Berliner Abrisse

  • Hier noch ein paar eigene Fotos von dem Abrisskandidaten. In dem Haus befinden sich derzeit im Ober- und Dachgeschoss bewohnte Räume einer Asylunterkunft, im Erdgeschoss noch ein Bäckerladen. Das Haus, wenngleich praktisch im Originalzustand erhalten, zeigt Anzeichen jahrelanger Vernachlässigung durch die Privateigentümerin.


    Müggelheimer Straße 13, rechts abgehend wie Wendenschloßstraße.


    Abrisskandidat Müggelheimer Straße 13, Berlin-Köpenick


    Dort steht ein ganzes lockeres Ensemble gründerzeitlicher Häuser unterschiedlicher Höhe, typisch und zeugnishaft für die Bauphase um die vorletzte Jahrhundertwende, als Berlin von den historischen Dorfkernen ausgehend zur Großstadt heranwuchs.


    Abrisskandidat Müggelheimer Straße 13, Berlin-Köpenick


    Details der Fassade:


    Abrisskandidat Müggelheimer Straße 13, Berlin-Köpenick


    Abrisskandidat Müggelheimer Straße 13, Berlin-Köpenick


    Nur eine Straßenecke weiter in Richtung der ca. 300 m entfernten, denkmalgeschützten Altstadt von Köpenick sieht man, wie es auch gehen könnte:


    Abrisskandidat Müggelheimer Straße 13, Berlin-Köpenick


    Hierbei handelt es sich um ein Haus der städtischen Wohnungsgesellschaft DeGeWo.


    Unser offener Brief vom Ortsverband Berlin von Stadtbild Deutschland:


    "Bitte verhindern Sie den Abriss eines gründerzeitlichen Hauses in Berlin-Köpenick!


    Das 1897 erbaute Haus Müggelheimer Straße 13/Ecke Wendenschloßstraße soll abgerissen werden!Die Privateigentümerin hat den Abriss dieses mehr als 120-jährigen Hauses angekündigt und plant einen Neubau. Eine Eintragung als Baudenkmal wurde von den Denkmalbehörden abgelehnt. Dabei ist dieses Gebäude ein wichtiges Zeugnis der gründerzeitlichen Bauphase um die vorletzte Jahrhundertwende, als Berlin über seine dörflichen Entwicklungskerne hinaus entlang der Ausfall- und Verbindungsstraßen zur Großstadt heranwuchs. Das zweigeschossige Eckhaus ist nahezu im Originalzustand erhalten und steht an stadtbildlich markanter Stelle im Bezirk Treptow-Köpenick. Die nur wenige 100 Meter entfernte, denkmalgeschützte Altstadt von Köpenick ist geprägt von gründerzeitlichen Häusern unterschiedlicher Höhe.


    Der bundesweit tätige Verein 'Stadtbild Deutschland e.V'. setzt sich für den Erhalt und die Pflege historischer Ortsbilder ein. Der neu gegründete Ortsverband Berlin kämpft gegen Abrisse insbesondere gründer­zeitlicher Altbauten in unserer Stadt und hat sich einen wirksamen Schutz aller vor 1933 errichteten Häuser in Berlin zum Ziel gesetzt.

    Berlin hat durch Kriegseinwirkungen und Abrisse bereits sehr viel von seiner historischen Bausubstanz verloren - es ist Zeit für einen generell wertschätzenderen Umgang mit unserem baukulturellen Erbe. Was Jahrzehnte der Zerstörung und Vernachlässigung überdauert hat, sollte erhalten und gepflegt werden. Wir wollen nicht länger hinnehmen, dass nach und nach historische Stadthäuser zugunsten ertragsmaximierter, gesichtsloser Neubauten abgerissen werden und aus dem Stadtbild verschwinden. Die Interessen einzelner Grundstücksbesitzer an der bestmöglichen Verwertung ihrer Liegenschaften dürfen nicht über das Interesse der Allgemeinheit am Erhalt einer identitätsstiftenden, gewachsenen baulichen Umgebung gestellt werden! Auch würde es die Motivation anderer Eigentümer historisch wertvoller Häuser untergraben, in deren Erhalt und Sanierung zu investieren und zugunsten des Stadtbilds auf eine maximale Rendite zu verzichten, wenn die jahrelange Vernachlässigung einer Immobilie am Ende noch mit der erstrebten Abrissgenehmigung "belohnt" wird.


