Potsdam - Garnisonkirche

  • Wahrscheinlich muss erst das Stadtschloß und der alte Markt fertig werden. Solche Diskussionen sind vor allem immer einmal ein regionales Thema. Dass die Garnisonkirche überhaupt wieder aufgebaut wird ist schon einmal der wichtigste Schritt in die richtige Richtung. Wer hätte denn noch vor 22 Jahren daran zu denken gewagt und jetzt bald...ich sehe die Sache total entspannt. Wenn das Gotteshaus einmal irgendwann fertig ist in vielleicht 10 Jahren, dann geht die Uhr noch ein bisserl runder. In weiteren vielleicht 25 oder spätestens 50 Jahren ist auch das immer wieder aufgewärmte Thema Nazizeit endgültig Geschichte und man kann locker und unverkrampft verloren gegangene Gebäude fertig rekonstruieren. Ich freu mich vor allem schon auf das Glockenspiel!

  • In der ganzen Debatte um die Nutzung der Garnisonkirche spiegelt sich eine merkwürdige, aber weit verbreitete Einstellung wieder, dass alles, was von den Nazis für ihre Zwecke missbraucht wurde, eine immanente Bösartigkeit haben muss, da es sich sonst nicht dazu geeignet hätte, von ihnen für ihre Machenschaften benutzt zu werden. Natürlich eine absolut schräge Logik, die sich aber auch in anderen Bereichen, etwa der Sprache, wiederfindet.

    Ich sag nur Autobahn geht gar nicht! :lachen:

    Ich denke auch dass mit der Zeit die Entspannung kommt. Erst war die komplette Verdrängung, dann mit einem Schlag die Forderung nach Aufarbeitung, dann das Erforschen, Mahnen und Erinnern und irgendwann wird eine entspannte Distanz dazukommen (was natürlich nicht 'Vergessen' bedeuten soll).
    Auch ich könnte mir später die Kirche durchaus als eine 'Hauptkirche' für die Bundeswehr vorstellen. Jetzt, in der derzeitigen politischen Lage aber undenkbar. Gerade die Garnisonkirche verkörpert - mal abgesehn von diesem 'Tag von Potsdam' - doch eher die 'gute' Tradition des deutschen Militärs.

  • Eine Kirche ist eine Kirche ist eine Kirche...

    Was anderes erscheint als Nutzung tatsächlich kaum glaubhaft. Die Frage bleibt nur: wer wird es nutzen und wofür? Dass es da in der Bevolkerung Misstrauen gibt, ist offensichtlich. Und das bezieht sich wahrscheinlich auch mehr auf "Preußisches Militärwesen" als auf den Tag von Potsdam. Dass letzterer nicht mehr als eine kurze Episode ist, sollte jedem einleuchten.

  • Turm wird nicht verrückt - Märkische Allgemeine - Nachrichten für das Land Brandenburg

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    Das Baugrundstück für den Garnisonkirchturm wird nicht neben die Breite Straße gerückt. Der Hauptausschuss lehnte am Mittwochabend einen Antrag der Linken ab, die den Turm damit in die Straßenflucht einordnen wollte.
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  • Potsdam: Schorlemmer gegen Garnisonkirche - Neueste Nachrichten aus Potsdam

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    Potsdam - Die Initiative „Potsdam ohne Garnisonkirche“ hat jetzt einen Brief des 67-Jährigen veröffentlicht, worin es Schorlemmer begrüßt, dass die Gegner des Wiederaufbaus der Kirche mit ihrer „so problematischen Geschichte“ eine Stimme bekommen. Ein Mitglied der Garnisonkirchen-Gegner, die in Marquardt lebende Friedensaktivistin Hedwig Raskob, hatte Schorlemmer zuvor per Brief auf die Wiederaufbau-Debatte in Potsdam aufmerksam gemacht und ihn um eine Meinungsäußerung gebeten.

