• Ein schmerzlicher Rückblick auf die 60er-Jahre in West-Berlin.

    Berliner Stadtsanierung - rbb Mediathek (wohl nur temporär verfügbar)

    Weil die Toiletten überwiegend im Treppenhaus oder Hof gelegen waren, setzten die damaligen Technokraten zur Behebung und Abhilfe darauf, diese Häuser abzureißen.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • In Berlin stehen noch einige tausend Gründerzeitler. Längst saniert gehören diese Bauten zu den beliebtesten und wertvollsten Wohnimmobilien in der Stadt.

    In dem Video wird zumindest gesagt, dass es sich bei den Abrissen um Hinterhofhäuser handeln würde. Eventuell hatten diese nochmal eine andere Qualität. Speziell die Aufnahmen aus dem Inneren mit diesen Verschachtelungen deuten darauf hin. Der Grundriss ist gerade bei Gebäuden mit massiven Wänden ein wichtiger Faktor, insbesondere, wenn man vorhat Sanitäreinrichtungen neu einzubauen, eventuell sogar Wohnungszuschnitte neu vornehmen muss. Beliebte Gründerzeitler heute zeichnen sich aus durch ihre klaren, eher großzügigen Grundrisse, die teils sogar den Einbau von Fahrstühlen ermöglichen, weil die Gebäude oft in einem Zug errichtet wurden.

    Ich muss sagen mir hat das Video sehr gut gefallen, denn es vermittelt, dass unsere Altvorderen nicht komplett durchgedreht waren, sondern für ihre Zeit Abwägungen getroffen haben, die für uns heute schwer nachkonstruierbar sind und damit nicht leicht nachvollziehbar erscheinen.

  • Hast Du schon mal in solchen Häusern gewohnt?

    Ein Onkel hat in meiner Kindheit noch in einem Altbau mit Toilette auf halber Treppe gewohnt. Mich hat das damals eigentlich nicht gestört. In Paris habe ich ein Stammhotel, das auch die Toilette auf halber Treppe hat. Ich nehme mir dann immer die Taschenlampe mit, wenn ich nachts aufs WC gehe. Denn wenn ich rauskomme, ist das Treppenhauslicht manchmal schon wieder aus, und ich bin mir nicht sicher, ob neben der WC-Tür ein Lichtschalter ist.

    Aber, wie "wikos" richtig bemerkt, sind die Häuser ja heute saniert. Gerade in den östlichen Bundesländern gibt es Häuser mit Wohnungen inklusive Bad und WC. Die haben aber noch auf halber Treppe je eine Abstellkammer. Das war das einstige WC vor der Grundsanierung.

    Hinterhofhäuser sind hingegen oft wirklich von minderer Qualität gewesen.

  • In dem Video wird zumindest gesagt, dass es sich bei den Abrissen um Hinterhofhäuser handeln würde. Eventuell hatten diese nochmal eine andere Qualität. Speziell die Aufnahmen aus dem Inneren mit diesen Verschachtelungen deuten darauf hin. Der Grundriss ist gerade bei Gebäuden mit massiven Wänden ein wichtiger Faktor, insbesondere, wenn man vorhat Sanitäreinrichtungen neu einzubauen, eventuell sogar Wohnungszuschnitte neu vornehmen muss. Beliebte Gründerzeitler heute zeichnen sich aus durch ihre klaren, eher großzügigen Grundrisse, die teils sogar den Einbau von Fahrstühlen ermöglichen, weil die Gebäude oft in einem Zug errichtet wurden.

    Ich muss sagen mir hat das Video sehr gut gefallen, denn es vermittelt, dass unsere Altvorderen nicht komplett durchgedreht waren, sondern für ihre Zeit Abwägungen getroffen haben, die für uns heute schwer nachkonstruierbar sind und damit nicht leicht nachvollziehbar erscheinen.

    Ich glaube ich bin im falschen Film! Hast Du Dir überhaupt den Film angeschaut? Es ist deutlich zu sehen, dass nicht nur Hinterhofbauten abgerissen wurden, sondern auch Blockrandbauten. Alleine im Wedding im Gebiet Brunnenstraße wurden 9.000 Wohnungen zerstört.Das Gebiet ist heute Brennpunktgebiet ohne funktionale Mischung. Nicht nur die ursprüngliche Mieterstruktur wurde zerstört, sondern auch Handel und Gewerbe wurden dort zerstört. Hier wie auch in Kreuzberg wurde auf brutalste Weise Stadtzerstörung betrieben.

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  • Ich glaube ich bin im falschen Film! Hast Du Dir überhaupt den Film angeschaut? Es ist deutlich zu sehen, dass nicht nur Hinterhofbauten abgerissen wurden, sondern auch Blockrandbauten.

