Potsdam - Garnisonkirche

  • Potsdamer Neuste Nachrichten (PNN) und Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) schreiben am 22.03.2019 übereinstimmend, dass Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert den Sitz im Kuratorium zum Wiederaufbau der Garnisonkirche ruhen lässt - bis nach der Kommunalwahl.

    https://www.pnn.de/potsdam/konfli…e/24136396.html
    (Quelle: Potsdamer Neuste Nachrichten, 22.03.2019)

    PS: das Titelbild zum Artikel ist wirklich toll geworden und zeigt doch den Fortschritt beim Wiederaufbau der Garnisonkirche :P .

  • Man fragt sich, was das bringen soll.
    A) der Aufbau ist gestartet, in ein paar Jahren steht der Turm - ob Herr Schubert jetzt im Kuratorium sitzt oder nicht.
    B) warum die zeitliche Begrenzung auf nach der Kommunalwahl? Was soll sich dann grundsätzlich geändert haben?
    C) indem Herr Schubert den Sitz ruhen lässt, verzichtet er willentlich auf Mitgestaltungsmöglichkeiten in Bezug auf den "Betrieb" der Garnisonkirche.

    Es scheint mir also ein populistischer, kurzsichtiger, auf lange Sicht kontraproduktiver Schachzug zu sein. Ich bin neugierig, wie die SPD sich im Kommunalwahlkampf positionieren wird...

  • Es ist ein rein wahlkampfbedingter Schachzug. Ob der etwas für die SPD bringt wird sich erweisen. Ich glaube eher, daß er damit alle Seiten verärgert.

    Schubert wird ja nach der Kommunalwahl wieder ins Kuratorium hineingehen und in sofern hat sich nichts geändert. Die Distanz schadet "nur" den Spendenwerbern.

    Man muss aber auch sagen, daß die Beschlußlage der Stadt bizarr ist. Um einer Bürgerbefragung zu verhindern hatte die SVV den Antrag der Gegner übernommen, der OB muß sich mit allen Mitteln dafür einsetzen, die Stiftung Garnisonkirche aufzulösen. Zeitgleich hat de SVV einen B-Plan aufgestellt, in dem die Kirche vollständig wiederaufgebaut und das Rechenzentrum abgerissen ist.

  • Während einige Forumsteilnehmer schon mit Unmut auf die Aussage von Herrn Oberbürgermeister Schubert (SPD) reagiert haben, hat nun auch die Bürgerinitiative "Mitteschön" den Oberbürgermeister kritisiert. Die Bürgerinitiative "Mitteschön" kritisiert, dass er alles über den Haufen schmeißt.

    https://www.pnn.de/potsdam/potsda…e/24140008.html
    (Quelle: Potsdamer Neuste Nachrichten, 25.03.2019)

  • Die Kritik von Mitteschön ist zwar berechtigt und in den Details auch nachvollziehbar. Dennoch, und das ist nun rein intuitv, stört mich irgendetwas an der Stellungnahme. Ich glaube diese Verlautbarung hätte man erst in einigen Tagen unters Volk bringen sollen um vorher abzuwarten aus welchen anderen Lagern noch Kritik am OB kommt. So hat heute auch die CDU Fraktion Stellung bezogen und kritisiert Mike Schubert. Diesen Schritt hätte Mitteschön abwarten sollen um nicht das Prädikat "Obernörgler" aufgedrückt zu bekommen.

    Was den von @Meister Lampe verlinkten Artikel betrifft. Es ist mal wieder ein typischer Henri Kramer. Beleuchtet die Kritik von Mitteschön lässt es sich aber nicht nehmen am Ende noch einen Kommentar eines örtlichen AfD-Funktionärs anzuhängen um der ganze Kritik wieder einen rechten Tatsch zu verleihen.
    Ganz schlechter Stil!!!!!!!!

    Wenn es jemand kann, dann ist es keine Kunst. Und wenn es jemand nicht kann, dann ist es erst recht keine Kunst!

  • Ja, typisch Kramer. Man soll ja nichts aus dem Äußeren eines Menschen schließen, aber ich kann mir kaum vorstellen dass Herr Kramer nicht mit der Boede-Clique oder den SED-Nachfolgern sympathisiert. Es ist mir unbegreiflich, wie man in einer so wunderschönen Stadt leben kann und gleichzeitig deren ästhetische Genesung immer wieder penetrant hintertreibt. Gottseidank ist Reichweite seines Print-Organs mit einer Auflage von rund 8200 doch recht überschaubar.

  • Es ist mir unbegreiflich, wie man in einer so wunderschönen Stadt leben kann und gleichzeitig deren ästhetische Genesung immer wieder penetrant hintertreibt.

    Genau das denke ich mir auch immer! Genauso wie der übermäßige Preußen-Hass mancher. Ohne das hier zu weit ausschweifen zu lassen muss ich doch mal eine kleine Anekdote zum besten geben:
    Ich bin dereinst mal bei Facebook mit einem anderen Nutzer in eine fachliche Diskussion über Geschichte verfallen in der dieser jemand mir diese Frage stellt: "(...) was haben denn die Preußen jemals für Potsdam getan?"
    Dies ist die geistige Ebene auf der sich die Hardcore-Gegner der Stadtreparatur bewegen.

