• Warum zum Teufel hat man die Börse abgerissen :kopfwand:
    Die war ja zumind von aussen wirklich gut erhlaten!
    Man sowas finde ich echt schlimm!

    wäre wirklich zu schön wenn die Börse noch stehen würde!

  • wenn man alle gebäude wieder aufgebaut hätte, die nach dem zweiten weltkrieg aufbaufähig gewesen wären, hätte man in berlin heute wohl einen anteil von 80% an altbauten.

    solche beispiele wie die börse machen das drama der abrisswut nach dem krieg erst so richtig deutlich.

  • ich frage mich, wie man auf der einen seite historische gebäude abreißen kann und auf der anderen seite den anspruch erheben berlin wieder zur weltstadt zu machen?? glaskästen und hochhäuser gibt es doch überall!
    und das im "kulturland" deutschland?
    albert speer und co. wollten berlin doch zu germania machen, um städte wie london und paris zu überteffen.
    wenn berlin damals bautechnisch nicht mit diesen städten mithalten konnte- was ist denn heute........... :schockiert::weinen::weinen:

  • Also vor Speer hätte Berlin sicher mit diesen Bauten mithalten können. Schade, dass die Siegessäule nicht mehr am Königsplatz steht, schade, dass das Viertel im Spreebogen abgerissen wurde... Speer hat das Band des Bundes doch überhaupt ermöglicht!!

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Jörn schrieb:

    Quote

    Warum zum Teufel hat man die Börse abgerissen Kopf gegen die Wand
    Die war ja zumind von aussen wirklich gut erhlaten!

    Das ist in der Tat eine seltsame Entwicklung. Die Börse stand schräg gegenüber des Doms, wie folgendes Bild zeigt:

    Quelle: Bildindex.de

    Bei Sprengung wäre dort auch eine relativ große Freifläche entstanden, die man sich ja für Aufmärsche ersehnte und doch hat man sich entschieden, statt des Symbols des Monopolkapitalismus', das Symbol der preussischen Monarchie zu sprengen und die Börse noch mindestens 16 Jahre stehen zu lassen. Ob dies eine schwere Entscheidung war?
    Zur Auswahl stand ja auch noch das Symbol der ausufernden Religion ( Kaiserdom ).
    Oh, die Qual der Wahl :zwinkern:
    Es erscheint im Bereich des Möglichen, daß die politische Deutung von Bauwerken damals direkt als Vollzeitbeschäftigung durchgegangen wäre.


    zur Illustration der Zerstörungen innerhalb des Gebäudes:


    Quelle:Bildindex.de

    Ich sag nur: Dach 'rauf und fertig....man denke nur an die gängige Praxis Altbauten zu entkernen. Dort hätte genausogut ein Bombe durch's Dach fallen können, die alle Böden mit sich riß, denn das Innere ist durch den Vorgang des Entkernens ebenso verschwunden und doch ist dieser Verlust, so schlimm er auch sein mag, kaum mit dem Totalverlust des Gesamtgebäudes zu vergleichen.

    Na, ja....Träumereien ob des schönen Arkadengangs, der jeder Bombe widerstand.

  • Quote

    Die beginnende Zerstörung fing schon um die Jahrhundertwende an

    Aber auch eine Gegenbewegung gibt es schon seit den Zwanziger Jahren:


    ERKLÄRUNG VON 1926: FÜR DIE ERHALTUNG DES ALTEN BERLIN

    "Es gilt heute als eine selbstverständliche Forderung, dass in alten Städten nicht nur einzelne architektonisch bedeutsame Bauten, sondern ganze Straßen- und Platzbilder von charakteristischer Eigenart erhalten werden müssen. Denn sie bilden zusammen eine städtebauliche Einheit, deren Wert durch die Erinnerung an die Geschichte und eine blühende Kultur der Vergangenheit noch erhöht wird.

