Potsdam - Wiederaufbau der Garnisonkirche (Baugeschehen, Architekturgeschichte)

  • Das Spendenaufkommen der Förderstiftung dürfte gegen null rasseln und - wie ich höre - gab es gestern schon die ersten Austritte.


    So sehr diese Aussagen Dröges kirchenpolitisch nachvollziehbar sind so deutlich bedeuten sie rechtlich mit großer Wahrscheinlichkeit einen Verzicht auf die Fördergelder der FWG. In der Satzung der FWG steht: "Der Satzungszweck wird vorrangig verwirklicht durch den historisch getreuen und vollständigen Wiederaufbau sowie die Erhaltung und die Nutzung der Potsdamer Garnisonkirche in enger Abstimmung mit der Stiftung Garnisonkirche Potsdam.“


    Der eigentliche Skandal besteht darin, dass sich die Kirche bis dato ausschliesslich mit der Finanzierung einer halben Pfarrstelle am Wiederaufbau beteiligt, jedoch stets moralisch über Nutzung und Form des Hauses referiert.

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Die Initiative MitteSchön ist positiver:


  • In einem Telefoninterview mit dem Potsdamer Sender BHeins äußerte sich heute Wieland Eschenburg, Kommunikationsvorstand der Stiftung Garnisonkirche Potsdam, fast wortgleich. Leider hat mir BHeins den Text noch nicht zur Verfügung gestellt, sonst hätten wir mal einen Blick reinwerfen können.
    Man sollte also die Hoffnung, die Kirche betreffend, nicht verlieren.


  • http://www.auktionshaus-eichel…tegorien.10.html?category[id]=355


    darunter tolle Potsdam Sachen, sogar ein Gemälde von Eline HERTZ-JESPERSEN (Nr. 77)!

    "Wie schön ist es doch zu leben." Pippi Langstrumpf

  • Nur der Turm? warum nicht auch das Schiff - nur der Kosten wegen? Lasst doch endlich mal den ollen Hitler aussen vor, der war einmal in der Kirche, oder? disgust:)

    In der Architektur muß sich ausdrücken, was eine Stadt zu sagen hat.
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten

  • Also der Verzicht auf das vergleichsweise schlichte Kirchenschiff ist ja der Unsinn schlechthin. Damit degradiert man den gesamten Rekonstruktionsgedanken. Der Turm verkommt zum Silhouettenbeiwerk ohne tieferen Sinn.

  • Laßt doch erstmal den Turm kommen. Daran glaub ich ja leider fast kaum noch. Aber wenn, dann kommt das Kirchenschiff auch...später irgendwann, aber es kommt.

  • Bitte genau lesen: es geht nicht um einen Verzicht auf das Kirchenschiff sondern um den Verzicht auf die Rekonstruktion des Schiffes (und damit um ein "modernes" Kirchenschiff.

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Denkt bitte an die Evangelische Kaiser- Wilhelm- Gedächtnis Kirche in Berlin und der Kontrast zwischen Kirchenschiff und Turm. Bei diesem Gedanken gruselt es mich :thumbdown: .

  • ...Dieser Kontrast ist aber auch nur dadurch entstanden, das über 50.000 Unterschriften für den Erhalt der Turmruine gesammelt wurden (und es eine frühe Demonstration gab mit einem riesigen Banner am Turm mit der Aufschrift "noli me tangere"). Ursprünglich sollte es nur den modernen Turm an der Westseite geben...


    Ich finde, man sollte sich in Potsdam auf den Bau der Turmanlage konzentrieren in der Art und Weise, in der auch die Planung schon weit gediehen ist - mit der Anbauoption des Kirchenschiffs in historischer Form - und den Streit über die Gestalt des Schiffes bis nach dessen Fertigstellung verschieben. Dann sieht die mentale und politische Landschaft sicher wieder ganz anders aus. Und die verbissen kämpfenden Gegner sind erwachsen geworden und haben mit "echten" Problemen zu tun.

    Wer zwischen Steinen baut, sollte nicht (mit) Glashäuser(n) (ent)werfen...

  • ...
    Ich denke, so kann auch der Bischof verstanden werden.
    Alles Dazukommende macht nur unnötig eine große Welle.


    Ich halte das für einen großen Fehler. Schon einmal haben entscheidende Protagonisten die Augen zu gemacht: als die Gegner ihr Bürgerbegehren durchführten. Mit dem hier sich manifestierenden Erfolg: die Kirche nimmt Abstand von der Kirche. Wenn wir vor diesen Worten des Bischofs Dröge die Augen zu machen, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn
    1. kein Turm gebaut wird,
    2. wenn überhaupt ein Turm gebaut wird, dieser nur in Beton erscheint; ohne Aussicht auf originale Verkleidung, geschweige denn originalgetreue Figuren und Verzierungen,
    3. jegliche Form eines Kirchenschiffs möglich wird, nur nicht das Originale, aber auch keins.


