Fenster - Augen des Hauses

  • Bin gerade aus Südfrankreich zurückgekommen. Generell sind die Fenster viel öfter als in D. mit Sprossen versehen. Leider stellte ich fest, dass man auch in Frankreich damit angefangen hat, die alten Fenster durch Termofenster zu ersetzen. Aus energiepolitischer Sicht ist dies zu begrüssen, leider sehen die neuen Fenster oft nicht so schön aus wie die alten. In den meisten Fällen werden Sprossenfenster durch neue Fenster ersetz, die aber nur vertikal gegliedert sind. Die senkrechten Sprossen verschwinden damit langsam vom Stadtbild. Gleichzeitig gab es auch häufig neue, sprossenlose Plastikfenster. Ihr könnt Euch vorstellen, wie gut die zur Provence Häuser passen…. Schade. In Paris gibt es auch ein Tedenz zur Plastik und verzicht auf horisontale Sprossen.


    Dagegen konnte ich feststellen, dass es - langsam - in D. vorwärts geht. Als Beispiel möchte ich Wolfenbüttel nennen. Die meisten Häuser haben neue Sprossenfenster. Die Ladenzonen sehen aber oft schlimm aus. Habt Ihr auch den Eindruck, dass es langsam besser wird?

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Wenn ich mich jetzt speziell auf Leipzig beziehe kann man schon sagen das es besser wird. Nahezu alle Altbauten bekommen bei der Sanierung Holzfenster die dem historischen Kontext entsprechen, so werden die Sprossen eingehalten, als auch die Schnitzereien auf den Sprossen, die dem historischen Vorbild entsprechend ausgeführt werden. :o


    MfG
    Steve

  • Frankreich kann man was die Fenster, Dächer und Fassaden als vorbildlich verglichen mit Nordeuropa bezeichnen. Allerdings konnte ich eine schleichende Veränderung was die Fenster zumindest in der Provence feststellen. Hier werden die alten Fenster nach und nach durch Fenster ersetzt, die zwar oft geteilt sind, wo aber die kleinen Sprossen weg sind. Viele neue Fenster sind aus Kunststoff.


    Ein Vergleich:


    http://www.pictureupload.de/or…es/170511214242_vind2.JPG


    Manchmal sieht es leider auch so aus:



    http://www.pictureupload.de/or…es/170511214920_vind1.JPG

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Däne


    Danke für den Hinweis. Offenbar war es in der globalisierten Welt nur eine kurze Frage der Zeit, bis auch ehemals kultiviertere Regionen in Europa vom Banalisierungswahn einer Baumarktmentalität eingeholt werden. Ich bedaure diese Entwicklung sehr und wundere mich, dass es hinsichtlich der Fenstergestaltungen kaum Kritik gibt, wo doch von ihrer Qualität das Erscheinungsbild eines Gebäudes bestimmend abhängt!

  • Da man speziell Kastenfenster ohne größeren Aufwand durchaus heutigen Ansprüchen genügenden Standarts anpassen kann, bleibt zu konstatieren, dass man sich solche Konstruktionen letztlich leisten können/wollen muss.
    Ich etwa arbeite gegenwärtig während meiner Freizeit die Kastenfenster unseres alten Gartenhauses auf, was einen kaum zu beziffernden Zeitaufwand bedeutet. Da sind einige Schichten Farbe abzubrennen, die Flächen glatt zu schleifen und die alten Kittfasen zu entfernen. Danach folgt dann der langwierige Wiederaufbau, der schon aufgrund der langen Trocknungszeiten klassischen Fensterkitts eine Geduldsangelegenheit ist.
    Also bleibt zu sagen, dass solche Fensterkonstruktionen entweder eine denkmalpflegerische Erfordernis sind, oder eben, wie in meinem Fall, einfache Liebhabereien. So gesehen braucht man sich über das Verschwinden alter Fenster kaum zu wundern, kann aber auch nur hoffen, dass sie einen adäquaten Ersatz erhalten.

  • Wirkung mit unzureichender Versprossung, ausreichender Versprossung und ohne Sprossen im direkten Vergleich:
    (Ich bitte die der Abenddämmerung geschuldete Unschärfe mit der Handykamera zu entschuldigen.)

    Niedere Straße, Villingen


    Vorbildliche Fensterlösung samt Fassade (die Ausnahme, leider):

    Gerberstraße, Villingen


    Bilder sind von mir

  • Die vollständige Lösung sieht wirklich um einiges besser aus. Viel lebhafter. Die andere Zwecklösung
    ohne Versprossung ist, ja wie soll ich sagen, recht hässlich.
    Ich bin nicht wirklich aus dem Architekturmetier, aber so etwas sollte selbst unbeteiligten auffallen.


