Oberschleißheim - Schlossanlage Schleißheim (Galerie)
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Danke Markus für diese hübschen Ansichten. Leider wird das Schloss nachts normalerweise nicht beleuchtet. Die Strahler wurden im letzten Jahr nur ausnahmsweise von BMW im Rahmen einer Präsentation eines neuen Automodells installiert. Aber irgendwo habe ich gelesen, dass die Schlösserverwaltung überlegt, eine solche Beleuchtung dauerhaft zu installieren. Das wäre doch nicht schlecht, oder?
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Ja, mal sehen, wäre schon ganz nett, die Aufnahmen sind natürlich auch vom letzten Herbst.
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Weil ich derzeit mit den Möglichkeiten der HDR-Photographie spiele, lade ich einfach ein paar Beispielaufnahmen hoch, bei denen ich gerade mit verschiedenen Einstellungen experimentiere.
Die Bilder sind unkommentiert, die Schlossanlage habe ich aber in den ersten Seiten dieses Strangs bereits etwas genauer vorgestellt, Fragen beantworte ich natürlich gerne.
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Traumhafte Fotos, surreal, als ob man sich in einem lebenden Gemälde befände. Grandios! Vor der Kulisse des Schlosses entfalten sie eine noch märchenhaftere Wirkung. Herzlichen Dank an Frank



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Bevor der Frühling einbricht, noch ein paar diesjährige winterliche Aufnahmen aus dem Schleißheimer Schlosspark im Norden Münchens, neben dem Nymphenburger Schlosspark eines meiner absoluten Lieblingsziele in den vergangenen gut 40 Jahren.
Frank hatte ja Schloss und Park schon ganz toll und sehr ausführlich vorgestellt. Leider sind die Aufnahmen davon weitgehend nicht mehr vorhanden.
Das Neue Schloss (hier die Ostseite vom Park aus) wurde 1701 unter Kurfürst Max Emanuel begonnen, so richtig fertig wurde es sowohl außen als auch innen nicht. Trotzdem gehört es zu den größten und besuchenswertesten Barockschlössern nicht nur Deutschlands. Die Gesamtlänge beträgt 330 Meter, der Hauptbau davon etwa die Hälfte. Weitere Außen- und vor allem Innenaufnahmen sollen bei Zeiten noch folgen. -

Das Alte Schloss von Osten (rückwärtig das Neue Schloss).
Es geht auf ein von Herzog Wilhelm V. begründetes Gut zurück, dessen Hauptgebäude dann Herzog Maximilian I. zwischen 1617 und 1623 nach dem Vorbild italienischer Villen zum Schloss umbaute. Nach schweren Kriegsschäden 1944/45 (Vergleichsbilder und Innenaufnahmen werden voraussichtlich ebenfalls noch folgen) wurde das Schloss erst ab 1970 wiederaufgebaut.
Der aus der Bauflucht vorspringende Mitteltrakt beherbergt im Inneren den Großen Saal. -
Gewisse Zeit waren die Fontänen im Schlosspark wie auch die Kaskade Baustelle. Seit einigen Jahren sprudelt es aber im Sommerhalbjahr wieder gewaltig.
Das dafür gebaute und immer noch im Betrieb befindliche Pumpenhaus stammt von 1867:

Besonders bemerkenswert und ziemlich einzigartig sind auch die in weiten Teilen noch existierenden Kanäle. Das umfangreiche System an Kanälen, mit denen die Schlossanlage mit Dachau wie auch Nymphenburg verbunden war wurde ab 1689 begonnen. Dazu wurde Wasser von der Isar wie auch der Würm nach Schleißheim geleitet. 1702/04 erfolgten die Bauarbeiten am sog. Türkengraben, der Schleißheim mit der ziemlich genau südlich gelegenen Münchner Residenz hätte verbinden sollen. Dieser gelangte aber nicht zur Vollendung und verschwand wieder im 19. Jahrhundert.
Zwei ältere Aufnahmen von 1980 vom Neuen Schloss und dem auf das Schloss Lustheim zuführenden Mittelkanal:


