Hamburg - Freie und Abrissstadt

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    • So sieht sie nun aus, die Europapassage mit ihrer unverwechselbaren Architektur:

      flickr.com/photo_zoom.gne?id=272408907&size=l

      Übrigens, das hier ist mittlerweile in Berlin entstanden, eventuelle Ähnlichkeiten sind gewiss nicht beabsichtigt :zwinkern: :

      flickr.com/photo_zoom.gne?id=2…-72157594371323605&size=l

      Wer hat nun den Wettbewerb um die ödeste Fassade gewonnen, Hamburg oder Berlin?
    • Keine ästhetische Verbesserung

      Die Abriss des Kontorhauses aus 1908 mit fein gegliederte Fassade neben das Ballinhaus ist keine ästhetische Verbesserung wenn da wieder eine "Berlin-Mitte" Kiste reingeschmissen wird: zu grosse (sprossenlose) Fenster, zu Bunkerartig. Zu Massig. Am Unter der Linden wird genau so vorgegangen. Ist offenbar der neue von Architekten gewollte Still. Natürlich auffallend.
      Die hollaugige viel zu grosse Fenster finde ich noch am schlimsten.

      Brrrrr...
    • Abriß des Bärenhofs in Ochsenzoll (HH)

      Kaum zu fassen: das im kilometerweiten Umkreis wohl als einziges klar als gründerzeitlich zu erkennende Gebäude unmittelbar am Stadtrand Hamburgs wurde abgerissen. Dort ist jetzt eine Brache, ein Parkplatz eines Autohändlers. Bin fast vom Fahrrad gefallen, als ich das gesehen habe.
      Ich habe mich endlos geärgert, nie Bilder von dem markanten Gebäude gemacht zu haben. Immerhin existieren solche öffentlich verfügbar:
      http://www.bildarchiv-hamburg.de/hamburg/strassen/langenhorner_chaussee/index2.htm\r
      www.bildarchiv-hamburg.de/hambur ... index2.htm

      Dies ist eine weitere Niederlage für die Entwicklung meiner Geburtsstadt. In Ochsenzoll, am äußersten Rand der Stadt, nur 300m entfernt von Wald & Wiesen, war dieses Gebäude geradezu eine Attraktion.
      Eine Katastrophe, was hier passiert ist. Die ganze Umgebung ist zweifellos erheblich unwirtlicher geworden (die obigen Bilder geben das nicht wieder, aber das Gebäude wirkte sehr präsent an der Hauptstraße. Es waren eigenartige (chinesische?) Ornamente an der linken Seite, die nicht im Bild zu sehen sind).
    • Bitter, ich wohne 3 Autominuten entfernt. Was hier passiert ist erschreckend. Nicht nur, dass mit dem wenigen historischen Erbe derart fahrlässig umgegangen wird, zusätzlich scheint das Grundstück nun ungenutzt zu verkommen, wie etliche andere in der unmittelbaren Umgebung.

      Nur noch in Richtung Norderstedt, also unmittelbar an der Stadtgrenze, gibt es nennenswerten Altbaubestand.
    • Re: Freie und Abrissstadt Hamburg?

      Seit Jahrzehnten werden historische Bauten rigoros abgerissen

      Sie haben geächzt, gezittert und gewankt. Schließlich - oft nach zähem Ringen - sind sie dann doch in sich zusammengekracht und in einer dicken Staubwolke versunken. Ein Haufen Steine blieb übrig, und der wurde schnell abgetragen. Ein paar Tage reichten aus. Dann war verschwunden, was Jahrzehnte oder auch Jahrhunderte überstanden und das Bild der Stadt lange mitgeprägt hatte: Etagenhäuser, Villen, Fabriken, Kontorbauten, Brücken und Türme.

