Potsdam - Garnisonkirche

  • Wenn man sich die Gesamtentwicklung des Projektes einschließlich der "Bedingungen" der Geldgeber (ob des Gesamtvolumens müsste man die Stiftungsgründer eher als Nicht-Geldgeber bezeichnen) anschaut, dann hat sie alles zusammengefasst, was machbar ist.

    Es wäre ein deutliches Signal, wenn die Vermietung des RZ keine weitere Duldung erfährt.

    Auch wenn in dem Satz "Kunst machen muss man sich leisten können" möglicherweise ein wenig Arroganz mitschwingt - eine andauernde Alimentierung ist auch für die LHP nicht nebenbei zu stemmen. Dies insbesondere unter Beachtung, dass nicht alles "Kunst" ist, was im Künstlerquartier RZ seine Zeit verbringt.

  • Wenn das neue Künstlerquartier erst einmal bezugsfertig ist, dann wird sich der Druck erhöhen dass die Künstler und deren Freunde in das neue Quartier einziehen werden, denn zwei Quartiere wären den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Potsdam nicht vermittelbar. Aber auch ich hoffe, dass man endlich abkommt vom unbedingen Erhalt des Rechenzentrum (RZ).


    Und wenn der Platz für das Kirchenschiff erstmal leer bleibt, dann ist es so. Schon alleine ein fertig gebauter Turm hat eine tolle Wirkung, an der Breiten Straße. Das Bürogebäude neben dem Turm der Garnisonkirche (Schubert Denkmal) benötigt wirklich keiner.

  • Das neue "Künstlerquartier" wird nicht bezugsfertig fertig, weil mit dem Bau noch nicht einmal begonnen wurde, ja nicht einmla alle Baugnehmigungen vorliegen.


    Zudem ist unter den Rahmenbedingungen (Baupreissteigerung, Bauzinsniveau, Materialmangel) eine Erfüllung des Vertrages des Vorhabenträgers, 1/3 der Fläche des Quartiers von ca. 20.000 qm BGF subventioniert für 9 Euro NKM für die Künstler anzubieten, faktisch unerfüllbar geworden.

    Deshalb wird der Druck auf den Erhalt des RZ steigen. Insofern kann ich nur sagen: träumt alle weiter, mit der Realität haben die Wunschtraum-Debatten in diesem Strang jedoch leider gar nichts zu tun.

  • mit der Realität

    Und wie wird die Realität aussehen?


    Wird also die Stadt das Rechenzentrum für einen hohen Millionenbetrag sanieren, um es dann "Kreativen" für einen Apfel und ein Ei zu überlassen? Bislang hast Du das als wenig realistisch dargestellt.


    Und was passiert dann mit dem Areal des Kreativquartiers? Wird es eine Brache bleiben? Außer Abrisskosten kein Ertrag? Oder versucht der Bauherr dort dann lukrativere Wohnbebauung zu höheren Quadratmeterpreisen zu errichten?


    Wir stehen allerdings vor einer Rezession. Wer wird sich (aufgrund der Baukosten) teure Eigentumswohnungen oder Mieten in der Innenstadt in Zukunft noch leisten wollen/können?

  • Vielleicht endet es dann so, dass die Künstler dann ganz leer ausgehen: Der Investor für das Kreativquartier zieht sich zurück, das Rechenzentrum kann aufgrund von Geldmangel nicht saniert werden und wird dann baupolizeilich gesperrt und steht jahrelang als nicht mehr nutzbare Ruine in der Stadtlandschaft...

  • Heimdall

    Ich könnte jetzt den Bebauungsplan raussuchen, um es zu belegen - aber momentan stelle ich mal die Behauptung in den Raum, dass eine Wohnbebauung durch Glockenweiß nicht möglich ist, ohne dass der B-Plan geändert wird.

    Da Herr OBM der LHP laut dem von Meister Lampe eingestellten Artikel "eingeräumt" hat, dass so eine Planänderung durchaus mehrere Jahre dauern kann, bliebe nur das abwarten und verfallen-lassen der Baugenehmigung als Option.

    Da wiederum - siehe verschiedene Laggner- und Kirsch-Projekte - die LHP recht flink bei der Beitreibung von" Vertragsstrafen" für unpünktliche Bauabläufe ist, sehe ich das als schlechte Option.

    Das Künstlerquartier hat aber nur bedingt mit DIESEM Thema zu tun.