    Bitte setzen Sie Ihre Einflussmöglichkeiten ein, um dieses schöne und wertvolle, für das Stadtbild so bedeutende Haus doch noch zu retten! Die erneute Prüfung einer Denkmalwürdigkeit des Hauses Müggelheimer Straße 13 in 12555 Berlin könnte ein wichtiger Schritt in diese Richtung sein."


    Ging heute per Mail an die Bezirksverordneten von Treptow-Köpenick, den Bezirksbürgermeister, den bezirklichen Bauausschuss und das Stadtplanungsamt, die Bau- und Wohnungsaufsicht, den Baustadtrat, die Untere Denkmalbehörde, den Bezirksdenkmalrat, das Landesdenkmalamt, den Landesdenkmalrat, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, lokale und stadtweite Zeitungen und den RBB.

    Mal sehen, was draus wird.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Nein, ist nicht im Netz verfügbar. Es wurde anscheinend ja noch keine Abrissgenehmigung beantragt, und auch noch kein Bauantrag gestellt. Die ganze Sache befindet sich noch in einem frühen Stadium, die Abrisspläne sind nur bekannt geworden durch eine BVV-Anfrage auf Grund des vernachlässigten Zustandes des Hauses. Insofern halte ich den Protest nicht für gänzlich aussichtslos.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Es scheint doch noch Hoffnung für das Eckhaus Müggelheimer Straße 13/Ecke Wendenschloßstraße zu geben. Als Reaktion auf den an die Bezirksverordneten von Treptow-Köpenick gerichteten offenen Brief des Ortsverbands haben die Linksfraktion - zusammen mit der SPD-Fraktion - und auch die AfD-Fraktion Beschlussanträge gestellt, in welchen dem Bezirksamt empfohlen wird, sich beim Landesdenkmalamt dafür einzusetzen, die Anerkennung des Hauses als Baudenkmal erneut zu prüfen. Die genannten Fraktionen stellen zusammen knapp 75% der Bezirksverordneten von Treptow-Köpenick.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Müggelheimer Straße 13:


    Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung vom 12.11.20:

    "Die Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick beschließt: Dem Bezirksamt wird empfohlen, sich beim Landesdenkmalamt dafür einzusetzen, dass eine erneute Prüfung erfolgt, damit das gründerzeitliche Wohn- und Geschäftshaus Müggelheimer Straße 13 als Baudenkmal unter Denkmalschutz gestellt beziehungsweise in die Denkmalschutzliste aufgenommen werden kann."

    Dafür stimmte die Mehrheit der 53 anwesenden Sitzungsteilnehmer. Gegenstimmen: 7. Enthaltungen: 0.


    Quelle

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Wenn es ein Gebäude gibt, welches Denkmalschutz verdient, dann ist es genau die Müggelheimer Straße 13.

    Zu einer Zeit, als es sich noch nicht lohnte, höher zu bauen und in Originalversion. Zudem Bombenkrieg und DDR überstanden. Und jetzt vom Zwang nach Gewinnmaximierung zerstört? Dann ist das System falsch. Dann ist der Begriff der Denkmalwürdigkeit falsch. Dieser muss heutzutage viel weiter gefasst werden! Es geht um die Erhaltung und Schaffung von Lebensqualität. Wer das nicht begreifen will, sollte seinen Job in der Denkmalschutzbehörde aufgeben.


    Und übrigens ist die Eigentümerin zu Eigentum nicht gezwungen worden.

    Sondern hat sich zu dessen Pflege und Erhalt verpflichtet.

    Neubau mit Gewinnmaximierung kann sie auch an anderer Stelle umsetzen.

    Die Müggelheimer Straße 13 hingegen gibt es so nur einmal.

  • Nicht gerade ein Abriss, aber doch in Teilen, betrifft es eine Villa von Hans Scharoun in Berlin-Spandau:


    Tsp


    Hier wurde die Baugenehmigung zum Abriss einer Garage wohl etwas 'erweitert', so das das Ensemble aus Haus und Garten schweren Schaden erlitten hat. Nachbarn sprechen von einem 'Schwarzbau' und die Behörde beruft sich auf Corona und daraus bedingtem Personalmangel.