      Abgerissen: Brandstwiete 2



      abendblatt.de/hamburg/article1…n-rigoros-abgerissen.html
    • Re: Freie und Abrissstadt Hamburg

      ...das ist nur ein Tropfen auf dem heissen Stein. Unfassbar was nach dem Krieg alles in HH unter der Abrissbirne verschwunden ist. Der von Dirk eingestellte Artikel vom Hamburger Abendblatt macht einen wütend. Aus Profitgier, Dummheit und Ignoranz verschwindet das kulturelle Erbe in diesem Land. Für unsere und die künftigen Generationen bleibt nur noch eine architektonische Kulturwüste übrig.
    • Re: Freie und Abrissstadt Hamburg?

      "Dirk" schrieb:

      Seit Jahrzehnten werden historische Bauten rigoros abgerissen

      [...]

      Abgerissen: Brandstwiete 2



      abendblatt.de/hamburg/article1…n-rigoros-abgerissen.html


      NEIN! Nicht dieses schoene Haus in der Brandstwiete! :boese:

      Danke fuer den Hinweis, Dirk. Die Brandstwiete ist ganz nah bei der Hauptkirche St. Katharinen, deren Umfeld sowieso durch eine riesige Verkehrsstrasse sowie Abbrueche und eine wachsende Menge generischer Neubauten im Glaskistenstil entwuerdigt wird.

      Seht Euch doch die generische Kiste hinter dem Abrissopfer mal an. Dank Hamburgs Oberbaudirektor kriegen wir sowas wohl nochmal.

      In einem Begleitartikel im Abenblatt ist ein Interview mit Hamburgs Oberbaudirektor Joern Walter (ehemals in Dresden taetig, wie ich interessanterweise von Oktavian erfuhr). Walter sagt auf die Frage ueber Abrisse alter Hamburger Gebaeude folgendes:

      Ich bin ein unbedingter Verfechter der Forderung, das zu erhalten, was wir an wirklich historischen Beständen haben.


      Ach nee, was Sie nicht sagen, Herr Walter!

      Was "wirklich historisch" ist ist doch ganz klar definiert, oder? Schlichte Frage des Erbauungsjahres, mehr nicht. Trotz dieser Behauptung seines langjaehrigen Bauzars ist Hamburg waehrend der Aegide dieses Herren in der Tat mehr und mehr zur "Freien und Abrissstadt" geworden. Beim “Verfechten” benutzt er wohl eine Stecknadel oder ein Plastikmesser, anders kann ich mir diesen bedauerlichen Abriss--und er ist ja bei weitem nicht der einzige--einfach nicht erklaeren. Wenn Herr Walter andererseits nur die Forderung nach Erhalt, nicht aber den tatsaechlichen Erhalt des alten Baubestandes in Hamburg verficht hat er sich ja elegant aus dieser Verpflichtung herauzgezogen. Und so ist es wohl: Wenn ein alter Bau einem Neubauprojekt im Wege ist muss der alte eben weichen.
    • Re: Freie und Abrissstadt Hamburg

      Dass es so schlimm ist, wusste ich gar nicht. Ich dachte, das meiste wäre im Krieg verloren gegangen, dabei hat es mich immer wieder gewundert, warum vereinzelt dann doch noch historische Bauten stehen geblieben sind. Nicht zu fassen ..... da wird mir richtig schlecht von. Tolle Demokratie, in der sich wenige Heckenpenner gegen die Bevölkerung durchsetzen können. Profitgierige Bastarde ...
    • Re: Freie und Abrissstadt Hamburg

      Leider haben die Architekten in D nach dem Krieg nicht viel brauchbares fabriziert. Der Bürgerwille wird schon lange mit Füßen getreten. Alles nur frustrierend. Die nächsten Jahre werden noch mehr Städte pleite gehen. Ergebnis: Architektonischer Flickenteppich, abgestellte Brunnen, ungepflegte Grünanlagen. Hoffe dass einzelne historische Fragmente wie die Reste des Gängeviertel erhalten bleiben.
    • 125 Jahre altes Haus an der Eimsbütteler Chaussee soll verschwinden