  • Rechenzentrum:


    Die Realität sieht so aus, daß sich die Stadt weder ein Haus der Demokratie noch die Sanierung des Rechenzentrums leisten kann, für das Rechenzentrum sind keine Mittel eingestellt. Es gilt momentan der Abrißbeschluß des rechtskräftigen B-Plan Nr. 1 und der Beschloß, daß die Nutzer des RZ die laufenden Kosten zahlen müssen. Angesichts der Energiepreiserhöhung dürfte sich das im Jahr 2022 auf über 12 Euro/qm erhöhen, vermutlich gibt es zum Jahresende 2022 ein Riesegeheule, weil eine fette Nachzahlung kommt.


    Das Rechenzentrum entspricht nicht einmal der Wärmeschutzverordnung vom November 1977, dem ersten Wäremschutzgesetz in Deutschland. Deshalb setzt sich die Miete auch momentan aus drei Euro Miete und 7 Euro Nebenkosten zusammen. Das Rechenzentrum in dem aktuellen Zustand ist also eine Umweltsau erster Güte und - ich habe es mal durchgerechnet - emittiert soviel CO2 wie die stinkende AIDA 2 im Hafen von Venedig.

    Das hindert natürlich keinen links denkenden Menschen daran hohe moralische Ansprüche an Klimaschutz zu vertreten. An sich selbst denkt jeder zuletzt, gerade in solchen Fragen. Darauf weist leider niemand hin.


    Wenn also die Stadt das RZ sanieren will muß sie den B-Plan ändern, dafür benötigt es eine Mehrheit in der SVV. Ob es diese git, wenn mit dem Änderungsbeschluß nur der Bestand des RZ gesichert werden soll, wage ich zu bezweifeln. Die Strategie des OB ist wohl die Ergebnisse der Machbarkeiststudie für das "Haus der Demokratie" abzuwarten und erst dann den B-Plan zu ändern - da das HdD schon eine Mehrheit in der SVV bekommen hat könnte der Bau hier Eisbrecher sein. Eine Finanzierung für die HdD steht jedeoch - bis auf die Gelder für die Machbarkeisstudie, die auch woanders fehlen, in den Sternen. Im Stadthaushalt ist nichts eingestellt.


    Wenn das RZ saniert wird muß die Ecke für das HdD herausgenommen werden. Zudem muß 100 % der Fassade saniert werden. Bei Eingriffen dieser Art entsteht eine neue Baugenhmigungspflicht sodaß, wenn die Stadt weiter wartet, das neue GEG nach der Habeckschen Überarbeitung greifen wird. Hinzu kommen die bekannten Baukostensteigerungen. Unter 30-40 Millionen Euro wird eine Sanierung nicht zu machen sein. Das bedeutet eine Kostenmiete von ca. 23 Euro/qm Nutzfläche. Eine Nutzung als "soziokulturelles Zentrum" (SPD-Fraktionschefin Zalfen) fällt damit entweder aus oder muß dauerhaft mit 14 Euro pro Quadratemeter und Monat bezuschusst werden - das werden die Stadtverordneten nicht tun.

    In die mißliche Lage hat sich der OB selbst egbracht und muß nun selbst wieder rausfinden. Seitens der Opposition wird ihm dabei keiner helfen.

  • KUK


    Wie die Sache mit dem Kunst- und Kreativquartier ausgeht ist schwer zu sagen. Zuerst wartet der Investor alle Baugenehmigungen ab, weil diese in Brandenburg 6 Jahre gelten. Dann wird er vermutlich versuchen das Projekt zu verkaufen.


    Wegen der Baupreise kann der subventionierte Preis von 9 Euro für 6.000 qm der 20.000 Fläche nicht mehr gehalten werden. Ich glaube nicht, daß die Stadt eine Erhöhung auf notwendige - zum Beispiel - 14 Euro mitmacht. Schon die 9 Euro führen ja zu 12 Euro Warmmiete - was für die meisten Künstler unerschwinglich ist. Alternativ kann eine dichtere Bebauung zugelassen werden (B-Plan-Änderung), worüber allerdings die Käufer der ETW im Palais Brockes wachen, da das Quartier deren Südblick darstellt. Da diese aufgrund des geltenden B-Plan gekauft haben werden zusätzliche Geschosse konsensual nicht zu vereinbaren.


    Bleibt noch für die anderen, 16.000 qm, höhere Mieten zu verlangen. Schon jetzt lag die Zielmargen > 20 Euro, was m.E. im Blockinnenbereich nicht zu erzielen ist. Der letzte Versuch ist eine öffentliche, also städtische Nutzung, für völlig überhöhte Mieten unterzubringen um die Subvention zu verstecken: Das haben die Stadtverordneten schon abgelhnt (das Potsdam-Museum sollte Flächen für 35 Euro mieten).