    Wer diese 3 Möglichkeiten akzeptiert und damit leben kann, kann gern weiter weg schauen oder sich etwas schön lesen und weiter schweigen. Ich werde dies nicht tun.


    Diese Worte des Bischofs Dröge vermögen es nicht, die Gegner zu besänftigen. Denn dies schaffen keine Worte. Dies schafft nur die dauerhafte physische Abwesenheit der Garnisonkirche. Jedoch schaffen diese Worte die Spaltung der Befürworter. Ist das etwa gewollt?


    Grüße
    Luftpost

    Edited once, last by Luftpost ().

  • Servus,


    alles was ich derzeit aus Potsdam höre, zeigt mir, dass es derzeit keinerlei Grund für Optimismus in Sachen Wiederaufbau Turm der Garnisonkirche (geschweige den Kirchenschiff in einigen Jahren) gibt. Insofern kann ich die Worte von Luftpost nur unterstreichen. Nicht das wir nix zu tun hätten, ich leide wirklich nicht unter langer Weile - aber dass eines der besten Modelle des Turmes inklusive Glockenspiel und ein komplettes Innenraummodell der Kirche bei mir auf der Festplatte ungenutzt verstauben spricht Bände! So kann es nun mal leider nix werden - positive Öffentlichkeitsarbeit mit bunten Bildern und Filmen mit gutem Sound ist in Zeiten von Multimedia schon mal die halbe Miete. Okay - es gibt da eine neue Webseite der Garnisonkirche. Schön gemacht - zweifelsohne. Aber wie oft wird die genutzt? Alexa Ranking von 7,5 Millionen mit fallender Tendenz ist alles andere als positiv und spricht eher für wenig Traffic auf der Seite und dass trotz Werbung bei Google Adwords. Ich würde schätzen, dass da am Tag im Schnitt inkl. Wiederkehrer nicht mehr als reichlich 50 bis max 70 Personen tgl. vorbeischauen. Die Seite der evangelischen Kirchen Potsdams liegt beispielsweise bei 2 Millionen, dies Forum hier zwischen 300.000 und 400.000. Was die anderen Seiten der Potsdamer Mitte anbelangt, sind diese aufgrund noch viel geringeren Traffics für Alexa entweder geradeso oder gar nicht sichtbar. Da braucht man sich kaum wundern, dass kaum Spenden zusammenkommen. Die Webseite des Berliner Schlosses liegt beispielsweise bei 1,2 Millionen und muss vor geraumer Zeit noch deutlich besser gewesen sein.
    Was Arstempano Potsdam anbelangt, habe ich über die Jahre genug geleistet und selbst dieses Jahr nochmal die Panoramen des Kircheninnenraumes erstellt, hochgeladen und eingerichtet. Die Programmierer haben jetzt noch einmal einige Fehler der Seite beseitigen können - Dank eines Spenders hier aus dem Forum - allerdings schauen da am Tag kaum 10 Leute vorbei.... Daran ändern kann ich selbst nix mehr - da ist einfach keine Kraft mehr für übrig.


    Beste Grüße


    Andreas


    PS - Alexa Ranking - je höher der Rang, um so besser - Traffic kann man dann anhand des eigenen Traffics bei dem einen oder anderen Rang grob interpolieren - ist ungenau - gibt aber zumindest eine richtige Tendenz wieder.


  • Während wir hier noch über das Kirchenschiff und dessen Rekonstruktion diskutieren, hat die Fördergesellschaft zum Wiederaufbau der Garnisonkirche am Freitagabend eine Erklärung abgegeben und rückt vom Ziel einer kompletten Rekonstruktion der äußeren Gestalt ab. In ihrer Erklärung geht sie aber noch nicht so weit wie namhafte Befürworter des Projekts, die einen kompletten Verzicht auf das Kirchenschiff empfehlen.


    http://www.maz-online.de/Theme…stiftung-kompromissbereit


    (Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung -MAZ-)

  • Das gesamte Projekt erscheint mir mit den aktuellen Köpfen der Herren Dröge, Stolpe und Platzeck nicht von entschieden genügenden Befürwortern besetzt. Zum Nachteil Potsdams. Denn eine zweite "Seniorenabschussrampe", entsprechend dem Heilig-Geist-Stift, wird nun wahrlich nicht mehr benötigt. Der Schaden wäre massiver, als das momentan physische Fehlen der Kirche.


