Berlin - Staatsbibliothek Unter den Linden

  • Vielleicht mit neuen Schloss die zwei schönsten Berlins.

    Die Staabi ist praktisch auch ein Schloss, ein Bücherschloss. :)
    Was Ernst von Ihne so entworfen und gebaut hat war schon ganz großes Kino. Schade, dass die Staabi uns nicht komplett erhalten ist. Wenigstens das Bodemuseum von dem selben Architekten ist uns so gut wie komplett erhalten. Ein Museumsschloss auf dem Wasser. Ich liebe seine Bauten einfach. :)

  • Denkmalgerechte Grundsanierung des historischen Gebäudekomplexes ist abgeschlossen
    Berlin. Am 4. November 2019 wurde bei einem Festakt mit 300 geladenen Gästen der Schlüssel für die Staatsbibliothek zu Berlin im Haus Unter den Linden übergeben. Damit ist die Grundinstandsetzung und Erweiterung des über 100 Jahre alten denkmalgeschützten Gebäudekomplexes, einer der größten Kulturbaustellen im Zuständigkeitsbereich des Bundes, abgeschlossen.[...]


    Schlüssel für die Staatsbibliothek zu Berlin im Haus Unter den Linden übergeben - BBR Bund


    Pressebilder anlässlich der Schlüsselübergabe für die Staatsbibliothek zu Berlin Unter den Linden

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Der Brunnenhof ist immer noch abgesperrt, aber für ein paar Bilder reicht es.


    Westseite des Lindenflügels


    Ostseite


    Mittlerer Durchgang zum Brunnenhof.




    Die nur schemenhaft zu erkennende Skulptur heißt "Fragen eines lesenden Arbeiters" (1961) - alles lesen durfte er selbstverständlich nicht.


    Die Statuen über dem Eingang zur Treppenhalle sind keine griechisch-römischen Ringer Denker, sondern Allegorien auf Beredsamkeit und Wissenschaft.



    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Standen da nie Namen auf den Podesten, die leeren Flächen schreien regelrecht danach...

    In der Architektur muß sich ausdrücken, was eine Stadt zu sagen hat.
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten

  • Damals nicht fertig geworden. Ist nen Bossenquader (äußerlich nur grob mit dem Spitzeisen behauen!) oder bewußt so gelassen als Stilelement, wie das auch im groben Schlußstein im Eingangsbogen zu sehen ist. Grobe Schlußsteine, als Bossenquader finden wir auch am Berliner Schloß über einigen Fenstern!

  • aha, auch heute kein Geld dafür vorhanden?

    In der Architektur muß sich ausdrücken, was eine Stadt zu sagen hat.
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten

  • Na heut' steht sowas unter Denkmalschutz. Keiner würde sich daran vergehen wollen, ...
    Finden wir auch an vielen mittelalterlichen und barocken Bauten.
    An italienischen Palazzi, z.B. in Florenz finden wir diese grob behauenen Quader als die Wehrhaftigkeit symbolisierendes Stilelement in den Fassaden haufenweise wieder. Geradezu überdimensioniert werden dann Schlußstein grob-klotzig in die Bögen eingesetzt. Aber dazu könnte Seinsheim kompetent besser Auskunft geben!

  • @Mantikor erwähnte oben "Fragen eines lesenden Arbeiters". Dies ist zunächst einmal ein bekanntes Gedicht von Bertolt Brecht. Es wendet sich gegen die Darstellung der Vergangenheit als Geschichte großer Männer und fordert, den Anteil des einfachen Volkes an geschichtlichen Prozessen sichtbar zu machen: "Cäsar eroberte Gallien. Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?" Dies wurde im Brunnenhof als Anregung für ein Werk der bildenden Kunst genommen, das aus zwei Teilen besteht. Mantikor wies nur auf den Teil hin, der auf dem Bild unter der Textzeile zu sehen ist, den anderen finden wir auf dem Foto darüber.


    Wie stellt man "Fragen eines lesenden Arbeiters" in einem Werk der Plastik dar? Nun, es bietet sich an, den lesenden Arbeiter selbst zu zeigen.