    Mit der Beziehung zum Boden, aus dem das Stadtbild herausgewachsen ist, ist ihm vollends ein so besonderes persönliches Gepräge aufgedrückt, dass jedes in seiner Art ein Originalwerk künstlerischen Schaffens darstellt, nicht anders als ein Werk der bildenden Kunst [...]
    ... Die vorhandenen Altstädte sind vernachlässigt worden, und es konnte geschehen, dass man alte Teile beseitigte, ohne an die hierdurch bewirkte Vernichtung von Kulturwerten zu denken, deren Erhaltung für die bewusste Weiterentwicklung eines Gemeinwesens unentbehrlich ist. Viele Großstädte, welche die Bedeutung ihrer Altstadt für das Gegenwartsleben frühzeitig erkannten, haben es verstanden, die Stadterweiterung so zu führen, dass die alten Teile nicht angetastet wurden. ...

    Wenn Berlin dem konservatorischen Gedanken bisher wenig Beachtung geschenkt hat, so ist das eine Unterlassung, die nicht genug bedauert werden kann. ... Noch in letzter Zeit sind hier Fehler gemacht worden, die bei gutem Willen hätten vermieden werden können, die aber das Ansehen der Stadt als eines ersten Kulturzentrums weit über die Grenzen Deutschlands herabgesetzt haben. Die neuesten Durchbruchprojekte ... lassen befürchten, dass auch die wenigen Reste der einst so schönen und reichen Altstadt, die sich bisher noch erhalten konnte, nunmehr endgültig verschwinden sollen.

    Es haben sich daher Vertreter der führenden Kreise aus der Wirtschaft, Industrie, Technik, Wissenschaft und Kunst, nicht zuletzt aber die heutigen Repräsentanten der Familien, von denen die hohe Kultur Berlins früher getragen wurde, zusammengefunden, um in letzter Stunde ihre Stimme gegen die weitere Vernichtung der Altstadt zu erheben. Sie wenden sich an das öffentliche Gewissen in der Überzeugung, dass die lebende Generation nicht ohne weiteres das Recht hat, die Kulturgüter, die sie von ihren Vorfahren übernommen hat, zu zerstören, besonders, wenn nicht gleichzeitig dafür gesorgt wird, dass etwas ebenbürtiges Neues an ihre Stelle tritt.

    Dabei wäre es falsch, hier romantische Gedankengänge unterstellen zu wollen. Es darf allein das hohe Pflichtgefühl den späteren Generationen gegenüber maßgebend sein, das Erhaltung des Alten, zugleich aber eine Gestaltung des Neuen in organischer Eingliederung erstrebt. ...“

    Quelle: http://www.stadtbild-berlin.de/Verein/vorbilder.htm

  • Zerstörung, Abriss und Stadtumbau in Mitte


    Durch Zufall entdeckte ich auf der Stadtentwicklungsseite interessante und schockierende Schwarzpläne, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

    http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/stadtmo…/biennale.shtml

    (Ich glaube, Antiquitus hatte schon mal mehrere Pläne gepostet, ich habe sie jedoch nicht gefunden.)


    Hier der Zustand von Berlin - Mitte 1940 (mit den Speerschen Planungen):


    http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/stadtmo…1940_1953.shtml

    1953:


    http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/stadtmo…1953_1989.shtml

    1989:


    http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/stadtmo…1989_2000.shtml

    2000:


    http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/stadtmo…2000_2010.shtml

    Bitte schaut euch vor allem die jeweiligen Links an, hier kann man auf interaktiven Karten auch die Abrisse der Vergangenheit und die Planungen für 2010 betrachten.

    Besonders frustrierend finde ich das Ausmaß der Zerstörung nach 1953! Zugegeben waren diese Gebäude wahrscheinlich häufig Kriegsruinen, doch gerade im Osten der Stadt überwog doch der politische Wille zum Abriss!

    Aufallend auch die Zerstörungen, die durch die "autogerechte" Stadt entstanden sind:


    http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/stadtmo…utobahnen.shtml

    Zum Glück wurden nicht alle Planungen ausgeführt (gelb)!


    Übrigens kann man sich die Pläne auch in einer Ausstellung anschauen:

    http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/stadtmo…sstellung.shtml

  • Berlin gibt einige wahre Helden der Architektur: Hardt-Waltherr Hämer (hatte wenigstens ein Teil Kreuzbergs vor der Abriss-Sturm gerettet.
    Wedding konnte er aber nicht retten!!!
    Zu gibt bitte in Kreuzberg eine Strasse den Nahme von Hardt-Waltherr Hämer !!!