Ausblick vom Neuen Schloss Richtung Lustheim, damit geht es dann wieder weitestgehend winterlich weiter. -
Nördlicher Pavillon (Schöner Stall)
Nördlich vom Schloss Lustheim liegt im Park der 1688/89 erbaute und um 1780 umgestaltete Nördliche Pavillon.
Mit dem um das Schloss Lustheim führenden Ringkanal.
Das Untergeschoss diente zur Unterbringung von 16 Pferden, im Obergeschoss wohnt(e) das Personal des Gartens.
Besonders gefreut hat mich im Januar dieser Waldkauz, der sich den nördlichen Pavillon (offenbar nur vorübergehend?) als Tageseinstand ausgesucht hatte.
Mein erster Schleißheimer Waldkauz, ein paar vom Nymphenburger Schlosspark sind ja recht berühmte Attraktionen geworden. -
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Das Neue Schloss (hier die Ostseite vom Park aus) wurde 1701 unter Kurfürst Max Emanuel begonnen, so richtig fertig wurde es sowohl außen als auch innen nicht. Trotzdem gehört es zu den größten und besuchenswertesten Barockschlössern nicht nur Deutschlands.
Es ist richtig, dass das neue Schloss insgesamt nicht ganz fertiggestellt worden ist, aber die Haupträume sind durchaus vollendet. Im Speisesaal und im Nördlichen Gartensaal (wenn ich mich recht erinnere) im Erdgeschoß liegt noch der provisorische Holzbohlen-Boden (der übrigens sehr schön ist und außerdem einen interessanten, fast rustikalen Kontrast zu den aufwendigen Stuckaturen und Fresken bildet) und im Stuckatur-Kabinett im 1. Stock sind einige Deckenstuckaturen nicht vergoldet. Es gibt auch sonst noch ein paar Kleinigkeiten, überwiegend in den Nebenräumen, diese fallen aber nicht ins Gewicht. Ansonsten ist das Interieur des Neuen Schlosses absolut atemberaubend und meines Erachtens eines der schönsten Schlösser überhaupt, die man sehen kann. Es ist nicht nur blindwütig mit soviel Prunk und Ornament zugekleistert wie nur irgendwie möglich, sondern es lässt bei aller Üppigkeit eine Linie, einen logischen künstlerischen Gestaltungswillen erkennen; alles ist mit unglaublichem Geschmack konzipiert. Die Liste der beteiligten Künstler spricht für sich: Enrico Zuccalli (Erbauer des Schlosses), Joseph Effner (Hauptgestalter der gesamten Ausstattung), Cuvilliés (einige spätere Ausstattungen wie z.B. die Entwürfe der Stuckaturen im Nördlichen Gartensaal), dazu als ausführende Künstler Johann Baptist Zimmermann, Franz Xaver Feichtmayr, Cosmas Damian Asam, Jacopo Amigoni, Giuseppe Volpini, Wilhelm de Groff, Charles Dubut, Antoine Motté, Johann Adam Pichler u.a.
Schon das Vestibül mit seiner Farbgebung aus zarten Rosatönen, Weiß und Ockertönen ist eine Schau: elegant, prunkvoll und doch mit Maß. Die beiden nördlichen und südlichen Gartensäle besitzen mit die schönsten Stuckaturen, die ich kenne; unglaublich fein gearbeitete Figuren und Linien im Übergang vom späten Barock zum Rokoko! Nur wenige andere Arbeiten können sich mit diesem Niveau messen. Auch hier die Farbgebung wieder zwischen Rosa, Ocker und Cremeweiß; dazu der warme mittlere Braunton der eichernen Holztüren, die mit feinsten Intarsien gearbeitet sind. Absolut beeindruckend auch das Stuckatur-Kabinett im Erdgeschoß und die Kammerkapelle im Stock drüber mit ihren Marmorintarsien! Und