    Das hat der Stadtbaumeister da im Film halt gesagt, dass es um Hinterhofhäuser geht. Gesehen habe ich ein gesprengtes Gebäude mit deutlich erkennbarer Ornamentik, was wohl kein Hinterhofbau sein kann. Wenn die Realität eine andere war, so kann ich das aus der Ferne eben nicht beurteilen, ich konnte mich nur auf diese Aussage stützen.

  • Das hat der Stadtbaumeister da im Film halt gesagt, dass es um Hinterhofhäuser geht. Gesehen habe ich ein gesprengtes Gebäude mit deutlich erkennbarer Ornamentik, was wohl kein Hinterhofbau sein kann. Wenn die Realität eine andere war, so kann ich das aus der Ferne eben nicht beurteilen, ich konnte mich nur auf diese Aussage stützen.

    Bei Aussagen von Stadtbaumeistern der 60iger und 70iger Jahre zu angeblich notwendigen Abrissen historischer Bausubstanz sollte man stets skeptisch sein :smile:

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  • In Berlin stehen noch einige tausend Gründerzeitler. Längst saniert gehören diese Bauten zu den beliebtesten und wertvollsten Wohnimmobilien in der Stadt.

    Ich habe die Frage nicht umsonst gestellt. Ich habe meine ersten 12 Lebensjahre im heute sogenannten Wrangelkiez gelebt. Wobei das noch relativ gut erhaltene Häuser waren. Aber auch dort habe ich enge, dunkle Hinterhöfe gesehen mit heruntergekommenen Hinter-und Quergebäuden, in denen die Menschen in wirklich unwürdigen Zuständen wohnen mussten. Auch meine Familie lebte bis 1964 im Hinterhaus mit Gemeinschaftstoilette und ohne Bad. Ein Bad in der Wohnung hatten wir überhaupt erst ab 1971 in Lichterfelde, aber selbst dort noch mit Ofenheizung und ohne fließend Warmwasser. Nur dasss es kein Hinterhaus gab und viel Sonne in der Wohnung.
    Und im Wedding gab es ähnliche und noch schlimmere Zustände, wenn ich die Bilder aus dem Film sehe.

    Ich finde es unglaublich überheblich, die damaligen Stadtplaner einer durch den Krieg und die Teilung geschundenen Stadt zu kritisieren.

    Und die von Euch so hochgelobten, heutzutage sanierten und auf modernsten Stand gebrachten und von vielen wirklich geschätzten Gründerzeitler findet man in Charlottenburg, Schöneberg, Steglitz, Neukölln oder anderen Bezirken und höchstens im Vorderhaus.

  • Ich habe die Frage nicht umsonst gestellt. Ich habe meine ersten 12 Lebensjahre im heute sogenannten Wrangelkiez gelebt. Wobei das noch relativ gut erhaltene Häuser waren. Aber auch dort habe ich enge, dunkle Hinterhöfe gesehen mit heruntergekommenen Hinter-und Quergebäuden, in denen die Menschen in wirklich unwürdigen Zuständen wohnen mussten. Auch meine Familie lebte bis 1964 im Hinterhaus mit Gemeinschaftstoilette und ohne Bad. Ein Bad in der Wohnung hatten wir überhaupt erst ab 1971 in Lichterfelde, aber selbst dort noch mit Ofenheizung und ohne fließend Warmwasser. Nur dasss es kein Hinterhaus gab und viel Sonne in der Wohnung.
    Und im Wedding gab es ähnliche und noch schlimmere Zustände, wenn ich die Bilder aus dem Film sehe.

    Ich finde es unglaublich überheblich, die damaligen Stadtplaner einer durch den Krieg und die Teilung geschundenen Stadt zu kritisieren.

    Und die von Euch so hochgelobten, heutzutage sanierten und auf modernsten Stand gebrachten und von vielen wirklich geschätzten Gründerzeitler findet man in Charlottenburg, Schöneberg, Steglitz, Neukölln oder anderen Bezirken und höchstens im Vorderhaus.

    Bei verdunktelten, prekären Hinterhofsituationen mit Gemeinschaftstoiletten war in der Tat oftmals eine Entkernung der beste Weg. Doch was im Brunnenviertel im Wedding, rund um den Kotti in Kreuzberg etc. gemacht wurde, dass war eine rücksichtslose Kahlschlagsanierung bei der ganze Altbauviertel inklusive sanierungsfähiger Vorderhäuser abgerissen wurden. Nicht umsonst bildete sich später Protest dagegen, der schließlich in eine behutsamere Stadtsanierung überging. Links von der Bernauer Straße findest Du das kahlschlagsanierte Brunnenviertel - rechts davon den Prenzelberg und Mitte mit begehrten Gründerzeitbauten, die selbst nach Jahrzehnten Verfall mittlerweile bestens saniert sind. Das schreibe ich übrigens nicht aus der Theorie, aus dem fernen Frankfurt am Main, sondern als ehemaliger langjähriger Einwohner von Berlin der viele Altbauviertel aus Ost und West aus eigener Erfahrung kennt. 