    Brunnenhof, Bronzeplastik "Lesender Arbeiter" von Werner Stötzer, 1961 (Foto: SpreeTom, 2006, CC-BY-SA-3.0)


    Brecht thematisiert die Tatsache, dass der Arbeiter liest, nicht. Sein Gedicht enthält nur die Fragen. Die Darstellung von Text ist der Plastik durchaus geläufig - als gestaltete Schrift auf einem Relief (z.B. auf einer Gedenktafel). Werner Stötzer stellt der Figur des lesenden Arbeiters auf der anderen Seite des zentralen Brunnenbeckens im Bibliothekshof eine Stele mit den "Fragen" gegenüber. Die Reliefplatte enthält den - leider verblassten - Text des Gedichts von Bertolt Brecht, begleitet von illustrativen figürlichen Darstellungen.


    Brunnenhof, Bronzerelief "Fragen" von Werner Stötzer, 1961 (Foto: SpreeTom, 2006, CC-BY-SA-3.0)


    Die Figur des Arbeiters selbst drückt bereits den Fragegestus aus. Der Arbeiter hat das Buch zugeklappt und blickt nachdenklich in die Ferne. Das Bronzerelief, seinem Blick genau gegenüber positioniert, zeigt uns, was er vor seinem inneren Auge sieht.


    Werner Stötzer ist einer der bedeutendsten Bildhauer der DDR. "Fragen eines lesenden Arbeiters" ist ein Frühwerk von ihm. Es zeigt noch nicht seine individuelle künstlerische Handschrift, die sich erst einige Jahre später herauszubilden beginnt. Ein nahegelegenes bekanntes Werk Stötzers im öffentlichen Raum sind die Marmorreliefs im Ensemble des Marx-Engels-Denkmals, heute hinter dem Schloss, von 1985/86.


    Der lesende Arbeiter im Brunnenhof gehört in die erste Phase der Bildhauerkunst in der DDR, die bis zur Mitte der sechziger Jahre reicht. Charakteristisch für diese Zeit ist eine innere Verhaltenheit und Ernsthaftigkeit der Figuren. Nach dem Grauen des Krieges wurde in der öffentlichen Plastik ein neues klassisches Kunstideal angestrebt. Der Mensch aus dem einfachen Volk, der sich bildet, ist ein Sujet, das auch in der Malerei und der Literatur der frühen DDR-Jahre vorkommt. Es passt natürlich bestens zu einer sozialistischen Staatsbibliothek. Bildung für alle ist aber auch ein Anspruch unserer Tage.


    Von dem reichen ursprünglichen plastischen Schmuck des Bibliotheksgebäudes hat uns Mantikor oben schon Beispiele gezeigt. Hier noch ein Detail an einer der Straßenfassaden:


    Detail an einer der Straßenfassaden nach der Sanierung (Foto: Fred Romero, August 2016, CC-BY-2.0)


    Die Steinskulpturen an den Fassaden werden leider kaum beachtet. Dabei sind sie wirklich gut. Der malerische Naturalismus der lange von Reinhold Begas (Neptunbrunnen, Nationaldenkmal) geprägten Berliner Bildhauerschule ist hier verschwunden. Die kraftvollen Figuren passen exzellent zum übrigen plastischen Dekor der Fassaden.


    Mittlerer Abschnitt der Fassade zur Charlottenstraße vor der Sanierung (Foto: Lessormore, Mai 2011, CC-BY-SA-4.0)


    Von einem überbordenden historistischen Pomp, der der Kunst des "Wilhelminismus" immer mal wieder nachgesagt wird, kann hier keine Rede sein. Zum Vergleich ein Fassadendetail des als "nichtwilhelminisch" geltenden Pergamonmuseums:


    Detail einer Seitenfassde des Pergamonmuseums (Foto: hnapel, August 2011, CC-BY-SA-4.0)