dazwischen liegen viele reichausgestattete Räume, in denen ein Teil der bayerischen Staatsgemäldesammlung hängt. Dann das Stiegenhaus: im wahrsten Sinne des Wortes erhebend! Aus einer Notlösung geboren, wurde es Vorbild für die späteren Schlösser von Balthasar Neumann in Würzburg und Brühl. Aus dem Vestibül mit seiner warmen Farbgebung kommend steigt man empor in einen immer heller und größer werdenden, gleißend weißen Himmel, dessen Kuppel von einem Fresko von Cosmas Damian Asam bekrönt ist - das Ganze hat fast etwas Sakrales. Darauf kommt der lichtdurchflutete Hauptsaal des Schlosses, der Große Saal, dessen Wände, wenn man von den zwei riesigen Gemälden absieht, ebenfalls ganz in Weiß gehalten sind und von aufwendigsten Stuckaturen geziert werden. Überdacht wird das Ganze von einem riesigem Deckenfresko von Jacopo Amigoni. Der dahinter liegende anschließende Viktoriensaal ist nochmal üppiger ausgestattet, unter anderem mit einer herausragenden geschnitzten und vergoldetenen Wandvertäfelung. Auf der Längsseite neben dem Großen Saal befindet sich die 57 m lange Große Galerie, die nach dem gleißenden Weiß des Großen Saales mit ihren in weinrotem Damast überzogenen Wänden und weiteren warmen Farben einen tollen Kontrast zur repräsentativen, mäjestätischen Kühle des Hauptsaales bietet.
Es gibt noch viele andere Räume, die man beschreiben könnte, z.B. die Paradeschlafzimmer oder weitere großartige Kabinette, aber bereits die bisher erwähnten Räumlichkeiten sind absolut überwältigend.Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum immer alle Leute nach Nymphenburg rennen und Schleißheim eher ignorieren; das Hauptschloss von Nymphenburg kann sich meines Erachtens mit dem Neuen Schloss Schleißheim in keiner Weise messen. Natürlich sind die kleinen Parkburgen im Nymphenburger Schlosspark fantastisch, allen voran die absolut bezaubernde Amalienburg, aber das Hauptschloss ist bis auf den Festsaal vergleichsweise mittelmäßig.
Also Leute, schaut Euch das Neue Schloss Schleißheim an! Natürlich auch das alte Schloss, Schloss Lustheim und den Park, wenn Ihr schon mal da seid
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Quote from Leonhard
Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum immer alle Leute nach Nymphenburg rennen und Schleißheim eher ignorieren
Meines Erachtens liegt dies vor allem daran, dass Nymphenburg von München aus wesentlich besser erreichbar ist, genauer gesagt vom Zentrum aus sogar mit der Straßenbahn. Schleißheim ist hingegen eher ein Tagesausflug, und dazu hat nun einmal bei weitem nicht jeder Münchentourist Zeit.
Ich hatte Gelegenheit, beide Anlagen zu besuchen und muss sagen, dass ich beide großartig finde, jede auf ihre Art. Nymphenburg ist vielleicht mit seiner schrittweisen Stilentwicklung der "verbundenen Landhäuser" in der Formgebung origineller......aber Schleißheim bietet mehr die ja auch "baupolitisch" explizit angestrebte monumentale Wirkung.
Übrigens habe ich auch eine Menge Innenaufnahmen, weiß aber nicht, ob ich sie einstellen darf, da Fotoaufnahmen dort ja nur zu privaten Zwecken erlaubt sind. Falls mir hier die Bayerische Schlösserverwaltung direkt ihr OK geben würde...