      Und erneut macht die "Freie und Abriss-Stadt Hamburg" ihrem Name alle Ehre, es ist unglaublich:

      Eimsbüttel - Abriss: Hier verschwindet wieder ein altes Stück Hamburg - Eimsbüttel - Hamburg - Hamburger Abendblatt

      Das Gebäude stammt übrigens nicht aus der Zeit des Jugendstils, sondern ist wohl eher als neoklassizistisch anzusehen. Grund für den Abriss ist - wie so oft - reine Geldgier:

      „Eine Sanierung kommt für uns nicht in Frage, da einerseits die
      Statik des Altbaus keine Aufstockung erlaubt. Andererseits ist das Gebäude
      energetisch in einem desolaten Zustand“, erklärt Joachim Wernst,
      Geschäftsführer von Wernst Immobilien. Dem würde nur ein Neubau gerecht
      werden. Zudem werde erheblich mehr Wohnraum geschaffen.
    • Nach genauer Betrachtung ist es ein klassischer Gründerzeitler mit Neorenaissance-Ornamenten im ersten und zweiten OG und im EG werden über den Eingängen Jugendstil-Elemente zitiert. Man kann sich immer über den denkmalpflegerischen Wert eines solchen Gebäudes streiten, aber die Umgebung hat mittlerweile andere Traufhöhen entwickelt und die Nachkriegsbebauung (einschließlich bis heute) ist schon sehr weit vorgeschritten und hat im Wesentlichen vom Charakter des Viertels Besitz genommen. Laut Wiki hat Hamburg-Eimsbüttel "1943 weitgehend seine Altbebauung durch Luftangriffe verloren". Eine Ensemble-Wirkung ist also auch nicht mehr möglich. Bei Städten wie Hamburg tue ich mich immer schwer zu sagen, sie sollen unter allen Umständen an allen denkbar alten Häusern festhalten. Hamburg, gerade in den Innenstadtbezirken, hat einen enorm hohen Nutzungsdruck durch beständigen Bevölkerungszuwachs und Immobilienpreissteigerung. Man muss realistisch sein, Hamburg lebt von seiner Urbanität und seinem Flair nicht von seiner erlebbaren "städtebaulichen Geschichte".
    • Also weg mit dem Haus, nur wegen der fehlenden Ensemblewirkung? Willst du das damit sagen? Tut mir leid, eine solche Einstellung finde ich in diesem Forum deplatziert.
      Ich bin der Meinung, dieses schöne Gebäude muß unbedingt erhalten bleiben, und wenn es das letzte seiner Art in der Gegend sein sollte (oder gerade dann). Oder machen wir uns jetzt auch die Einstellung zu eigen "Ist ja nur Gründerzeit, also nicht so bedeutend und damit verzichtbar"? Wenn diese Haltung hier Einzug hält muss ich vehement protestieren, denn gerade auch für den Erhalt von Gründerzeitgebäuden die keine große Lobby haben wurde dieses Forum einmal ins Leben gerufen.
    • Roland schrieb:

      "....Bei Städten wie Hamburg tue ich mich immer schwer zu sagen, sie sollen unter allen Umständen an allen denkbar alten Häusern festhalten. Hamburg, gerade in den Innenstadtbezirken, hat einen enorm hohen Nutzungsdruck durch beständigen Bevölkerungszuwachs und Immobilienpreissteigerung. Man muss realistisch sein, Hamburg lebt von seiner Urbanität und seinem Flair nicht von seiner erlebbaren "städtebaulichen Geschichte"."
      Aber das darf doch keine Argument für einen Abriss sein. Wenn man rein nach Nutzungs- und Bevölkerungsdruck und wirtschaftlichen Interessen ginge, dann könntest Du nahezu alles alte abreissen. Im übrigen schreibst Du "Hamburg lebt von seinem Flair" - das ist der Punkt. Die Besucher erwarten von Hamburg eine urbane Mischung. Das ist die einzigartige Hamburger Identität. Wenn HH nur noch aus austauschbarer, steriler Investorenarchitektur besteht, dann wird die Magnetwirkung auch bald zu Ende sein.
    • Flair hat auch etwas mit Architektur zu tun. Und selbstverständlich gehört dieses Haus erhalten, denn man weiß ja, dass derzeit nichts besseres nachkommt, sondern wahrscheinlich eine austauschbare Investorenkiste. Zudem, das gehört langsam in die Köpfe herein, ist ein 125 Jahre altes Gebäude mittlerweile auch ein Stück lebendiger Stadtgeschichte.

