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Städtebau in Frankfurt

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    • Bericht aus der FAZ über eine Veranstaltung "Und was rekonstruieren wir als nächstes?":

      Rekonstruktionen in Frankfurt sorgen für Zündstoff

      Mein Kommentar zu ein paar Aussagen:

      "Die Altstadt sieht in der Realität noch besser aus als vorher in der Simulation. In den meisten Fällen ist das leider umgekehrt." (Guntersdorf, Chef der Dom-Römer GmbH)
      Ich glaube, Herr Guntersdorf spricht da einen interessanten Punkt an: Während moderne Architektur auf den Architektur-Renderings häufig "spannend" und "futuristisch" aussieht und sich in der Realität als banal und trist entpuppt, so wirken Visualisierungen von traditioneller Architektur auf Visualisierungen häufig künstlich und so gar nicht authentisch, in der Realität dagegen wirkt die gebaute hochwertige Architektur durch ihre schiere Präsenz und übertrifft ihr virtuelles Pendant.

      "Die Altstadt ist ein Bau ohne wirtschaftlichen Druck. Das ist ein Sonderfall. [...] Unter den heutigen Bedingungen hätte ich mich aber dagegen ausgesprochen. Das Geld wird in der wachsenden Stadt anderswo dringender gebraucht." (Josef, Stadtrat (SPD), Planungsdezernent in Frankfurt)
      Wie kann man als Planungsdezernent einer Stadt angesichts eines solchen Erfolges davon sprechen, man würde sich heute dagegen entscheiden? Das will mir bei bestem Willen nicht in den Kopf. Ist ihm die positive Presse und das internationale Interesse denn überhaupt nichts wert, wenn ihm schon das neue Viertel (offenbar) nicht gefällt?

      "Ich halte es nicht für zielführend, weitere große Rekonstruktionsprojekte zu planen." Man könne über „punktuelle Stadtreparaturen“ nachdenken. "Aber weitere größere Rekonstruktionsnester würden das Geschaffene entwerten." (Schmal, Architektur-Experte)
      Was ist das denn für eine Argumentation? Weil man mit etwas Erfolg hatte, soll man ihn nicht wiederholen, weil man damit den bisherigen Erfolg abwertet? Lächerlicher kann man kaum argumentieren. Und "nicht zielführend". Für wen oder was nicht zielführend? Für die modernistische Architektur-Ideologie mit Sicherheit, die Aussage kommt von einem Architektur-"Experten" leider nicht überraschend.

      "Wenn wir das Geld haben, dann sollten wir es für die historischen Gebäude ausgeben, die wir in der Stadt noch haben, statt Verschwundenes zu rekonstruieren." (Schneider, Baustadtrat (CDU))
      Wie wäre es mit beidem? Erhaltung und Pflege vorhandener historischer Substanz in städtischem Besitz ist ja wohl eine Selbstverständlichkeit, wer spricht davon, dass man die vernachlässigen sollte, wenn man weitere Rekonstruktionsprojekte angeht?

      "Der Wiederaufbau der Paulskirche ist das erste föderale Projekt der Bundesrepublik“, verteidigte er die schlichte Inneneinrichtung. Zudem habe sich inzwischen herausgestellt, dass das Dach noch intakt ist. „Es aus rein ästhetischen Gründen abzureißen und ein teures Kuppeldach zu bauen, wäre den Steuerzahlern wohl nur schwer zu erklären.“ (Schneider)
      Muss man das Ergebnis eines historischen Projektes erhalten, wenn es misslungen ist? Die heutige Paulskirche ist dem Gedenken an den Ort der ersten Demokratie in Deutschland nicht würdig. Wie wäre es, wenn man den Steuerzahler Spenden sammeln ließe? Ich glaube, die für die Wiederherstellung der Paulskirche benötigte Summe wäre relativ schnell zusammen.