    Gruß!

    Misserfolge sind oft notwendige Umwege zum Erfolg.

  • Ich habe hier auch noch einen direkten Vergleich:




    Eine riesige Verbesserung! (Die grünen Fenster sind natürlich die neuen)

  • Ein positiver Vergleich aus der Wittkopstraße in Osnabrück. Die Bilder sind schon ein paar Jahre alt.


    Vorher:




    Nachher:



  • wunderbar! Sowas könnte Osnabrück noch viel häufiger vertragen, gerade der Bereich der Martinistraße und der übrigen Weststadt könnten
    dadurch in architektonischer Hinsicht sehr aufgewertet werden.

    "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski

  • Hier ein positives Beispiel aus der Reuterstraße in Bonn:


    Zustand im Januar 2015 nach Sanierung und Wiederherstellung der passenden Fensterformate:



    und hier der Vorzustand im August 2014


  • Quote

    Die Augen eines Hauses


    Was ist ein schönes Fenster?


    Manfred Hampel ist immer dann gefragt, wenn jemand die Fenster seines Hauses erneuern will. Der Fachmann für Fenster und Fassadengestaltung aus München ist ein Handwerker mit Sendungsbewusstsein. Neue Fenster dürfen für ihn nicht nur vor Kälte und Wärme schützen, sie sollten bestenfalls auch gut aussehen und zum Stil und der Geschichte des jeweiligen Hauses passen. Und da gibt es für ihn manchmal viel zu tun.

    http://www.br.de/mediathek/vid…anufaktur-hampel-104.html


    vorher:

    nacher:


    Bei den Fenstern alles richtig gemacht, jetzt hätte man sich nur noch über eine Alternative zum WDVS Gedanken machen müssen und die Säulen samt Balkon sind optische auch eher nachteilig.
    Die im Beitrag erwähnte Manufaktur: http://www.manufakturfenster.de/


    (Auch sonst eine interessante Persönlichkeit, der Herr Hampel und der goldene Schnitt: http://www.br.de/radio/bayern2/gesellschaft/eins-zu-eins-der-talk/josef-manfred-hampel-100.html)

  • Die Preise für ordentliche Holzfenster variieren zwischen Brandenburg und Bayern um fast 100 Prozent. Deshalb ist es empfehlenswert auch anderswo nach guten Fenstern zu suchen, wenn mann weiss, was man will.


    Im dargestellten Beispiel sind die Öffnungsmechanismen nicht erkennbar. Bei vielen Bauten sind durch Fotos auch nur die gründerzeitlichen Fenster dokumentiert, alles frühere ist häufig nicht fotografiert oder anderweitig dargestellt.

    „Ärzte können ihre Fehler begraben, aber ein Architekt kann seinen Kun­den nur raten, Efeu zu pflanzen.“
    George Sand

  • Liebe Forumsteilnehmer,


    weil mir das Thema von besonderer Bedeutung ist und ich derzeit an einer längeren Abhandlung zur Thematik der Fenstergestaltung für das Forum schreibe, möchte ich Euch aufrufen, mir Eure Gedanken und/ oder bereits verfasstes Textmaterial zum Thema beizusteuern, das ich gekennzeichnet einpflege. Bitte sendet mir Entsprechendes gerne als PN. Vielen Dank für Eure Unterstützung vorab.

  • Man kann es nicht oft genug wiederholen. Schön, dass der BR sich des Themas angenommen hat und die Sendung erneut ausstrahlte.

    Ein Pflichtvideo für alle angehenden Architekten an den Hochschulen, Fensterbauer sowie jene, die sich für Stadtbilder einsetzen:

    Quote

    Die Augen eines Hauses

    Was ist ein schönes Fenster?

    Manfred Hampel ist immer dann gefragt, wenn jemand die Fenster seines Hauses erneuern will. Der Fachmann für Fenster und Fassadengestaltung aus München ist ein Handwerker mit Sendungsbewusstsein. Neue Fenster dürfen für ihn nicht nur vor Kälte und Wärme schützen, sie sollten bestenfalls auch gut aussehen und zum Stil und der Geschichte des jeweiligen Hauses passen. Und da gibt es für ihn manchmal viel zu tun.

    Quelle: https://www.br.de/mediathek/vi…:584f805d3b4679001198c5ab