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Du hast recht, von aussen ist Nymphenburg durchaus sehr reizvoll, es hat was Liebliches und Originelles, es schaut nicht aus wie andere Schlösser in dieser Größenordnung. Ich hab mich bei meinem Vergleich auch hauptsächlich auf die Innenräume bezogen. Und natürlich bin ich auch froh, dass es beides gibt

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Mir gefällt Schloss Schleißheim sowohl außen als auch innen besser als Nymphenburg. Als Urschleißheimer wohl auch nicht weiter verwunderlich. Ganz großartig ist aber insbesondere die Amalienburg, für mich das tollste und besuchenswerteste Bauwerk Münchens.
Die drei Schleißheimer Schlösser und der Park sind es in jedem Fall wert, genug Zeit dafür einzuplanen. Die prächtigen Innenräume, Meißener Porzellan in Lustheim oder auch nach Weihnachten Krippen aus aller Welt im Alten Schloss, das lohnt immer und immer wieder einen Besuch.
Heute war ich mal wieder nach längerer Zeit im Schönen Stall (Nördlicher Pavillon Lustheim):

Am Schloss Lustheim vorbei gelangt man zum Südlichen Pavillon:


1686/87 erbaut, beherbergt der Südliche Pavillon die Renatuskapelle. Die ursprüngliche Renatusklause von Herzog Wilhelm V. befand sich an der Stelle des heutigen Schloss Lustheim. Renata von Lothringen war die Gemahlin des Herzogs. Daher wurde die Klause und spätere Kapelle dem Hl. Renatus geweiht.
Im hochbarocken Ovalraum, nach römischen Vorbildern Berninis, findet sich im Kuppelfresko die Glorie / Himmelfahrt des Heiligen Renatus. Wer würde das nach dem Äußeren erwarten... -
Schloss Lustheim

Historische Ansicht von Schloss Lustheim und den beiden Pavillons links und rechts am Bildrand (Kupferstich von J. A. C. und J. Wolf, um 1722). Die in ihrem Ausmaß gigantischen Zirkelbauten sollten das Schloss im Osten einrahmen und u.a. Orangerie, Festräume und Gästeappartements beherbergen. Dabei gab es immer wieder bautechnische Probleme, Geldmangel und Verzögerungen. 1741 erfolgte dann der endgültige Abbruch der bereits begonnenen Kolonnaden. Anstelle dessen finden sich heute Laubengänge.Zwei weitere Ansichten (von Maximilian de Geer, um 1730):

Von WestenSchloss von Südosten:

1684-88 unter Kurfürst Max Emanuel an Stelle der Renatusklause vom Graubündener Enrico Zuccalli im Stile eines italienischen Gartencasinos als Jagdschloss erbaut.
Soweit die diesjährigen Winteraufnahmen.
Weiter geht es im Sommer: Mittelkanal und Schloss von Westen. -
Nachdem ich vor kurzem mal wieder die Gelegenheit hatte, im Neuen Schloss Schleißheim abends ein Konzert zu besuchen und das Schloss mit Abendbeleuchtung zu erleben, habe ich mich entschlossen, in dieser bisher nur aus Außenfotos bestehenden Galerie auch einige Innenansichten aus diesem wunderschönen Barockschloss zu präsentieren. Zur Baugeschichte sei auf die fundierte Beschreibung auf der Website Süddeutscher Barock verwiesen: https://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Werke/s-z/S…im_Schloss.html
Bevor wir zu den Fotos kommen, noch ein paar Anmerkungen: nach Beginn des Baus 1701-04 unter der Leitung von Enrico Zuccalli erfolgte durch die Niederlage in der Schlacht von Höchstädt 1704 (im Zuge des Spanischen Erbfolgekrieges) und dem dadurch erzwungenen Exil des Bauherrn und Kurfürsten Max Emanuel ein Baustopp. Der Bau wurde erst nach dessen Rückkehr 1715 wiederaufgenommen, diesmal aber unter der Leitung von Joseph Effner, der in Paris unter Germain Boffrand Architektur studiert hatte und die neuesten französischen Architektur- und Ausstattungsmoden nach Bayern mitbrachte. Dies ist ein sehr wichtiger Punkt, da durch diese Baustelle einige später bedeutende bayerische Kunsthandwerker mit den neuesten, hauptsächlich aus Frankreich stammenden Kunstformen in Berührung kamen und dieses unter Effner erworbene Wissen schließlich in den ganzen bayerischen Profan- und noch mehr den Sakralbau einfließen ließen: Schleißheim war nach der Theatinerkirche, die ein halbes Jahrhundert zuvor den italienischen Hochbarock nach Bayern gebracht hatte, die zweite - dieses Mal französische - Initialzündung für den bayerischen (Spät-)Barock. Von der Deckenmalerei eines Amigoni, die sich bereits von der hochbarocken römischen Art der Malerei abwendet und die bayerische Rokokomalerei vorbereitet, über die kunstvollen Brüstungs- und Balkongitter des Pariser Kunstschlossers Antoine Motté, der in München eine eigene Werkstatt einrichtete, über die Skulpturen, Plastiken, Wandvertäfelungen und Möbel der international bekannten Bildhauer Giuseppe Volpini, Charles Dubut, Guillaume de Groff und des ebenfalls in Paris ausgebildeten bayerischen Holzbildhauers Johann Adam Pichler bis hin zu den großartigen Stuckaturen Johann Baptist Zimmermanns, der unter der Anweisung von Joseph Effner zu einem der genialsten Stuckateure des gesamten bayerischen Barock und Rokoko wurde und von dem sich hier in Schleißheim die ersten Meisterwerke befinden: all diese Arbeiten lieferten den einheimischen Handwerkern reiches Anschauungsmaterial.
Dementsprechend ist das Neue Schloss Schleißheim nicht nur architektonisch, sondern auch ausstattungstechnisch von exquisitester Qualität, wie man sie selten findet. Dies ist auch Ausdruck von Max Emanuels Intention, mit diesem Schlossbau seine neue Hauptresidenz von der alten Residenz im Herzen Münchens nach außerhalb der Stadt zu verlegen, ähnlich wie sein großes Vorbild Ludwig XIV. von Frankreich seine Residenz vom alten Pariser Königspalast Louvre nach Schloss Versailles verlegt hatte, um sich von seinen Untertanen zu entfernen und eine Art absolutistische Traumwelt zu erschaffen. Mit dem Tod Max Emanuels 1726 kam die Baustelle wieder nahezu zum Erliegen und wurde danach nur noch teilweise fortgeführt, weil es an allen Ecken und Enden an Geld mangelte und weil sein Sohn und Nachfolger Karl Albrecht sein Interesse wieder mehr der Münchner Residenz zuwandte, in der er ein paar Jahre später die von François de Cuvilliés entworfene prachtvolle Raumfolge der Reichen Zimmer im Stil des Frührokoko einrichten ließ. Nichtsdestotrotz wurde an Schleißheim immer wieder gearbeitet, aber richtig fertig wurde das Schloss nie.
Trotzdem ist das Neue Schloss Schleißheim für mein Dafürhalten eines der prächtigsten und qualitätvollsten Barockschlösser, die wir in Mitteleuropa haben und es ist schade, dass es eigenartigerweise etwas im Schatten nicht nur der beiden anderen großen Münchner Schlösserkomplexe Residenz und Nymphenburg, sondern auch von anderen deutschen Barockschlössern steht: dies mag einerseits an der etwas abgelegenen Lage ca. 20 km außerhalb von München liegen, aber andererseits vielleicht auch am reichen Portfolio der Bayerischen Schlösserverwaltung, in dem in Bezug auf Barockschlösser natürlich mehr das UNESCO-Weltkulturerbe der Residenz Würzburg im Vordergrund steht. Sei es wie es sei, das Neue Schloss Schleißheim ist eines meiner absoluten Lieblingsschlösser, vor allem das Stiegenhaus ist architektonisch atemberaubend und gehört zu den besten Leistungen auf diesem Gebiet.Die Fotos stammen aus verschiedenen Jahren und sind teilweise auch mit dem Smartphone gemacht, von daher sind sie vielleicht nicht immer von optimaler Qualität. Ich habe außerdem bisher nicht das gesamte Schlossinnere fotografiert, werde aber bei Gelegenheit weitere Bilder nachliefern.
Wir beginnen mit einem der beiden Portale, die ursprünglich von Ignaz Günther 1763 angefertigt wurden, aber aufgrund von Witterungsschäden vor ein paar Jahren durch die Schlösserverwaltung durch originalgetreue Kopien ersetzt wurden (interessanter Blogbeitrag hierzu: https://schloesserblog.bayern.de/hinter-den-kul…ss-schleissheim). Hier die heutige Kopie des Westportals (die Originale befinden sich im Schloss):