      Alles in Allem scheint es fast so, als habe der Erfolg in Frankfurt in Politik und Architektenschaft rein gar nichts geändert. Man gesteht den Erfolg vielleicht zu, aber darauf hin seine eigene Meinung zu ändern ist nicht drin. Man möchte es schnell als "Ausnahme" und "einmaliges Projekt" abtun und weitere Rekoprojekte gehen dann wieder nicht aus 1000 verschiedenen Gründen, die selben Gründe übrigens, die schon vermeintlich gegen das Dom-Römer-Projekt gesprochen haben.
      Was sich geändert hat, ist, dass die Bevölkerung gesehen hat, das solche Projekte sehr wohl umsetzbar sind und man nicht jedem fadenscheinigen Argument der Lokalpolitik Glauben zu schenken hat. Zudem wurde eine Begeisterung ausgelöst, die Lust auf mehr ist geweckt.
      Bedenken muss man außerdem, dass die Veranstaltung mit dem besagten Titel "Was rekonstruieren wir als Nächstes?" von Matthias Alexander, dem Leiter der Rhein-Main-Zeitung ausgetragen wurde. In der Presse scheint man also auch durchaus auch sehr angetan zu sein und möchte mehr Rekonstruktionsprojekte sehen. Die Frage ist, ob sich die Journalisten und Medienmacher von der Politik und den "Architekturexperten" ihre Euphorie wieder ausreden lassen, oder ob sie bei ihrer eigenen Meinung bleiben.

      Bezüglich der Lokalpolitik scheint es aber leider noch zu brauchen, bis ein Umdenken eintritt.
    • Die intellektuellen Verrenkungen, die die Rekonstruktions-"Kritiker" anstellen (müssen), um weitere Rekos zu verhindern, sind schon abenteuerlich mitanzusehen. V.a. dieses fast zerknirschte, "das war jetzt ein großer Erfolg", aber er darf/soll/kann (aus welchen Gründen auch immer) nicht wiederholt werden, raubt einem den Atem.

      Normalerweise ist es ja eine Eigenschaft des Menschen, Erfolge reproduzieren und Misserfolge zukünftig vermeiden zu wollen. Nur beim Thema Rekonstruktionen/Stadtreparatur scheint es irgendwie eine willkürlich eingezogene Grenze zu geben, ab der man gefälligst nur noch Misserfolge zu reproduzieren hat, um, ja warum eigentlich? Um nicht sein gesamtes Handeln der letzten 70 Jahre in Frage stellen zu müssen?
    • Ja, darum geht es. Um die Niederlage einer Ideologie die man sich nicht eingestehen darf. Weil dann alles zusammenbrechen würde was man über Jahrzehnte an Überzeugungen verinnerlicht hat. Darum darf das Altstadtprojekt nur ein Zwischenfall sein, dem man mit zusammengebissenen Zähnen einen „gewissen Erfolg“ zugesteht. Ein wirkliches Umdenken würde für diese Leute den Gesichtsverlust bedeuten, es ist verhaltenspsychologisch nachvollziehbar dass sie sich dagegen wehren. Der einzige Weg um das Erfolgsprojekt fortzuschreiben ist der, diese Autoritäten öffentlich in Frage zu stellen.
      In dubio pro reko
    • Stillstand bei der Umgestaltung der Hauptwache. Ein Beispiel, wie kompliziert mittlerweile Planungen in diesem hochtechnisierten Land geworden sind, das eigentlich schon nicht mehr die Finanzmittel hat, die bestehende Infrastruktur aufrecht zu erhalten.

      Die Verkehrsgesellschaft will erst das Sanierungskonzept der technischen Anlagen angehen, wenn sie weiß, wie die Politik das Areal städtebaulich verändern will. Die Politik will erst die städtebauliche Veränderung angehen, wenn die VGF das Sanierungkonzept für die Technik vorstellt. Somit macht keiner etwas. Dazwischen wartet ein Verkehrsdezernent (Jahrgang 1952) letztlich nur noch darauf, sorgenfrei in seinen Ruhestand gleiten zu können.

      Frankfurter Hauptwache : Zeitreise unter der Erde
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