    Eine architektonische Reduzierung, Umgestaltung und Umdeutung ist der größte Angriff auf den künstlerischen Aussagewert dieser Kirche. Und damit auf die schöne Gestalt unserer Stadt. Diese geforderte anders-Gestaltung ist nichts anderes, als eine Rechtfertigungsfloskel für den fehlenden Willen, sich mit eigener Geschichte (und hier deren historischer Architektur) auseinander setzen zu wollen. Und damit ist eine Anders-Gestaltung auch nicht geeignet, als Friedens-und Versöhnungszentrum zu dienen, da es zur Reflektion auf eigener Geschichte dann nicht mehr taugt!


    Es gibt nur eine Garnisonkirche Potsdam: wie sie war und wo sie war! Außen wie innen!


    Daher rufe ich die Befürworter der originalen Garnisonkirche Potsdams auf: wenn Kirche und Stiftung so offensichtlich nicht mehr gewillt sind, sich Satzungsgemäß wie auch Grundstücks-Widmungsgemäß zu verhalten, auf einen Neuanfang unter besseren Vorzeichen hinzuwirken!


    Luftpost

  • Glaubst du ernsthaft, dass das Baufeld auf Jahre frei bleibt, wenn das Projekt jetzt scheitert?
    Die Gegner sind doch nicht dumm, die werden mit dem Wind des Erfolges alles dafür tun um Tatsachen zu schaffen. Sobald es rechtlich möglich ist wird das Grundstück anderweitig verplant und bebaut werden.


    Wir haben jetzt die Chance mit dem Turm selber Tatsachen zu schaffen. Über das Schiff wird dann wohl hinterher der Bürger befragt werden müssen. Aber wer weiß wie dieser sich entscheidet, wenn der Turm erstmal in seiner Pracht sichtbar wird?
    Falls das Schiff dann doch eine Zumutung wird, können wir immernoch auf spätere Generationen mit mehr Schöngeist hoffen. Wenn dort dann aber statt des Turmes mit hässlichem Anbau, ein Hotel, eine Kunsthalle oder sonstwas steht, ist das nahezu ausgeschlossen.


    Wenn sich die Befürworter nun also tatsächlich in eine "ganz oder garnicht"-Fraktion und eine "Hauptsache der Turm kommt"-Fraktion spalten lassen, haben die Gegner gewonnen und die Kirche wird niemals kommen.

    98% of everything that is built and designed today is pure shit. There's no sense of design, no respect for humanity or for anything else. Frank Gehry

  • @ Lingster - Woher nimmst Du den Optimismus, dass der Turm in seiner äußeren Form original kommt? Das ist mir leider ein Miraculum. Da fehlt irgendwo die Kleinigkeit von reichlich 20 Millionen, soweit ich weiß... Die ev. Kirche wird für einen originalen Kirchturm nicht zwischenfinanzieren. Wenn, hätte sie es längst getan. Der Gegenwind in der Kirche Brandenburgs ist zu stark, da haufenweise Kirchen verfallen, da das Geld der ev. Kirche für die Unterhaltung hinten und vorn fehlt. Beispiele? Friedenskirche Potsdam - sind die 6 Millionen zur Restaurierung 1 Minute vor 12 eigentlich schon zusammen? - ist eine ernst gemeinte Frage- ich weiß es schlicht nicht. Nikolaikirche - steht wegen der Sanierung der Kirche vor einem Schuldenberg in Millionenhöhe, wo ein Unterschlagungsfall eines ehemaligen Mitarbeiters die Sache noch zusätzlich verrückt macht - die größte Kirche Potsdams hat alle Hände voll zu tun, ihren laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten. Hinzu kommt, dass die peripheren Gebiete des heutigen Brandenburgs durch Wegzug vor allem junger Leute (und vor allem potentieller Muttis...) geradezu ausbluten. Da gibt es selbst für wertvollere Dorfkirchen und kleinere Stadtkirchen dann keine Kirchgemeinden mehr, die noch potent genug wären, ihre Kirchen zu unterhalten. Eine anderweitige Nutzung ist auch oft nicht gegeben, wenn ohnehin in manchen Orten dass Licht auszugehen droht. Selbst wenn in der Zentrale da irgendwo das Geld übrig wäre, kann es sich die Landeskirche politisch nicht leisten, da mal locker 20 Mille vorzustrecken, wo ungewiss ist, dass das Geld je wieder reinkommt. Da interessieren sich einfach mal auch viel zu wenige für einen Wiederaufbau des Turmes. Potsdam selbst kann auch nix vorschießen, da dies im Potsdamer Stadtrat niemals mehrheitsfähig wäre. Wo sollen dann die Million´chen bitte schön herkommen??? Kann mir nicht vorstellen, dass in dieser Situation noch nennenswert Spenden eingehen. Man kann sich eben auch Dinge kaputt reden lassen. Wenn man dann nicht gegenhält und in geschlossenen Reihen steht, hat man halt verloren... Man leistet sich sogar den Luxus die wenigen "Arbeitstiere" zu vergraulen und vor den Kopf zu schlagen sowie über Dresden herzuziehen, dass man einen so "mies wieder aufgebauten Stadtraum", wie den Neumarkt, für Potsdam, nicht haben will. Ich denke, dass es für solche Großvorhaben ein gewisses Zeitfenster nach der Wende gab. Wenn die entsprechend richtigen Leute zusammen waren, ist es auch was geworden. Der Gegenwind wird aber immer stärker. Wenn man dann nicht sehr sehr geschickt agiert, wird es nix mehr. Denke, dass sich für die Garnisonkirche derzeit das Zeitfenster immer schneller schließt, selbst mit vorhandener Baugenehmigung des Turmes. Ansonsten weiß ich nur, dass derzeit auch Mitglieder aus der Anfangszeit aus den entsprechenden Vereinen austreten wollen oder schon sind. Kann wie gesagt nur unterstreichen, was Luftpost schreibt und dass hat er noch positiv geschrieben! Macht bitte endlich mal die Augen auf.


