Hamburg - Freie und Abrissstadt

  • Wobei man anmerken muss, dass sowohl bei den Anwohnern wie der Baugenossenschaft allein ökonomische Fragen von Bedeutung sind. Den einen geht es um effektive Gebäudeverwertung, den anderen um die Höhe der Mieten (eventuell noch um Probleme mit Feuchtigkeit und Dunkelheit in den alten Wohnungen). Die Architektur ist beiden Parteien offenbar völlig egal. Natürlich wäre es aus Stadtbildgründen wünschenswert, wenn man einem Neubau die alte Fassadenstruktur vorblenden würde. Möglichenfalls könnte man diesbezüglich auf die Baugenossenschaft einwirken?

  • Verstehe nicht, wie die Genossenschaft das durchsetzen kann?
    Die Bewohner SIND doch die Genossen - oder nicht?


    Vielleicht ist das ein Punkt, an dem die Piratenpartei mal Initiative zeigen und ihr Programm erweitern kann: Wohnen.
    Und dabei missfällt mir nicht nur diese Geschichte mit dieser Genossenschaft. Auch von Wohnungseigentümergemeinschaften hört und liest man viel seltsames, was man doch demokratischer gestalten könnte.

  • Die Hamburger Morgenpost, 18.08.13 berichtete unter dem Titel "Internet-Millionär Lars Hinrichs im Abriss-Bagger" http://www.mopo.de/nachrichten…ger,5067140,24045014.html über die Abrissarbeiten für das Mittelweg-Quartier. Zitat Hinrichs, der es sich nicht nehmen ließ, selbst den Abriss-Bagger zu besteigen: "...Es sieht einfach nur schön aus, wie ein Jahrhunderte altes Gebäude zerstört wird. Aber keine Sorge, die großartige Fassade wird erhalten".


    Schön, dass man mal etwas über die Denkweise eines Investors erfährt.

    MODERNExit

  • Durchatmen an der Eimsbütteler Chaussee: Das vom Abriss bedrohte Haus ist gerettet - vorerst.


    Eimsbütteler Chaussee 39-45: 150 Jahre altes Haus in Eimsbüttel gerettet | Nachrichten - Hamburger Morgenpost


    Wurde wohl jetzt doch kurzerhand abgerissen (Quelle: Hamburger Abendblatt - betreffender Artikel nur mit Online-Abo lesbar). Hier noch einmal ein Artikel aus der MoPo - so sah das Gebäude aus: http://www.mopo.de/nachrichten…el-,5067140,14815256.html

    MODERNExit

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  • Wieder so ein Immobilien-Hai, der das Baufälligkeits-Argument vorschiebt, um den großen Reibach machen zu können. Man könnte mal wieder kotzen. Schlimm, dass der Denkmalschutz in Hamburg offenbar so lahm ist.


    Zitat:

    Quote

    Hinter den Abrissplänen steckt das Hamburger Immobilien-Unternehmen Wernst. Gegenüber der MOPO verweigerte die Firma jede Auskunft. Den Mietern wurde mitgeteilt, das Haus sei nicht mehr „standfest“. Nach MOPO-Informationen plant Wernst den Bau von mindestens 50 Luxus-Eigentumswohnungen.

  • Man sollte zum Boykott dieser Firma aufrufen. Am besten man lässt diese Firmen so austrocknen, dann traut sich keiner mehr, so skrupellos vorzugehen.

    Nun ja, rechtlich kann man denen nichts - leider (ein Berliner Bekannter sagte allerdings mal zu mir,; wer solche Häuser abreißen läßt, bringt auch Menschen um - und der war selbst Immobilienhändler).
    Boykott ist schon garnicht mal so ein schlechter Ansatz, nur halten sich die meisten nicht daran. Man sollte vielleicht mal schauen welche legalen Möglichkeiten es gibt,, solchen Leuten ihre schmutzigen Geschäfte zu versauen. Es ist ja keine Straftat wenn man Behörden gewissen subjektiven Verdacht meldet, Eine umfangreiche Steuerprüfung oder eine Überprüfung der Arbeiter auf den Baustellen,zum Beispiel, kann sich da sehr erheiternd auswirken.

    Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.

    Horst Seehofer

  • Eine Schande, dass das alte Haus abgerissen wird! Ich denke auch, dass die Baufälligkeit nur vorgeschoben ist und Renditegedanken die Hauptmotivation sind. Es hat nur 2 Wohngeschosse und ist als Altbau auch eher nur einer von den einfacheren. Da kann man keine Luxusmieter mit anlocken und das ist das Todesurteil für dieses Haus.

  • Wer möchte, kann hier eine Beschwerde loswerden. Der Immobilienentwickler ist übrigens auf Kisten spezialisiert. Damit weiß man, was wohl an die Stelle des Gründerzeitlers kommt.


    http://www.wernst-immobilien.de/index.htm


    Die E-Mail Adresse: info@wernst-immobilien.de


    Diese ist allerdings auf deren Seite unbrauchbar gemacht worden (durch deaktivierung des @) so daß ein direktes Anschreiben nicht möglich ist - vielleicht möchten die damit Protestpost verhindern?


    Nun, wie dem auch sei, es ist zutiefst bedauerlich daß die örtliche Denkmalschutzbehörde einer derartigen Stadtverschandelung keinen Einhalt gebietet.

    Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.

    Horst Seehofer

  • Und weiter geht die investorengetriebene Abrisswut rund um die Außenalster, diesmal in der Uhlenhorster Herbert-Weichmann-Straße 80.