    Frage: werden heutzutage noch private Investierungen unternommen um Gründerzeitler zu retten? Wie gross sind diese Anstrengungen? Wie gesehen in Dresden oder [lexicon='Leipzig'][/lexicon] werden dort vielen Gründerzeitler repariert, saniert, rekonstruiert usw. Wirklich wunderbar!!!
    Wie geht mann in Berlin vor? Was machen die Wohnungbaugesellschaften?

    Rob

  • Wo ist das isoliert stehende Hotel an der Nordseite der Strasse westlich des Europahaus geblieben?

    Auf Bilder aus mitte der 90-er Jahren steht der Bau noch immer, fast intakt mit schönes Dach. Heute kann ich die historische Fassade nirgendwo mehr spüren.

  • Benni. Nein ich meine nicht das Mövenpick Hotel. Meine ein Vorkriegsbau mit 1 Innenhof, 5 Stockwerke, 14 x 5 Fenster am Strassenseite: Stresemannstrasse nr. 128. Es stand südostwärts von das ehemalige superhotel Fürstenhof.

    Fürstenhof fand ich mit Haus Vaterland, Kaufhaus Wertheim damals sehr schöne Bauten in der Umgebung von der Potsdamer/ Leipzigerplatz.
    Alle Bauten überlebten den Krieg!!! Aber wurden nach dem Krieg rücksichtsloss abgerissen. Der ursprüngliche Entwurf von Haus Vaterland angesehen mit fast barocke Kuppel!!! Sehr schön.
    Solche Bauten hätten, wenn nicht abgerissen, die heutigen fast nur aus modernen Bauten bestehende Umgebung ungeheuer aufwerten könnnen.

    Ich finde das sie noch immer schmerzlich fehlen in einer Architekturlanschaft die aus reiner Kuben besteht.

  • Dirk

    in diesem gebaude soll irgendein ministrerium einziehen: auch soll das dach wiederaufgebaut werde: so etwas habe ich vor einigerzeit im DAF gelesen. ( moechte aber aus diesem Forum nichts kopieren)aber es scheint noch keine definitive entscheidung genommen zu sein. :?:

    van dyk

  • Nach ewiger Sucherei habe ich herausgefunden, dass in das Haus das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz einziehen soll. Dazu wird ein Neubau an das bestehende angeklatscht, natürlich in moderner, mutiger und kraftvoller Architektur im Stil der Gegenwart.

    http://www.bbr.bund.de/nn_21592/DE/PlanenBauen/BautenBundesBerlin/BautenPolitik/BundesministeriumFuerUmweltNaturschutzUndReaktorsicherheit/WeitereBilder.html\r
    http://www.bbr.bund.de/nn_21592/DE/Plan ... ilder.html

    Der Altbau beherbergte früher das preußische Landwirtschaftsministerium. Das Dach wird in "moderner Interpretation wieder aufgesetzt."

    Nebulöses Architektengeschwätz:

    "Die eindrucksvollen Schmuckelemente im Altbau – Kreuzrippengewölbe, Säulen, Pilaster und kunstvolle Geländer – werden nach Plänen der Architekten Geier Maass Pleuser durch eine neue Zeitschicht aus Farbe, Materialien und Beleuchtung ergänzt."

    Im Frühsommer 2008 soll der Bau fertig sein.

    Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)

  • Diese "unregelmäßige Verteilung der Fenster" ist für mich der dämlichste Architekteneinfall der letzten Jahre, zumal er mittlerweile wirklich bei jedem dritten Neubau eingesetzt wird und jedesmal gleich sinnlos und dilettantisch wirkt, ich weiß wirklich nicht was das soll. Sogar die Jury, die den Neubau auswählte, spricht diesbezüglich von einem "beliebigen Eindruck". :x

    In dubio pro reko

  • Nun, die Herren haben endlich gemerkt, dass ihnen jahrzehntelang Gleichfoermigkeit und Monotonie in der Fenstersetzung vorgeworfen wurde, und daraufhin sind sie nun davon abgekommen. Alles wird "spielerisch!" :gg: