Wiederaufbau der Garnisonkirche

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      Das Glockenspiel auf der Plantage ist einem Gutachten zufolge ungeeignet für den Turm. Es soll dafür völlig neu angefertigt werden. In einem Katalog für einzeln zu spendende Teile für den Wiederaufbau sind auch sämtliche Glocken und die jeweils dazu gehörigen Klöppel als Spendenobjekte ausgeschrieben. Auch ein schwingendes Geläut ist bereits disponiert und die entsprechenden Glocken sind für Großspenden ausgeschrieben.

      Katalog hier:
      garnisonkirche-potsdam.de/file…alog_2018_Ansicht_Web.pdf
      (Glocken siehe Blatt 26 - 28)

      Das Glockenspiel auf der Plantage wurde übrigens Mitte der 80er Jahre aus Spenden finanziert und stand zunächst in Iserlohn auf einem Kasernengelände. Nach der Wiedervereinigung kam es dann nach Potsdam.
      Wer zwischen Steinen baut, sollte nicht (mit) Glashäuser(n) (ent)werfen...
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      Danke für die schnelle Antwort! Ja stimmt, da hatte ich wohl einen falschen Zeitraum im Kopf, was das Gussjahr des Glockenspiels betrifft...
      Dann gibt es doch wohl Hoffnung, dass zumindest das Glockenspiel in den Rippen Jan Albert de Graves und in mitteltöniger Stimmung rekonstruiert wird! Oder ist hier erneut ein modernes Glockenspiel nach heutigen Standards geplant?
      Kultur ist der Sieg der Überzeugung über die Gewalt. - Platon
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      Ein_Hannoveraner schrieb:

      Das Glockenspiel auf der Plantage ist einem Gutachten zufolge ungeeignet für den Turm.
      Hm, das ist mir jetzt ganz neu.
      Weiß jemand, was die Gründe hierfür sind?
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
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      Schief klingt es nicht wirklich. Die Schlagtöne (bzw. Primen und Oktaven) der einzelnen Glocken sind exakt getroffen worden, allerdings entspricht das obertönig-metallische Timbre (bedingt durch zu reines Material, starke Tonkorrekturen und zu dünne bzw. leichte Rippen; eine c'-Glocke wiegt z. B. im Normalfall 2,4 und nicht 1,9 Tonnen) nicht dem, was man in der Glockenwelt als historisch bezeichnen würde...
      Kultur ist der Sieg der Überzeugung über die Gewalt. - Platon
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      Zudem schwingt das Metall-Gestell so furchtbar mit, dass es jede der angeschlagenen Glocken ins unkenntliche verzerrt...
      Brandenburgische Bauordnung
      § 8
      Gestaltung
      (1) Bauliche Anlagen sind nach den anerkannten Regeln der Baukunst durchzubilden und so zu gestalten, dass sie nach Form, Maßstab, Verhältnis der Baumassen und Bauteile zueinander, Werkstoff und Farbe nicht verunstaltet wirken.
      (2) Bauliche Anlagen sind mit ihrer Umgebung derart in Einklang zu bringen, dass sie das Straßen-, Orts- oder Landschaftsbild nicht verunstalten oder deren beabsichtigte Gestaltung nicht stören.
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      Ich fürchte ja ,mit der folgenden Vorkriegsaufnahme 'Eulen nach Athen' zu tragen, aber in dieser hat das Glockenspiel - laienhaft formuliert - jedenfalls deutlich mehr 'Schmelz', klingt wesentlich 'gebundener' . Sicherlich mögen diese akustischen Ligaturen wohl zum Teil an der alten Aufnahmetechnik liegen, aber eben auch nicht vollkommen...

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      Die Aufnahme täuscht nicht. Das alte Glockenspiel wird mit Sicherheit viel flüssiger geklungen haben, da die Glocken eben nicht wie heute musikalisch perfekt gestimmt waren und sich in Kombination mit der mitteltönigen Stimmung Schwebungen zwischen den Glocken gebildet haben, die den Gesamtklang auf eine angenehme Art lebendig machten.
      Vergleichbare Glockenspiele bzw. Carillons aus der Barockzeit gibt es heute fast nicht mehr. Zwar sind in den Niederlanden noch viele auf den ersten Blick alte Carillons vorhanden, doch sind diese meist noch nach dem 2. Weltkrieg durch den Austausch mehrerer Glocken im Diskantbereich und nachträgliche Tonkorrekturen in ihrer Originalität für immer zerstört worden! Das ist in etwa so, als wie wenn man die originale Farbe einer einer gotischen Holzfigur abkratzt und vielleicht noch eine Hand austauscht, weil sie in den Proportionen nicht zum Rest der Figur passt... Leider war das vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren in Mode - aber auch vor ein paar Jahren wurde z. B. eines der letzten erhaltenen Barockglockenspiele von Mathias van den Gheyn aus dem Jahre 1774 in Saint-Barthélemy in Lüttich (Belgien) durch eben solche Prozeduren massivst entstellt. Die ausführende Firma hat daran auch nicht schlecht verdient... Wer sich ein authentisches barockes Glockenspiel einmal anhören möchte, sollte nach Middelstum (Provinz Groningen) fahren. Vor kurzem wurde es vorbildlich restauriert (bzw. die Spieltrommel, Spielmechanik, Spieltisch und Hämmer) und erklingt nun wieder in seiner alten Pracht.
      Bevor ich hier ganz vom Thema abschweife: Fakt ist, dass man das ehemalige Glockenspiel der Garnisonkirche sowohl von den Glocken als auch von der Stimmung her 1 : 1 rekonstruieren kann, da von seinem Gießer, Jan Albert de Grave, hier und da noch originale Glocken erhalten geblieben sind, die als Vorlage für das neue Glockenspiel dienen könnten, wobei man nicht vergessen darf, dass die später hinzugefügten Bassglocken (c', d', e', fis', gis') durch Johann P. Meurer in Berlin gegossen wurden und damit eine andere Klangcharakteristik besaßen. Dies sollte man bei der Rekonstruktion unbedingt beachten! Ich weiß nicht, inwiefern und ob das überhaupt von den Zuständigen in Potsdam bedacht wurde. Es wäre eine vertane Chance und auch nicht rühmlich für die Garnisonkirche, wenn man dieses Glockenspiel (und übrigens auch nicht die Läuteglocken) nicht wieder so herstellt, wie es ab 1735 gewesen ist.
      Noch ein kurzer Nachtrag zum Spendenkatalog: bei den Preisen für die Glocken blieb mir wortwörtlich die Luft weg. Die große geplante Läuteglocke (Schlagton b°) soll 750.000 Euro kosten? Zieht 700.000 Euro von diesem Preis ab - dann kommen wir in einen realistischen Bereich. Allerdings wird dort ersichtlich, dass man die Läuteglocken offensichtlich nicht rekonstruieren möchte (was ebenfalls, welch ein Wunder, problemlos möglich wäre!). Hoffentlich ändert sich diese Planung noch! Eine rekonstruierte Kirche lebt ja nicht nur von ihrem Aussehen, sondern auch durch das, wodurch sie sich akustisch nach außen hin präsentiert...
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      Ich denke, dieses 4 Jahre alte Video wurde hier schon einmal irgendwann gepostet, aber anlässlich der aktuellen Diskussion möchte ich nochmal darauf hinweisen:



      Es geht um eine Suchaktion nach den originalen Glocken der Garnisonkirche unter den Lesern der MAZ. Einige Glocken wurden offenbar tatsächlich gefunden.
      Das Video endet damit, das die Glocken auf Echtheit überprüft und später in der Ausstellung gezeigt werden sollten.

      Was daraus wurde konnte ich leider nicht herausfinden. War denn mal jemand in der Ausstellung (ich nehme an in der provisorischen Nagelkreuzkapelle) und hat die Glocken dort gesehen? Und könnte man sie nicht wieder in der rekonstruierten Kirche einsetzen?
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      @SchortschiBähr: Natürlich könnte ich eine entsprechende E-Mail verfassen und der Stiftung damit möglicherweise helfen, doch dort hat man ja anscheinend schon einen "Experten" - und die Meinung eines 23-jährigen im Gegensatz dazu kümmert wohl auch niemanden (so nach dem Motto "Der junge Kerl hat doch keine Ahnung"). Insofern wäre das wahrscheinlich vertane Liebesmühe...

      @Centralbahnhof: Diese Glocken stammen definitiv nicht aus dem alten Glockenspiel der Garnisonkirche. Es handelt sich hierbei um in den 1920er- und 1930er-Jahren gegossene Massenprodukte (in meiner Sammlung habe ich auch an die 20 Stück davon), von denen noch heute mehrere tausend Exemplare existieren. Das alte Glockenspiel ist tatsächlich restlos zerstört worden (die kleinen Glocken sind alle zerschmolzen, während die größeren wohl rotglühend aus dem Turm gefallen sind und beim Aufschlag zerstört wurden)...
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      Orgelmacher schrieb:

      ...


      @Centralbahnhof: Das alte Glockenspiel ist tatsächlich restlos zerstört worden (die kleinen Glocken sind alle zerschmolzen, während die größeren wohl rotglühend aus dem Turm gefallen sind und beim Aufschlag zerstört wurden)...
      Korrekt. Und aus einigen wenigen angebrochenen und zerbrochenen Glocken wurden noch bei der Wiedereinrichtung der Kapelle im Turmstumpf in den 50er Jahren 2 neue Läuteglocken gegossen. Diese existieren bis heute noch bei der Heilig-Kreuz-Gemeinde. Damit ist das originale Material von de Grave noch (in Teilen) vorhanden und könnte vor einem Neuguss zunächst in der Zusammensetzung analysiert werden.

      Grüße
      Luftpost
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      § 8
      Gestaltung
      (1) Bauliche Anlagen sind nach den anerkannten Regeln der Baukunst durchzubilden und so zu gestalten, dass sie nach Form, Maßstab, Verhältnis der Baumassen und Bauteile zueinander, Werkstoff und Farbe nicht verunstaltet wirken.
      (2) Bauliche Anlagen sind mit ihrer Umgebung derart in Einklang zu bringen, dass sie das Straßen-, Orts- oder Landschaftsbild nicht verunstalten oder deren beabsichtigte Gestaltung nicht stören.
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      @Luftpost: Da das Material der alten Glocken beim Brand stark erhitzt (daraus folgt eine Änderung des Gefüges und die Glocken haben dadurch zusätzlich einen erheblichen Prozentsatz an Zinn und anderer, zwar geringfügig vorhandener, aber dennoch für den Klang essentiell wichtiger Bestandteile verloren; siehe weiter unten) und durch den späteren Umguss nochmals durch Zulegieren von frischem Kupfer und Zinn wieder verändert wurde, ist hier keine aussagekräftige Materialanalyse möglich. Vielmehr sollte man sich an den Glocken orientieren, die sonst von De Grave und Meurer noch original erhalten sind (und selbst da gibt es immer wieder metallurgische Unterschiede).
      Im Regelfall kann man aber davon ausgehen, dass Glocken aus der Barockzeit neben Kupfer und Zinn auch 1,8 bis 2,2% Fremdbestandteile (Blei, Eisen, Antimon etc.) enthalten.
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