    Protest gegen Villen-Abriss in Hamburg - Hamburger Wochenblatt


    Wieder soll eine historische Villa plattgemacht werden - Hamburger MoPo



    Bereits vor zwei Jahren war das Thema aufgekommen:
    Hamburger wollen alte Villen vor Abriss retten - Hamburger Abendblatt
    (Zum Öffnen in der URL einfach z. B. das Wort Hamburg gegen ein beliebiges austauschen)


    Uhlenhorster Bürger gegen „Verklotzung“ - Hamburger Wochenblatt


    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Herbert-Weichmann-Straße 80 ist doch in top Zustand und wunderbar erhalten. Wenn so ein Gebäude abgerissen wird, läuft etwas gewaltig schief. Was das mit der ständig propagierten Nachhaltigkeit zu tun hat, möchte ich mal wissen.

  • Es ist wirklich traurig, was da in Hamburg unter den Augen der Denkmalschutzbehörde passiert.

    In dubio pro reko

  • Ein sehr interessanter Artikel zur Hamburger Denkmalschutzlage, der auch die Frage berührt, ob Denkmalschutz völlig unabhängig davon sein kann, was allgemein (und nicht von sog. Fachleuten) als bewahrenswert gehalten wird. In Hamburg gibt es aktuell viele Beispiele, die die Grundsatzfrage stellen, ob bauliche Ärgernisse und ästhetische Attacken auf das Stadtbild allein aufgrund ihrer Epoche (und des damit verbundenen Zeitgeistes) den gleichen Schutzgrad genießen können wie Bauten, welche auch den Nicht-Eigentümern (ausgenommen wiederum die sog. Fachleute) in ihrem Bestand lieb und teuer sind.

    Quote

    Was macht ein Denkmal aus? Muss das Gebäude alt und schön sein? Keineswegs – sagt das Amt. Nicht nur viele Hamburger fordern ein Umdenken, auch der Oberbaudirektor Jörn Walter will neue Regeln.

    Die Denkmaldebatte: Was wollen wir schützen? - Welt online


    Der selbe Artikel mit Fotos der angesprochenen Gebäude.
    Welche Gebäude wollen wir zum Denkmal ernennen? - Hamburger Abendblatt
    (Zum Anzeigen, wie immer, bspw. das Wort Hamburg in der URL durch ein beliebiges anderes Wort ersetzen)

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Im Abendblatt-Artikel wird ja unter anderem die Backstein-Elisa erwähnt, ein meiner Meinung nach absolut erhaltenswerter Bau: http://www.rettet-elisa.de/


    Der steht momentan zum großen Teil leer und die Genossenschaft plant den Abriss - entgegen dem Willen der bewohnenden Genossen und entgegen jeder Vernunft. Da soll dann ein anonymer Neubau-Kasten entstehen...


    Was ich nicht verstehe:
    Wieso ist die Elisa nicht schon längst besetzt? In Hamburg herrscht akute Wohnungsnot und da stehen Dutzende Wohnungen leer...


    Wenn sogar das Hamburger Abendblatt so positiv über den Bau berichtet, wird da eine Besetzung und Erhaltung der Elisa wohl hoffentlich von Erfolg gekrönt sein!


    Schließlich verdanken wir den Erhalt eines nicht geringen Anteils der Altbausubstanz in Hamburg aber auch anderswo der Hausbesetzer-Szene. Deren Rolle als Stimme der Vernunft muss man an dieser Stelle einfach mal lobend erwähnen.


  • Was ich nicht verstehe:
    Wieso ist die Elisa nicht schon längst besetzt? In Hamburg herrscht akute Wohnungsnot und da stehen Dutzende Wohnungen leer...


    Für mich ist ziemlich klar, was der Grund der NIchtbesetzung ist:
    Es sind schlichtweg zwei verschiedene Kulturen. Die Kultur, die zuweilen Häuser besetzt und sich auch gegen seinerzeit wahnwitzige Autoverkehrsprojekte widerständig gezeigt hat, ist ansässig in den quasi "wildwüchsigen" Altbauvierteln. In Hamburg-Altona, -Ottensen, -St. Pauli-Nord (Schanzenviertel), -Eimsbüttel bis hin zu Teilen von Eppendorf und Winterhude, währenddessen Elisa ja ganz klar in Hamm-Nord zu Eilbek liegt, was von endlosen Genossenschafts-Wohnsiedlungen beherrscht wird. Das kreuzbrave Genossenschaftsklientel, was periodisch seine verdienten Mitglieder zu Genossenschaftsvertretern macht, (wobei diese sich wiederum auf den einjährig stattfindenden Vertreterversammlungen im wahrsten Sinne des Wortes abspeisen lassen), es ist nun nicht gerade geeicht dafür, irgendwelche Hausbesetzungen vorzunehmen oder gar dem jeweiligen sozialdemokratischen 1. Bürgermeister Steine in den Weg zu legen. :rolleyes:

  • Nach dieser letzten Meldung gibt es seit heute auch in Eppendorf einen Abriss alter Hamburger Geschichte zu beklagen. In dem Fall sogar ein Zeugnis aus einer vor-gründerzeitlichen Epoche im sonst so historistisch geprägten Eppendorf. Das Haus mit dem Namen "Tre Castagne" stammte wohl aus dem 18. Jahrhundert und war damit einer der seltenen Zeugen aus der Zeit vor der Stadterweiterung Hamburgs.