    Die Straßenfassaden der Staatsbibliothek werden ebenfalls überwiegend durch Pilaster gegliedert. Den oben gezeigten Säulenabschnitt fügte Ernst von Ihne in die extrem lange Seitenfassade ein, um sie zu rhythmisieren und Monotonie vorzubeugen. Das Pergamonmuseum wurde von Alfred Messel noch während der Bauzeit der Staatsbibliothek entworfen. Der Erste Weltkrieg, die nachfolgenden Krisenjahre und bautechnische Schwierigkeiten führten dazu, dass das Pergamonmuseum erst 1930 von Ludwig Hoffmann vollendet werden konnte. Architekturgeschichtlich schreibt es aber die an der Staatsbibliothek bereits erkennbare Entwicklungstendenz hin zu einer klassizistischen oder historistischen Moderne fort. Beide Bauten zeigen die überlieferten Stilmittel des Historismus, erwecken aber nicht den Eindruck, einer älteren Epoche zu entstammen.

  • Die Staatsbibliothek Unter den Linden wurde von HG Merz saniert. Dieses Büro ist auf Baudenkmale spezialisiert und hat in Berlin auch die Alte Nationalgalerie und die Staatsoper Unter den Linden saniert. Die markanteste neue Zutat in der Staatsbibliothek ist der Allgemeine Lesesaal.


    Staatsbibliothek Unter den Linden, Allgemeiner Lesesaal (Foto: Gunnar Klack, März 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Die Treppe zum Lesesaal (Foto: Gunnar Klack, Oktober 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Mir gefällt der Lesesaal gut. Die Reminiszenzen an die Ostmoderne dürften den lesenden Arbeiter freuen. Durch den rotweißen Farbklang in Kombination mit hellem Holz und guten Proportionen erinnert mich das Design ein wenig an den von gmp sanierten Dresdner Kulturpalast.


    Dresden, Kulturpalast, Foyerbereich im Zwischengeschoss (Foto: SchiDD, Mai 2017, CC-BY-SA-4.0)

  • Einige Bilder vom heutigen Tag der offenen Tür. Die meisten Bilder sind mir leider misslungen (falscher Modus) und hinzukommt dann noch der Blur-Effekt durch das Forum - aber besser als gar keine Bilder, denke ich.











    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Ich hoffe dass die Besucher so etwas wie Hochachtung für die baukünstlerischen Leistungen ihrer Vorfahren empfinden, wenn sie durch diese Räume wandeln.

    In dubio pro reko

  • Ein Traum! Ich habe die Raumflucht jenseits der Treppe in den Anfängen meiner Doktorarbeit noch im DDR-Modus gesehen. Alein die Fotos heben meine Laune schon beträchtlich (trotz der sicherlich berechtigten Kritik in Details). DANKE!!!


    Ich prognostiziere, dass wir diese Raumflucht alsbald auch als Kulisse für manchen Hollywoodfilm sehen werden...

    "Die Qualität städtischen Bauens resultiert aus einer Generationen währenden, kollektiven Leistung." Hans Kollhoff

  • Mal eine Frage zwischendurch: Kann man das Foyer noch besichtigen oder ist das schon wieder geschlossen ??

  • Als ich vorletzte Woche dort war, war alles dicht. Sogar der Innenhof war abgesperrt. Und es hingen überall Hinweisschilder, dass die Staatsbibliothek das nächste halbe Jahr geschlossen bleibt.

  • Die Twitterseite der Staabi teilte diesen Vorabblick auf eine wunderschöne, historische Uhr:

    EPmOi7tWsAA7646.jpg

    Bildquelle:https://twitter.com/sbb_news

    Weiß einer wo im Haus sich diese Uhr befindet? Ich wage mich zu erinnern, dass ich sie auf Bildern des großen Kuppelnraums gesehen habe. Da dieser ja nicht mehr existiert und von einem modernen Kubus ersetzte wurde, frage ich mich, wo sich die Uhr nun befinden wird. Sie muss außerdem recht beachtliche Ausmaße haben, die hier auf dem Bild nicht ganz wiedergegeben werden können.

  • Du meine Güte... D: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es da noch immer so aussieht. Das war vielleicht vor der Freilegung und dem kompletten Umbau des Hauses? Man würde die Uhr doch nicht aufwendig restaurieren und auf Social Media bewerben, wenn sie irgendwo hinter einer Wand oder Decke versteckt ist.