    Wenn es jemand kann, dann ist es keine Kunst. Und wenn es jemand nicht kann, dann ist es erst recht keine Kunst!

  • Das Problem besteht darin, daß die fortwährenden Diskussionen und Unterstellungen man sei irgendwie rechtaußen, wenn man für den Wiederaufbau ist, sich verfestigt. Auch die ev. Kirche macht da ja nach Kräften mit. So wird keiner mehr spenden, der letzte war Günter Jauch.

    Die Stiftung geht - wie immer - auf Tauchstation und steckt den Kopf in den Sand.

    Dann kommt die Stiftung im nächsten Frühjahr in Geldprobleme, wahrscheinlich scon früher. Zum Schluß muß der Turm mit Kirchen- und Staatsgeld zuende gebaut werden. Das Schiff wird auf den St. Nimmerleinstag verschoben. Und Lutz Boede und die Anderen haben auch zur Kommunalwahl 2014 noch ein tragendes Thema.

  • Ich komme immer mehr zu dem Schluss, daß der Wiederaufbau der Garnisonkirche - so sehr ich ihn persönlich befürworte - beim aktuellen Zeitgeist keinen Sinn ergibt.
    Natürlich wäre es eine Bereicherung für das Stadtbild einerseits, aber was ist die Garnisonkirche ohne Bezug zu Preußen, Friedrich dem Großen und den Befreiungskriegen?
    Solange alle diese Begriffe negativ besetzt sind und das Gotteshaus von allen Seiten infrage gestellt, uminterpretiert und verformt wird und am Ende dann nur wieder irgendeine obskure Nutzung als interkulturelles Begegnungszentrum oder sowas erfahren würde, macht die Sache doch nicht wirklich "Spaß".

    " Dem Wahren, Schönen, Guten "

  • Mir ist gerade ein Gedanke gekommen: Man hat der alten Garnisonkirche vorgeworfen, sie sei durch allerlei historische Ereignisse kontaminiert worden. Dieser Gedanke der Kontamination ist ja sehr physikalisch. Materie kann durch Gifte, Strahlung usf. kontaminiert werden.
    Nun wird die Garnisonkirche aber völlig neu errichtet. Es ist - wie die Kritiker von Rekonstruktion zu betonen nicht müde werden - ein Nachbau, der mit der Originalsubstanz (Substanz im materiellen Sinne) nichts zu tun hat. Wieso also kann dieser völlig neue Nachbau noch kontaminiert sein?

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.

  • Da hast du aber etwas sehr Grundsätzliches nicht verstanden.
    Was haben die deutsche Befindlichkeitsdebatten mit PHYSIK zu tun? Reinste Metaphysik!
    Und außerdem: "Schuld " besteht doch immer, ist nicht abwaschbar, vergebbar, wo kommen wir da hin, das Christentum ist doch längst abgeschafft. Schuldig sind auch Nachgeborene, zumindest autochthone, bei Migranten gehen die Meinungen auseinander. An der metapysikalischen Kontaminierung des Bodens (wie auch natürlich des Erscheinungsbildes) der GK wirst du jedenfalls nicht rütteln können.

  • Dann zeige ich euch mal eine nichtkontaminierte Garnison(s)kirche.

    Festung Königstein, Garnisonskirche von Nordwesten (Foto: Brücke-Osteuropa, 2012, CC0)

    Die Garnisonskirche auf der Festung Königstein in Sachsen geht in ihren Ursprüngen auf eine romanische Burgkapelle zurück. Ihre heutige Gestalt und Innenausstattung erhielt sie in den Jahren 1671 bis 1676 durch Wolf Caspar von Klengel.

    Festung Königstein, Garnisonskirche, Innen nach Osten (Foto: Stephan Hoppe, 2018, CC0)

    Zu DDR-Zeiten war die Garnisonskirche geschlossen. In den 90er Jahren wurden Teile der Inneneinrichtung rekonstruiert. Im Jahre 2000 wurde sie wieder als Kirche geweiht. Die einzigen Waffen, die hier präsentiert werden, sind die Arma Christi an der schönen Holzdecke.

    Festung Königstein, Garnisonskirche, Blick zur Decke (Foto: Stephan Hoppe, 2018, CC0)

    Festung Königstein, Garnisonskirche, Innen nach Westen (Foto: Derbrauni, 2016, CC-BY-SA-4.0)

    Auf dem Königstein kann man gut nachvollziehen, was der Zweck einer Garnisonkirche ist. Es geht darum, die aus ihren Heimatgemeinden herausgerissenen Angehörigen der Garnison seelsorgerisch zu betreuen. Kirche muss dahin gehen, wo die Menschen sind. Begrenzten Zugang zur Festungskirche hatten übrigens auch die Gefangenen auf dem Königstein.

    Wie in Potsdam so diente auch auf dem Königstein die Garnisonkirche zugleich als Hofkirche. Die sächsischen Kurfürsten weilten im 17. und 18. Jahrhundert recht häufig dort.