  • Abriss zweier gründerzeitlicher Bauten in Berlin-Pankow, rund um die Vinetastraße.


    An der Ecke Berliner Straße / Vinetastraße wurde ein entstucktes, aber sonst sehr gut erhaltenes und bis vor kurzem noch teilweise bewohntes Eckgebäude abgerissen. Das Dachgesisms war sogar noch erhalten.


    Vorzustand (Google Street View):


    https://www.google.de/maps/@52…zr-3fg!2e0!7i13312!8i6656


    Laufender Abriss, Freitag, 11.12.2020 (Eigene Aufnahme, Copyright liegt bei mir).


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    Besonders ärgerlich, neben dem unnötigen und auch nicht-nachhaltigen Abriss eines alten Gebäudes: Unmittelbar westlich schließen drei sehr gut erhaltene Gründerzeitbauten an, die zusammen ein kleines Ensemble ergeben. Das Eckgebäude hätte wiederbestuckt in einer an dieser Stelle recht zerstörten Berliner Straße eine tolle Szenerie ergeben. Ich bezweifle, dass ein Neubau auch nur annähernd an den Ursprungsbau anknüpfen kann.


    Wenige Straßen weiter wurde ebenfalls ein nur dreigeschossiges, aber äußerlich im Originalzustand befindliches Gründerzeithaus abgerissen. Es war das letzte historische Gebäude der östlichen Mühlenstraße zwischen Florakiez und Vinetastraße.


    Vorzustand (leider nur Luftbild Google Maps, das Gebäude rechts der Durchfahrt / links der Baulücke):


    https://www.google.de/maps/@52….51h,52.82t/data=!3m1!1e3


    Geplanter Neubau (51 Eigentumswohnungen, Frank Schiffer Architekten GmbH:


    Vermarktungsseite:

    https://www.pan-co.de/


    bzw. Architekten:

    https://www.frankschiffer.com/projekte/wohnhaus-in-pankow/


    Ich finde diesen Trend bedauerlich und zunehmend bedrohlich: Vorhandene Altbausubstanz muss dem Marktdruck weichen. Selbst fünfstöckige Altbauten werden (vermutlich) durch sechsgeschossige Neubauten plus Staffelgeschoss ersetzt, weil der mittlerweile hochpreisige Immobilienmarkt in Berlin trotz der Abbruchskosten Rendite verspricht. Eine Entwicklung, die in Wien und London seit Jahren zu beobachten ist und selbst vor intakten und stadtbildprägenden Gebäuden keinen Halt macht.

  • Zum Abriss Berliner Straße/Maximilianstraße:

    Vor über zwei Jahren wurde berichtet, dass ein Umbau des Hauses behördlicherseits nicht genehmigt wurde - daher haben sie (wohl die Albert Schweitzer Stiftung - Wohnen und Betreuen) sich wohl für einen Abriss entschieden. Tolle Nummer! Mal abwarten, was dort hinkommen soll - mir schwant nichts Gutes.


    Zur Mühlenstraße 60/61:

    Das ist außerordentlich bedauerlich. Warum konnte man den recht gut erhaltenen Altbau denn nicht in die Neubauplanungen integrieren? Die Antwort liegt ja auf der Hand: €€€€!!

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Müggelheimer Straße 13:


    Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick vom 12.11.20:


    "Dem Bezirksamt wird empfohlen, sich beim Landesamt (für Denkmalschutz) dafür einzusetzen, dass eine erneute Prüfung erfolgt, damit das gründerzeitliche Wohn- und Geschäftshaus Müggelheimer Straße 13 als Baudenkmal unter Denkmalschutz gestellt beziehungsweise in die Denkmalliste aufgenommen werden kann."


    Inzwischen liegt eine Stellungnahme des Landeskonservators nach Ortsbegehung und Auswertung der Bauakte vor: eine Denkmalfähigkeit des Objekts wird nicht gesehen.


    Damit gibt es für den Bezirk keine Rechtsgrundlage, den Erhalt des Gebäudes durchzusetzen - auch wenn die Bezirksverordnetenversammlung praktisch geschlossen ihren diesbezüglichen Willen bekundet hat.