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  • "Oberbaumbrücke", Du sprichst natürlich einen Konflikt an, der schon damals die Diskussion beherrschte. Heute ebenfalls. Bis zu welchem Punkt schafft man bessere Lebensverhältnisse durch Abriss von "Schandflecken" oder "altem Gelump"? An welchem Punkt kippt die Sache, und es wird "wertvolle historische Substanz" vernichtet?

    Während der NS-Zeit zum Beispiel fanden Maßnahmen zur Auskernung der sehr engen Altstadtstrukturen in Frankfurt statt. Sprich: Es wurden Hinterhäuser entfernt, um mehr Licht und Luft zu schaffen. Da heute aber alles, was in der NS-Zeit gemacht wurde, als negativ bewertet werden muss, liest man jetzt darüber, dass es erheblich darum gegangen sei, durch die "Zerstörung mittelalterlicher Bausubstanz" nun die Sozialstruktur der Altstadt "im Sinne der Ideologie zu verändern" und Alteingesessene Altstadtbewohner "verdrängen". Es ist also Empörung über die Abrisse vorhanden.

    Die Hinterhöfe und Gassen dürften in der Frankfurter Altstadt aber noch um einiges dunkler, enger und unsanierter gewesen sein, als im historistischen Berlin der 1960er Jahre. Die Argumente der beiden Parteien indes ähneln sich höchstwahrscheinlich.

    Berlin ist natürlich ein Phänomen der unsanierten Häuser. Unweit vom Wrangelkiez kenne ich jemanden, der in der Fuldastraße wohnt. Dort gab es bis vor wenigen Jahren keine Heizung in der Wohnung. Nur einen Ofen, der ein Zimmer heizte. Dennoch waren die Bewohner gegen eine Sanierung, wegen Gentrifizierung und Mieterhöhung. Solche Zustände sind, von West-Berlin abgesehen, im Westen Deutschlands meist schon ganz viele Jahre unbekannt.

    Ich habe aber auch im Westen schon heruntergekommene Hinterhäuser mit verkommenen Wohnungen gesehen, bei denen ich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen habe. Wohnungen ohne Bad gibt es sogar hier noch gelegentlich.

    Also nochmals: Natürlich braucht es Licht, ein funktionierendes Bad und eine Heizung. Dazu wurden ja viele Altbauten saniert. Aber natürlich ist auch Flächenabriss nicht die Lösung. Zumindest sollte das unter Freunden historischer Gebäude eigentlich Konsens sein.

  • Mitte, Chausseestraße N°53 - ich fürchte, das Haus dürfte nicht mehr lange stehen.

    img_2466ezknr.jpg

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Bezüglich der 1871 erbauten Landhausvilla in Wannsee an der Straße zum Löwen 1 (Ich berichtete), für die ja bereits eine Abrissgenehmigung erteilt worden war, kann ich mitteilen, dass das Haus aktuell noch steht:

    (Foto vom 2.3.22).

    Ob die Pläne, dort ein dreigeschossiges Wohngebäude mit 8 Loft-Apartments zu errichten, noch aktuell sind, ist mir nicht bekannt. Auf der dazugehörigen Internetseite ist die Neubauvisualisierung noch abgebildet, der dazugehörige Text jedoch nicht (mehr) vorhanden. Stattdessen sollen Details in Kürze folgen.

    Übrigens gab es in der BZ vom 18.6.21 einen sehr guten Artikel von Birgit Bürkner zu dem Thema.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Aus dem Artikel:

    "Der Abriss des Chauffeurshauses war unter anderem möglich geworden, weil das Landesdenkmalamt für eine Prüfung zur Unterschutzstellung keine Zeit hatte."

    In dubio pro reko

  • Aus dem Artikel:

    "Der Abriss des Chauffeurshauses war unter anderem möglich geworden, weil das Landesdenkmalamt für eine Prüfung zur Unterschutzstellung keine Zeit hatte."

    Wie kann das denn sein? So schlecht aufgestellt?

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Bild 223: Mit Stuck und Sanierung eine Augenweihe!!!!! Warum immer Abriss???? Die benachbarten Häuser sin gewiss nicht sehr shön, so ist hier gerade eine Chance die Strassenfront ein bisschen aufzuwerten. Abriss bringt nichts wirklich Schönes!!!!!

    Wann sind die Investierer und Behörden endlich bereit dass einzusehen.