Barcelona (E) (Galerie)

  • Meine Kritik ist nicht kleinmütig sondern aufrichtig, aus meinem persönlichen Empfinden heraus.


    Außerdem muss ich mich schon wundern daß du den Jugendstil hier als Historismus bezeichnest, hat er mit diesem doch gar nichts zu tun, war vielmehr eine Abkehr von demselben. Man merkt, das ist nicht deine Welt. Und wenn der Historismus ein Pseudostil war, dann waren es z.B. Renaissance und Klassizismus ebenso. Ich will mit dir allerdings nicht wieder eine Debatte zum Historismus beginnen, aber vielleicht machst du irgendwann deinen Frieden mit dieser Epoche. Mir gefällt Wien mit seiner verstreuten, vornehmen Secessions-Architektur jedenfalls besser als der organische Gaudi-Stil Barcelonas.

  • Ich mach meinen Frieden, gerade hier angesichts dieser Bilder!
    Ansonsten geb ich zu, deine Kritik zu oberflächlich gelesen und sie auf ALLE hier gezeigten Bilder bezogen zu haben, dh auch auf die zahllosen Historismusgebäude, die du in Wahrheit gar nicht erwähnt hast.
    Findest du also auch, dass sie sehr schön sind?
    Dann hätten wir endlich mal eine ÄSTHETISCHE Übereinstimmung (ist schon viel wert, ansonsten dürfte es zwischen uns ohnedies mehr Übereinstimmungen geben, als man meinen könnte).


    So gesehen ein Fall von mea culpa.
    Ich will mich auch gar nicht drauf ausreden, dass man Gaudi zumindest teilweise unter Historismus führen könnte, da ich diese Ansicht ablehen muss, selbst in diesem Fall:
    https://www.google.at/search?q…on_133804.htm%3B626%3B439


    Gaudi ist auch nicht Jugendstil, sondern sui generis. Einer der größten Architekten aller Zeiten.
    Gut, drüber kann man streiten.
    Über den Stowasser aber nicht.
    Aber den scheinst du ja auch nicht besonders zu mögen.


    PS "organische Gaudi-Stil"?
    Ich nehm an, das war 'n Schreibfehler? "orgiastisch", oder?
    Ich halte den Gaudi für größer als Otto Wagner et consortes.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

    Edited once, last by ursus carpaticus ().

  • Kennst du den Satz mit "Herz-Schmerz"?
    Der erste, der den Reim gebraucht hat, war ein Genie. Der Hunderste ein Kretin.


    Soll sagen: Es ist wohl auch nicht mein Lieblingsbau. Gaudì hat in meinen Augen Schöneres kreiiert. Aber es ist originell und stark im Ausdruck.
    Stowasser ist Kitsch.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Unabhängig von der vorangegangenen Diskussion möchte ich anmerken, dass zumindest meinem subjektiven Empfinden nach trotz aller Schönheit in den durch das geschnittene Schachbrettmuster geprägten Distrikten jenseits der Altstadt und Hügel eine gewisse Ödnis zu dominieren scheint. Vielleicht täuscht dieser Eindruck auch, denn ehrlich gesagt bin ich als absolut Fremder nicht mit der realen Atmosphäre vertraut. Dennoch erscheint mir gerade ebenjener, in seiner Verkehrskonzeption oft gelobte, Grundriss ein enormes gestalterisches Problem darzustellen.
    In anderen Nationen wurde zu jener Zeit und den folgenden Jahrzehnten ein gewisser Charakter deutlich. In Großbritannien beispielsweise durch die Überformung unregelmäßiger Stadtgrundrisse mit enormer gestalterischer Vielfalt (z.B. London) oder die massive Verflechtung von Ingenieurs- und Gestaltungsarchitektur; in Frankreich durch Sichtachsen und parkähnliche Straßenanlagen; in Deutschland durch klar akzentuierte Platzkonturen und Kreuzungsbetonungen oder in den USA aus den markanten Ergebnissen des Wettbewerbs um die Höhe des Baus.
    Zudem waren derlei spezifische Ausprägungen auch nicht national gebunden: Auch in Berlin oder New York gab/gibt es zahlreiche Sichtachsen, auch Frankreich hat seine dominanten Platzanlagen, auch in London zeichnete sich ein Höhenwettbewerb ab. Das alles war einem interessanten Stadtbild zuträglich.


    In Barcelonas epochalen Äquivalenten scheint jedoch gerade diese Spannung zu fehlen, obskurerweise trotz des genial-ästhetischen bis exzentrisch-vielfältigen Gepränges bemerkenswerter Einzelbauten. Die Schnittstellen zwischen den Straßen sind weder befreiende Plätze noch markante Kreuzungen, selbst Eckbauten mit massivsten Akzenten ringen hier vergeblich um Wirkung. Die Straßen selbst, oft nur schnöde Verkehrswege, laufen mit unerbittlicher Linearität ins Leere. Dachlandschaften gibt es kaum, wenn, dann wirken sie seltsam aufgepfroft oder verschwinden hinter den unheimlich flächigen Fassaden. An und für sich ist jede gut gestaltet, doch machen sie in der Masse einen ziemlich banalen Eindruck.
    Umso bedauerlicher ist angesichts dieser singulären Schönheiten ihre Unmöglichkeit, in dieser städtebaulichen Wüste zur Geltung zu kommen.




    Hach, und schon ergeh ich mich wieder im Pathos. Mein treuer Begleiter in jedem Beitrag. Ob ich will oder nicht ;)

    Form is Function.


    "Fürchte nicht, unmodern gescholten zu werden. Veränderungen der alten Bauweise sind nur dann erlaubt, wenn sie eine Verbesserung bedeuten, sonst aber bleibe beim Alten. Denn die Wahrheit, und sei sie hunderte von Jahren alt, hat mit uns mehr Zusammenhang als die Lüge, die neben uns schreitet."

    Adolf Loos (Ja, genau der.)