Dann zum dahinterliegenden Vestibül:




Wie man sieht, sind hier z.B. nicht alle Vergoldungen fertig geworden:

Falls jemand den Film “Letztes Jahr in Marienbad” von Alain Resnais aus dem Jahr 1961 kennt: dieser wurde zu einem großen Teil hier in Schloss Schleißheim gedreht (weitere Drehorte waren u.a. Schloss Nymphenburg und die Amalienburg im Nymphenburger Schlosspark), das Vestibül wurde dabei zur Hotellobby umfunktioniert und um die Säulen herum waren Rundsofas drapiert. -
Wir gehen weiter in die angrenzende Sala Terrena und die beiden Gartensäle (Nördliche & Südliche Antecamera).
Sala Terrena mit Stuckaturen von Giuseppe Volpini und Malereien von Nikolaus Gottfried Stuber:

Nördliche Antecamera mit Stuckaturen von Johann Baptist Zimmermann (1723/24) und Franz Xaver Feichtmayr (1762/64) sowie Fresken von Philipp Helterdorf; der Holzdielenboden anstelle eines standesgemäßen Marmorbodens ist darauf zurückzuführen, dass das Schloss nicht ganz fertiggestellt wurde:

Eines der feinen Stuckfelder (1762/64 von Franz Xaver Feichtmayr nach Entwurf von François Cuvilliés):

Ausschnitt aus der Westwand mit Blick in den Speisesaal (von dem ich im Moment keine Bilder habe):

Südliche Antecamera mit Stuckaturen von Johann Baptist Zimmermann und Deckenmalereien von Cosmas Damian Asam (1723–1725):

Zwei Stuckfelder:


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Es gibt weitere schöne Säle im Erdgeschoß wie z.B. den bereits erwähnten Speisesaal, von denen ich aber leider keine Fotos habe; ich werde sie bei Gelegenheit nachreichen. Wir gehen nun weiter zu den Hauptattraktionen des Schlosses, dem Stiegenhaus und den Sälen im Obergeschoß.
Zum Stiegenhaus muss ich vorher einige Anmerkungen machen. Die Planung stammt noch von Zuccalli aus der ersten Bauphase von 1701-04, durch die Bau-Unterbrechung nach 1704 kann sie jedoch nur begonnen werden und wird erst einige Jahre nach der Wiederaufnahme der Baustelle ab 1715 weitergeführt. Pius Bieri schreibt auf der Website Süddeutscher Barock hierzu:"Zuccalli legt die dreiarmige Treppe frei in einen Treppenraum, der die ganze Höhe des Corps de Logis einnimmt und mit einer Kuppellaterne bekrönt ist. Sie führt vom Vestibül im Eingangsgeschoss zum Grossen Saal im Piano Nobile. Diese divergierende und einzig ein Geschoss erschliessende Treppenform ist schon 1584 im Escorial von Madrid zu finden. Sie beginnt einarmig und teilt sich beim Mittelpodest in zwei gegenläufige Arme. Sie wird in Deutschland als Kaisertreppe bezeichnet. Die Treppe von Schleissheim wäre zur Zeit der Planung Zuccallis eine sehr frühe derartige Treppenlösung im deutschen Sprachraum. Am Treppenraum und an der Treppe wird aber erst 1723 weitergebaut. Um diese Zeit stellt ihre Lösung keine Neuerung mehr dar."
An gebauten Kaisertreppen gibt es im deutschen Sprachraum um 1700 nur die Stiege im Wiener Stadtpalais Harrach von 1690, 1721–1723 baut Johann Lucas von Hildebrandt diesen Treppentypus dann im Oberen Belvedere in Wien. Beide sind aber im Vergleich mit dem Schleißheimer Stiegenhaus viel kleiner und bescheidener. Der Höhepunkt der Kaisertreppe wird sicherlich mit Balthasar Neumanns Treppe in der Residenz Würzburg erreicht (1744). Im Gegensatz zum Würzburger Stiegenhaus ist das Schleißheimer Pendant kleiner und steiler, dafür gibt es in Schleißheim einen stärkeren vertikalen Zug, der sich durch die gewaltige Höhe mit der bekrönenden Kuppellaterne ergibt und der dem Schleißheimer Stiegenhaus vielleicht mehr architektonische Spannung und Überraschungskraft verleiht.
Zur Baugeschichte des Schleißheimer Stiegenhauses ist noch zu sagen, dass das Stiegenhaus zwar in seiner Architektur und Ausstattung samt Stuckaturen, Laterne und Deckenfresko aus den Jahren 1703 bis 1723 stammt, die Treppe an sich aber 1845-48 von Leo von Klenze neu (oder zumindest teilweise neu) gebaut wurde. Der offizielle Kunstführer der Bayerischen Schlösserverwaltung von 2009 gibt hierzu an, dass aufgrund von Geld- und Zeitmangel die Treppe in der Barockzeit nur als hölzernes Provisorium gebaut worden, die gesamte Sockelzone im Rohzustand gewesen und erst unter Ludwig I. standesgemäß mit dem seit der Barockzeit bereitliegenden Material fertiggebaut worden sei. Georg Paula schreibt in der Denkmaltopographie von 1997 allerdings, dass die Sockelzone von Effner stuckiert gewesen sei und Klenze beim Neubau diese Stuckaturen durch eine Marmorverkleidung ersetzt habe. Alexander Wiesneth schreibt in der meines Wissens ausführlichsten Abhandlung über die Umbauten Klenzes in Schleißheim (Reparatur - Umbau - Vollendung. Leo von Klenze und das Neue Schloss Schleißheim im 19. Jahrhundert. In: Barock nach dem Barock. München 2015) ebenfalls von einem "hölzernen Provisorium, von dem noch bauzeitliche Hinweise wie Ritzlinien und Stuckverzierungen hinter den Treppenhauswänden erhalten sind". Und weiter: "Die beabsichtigte Fertigstellung betraf deshalb vor allem die steinernen Stufen und die Treppenbaluster, zog sich aber aus finanziellen Gründen und anderweitigen Interessen der nachfolgenden Bauherrn über Jahrzehnte hin." Weiter schreibt Wiesneth über den Neubau der Treppe unter Klenze ab 1845: "Schließlich beginnen im Jahr 1845 die Bauarbeiten am Treppenhaus: es werden neue Marmorstufen bestellt und Umarbeitungen an den vorhandenen Säulen, Sockeln, Säulenschäften, Architraven, Bögen, Schlusssteinen und Kapitellen beauftragt. Eine Mitteilung in den Quellen (Bayerisches Hauptstaatsarchiv) verrät, dass bis zu diesem Zeitpunkt das hölzerne Provisorium noch erhalten war und jetzt erst abgebrochen wurde. Steinmetzmeister