    Entschuldigung - mein Geschreibsel ist gegen niemand hier in diesem Forum persönlich gemeint - aber wenn ich sehe, was da in Potsdam läuft, kocht mir leider das Adrenalin etwas über - muss lernen ruhiger zu werden...


    Beste Grüße Andreas

  • Glaubst du ernsthaft, dass das Baufeld auf Jahre frei bleibt, wenn das Projekt jetzt scheitert?
    Die Gegner sind doch nicht dumm, die werden mit dem Wind des Erfolges alles dafür tun um Tatsachen zu schaffen. Sobald es rechtlich möglich ist wird das Grundstück anderweitig verplant und bebaut werden.


    Ähm nein. Hier vergessen Sie, das auf dem Grundstück eine Widmung liegt. Der sich auch eine Stadt Potsdam nicht entziehen kann. Dieses Grundstück kann, laut Widmung, mit nichts anderem, als der Garnisonkirche bebaut werden. Und es braucht mir niemand zu kommen, von wegen, dass da nicht "original" stünde. Es gab und gibt nur eine Garnisonkirche von Potsdam. Und deren Äußeres wie Inneres ist mit der historischen Form belegt. Daher braucht es nicht eine irgendwie geartete Spezifizierung durch ein vorgesetztes Adjektiv. Das Substantiv an sich gibt vollständig die Art und Weise wieder, wie das Grundstück zu bebauen ist. Nur der Eigentümer kann variabel sein. Wenn die Kirche nicht Eigentümer werden möchte, so stört mich das nicht im geringsten. Dann eben die Stadt Potsdam oder irgendein privater Investor, der sich dazu verpflichtet.


    Wir haben jetzt die Chance mit dem Turm selber Tatsachen zu schaffen.


    Die Chance wurde bereits mit der Ignoranz des Bürgerbegehrens durch Stiftung, Fördergesellschaft und Mitteschön vertan. Erst als ich Sie alle gebetsmühlenartig dazu aufgefordert habe, das nicht mehr zu ignorieren und endlich aktiv zu werden, sind einige dem gefolgt. Wer meint, das könne man aussitzen, versteht heutige Politik nicht. Die direkte Folge dieses Bürgerbegehrens sind die andauernden Querelen der Gegner in der Stadtpolitik und nun auch in der Kirche und in der Folge das Einknicken von Stolpe, Dröge und nun auch Platzeck. Und das alles, weil die Befürworter damals meinten, es aussitzen zu können. Chance vertan!


    Selbst wenn da jetzt noch was gebaut wird: es wird nicht so aussehen, als wäre es auch nur der Turm der Garnisonkirche. Es wird genauso ein Betonmonster werden, wie die Seniorenabschussrampe des Heilig-Geist-Stift. Zitat Dröge aus seiner Presseerklärung vom 12.11.2015: "Aus Gesprächen, die ich
    geführt habe, habe ich den Eindruck gewonnen, dass der Verzicht auf eine vollständige historisierende Wiedererrichtung der gesamten Kirche wesentlich zur Klärung und zur Verständigung auch mit den innerkirchlichen Gegnern des Wiederaufbaues beitragen würde.