    Zum Schluß bleibt der Stadt nur, den Vertrag rückabzuwicklen. Das Areal ist als Standort für die Kommunalbehörden auch viel besser geeignet als Neubauten an der Heinrich-Mann-Allee, die der OB momentan favorisiert.

  • "Träumen kann man doch mal"


    Konstantindegeer: bist du am 30. April bei der Mitgliederveranstaltung für den Wiederaufbau der Garnisonkirche (FWG) dabei?

    Nein, ich bin und war in diesem Verein nie Mitglied, weil ich den Optimismus über die Gestaltungs- und Finanzkraft der Kirche nie geteilt habe. Ich drücke Maike Dencker die Daumen, die richtige Arbeit beginnt jedoch erst danach.

  • Ein paar Bilder von heute. Große Teile der Planen sind schon entfernt worden, sodass man einen guten Blick hinter das Gerüst hat:





    Alle Bilder sind von mir und dürfen verwendet werden.

  • Wunderbare Bilder! Ich freue mich um alles, was schon gebaut ist. Wenn die Gerüste fallen, darf sich die Schönheit entfalten und ihren ganz eigenen Beitrag zur Diskussion um die Kirche einbringen. Ich bin zuversichtlich, dass sich dann Wege und Mittel finden werden, den Turmbau ganz abzuschließen.

  • Mattielli, nicht doch so pessimistisch.Ich glaube nicht an eine Bauruine.Die Fertigstellung des Turm's ist jetzt für 2024 statt 2023 vorgesehen,also gut ein Jahr später.

    Die Vollendung des Turms ist sicher,aber die ganze leidige Endlosdiskussion über das unmittelbare Umfeld des Turms RZ ja oder nein ,Schiff ,Haus der Demokratie,Neues Kreativquartier,..............,die ist langsam nervig. :blah:

    Ich denke das ganze ist alles nicht mal halb so problematisch,es ist nur so Emotional aufgeladen,dadurch scheint es ein Problem zu sein oder am Ende unnötig zu werden.

    Ich denke,gäbe es diese Kreativen dort im RZ nicht, hätte das ganze GK Projekt und sein Umfeld einen viel flüssigeren Verlauf genommen.

  • Ich denke,gäbe es diese Kreativen dort im RZ nicht

    Und wer trägt daran maßgeblich Schuld? Zu nicht unbedeutenden Teilen ein Herr namens Jann Jakobs. Der werkelt nun als Beiratsvorsitzender der Universitätsgesellschaft herum. Alles andere wäre wohl zu viel des Rückzugs aus dem Rampenlicht der Öffentlichkeit gewesen. "Bewegend" und mit viel Geklatsche haben ihn seine Anhänger 2018 in den Ruhestand verabschiedet. Dazu gab es Geschenke. Ob ihm wohl einer das faule Ei zurückgeschenkt hat, dass er den Potsdamern vermacht hat? Er hätte es sich sich redlich verdient gehabt. Doch so viel Kreativität traue ich Potsdamer Rekonstruktionsfreunden allerdings nicht zu.


    "Herr Hermann", ich teile dennoch Deine Einschätzung, dass wir irgendwann die Turmhaube noch sehen werden. Und womöglich auch die schrittweise Wiederkehr von Fassadenschmuck. Eher oder etwas später. Dazu schreit der Turm zu sehr nach Vollendung. Und die Rumpelstilzchen "gegen die Garnisonkirche" werden irgendwann müde werden. Schon weil der Gesellschaft und auch ihnen persönlich ganz andere Probleme "guten Tag" sagen werden.

  • Oberbürgermeister Schubert (SPD) hat die "Katze aus dem Sack" gelassen. Noch am Donnerstag dieser Woche hat er mit den Freuden des Rechenzentrum (RZ) zu einer Diskussionsveranstaltung getroffen.


    Dort hat er folgende Aussage getroffen: Die derzeitige Beschlusslage sei aber noch, dass das Rechenzentrum laut Bebauungsplan weichen müsse, erinnerte Schubert. Der Abriss wäre auch die billigste Variante, sagte er: „Doch das will keiner von uns.“ Ziel seiner Kompromisssuche sei keine Versöhnung aller Positionen, sondern ein Ort des Dialogs und der Auseinandersetzung mit der Stadtgeschichte, was am Plantagenforum eben aus seiner Sicht möglich wäre.