Franz Höllriegel fertigte für fast 20000 fl. Pilastersockel an den Stiegenmauern, Piedestale, Wangenstücke und vor allem das Stiegengeländer." Ziel und Umfang der Klenzeschen Fertigstellung der Treppe beschreibt er wie folgt: "An der grundsätzlichen Disposition der Treppenanlage hatte Klenze nichts verändert. Alle Gestaltungsänderungen betrafen allein den unteren Bereich der Stiege, neue Trittstufen, ein Treppengeländer aus Marmor anstatt aus Eisen und Änderungen an einigen Wandbereichen. (...) Die gänzliche Fertigstellung der Treppenanlage ist für das Jahr 1848 archivalisch überliefert." In den Fußnoten schreibt er des weiteren: "Eine wissenschaftliche Untersuchung im Rahmen einer vertieften Bauforschung war bislang noch nicht möglich, ließe aber neue Erkenntnisse zur provisorischen Nutzung des Treppenhauses erwarten."
Aus diesen Angaben werde ich nicht ganz schlau: worin bestand also das "hölzerne Provisorium"? Wenn Klenze wirklich nur die steinernen Stufen, das Treppengeländer, die Pilastersockel, Piedestale und Wangenstücke ergänzte bzw. ersetzte, dann muss die Grundkonstruktion der gesamten Stiege, d.h. aller drei Rampen, ja tragfähig genug gewesen sein, um das riesige Gewicht des ganzen Steinmaterials tragen zu können, was bei einem "hölzernen Provisorium" sicher nicht der Fall ist. Um Steinstufen und massive Marmorbrüstungen tragen zu können, braucht es normalerweise eine gemauerte Unterkonstruktion. Auf einer gezeichneten Bestandsaufnahme des Schlosses von Clement Altmannshofner von 1812, also drei Jahrzehnte vor Klenzes Umbaumaßnahmen, kann man trotz des kleinen Maßstabs deutlich die Säulenkonstruktion mit den Bögen und den Tondo-Nischen erkennen, so wie sie heute noch bestehen und wie sie die zwei oberen Stiegenrampen tragen. Aber es geht noch weiter: in einer Baubeschreibung des Neuen Schlosses Schleißheim von 1797 durch Johann Wolfgang Melchinger in "Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Baiern" steht sogar ausdrücklich "die Stufen sind von rotem Marmor, 93 an der Zahl, das Geländer der Stiege ist ebenfalls von rotem Marmor" und "die große Anlage dieser Stiege, die Säulen, welche sie unterstützen, alles ist von auserlesenem Geschmack". Das hört sich nun überhaupt nicht mehr nach einem "hölzernen Provisorium" an. Wer hat jetzt recht?
Ich kann mir nur folgendes vorstellen: vielleicht war die erste, untere Rampe tatsächlich aus Holz, so dass Klenze diese Rampe komplett neu baute und bei den oberen beiden Rampen nur die Stufen und die Geländer austauschte. Aber ich werde versuchen, ein paar Leute von der Schlösserverwaltung, die sich besser auskennen, hierzu zu befragen.Sei es wie es sei, das Schleißheimer Stiegenhaus ist eine absolute Schau und die klassizistische Treppe Klenzes fügt sich geschmackvoll in den barocken Treppenraum ein, was letztendlich auf die Vorgabe Ludwigs I. zurückzuführen ist, der von Klenze verlangte, dass alles "in Einklang mit dem Ganzen" sein solle. Dies war bei Klenze keineswegs selbstverständlich: wir erinnern uns, dass er Barock und Rokoko geradezu hasste, Wagenladungen von wertvollsten Plänen F. d. Cuvilliés' im Dachauer Moos versenken ließ und im Zuge der Errichtung des Königsbaus der Münchner Residenz auch die gesamte Grüne Galerie von Cuvilliés abreißen wollte, bevor Ludwig I. ihm dies schließlich untersagte, damit ein in seinen Augen wichtiges Zeugnis der Wittelsbacher Vergangenheit bewahrt würde (es wurde dann nur ein kleiner Teil abgerissen, was zur Errichtung des Königsbaus unumgänglich war). Ludwig I. war also nicht nur ein gewaltiger Bauherr, sondern auch eigentlich der erste Denkmalschützer Bayerns, der 1835 die „Generalinspection der plastischen Denkmale des Reiches“ gründete und veranlasste, alle Denkmäler des Königreichs Bayern zu fotografieren. Aus dieser Initiative entstand letztendlich die staatliche Denkmalpflege in Bayern. Aber dies nur am Rande.
Schauen wir uns die Stiege nun also genauer an.
Vom Vestibül aus erscheint der erste Aufgang zunächst einmal nicht besonders sensationell:

Schon spannender wird es, wenn man die Treppe von der Seite betrachtet:




Wir gehen auf den ersten Treppenabsatz...

... und blicken schon einmal in die Höhe:

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