermer


      Hamburg
      Abriss der Hamburger Nachkriegs-Bauten: Stoppt die Zerstörung unserer Stadtgeschichte!
      focus.de/regional/hamburg/hamb…eschichte_id_8842943.html


      Architektur
      Hamburg reißt mehr Häuser ab als Berlin – Experten besorgt
      abendblatt.de/hamburg/article2…ie-Abriss-Hauptstadt.html
    • Eine Ergänzung zu den von mir gesetzten Links oben.

      Während ich das Deutschland-Haus für erhaltenswert erachte, weil vermutlich nichts besseres durch Teherani nachkommt, sieht das beim City-Hof anders aus.

      Interessant ist nun zu sehen, dass sich das an sich richtige Anliegen, Abrisse genau zu prüfen, nun jene zu eigen machen, die sich für den Erhalt von Häusern der 60er und 70er Jahre einsetzen, welche seinerzeit ohne Rücksicht auf das historische Stadtbild errichtet wurden.

      Da treffen sich mehrere akademisch geprägte/verbildete Gruppen, die nun allesamt dem Modernismus huldigen. Das zeigt sich bereits noch relativ harmlos bei der Kristina Sassenscheidt vom Denkmalverein oben in dem Focus-Link.

      Aber es positionieren sich auch andere. Ich meine damit ein linkes bis linksradikales Milieu, vor allem aus den Gesellschaftswissenschaften und der Kultur-/Kreativ-Szene, dem offenbar stets die hässlichsten Hochhäuser oder FH-Gebäude am besten gefallen, und das ausgerechnet in dieser Umgebung soziale Wohnprojekte verwirklichen will.

      Zum Beispiel das Portal "Acht", in dem der City-Hof graphisch ästhetisiert wird:
      achtmagazin.de/hamburger-einsichten/
      Schaut man sich die anderen Themen dieses Portals an, trifft man auf Gender, Sexismus im Alltag, Global Benachteiligte, Flüchtlingsalltag in Hamburg, Smart City, Migration und das Neue usw. Also eine generell linke Agenda.

      Ein weiteres Portal ist "Mittendrin". Die politischen Themen drehen sich oft um "Schüler demonstrieren: `Bleiberecht statt Waffenexporte´", "Tagesstätte für Geflüchtete im Bieberhaus", "Demo für Geflüchtete" oder "Gegendemonstranten blockieren AfD-Demonstration". Also, die gleiche linke Ausrichtung wie dutzende weitere solcher Organe. Hier wurde Alexander Hosemann, der zur Zeit Urban Design (M.Sc.) an der HafenCity Universität Hamburg studiert, vom Verein City-Hof e.V. interviewt, der sich für den Erhalt des Hochhauses einsetzt. Der City-Hof wurde dabei als Symbol tituliert.
      hh-mittendrin.de/2015/12/inter…y-hof-ein-denkmal-setzen/

      Die "Kreativen" veranstalten hier eine City-Hof Soli Party, und errichten dort einen City-Hof Soli Laden, in dem man hippe T-Shirts kaufen kann.

      Nimmt man das Twitter-Profil #cityhof, dann finden sich dort Graphiken für Demos mit der Forderung "Der City-Hof gehört allen" (also ähnlich wie die Kampagne "Stadt für alle"). Es wird gefordert, "den City-Hof mit den Bürger*innen gemeinwohlorientiert zu revitalisieren!". Dazu wird ein umgewandeltes Enblem der "Antifaschistischen Aktion" gezeigt, nun scherzhaft in "Antiabrisstische Aktion" umgewandelt. Stadt der üblichen schwarzen (Anarchie) und roten (Kommunismus) Fahnen wurde der City-Hof in eben diesen Farben eingefügt. Auch die neue scheinbare Spaß-Gruppierung des linken Milieus, "Die Partei", hat lt. Foto dort bereits eine Veranstaltung abgehalten, und dazu steht: "Die PARTEI im Keller des grauen Hauses. Die Übernahme vom #Cityhof hat begonnen!" Auch die "Linksfraktion Hamburg" postet dort: "Nicht der #Cityhof ist ein Schandfleck, sondern Hamburgs Umgang mit dem Denkmalschutz".

      Ich will damit zeigen, mit welchen Frontlinien wir es in Zukunft zu tun bekommen werden. Die Freunde eines traditionellen Stadtbildes sehen die Abriss-Entwicklung und das Investorenbestreben nach Gewinnmaximierung auch kritisch. Hier unterscheiden sie aber anhand der Qualität, die ein Abriss bringt oder mindert. Nicht jeder Abriss wird deshalb verurteilt, nur bestimmte.

      Die modernistischen und linken Freunde der Architektur der 60er und 70er Jahre hingegen haben ein ganz anderes ästhetisches Empfinden. Ihnen sind Abrisse von Fachwerkbauten oder Gründerzeitlern vergleichsweise egal, mindestens minderwichtig. Ihr Engagement entzündet sich an leer stehenden Großbauten der Moderne, die sie zu Sozialwohnungen oder irgendwelchen kollektiven Wohnprojekten umzugestalten hoffen. Beispiel FH Potsdam oder "Volkspalast" Berlin. Im Ernstfall stellen sich diese "Gentrifizierungs"-Gegner gegen die Freunde einer traditionellen Stadtheilung, gegen Rekonstruktionen und gegen Stadtbild-Verschönerungen im traditionellen Sinne. Schönheit ist für diese Leute ein Waschbetonbau, den sie bunt anmalen oder mit Plastik-Pflanzsäcken behängen, während sie auf dem Flachdach Bienen züchten und auf Sperrholzkisten sitzend Bier trinken. Mal so salopp beschrieben.

      Den Investoren sind hingegen beide (ihnen gegenüber tendenziell machtlosere) Gruppen zuwider, behindern sie doch beim Abriss und der Verwertung der von ihnen anvisierten Immobilien.

      Also, ich wollte mal die künftigen "Frontlinien" deutlich machen. Eigentlich müsste man unsere Städte dreiteilen und dann nach 50 Jahren sehen, wo die menschlichere und angenehmere Stadt entstanden ist. Leider geht das nicht so einfach, und so knallen diese Gegensätze konfrontativ aufeinander. Und sie werden das in Zukunft noch viel härter tun. Der Streit in Potsdam ist da womöglich nur ein Anfang.
    • Deutschlandhaus - Neubau wird Reko

      Auch wenn das Wort "Reko" in der Präsentation der Neubaupläne des Büros Hadi Therani gemieden wurde wie der Teufel das Weihwasser - faktisch wird es, die äußere Gestaltung längs der Straßen betreffend, eine werden. Aus meiner Sicht das bestmögliche Ergebnis, dass unter diesen Umständen zu erwarten war.

      Bericht NDR Hamburg Journal

    • Wo ist das denn bitte schön eine Reko? Wenn überhaupt ein "Erinnerungsbau". Hier nochmal zum direkten Vergleich der aktuelle Zustand:


      Quelle: Wikipedia. Foto: Wolfgang Meinhart, Hamburg. CC BY-SA 3.0

      Gegen die historische Fassade wirkt der neue Entwurf aalglatt und steril und eher wie ein Kranken- oder Parkhaus. Durch den geringeren Ziegelanteil und die größeren Fensteröffnungen wird die Lochfassade aufgelöst. Es entstehend fast durchlaufende horizontale Fensterbänder. Eine deutliche Verschlechterung. Wenn wenigstens die Fenster, insbesondere auch im 1. OG, genau rekonstruiert werden würden, könnte man ja vielleicht damit leben. Mir ist schleierhaft, warum die Fassaden nicht einfach vor dem Neubau stehenbleiben kann. Die Anzahl der Stockwerke und damit die Nutzfläche bleibt doch offenbar gleich!
      Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)
    • frank1204 schrieb:

      Wenn wenigstens die Fenster, insbesondere auch im 1. OG, genau rekonstruiert werden würden, könnte man ja vielleicht damit leben
      Allerdings entsprechen die Fenster im zukünftigen Nebau im 1. OG mehr dem ursprünglichen Zustand, als es jetzt der Fall ist.

      img.oldthing.net/7580/25768236…ndhaus-am-Gaensemarkt.jpg
      "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski
    • OK, im Wortsinne wird es keine Reko, sondern in der Tat nur ein 'Erinnerungsbau'. Ich sehe den Entwurf aber deutlich positiv: Die Erdgeschosszonengestaltung orientiert sich mit den Markisen dichter am 20er- Jahre Original als der jetzige Zustand. Die heutige Fenstergestaltung wirkt meiner Meinung nach sehr 'wuchtig', der vorgestellte Entwurf wirkt leichter. Das Original lag irgendwo auf halben Weg dazwischen. Die derzeitige Ziegelfassade stammt aus den 70ern, die Steine wirken m. M. n. vor Ort betrachtet ziehmlich 'billig' und haben mit dem Material und der typischerweise sehr hochwertigen Ausführung der 20er nur wenig gemein - die Fassade ist daher aus meiner Sicht keinen besonderen Erhaltungsaufwand wert. Hier wird es auf die tatsächliche Auswahl der Steine ankommen, die Visualisierung selbst lässt keinen Rückschluss auf die künftige Wertigkeit zu.
    • Hier noch eine dichtere Ansicht des "Neuen Deutschlandhauses" aus der WELT: welt.de/img/regionales/hamburg…twurf-deutschlandhaus.jpg

      Ich bin überrascht und durchaus angetan. So eine respektable Lösung hätte ich Hamburg (und Hadi Teherani) nicht zugetraut. Vielleicht ein erster Fingerzeig hin zu einem würdigeren Umgang mit der eigenen baukulturellen Identität. Es gab richtig gute Alternativentwürfe, die sollten an anderer Stelle eine Chance erhalten. Hier gehört das frühmoderne Deutschlandhaus hin.
    • Bei genauerem Vergleich von Originalzustand, IST-Zustand und Entwurf ist mir aufgefallen, dass es gegenwärtig und im Entwurf ein 3. Staffelgeschoss gibt, das beim Original fehlt. Weiterhin ist beim Entwurf die Erdgeschosszone deutlich höher als bei beiden Vorgängerversionen.

      Die durch die Veränderungen gewonnene zusätzliche Höhe sehe ich als Verbesserung. In dem weiten Straßenraum erscheint das Ergebnis stimmig. Das höhere Erdgeschosszone wirkt großzügiger, nicht so "gedrückt".

      Man sollte natürlich nie den Tag vor dem Abend loben, aber aus meiner Sicht ist der Entwurf damit besser als das Original und der IST-Zustand. Als Reko bezeichnet werden kann er so aber in der Tat nicht mehr.
    • Grundsätzlich finde ich es gut, dass Kubatur und Optik auch beim Neubau wieder aufgegriffen werden - bei Hadi Teherani durchaus nicht selbstverständlich. Dennoch frage ich mich, warum man nicht so konsequent ist und dann die komplette Fassade rekonstruiert, so wie sie in den 1920ern gebaut wurde. Es ist ja nicht so, dass diese handwerklich gefertigte Ornamente hatte.

      In diesem Fall wäre ich immer noch für den Erhalt, da der jetzige Bau nicht unbedeutende Originalsubstanz enthält.
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • Die Abrissstadt Hamburg macht stramm weiter - Die alte Villa auf der Uhlenhorst an der Averhoffstraße 26 wird für einen Neubau abgerissen: abendblatt.de/hamburg/hamburg-…gerissen-fuer-Neubau.html


      PS: zur Zeit gibt es im Abendblatt eine interessante Reihe zum Gomorrha - Großangriff auf Hamburg 1943 abendblatt.de/hamburg/gomorrha-serie/
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