    Nun bleibt abzuwarten, wann es tatsächlich zum von der Eigentümerin bereits in Aussicht gestellten Abriss kommt.

    Sollte es dazu kommen, werden wir erneut öffentlich protestieren.

    Der Ortsverband wird an der Sache dranbleiben und weiterhin versuchen, auf das Thema aufmerksam zu machen.

    Zugleich sind wir bemüht, dem Problem der sich häufenden Renditeabrisse mehr Beachtung zu verschaffen und weitere Medienvertreter, Politiker und Ansprechpartner in der Verwaltung zu kontaktieren. Leider sind aktuell auch weitere gründerzeitliche Stadthäuser bedroht, wie erst kürzlich hier in einem Nachbarforum berichtet. Die Entwicklungen in London und Wien sollten uns eine Mahnung sein.


    Das bedrohte 1897 erbaute Haus Müggelheimer Straße 13/Ecke Wendenschloßstraße in Berlin-Köpenick:


    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Abriss Pankow Vinetastrasse: unbegreiflich dass intakte Gründerzeitler abgebrochen werden stat wiederbestuckt.........Was danach komt passt meistens schlecht in der Umgebung......und wieder Einer weniger.....die niemals zurückkehrt.


    Die (abgestuckten) Gründerzeitler sterben eins für eins, jedes Jahr sind es weniger, Hier und dort wird Einer agbebrochen und voila.......Deutschland wird so langsam beraubt von alles was damals so schön war: ganz intakte Blockrandbebauung im traditionellen Still.....

  • Wie intakt er war, können wir wohl kaum beurteilen. Sieht schon bei Google nach Leerstand aus. Wer weiß, wie es drinnen aussah. Wenn man wollte, hätte man zwar bestimmt etwas machen können, aber...Naja, was soll man wieder sagen...

  • Und für so eine entartete Scheußlichkeit reißt man ein durchaus rekonstruierungs - und sanierungsfähiges Haus weg!!! Unfaßbar disgust:)


    Die kriegen es noch fertig und reißen daß altehrwürdige Kino Tivoli (ein paar Meter weiter) weg, welches zwar in den Nachkriegsjahren äußerlich arg verhäßlicht wurde, jedoch ein historisch wertvolles Rekoprojekt wäre.

    Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.

    Horst Seehofer

  • Die kriegen es noch fertig und reißen daß altehrwürdige Kino Tivoli (ein paar Meter weiter) weg, welches zwar in den Nachkriegsjahren äußerlich arg verhäßlicht wurde, jedoch ein historisch wertvolles Rekoprojekt wäre.

    Ist das Ironie? Das Tivoli wurde Anfang der 2000er abgerissen und durch einen LIDL ersetzt. Dort erinnert nur noch ein Mosaikpflaster und eine Gedenktafel an das alte Kino.

  • Ist das Ironie?

    Wenn, dann wohl eher unfreiwilliger Sarkasmus.


    Das man den guten alten Filmpalast vernichtet hat, ist mir völlig entgangen :crying:

    Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.

    Horst Seehofer

  • Berliner Strasse: Scheusslicher Neubau in heiler Gr.Zeit Umgebung, wieder vollkommen unnötig & UNangepasst & häslich & UNempfindlich.

  • Ja Klassiker,die meisten Lückenschlüsse in Städten mit viel historischer Bausubstanz sind unsensiebel und orientieren sich als Neubau nicht ansatzweise an die architektonische Umgebung.Das ist es, ich bekomme immer einen dicken Hals wenn ich diese bewussten und provokativen Brüche sehe.Ich habe den Eindruck das die Moderne(quadratisch,praktisch,sachlich und,gut)sich gegenüber vielen anderen Bauformen und Stielen demonstrativ erheben will und sich als die wahre Architektur der Architekturgeschichte sieht oder gesehen wird.

  • Nun, der Modernismus nimmt frech und frei wenig Rücksicht darauf, ob seine Erzeugnisse sich in eine Umgebung "einpassen". Auch gerade deshalb sollten Traditionalisten und Rekonstruktionsfreunde sich ebenfalls nicht von einer modernistischen Umgebung von ihren Bauideen abhalten lassen.