      "Rolands" Ensemble-Argument erinnert mich (ohne jetzt etwas irgendetwas persönlich unterstellen zu wollen) frappierend an einstige Diskussionen mit linken Studenten in einigen Uni-Seminaren. Die argumentierten auf das Frankfurter Museumsufer bezogen so, dass ja das Villenensemble gar nicht mehr durchgängig existiere, somit eine Anknüpfung daran unmöglich sei, somit man den "alten Schrott" auch gleich ganz abreißen solle. Übersetzt: Man reißt also erst einmal zwei, drei Häuser ab. Dann heißt es "kein Ensemble mehr vorhanden" und man kann auch den Rest plattmachen. Das Argument war natürlich nur vorgeschoben. In diesem Denken ist "das Alte" das "Rückständige", das dem Weg in die lichte progressive Zukunft im Weg steht. Insofern geben sich die damaligen linken Studenten und der geldgierige Investor von heute die Klinke in die Hand. Möglichenfalls ist ja auch mancher dieser einstigen Studenten sogar heute Investor geworden. Hat ja auch mal vom Polizistenprügler zum Außenminister gereicht. Das ist aber nur eine Möglichkeitserwägung.
    • Roland schrieb:

      Nach genauer Betrachtung ist es ein klassischer Gründerzeitler mit Neorenaissance-Ornamenten im ersten und zweiten OG und im EG werden über den Eingängen Jugendstil-Elemente zitiert. Man kann sich immer über den denkmalpflegerischen Wert eines solchen Gebäudes streiten, aber die Umgebung hat mittlerweile andere Traufhöhen entwickelt und die Nachkriegsbebauung (einschließlich bis heute) ist schon sehr weit vorgeschritten und hat im Wesentlichen vom Charakter des Viertels Besitz genommen. Laut Wiki hat Hamburg-Eimsbüttel "1943 weitgehend seine Altbebauung durch Luftangriffe verloren". Eine Ensemble-Wirkung ist also auch nicht mehr möglich. Bei Städten wie Hamburg tue ich mich immer schwer zu sagen, sie sollen unter allen Umständen an allen denkbar alten Häusern festhalten. Hamburg, gerade in den Innenstadtbezirken, hat einen enorm hohen Nutzungsdruck durch beständigen Bevölkerungszuwachs und Immobilienpreissteigerung. Man muss realistisch sein, Hamburg lebt von seiner Urbanität und seinem Flair nicht von seiner erlebbaren "städtebaulichen Geschichte".




      Von dem Haus aus ist man zu Fuß in 5 Minuten direkt im Schanzenviertel, direkt auf der Latte-Plaza - Wäre ich ein kreativer Makler, würde ich es sogar noch dem Schanzenviertel hinzurechnen.


      Wie blöd muss man als Immobilienbesitzer sein, einen Altbau in der Gegend abzureißen?

      Das ist eine Goldgrube!

      In der Tat haben in der unmittelbaren Nachbarschaft der Krieg und die Wiederaufbausünden unschöne Spuren hinterlassen. Aber das Schanzenviertel und die Gegend um die Osterstraße sind völlig intakte und begehrte Altbauviertel.
      Ah, ein Stadtmensch!
      www.stuck-und-dielen.de