    Meine persönliche Überzeugung ist, dass – wie immer das Gesamtkonzept schließlich aussehen soll –schon durch die architektonische Gestaltung sichtbar werden sollte, dass nicht einfach das Alte wiederhergestellt wird. Das Gesamtkonzept müsste neben der historischen Kontinuität durch den Wiederaufbau des Turmes auch den Bruch mit der Tradition zum Ausdruck bringen. Denn ein neuer Geist braucht auch ein erkennbar neues Haus!"


    Da steht nicht, dass der Turm originalgetreu wieder entsteht. Das wird eben nicht gesagt und damit auch nicht bestätigt. Da steht, dass das was da gebaut werden soll, das den "Bruch" mit der Geschichte auch architektonisch deutlich machen soll. Was jedoch ein Politiker (und das ist Dröge, nur eben ein Kirchenpolitiker) nicht sagt, ist meistens erhellender, als das Gesagte!


    Und weiter oben in der Presseerklärung sagt er auch mit dieser Nicht-Aussage, dass er auch den Turm nicht finanzieren will: "...In diesem Zusammenhang ist die Frage gestellt worden, ob die EKBO sich vorstellen könne, mit einer Bürgschaft oder einem Darlehen eine Zwischenfinanzierung zu gewähren, um den Baubeginn des ersten Bauabschnittes zu ermöglichen. Erfahrungen bei vergleichbaren Projekten zeigen, dass die Finanzierung durch Spenden nach dem Baubeginn wesentlich erleichtert wurde.


    Ich habe gegenüber der Stiftung Garnisonkirche und der unterstützenden Fördergesellschaft deutlich gemacht, dass ich zunächst einen ausführlichen Sachstandsbericht in der Kirchenleitung und eine Klärung der inhaltlichen Frage, wie der Gesamtbau geplant ist, für unabdingbar halte. ..." Da ist jedoch nichts zu klären, denn die inhaltliche Frage ist doch bereits seit Ewigkeiten klar: Friedens- und Versöhnungszentrum. Was wäre denn da noch zu klären? Dies sind die typischen Floskeln, denen sich Politiker bedienen, wenn sie etwas ablehnen, dieses jedoch nicht direkt sagen wollen. Dann werden Verfahrensfragen bemüht und Schriftstücke gefordert und alles mit systematischen Fragen in die Länge gezogen.


    Über das Schiff wird dann wohl hinterher der Bürger befragt werden müssen. ...


    Müssen wir nicht! Ein Christ baut sich sein Haus. So wie sich ein Bauherr sein Haus baut. Beide müssen keine Bürgerbefragung durchführen, ob den Bürgern oder der imaginären Mehrheit in der Stadt Potsdam es genehm ist, das sich diese beiden ein Haus bauen dürfen. Einzig der Nachbar kann intervenieren, wenn rechtliche Belange es zulassen.


    Falls das Schiff dann doch eine Zumutung wird, können wir immer noch auf spätere Generationen mit mehr Schöngeist hoffen. Wenn dort dann aber statt des Turmes mit hässlichem Anbau, ein Hotel, eine Kunsthalle oder sonst was steht, ist das nahezu ausgeschlossen.


    Hallo? Eben schreiben Sie noch weiter oben, "wenn da erst mal etwas anderes steht", und nun meinen Sie, das da nichts anderes gebaut werden würde? Und das dann die Kirche so nett ist, das Baufeld des Kirchenschiffs für spätere Generationen frei zu lassen. Ich kann dieser geschrieben Logik nicht mehr folgen.


    Wenn sich die Befürworter nun also tatsächlich in eine "ganz oder gar nicht"-Fraktion und eine "Hauptsache der Turm kommt"-Fraktion spalten lassen, haben die Gegner gewonnen und die Kirche wird niemals kommen.


    Es gibt keinen originalen Turm mehr! Dessen müssen sich diese "Kompromissbereiten" klar werden. Da kommt maximal noch ein Betonsockel hin, in der äußeren Kubatur der Garnisonkirche. Stellen Sie sich den kulkaschen Stadtschlossentwurf (den Sieger aus dem damaligen Architekturwettbewerb, nicht das was Kulka dann bauen musste und was wir heute betrachten können), als das vor, was dann da entstehen wird. Und das steht dann für Generationen. Es gibt keine Wahl mehr, zwischen Turm mit Kirchenschiff und nur Turm, sondern nur noch die Wahl zwischen heutiger Leere oder einem Betonmonster!


    Luftpost

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