    Er hat erkannt, dass ein Abriss die billigste Variante sein wird aber er will es nicht. Angeblich möchte es keiner! Somit bringt er eine Bürgerbefragung ins Spiel. War das nicht eine Idee der Linken, die dass immer wieder ins Spiel gebracht haben?


    https://www.pnn.de/potsdam/dau…erbefragung/28291786.html

    (Quelle: Potsdamer Neuste Nachrichten, 29.04.2022)

  • Er hat erkannt, dass ein Abriss die billigste Variante sein wird aber er will es nicht. Angeblich möchte es keiner! Somit bringt er eine Bürgerbefragung ins Spiel. War das nicht eine Idee der Linken, die dass immer wieder ins Spiel gebracht haben?

    Ich denke der OB ist mit der ganzen Sache langsam überfordert.Er versucht jetzt in seiner Hilflosigkeit die Bürger durch eine mögliche Bürgerbefragung als Verstärkung mit ins Boot zu holen.Aber was bitteschön erwartet er dann von den Bürgern?!

    Etwa eine kompetente Bürgermeinung zu diesem leidigen und mittlerweile verworrenden Thema?! Ich glaube,der OB steht unter Druck.Er hat diese Kreativen jetzt an der Backe und muss ihnen eine dauerhafte Bleibe zusichern.Das erwarten diese Leutchen.Aber wo soll das viele Geld für eine Sanierung des maroden RZ herkommen ? Eigentlich tickt die Zeit gegen das RZ. Und so super sieht es momentan mit dem neuen Kreativquartier wohl auch nicht aus (siehe Kommentar Konstantindegeer #4.452) Es ist zur Zeit eine festgefahrene Sache wo keiner richtig weiter weiß.

    Ein neuer Vorstand ist für die FWG gewählt - die Karten werden neu gemischt.
    In diesem Sinne - abwarten und teilnehmen. :zwinkern:

    Aber vielleicht ist jetzt der neue frische und verjüngte Vorstand DIE Lösung .:smile:

  • Die Frage des Rechenzentrum ist doch gelöst (Beschluß Abriß Ersatzflächen im Kunst- und Kreativquartier) und die Frage des Kirchenschiffs bedarf ja keiner unmittelbaren Aktivität, weil die Kirchenstiftung noch mit dem Turm und dem Nutzungskonzept befaßt ist. Das kleine Kirchenschiffgrundstück kann doch für 10 oder 20 Jahre eine kleine Grünfläche bleiben, bis eine überzeugende Idee und das Geld da sind. Potsdam hat in seinem Haushalt wirklich drängendere Probleme als die Bebauung eines Miniareals in zweiter Reihe. Zudem kennt sich Schubert ja mit "Generationenprojekten" aus.


    Die Probleme hat sich der OB selbst geschaffen, indem er mit Brachialgewalt das RZ erhalten will - hierfür aber keine Finanzmittel hat. Das ist doch das kleine Einmaleins der Kommunalpolitik, das er nicht beherrscht. Völlig unabhängig von den fatalen städtebaulichen Folgen kostet eine Sanierung des Rechenzentrum etwa 30 Millionen Euro - wo will der OB die denn hernehmen und welche anderen Projekte sollen dafür nicht realisiert werden? Hierauf gibt das Rathaus doch bis heute keine Antwort. Im Stadthaushalt wird die Deckungslücke Monat um Monat größer und durch die explodierenden Baupreise immer prekärer - da kann man doch nicht solche Versprechungen machen, die sich nicht halten lassen.

    Die Erwartung, daß sich der neue FWG-Vorstand zügig und erfolgreich um das Kirchenschiff kümmert wird sicher enttäuscht. Es wäre schon ein großer Erfolg, wenn mit Hilfe der FWG wirklich die Gelder zusammenkommen, um den Turm vollständig und originalgetreu fertig zu bauen.

  • Da ich langsam nicht mehr durchblicke:

    Wie sieht denn die aktuell geltende Beschlusslage aus? Soll das RZ noch 2024 abgerissen werden, oder ist dieser ursprüngliche Beschluss durch die SVV außer Kraft gesetzt worden? (zugunsten eines angedachten Umbaus zu einem "Lernort")

    "80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wiederholen Politiker jedes Jahr die Worte 'Nie wieder'. Und nun sehen wir, dass diese Worte wertlos sind." (Wolodymyr Selenskyj)