    Es wäre zu wünschen, dass man in Potsdam gelassener mit der Garnisonkirche umgeht. Sie war so ein schöner harmonischer Barockbau. Mit ihrer Wiedererrichtung kann man nur gewinnen.

  • Auf dem Königstein kann man gut nachvollziehen, was der Zweck einer Garnisonkirche ist. Es geht darum, die aus ihren Heimatgemeinden herausgerissenen Angehörigen der Garnison seelsorgerisch zu betreuen.

    Das ist eine ganz wichtige Erkenntnis. Es wird ja immer so getan, als wäre "Garnisonkirche = Militaristenkirche", in dem Sinne, dass dort dem Hauptzweck nach Soldaten und Söldner auf kriegerische Akte eingeschworen worden wären.

  • Da hast du aber etwas sehr Grundsätzliches nicht verstanden.
    Was haben die deutsche Befindlichkeitsdebatten mit PHYSIK zu tun? Reinste Metaphysik!
    Und außerdem: "Schuld " besteht doch immer, ist nicht abwaschbar, vergebbar, wo kommen wir da hin, das Christentum ist doch längst abgeschafft. Schuldig sind auch Nachgeborene, zumindest autochthone, bei Migranten gehen die Meinungen auseinander. An der metapysikalischen Kontaminierung des Bodens (wie auch natürlich des Erscheinungsbildes) der GK wirst du jedenfalls nicht rütteln können.

    Die Metaphysik der Linken - das ist natürlich ein wichtiger Gesichtspunkt, den ich nicht bedacht habe. Deswegen war die Auslöschung historischer Stadtkerne durch den Bombenkrieg auch ein Akt des Exorzismus und war der Kahlschlag beim Wiederaufbau auch ein Akt der freiwilligen Sühne. Und daher können wir auch Sankt Walter sehr dankbar sein, dass er diesen Sühneakt mit der Sprengung der Garnisonkirche vollzogen hat.

    Was ich auch nicht bedacht hatte: Wenn ein Objekt, das jahrhundertelang unversehrt überstanden hat, innerhalb weniger Sekunden kontaminiert werden kann, kann das natürlich auch bei einem Bauwerk, das 250 Jahre existierte, durch einen einstündigen Missbrauch geschehen. Und mit ihm sein Erscheinungsbild.

    Ich versuche nun daraus die Konsequenzen zu ziehen: Wenn ein Auenwald durch Besprühung mit Gift verseucht wurde, muss man ihn komplett roden, die Wasserläufe trockenlegen und das Erdreich abtragen. Und dann darf an seiner Stelle kein neuer Auenwald entstehen, weil dieser in seinem Erscheinungsbild an den alten erinnern würde.

    Und wäre es nicht geboten, auch jetzt noch Bauten, die von den Nazis nicht weniger kontaminiert wurden als die Garnisonkirche, abzureißen statt sie aufwändig zu sanieren? Ich denke an das Brandenburger Tor, das beim Fackelumzug am 30. Januar 33, bei der Parade zu Hitlers 50. Geburtstag und auf den Werbeplakaten für die Olympischen Spiele eine zentrale Rolle gespielt hat. Ganz zu schweigen von den jenen Monumenten, die von den braunen Machthabern als Herrschaftszentralen, als Orte der Selbstdarstellung oder für Kriegszwecke errichtet wurden und die skandalöserweise noch heute von der weiten Öffentlichkeit oder von Ministerien genutzt werden: das Olympiastadion, das Reichsluftfahrtministerium, das Propagandaministerium, das Reichsbankgebäude usf. Wenn diese Objekte wirklich schwerst kontaminiert sind - um ein Hundertfaches mehr als die Garnisonkirche - , muss man sie ebenso gründlich beseitigen wie Giftmüll.

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.

    Edited 5 times, last by Seinsheim (March 27, 2019 at 3:22 PM).

  • Keine Sorge! Die oben angeführten Funktionsbauten der Nazis sind dank der langjährigen Nutzung durch das SED-Regime längst purifiziert worden. Walter, die beiden Erichs und die Ministranten der Stasi haben alle Dämonen ausgetrieben...

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.

  • Übrigens... auch lustig... Streit um etwas braune Schokolade... (Mit den übrigen Schlagworten und Stereotypen, versteht sich)... :lachentuerkis:

    Garnisonkirche auf Schokolade ist nicht »braun«
    In Potsdam wundert sich ein Bürger über Kritik an seiner Abbildung des Gotteshauses auf Süßigkeiten
    https://www.neues-deutschland.de/artikel/111500…icht-braun.html

    Wenn wir schon bei den Parallelen zur Religion sind: sehr bedrückend, wie ein unbescholtener Bürger, der von dummdreisten Agitatoren diffamiert wird, quasi genötigt wird, sich durch Hinweise auf seine karitativen Tätigkeiten und seine Ablehnung einer bestimmten Partei in der Öffentlichkeit "reinzuwaschen". Müssen irgendwann alle Garnisonkirchen-Anhänger vor den linken Großinquistoren feierlich abschwören?

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.