Neues von der Kunstschickeria

  • In New York wird morgen das "New Museum of Contemporary Art", Manhattans erster Museumsneubau seit Jahrzehnten eröffnet. Der 53 Meter hohe Stahlkoloss in der Form von sieben unregelmäßig gestapelten Riesen-Bauklötzchen, 50 Millionen Dollar teuer, befindet sich auf der Bowery. Einer Straße auf der Lower East Side in Manhattan. Einst war sie Heimat für Prostituierte, Drogensüchtige, darbende Künstler und Obdachlose. Die meisten Häuser waren verwahrlost; in ihren Erdgeschossen fanden sich Suppenküchen, Großhandelsläden für Restaurantbedarf und Underground-Etablissements wie der Punkrock-Club "CBGB". Doch diese Zeiten gehen dem Ende entgegen, denn die Bowery wird so langsam von Investoren zu neuem Leben erweckt.


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    So zollt das bisher in Soho beheimatete Museum (Motto: "Neue Kunst, neue Ideen") zwar der alten Bowery-Szene Tribut, indem es sich als dynamische Stätte nahtlos einfügen will in diese "zentrale geografische und kulturelle Schnittstelle im Stadtgewebe", wie es Direktorin Lisa Phillips sagt. Dazu hatte man diesen Ort vor fünf Jahren, als die Bowery noch viel rauer war, ja auch eigens gewählt. Zugleich aber ist der Klotz ein abstrakter Fremdkörper im gewachsenen Straßenbild, der sich zwischen zwei staubige Häuser zwängt und alles weißgrau schimmernd überragt - wie eine Computerdesignstudie, die auf eine vergilbte Postkarte projiziert wurde.


    Das Museum mit 5575-Quadratmetern befindet sich auf sieben Stockwerken unterschiedlicher Höhe "deren Offenheit - die Decken sind bis zu sieben Meter hoch, die Galerie-Säle haben keine Stützpfeiler - eine Metapher bilden sollen für "Dialog, Kreativität und konstanten Ideenaustausch" (Phillips)." :lachen:


    "Die Lobby ist taghell und zur Straße hin komplett verglast. Der Effekt der restlichen Räume ist eine Mischung aus Rohbau-Schick und edlem Minimalismus. Die Fußböden sind aus poliertem Beton, die gesamte Infrastruktur des Gebäudes liegt sichtbar über Putz: Rohre, Sprinkleranlagen, Flammschutzschaum. Kunst, so will die Architektur einem damit sagen, ist nicht esoterisch. Kunst ist zum Anfassen."


    Das "spannendste" soll die Treppe sein: vom dritten in den vierten Stock, versteckt hinter den Aufzügen. Der steile Stufenschacht ist gerade mal eineinhalb Meter breit, dafür aber elf Meter hoch.


    Die Fassade besteht übrigens aus einem silbernem Maschennetz aus eloxiertem Aluminium, in dem sich schon jetzt der Abgas-Rußschleim niederschlägt.


    Den ganzen Artikel findet ihr unter: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,520566,00.html\r
    http://www.spiegel.de/kultur/gesellscha ... 66,00.html Hier gibt es auch Bilder der tollen Kunstwerke die dort ausgestellt werden!


    Die unheimlich professionelle Seite der Architekten: http://www.sanaa.co.jp/\r
    http://www.sanaa.co.jp/


    Über die "Bowery": http://en.wikipedia.org/wiki/Bowery\r
    en.wikipedia.org/wiki/Bowery


    Die Internet-Präsenz des Museums: http://www.newmuseum.org/\r
    http://www.newmuseum.org/


    Ein paar Visualisierungen: http://www.arcspace.com/architects/sejima_nishizawa/new_museum/\r
    http://www.arcspace.com/architects/seji ... ew_museum/


    Ring frei für eure Kommentare!

    Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)

  • Carsten


    dem muss man nichts hinzufügen.


    ausser, naja, hoffentlich springt unsere welterfahrene abgeklärtheit auch mal irgendwann auf das breite publikum um, und die herren möchtegernkünstler lassen sich in folge mal was neueres einfallen, als ein jahrhundert lang wieder und wieder gestapelte stuhlhaufen, eindeutig zweideutig, sowie langweilige bilderrahmen mit sinnlosen inschriften begleitet von bedeutungsschwangeren aber durchweg geistlosen interpretationsanbiederungen. selbstreferentielle durchschnittsgeister mit glücklichem bekanntheitszufall


    gähn, würd ich nur betreten, wenn man in der 'skybar' (klar...) umsonst sekt und chicks geboten bekommt um sich anschliessend in den Jerome and Ellen Stern Restrooms richtig daneben zu benehmen. :zungeorange:

  • Quote

    gähn, würd ich nur betreten, wenn man in der 'skybar' (klar...) umsonst sekt und chicks geboten bekommt um sich anschliessend in den Jerome and Ellen Stern Restrooms richtig daneben zu benehmen. orangene Zunge


    :applausgrinsen: Har har har har har...

    Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)

  • Einzig beruhigend, dass sowohl schlechte Architektur, die ganze Stadteile verschandelt, als auch fragwürdige Avantgarde-Kunst in den USA eine Bleibe haben, denkt man doch oft, Deutschland sei das einzige Land der Welt, das damit zugestellt wird.

  • :weinenstroemen: das Beste was ich zu diesem Museum sagen kann ist, dass die ausgestellten Kunstwerke kein besseres Gebäude verdient haben.


    Wir beschäftigen uns in diesem Forum zwar überwiegend mit Architektur und jammern schon genug über die modernistischen Architekten, aber ich denke wir würden noch viel mehr jammen, würden wir über die bildende Kunst im Allgemeinen diskutieren. Ich zum Beispiel habe häufig noch wesentlich mehr Probleme mit dem Verständnis und der Akzeptanz der Gemälde und Skulpturen, die in solchen Museen ausgestellt werden als mit den Gebäuden an sich. Hier in München gilt dies z.B. für die Pinakothek der Moderne, die mir zwar auch nicht sonderlich gefällt, aber immerhin deutlich besser ist als die Müllhaufen von Beuys oder die Pissbilder von Warhol, die dort auch zu bestaunen sind.