    Den PNN sagte Schorlemmer am Dienstag auf Anfrage, die Garnisonkirche sei als Symbol untrennbar mit dem „Tag von Potsdam“ am 21. März 1933 verbunden. Die „braune Asche“ lasse sich nicht von der Kirche abwaschen. Bekanntlich hatten damals die Nationalsozialisten anlässlich der Feier zur Eröffnung des kurz zuvor gewählten deutschen Reichstages in der Residenzstadt der preußischen Könige die Vereinigung des national-konservativen Lagers um Reichspräsident Hindenburg mit der NSDAP von Reichskanzler Hitler inszeniert. Hitler verbeugte sich an der Garnisonkirche vor Hindenburg, ein Foto davon ging um die Welt.
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    Für Hedwig Raskob ist der Brief Schorlemmers erfreulich. Die 75-Jährige hat kritische Briefe zu den Plänen zur Garnisonkirche auch an andere bekannte Theologen geschickt, etwa an die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, gesendet. „Ihr Büro schrieb zurück, sie habe keine Zeit, sich mit der Frage zu befassen.“ Auch dem früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, jetzt Ehrenkurator der Garnisonkirchenstiftung, sendete sie einen Brief. „Herr Schorlemmer war nun der erste, der positiv reagiert hat“, sagte Raskob gegenüber den PNN. Sie zweifle daran, ob die Garnisonkirche tatsächlich wie angekündigt als Versöhnungszentrum genutzt werde. Mehrere Punkte in dem Projekte seien aus ihrer Sicht „Zeugnisse militärischen Geistes“.
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    Die Dame sollte sich lieber auf ihre Briefmarkensammlung konzentrieren, anstatt zu versuchen "kritische Briefe" von Theologen zu sammeln (obwohl diese anscheinend auch seltenheitswert haben), die wohl entweder überwiegend für die Rekonstruktion sind oder nur dann Antworten, wenn sie offensichtlich gerade nichts besseres zu tun haben und dagegen sind.
    Kritisch wäre in diesem Fall wirklich gewesen, wenn sich Herr Schorlemmer fragen würde, ob man die Deutung/Reputation eines Bauwerkes an ein paar Minuten seiner über 200-jährigen Geschichte festmanchen kann, und ob man den Verbrechern von damals nicht quasi den symbolischen Sieg über die Deutungshoheit dieser Kirche überließe, wenn man in dem "Tag von Potdam" das Hauptmerkmal dieser Kirche sieht.

  • Tja, ist halt ein Irrenhaus hier mittlerweile. Wissen wir doch längst. Insofern kann man schon über das Kulka-Schloss froh sein. Vielleicht hätte sonst in fünf Jahren irgendein Pfarrer oder "grüner" Abgeordneter herausgefunden, dass dort mal irgendein Gauleiter eine Rede gehalten hat. Schon hätten die Bedenkenträger alle "guten" Argumente für den Beibehalt der Brachfläche erhalten. Oder gar Gelder für ein öffentlich gefördertes Dokumentationszentrum. An gleicher Stelle. In einem Glaskubus, versteht sich.

  • Ich sehe die Garnisonkirche als architektonisches Meisterstück des frederizianischen Barocks. Sie gehört zur "Skyline" von Potsdam einfach dazu. Ohne sie gleicht die Silhouette von Potsdam einem Gebiss mit Zahnlücke. Man sollte die Garnisonkirche äußerlich wie früher wiederherstellen, sie jedoch mit neuen Inhalten füllen. Wurde das Gebäude vorher für politische Symbolik missbraucht, könnte es jetzt für gute Zwecke dienen: warum nicht als Konzertstätte? Oder als Kulturtempel für Ausstellungen? Die Rekonstruktion der Kirche mit neuem Inhalt kann das Stadtbild von Potsdam nur bereichern!

  • Man braucht hier ein neues und symbolträchtiges Konzept, das stärker ist als der Geist des preußischen Militarismus und der Tag von Potsdam.

    Wichtig für das Stadtbild finde ich vor allem den Turm, wenn möglich auch das Äußere, das Innere halte ich (rein ästhetisch betrachtet) für nachrangig.

    Nur können mich die mir bekannten Konzepte nicht überzeugen:
    a) Versöhnungszentrum: was soll das heißen? Kann man das mit Leben füllen? Ich fürchte nein.
    b) weiterhin eine Garnisionskirche sein lassen: finde ich überzeugend als Konzept, erfordert aber tiefgreifende Änderungen mindestens im Inneren. Müsste das Selbstverständnis der heutigen Bundeswehr widerspiegeln. Wäre zzt. so oder so nicht mehrheitsfähig.
    c) Konzertstätte: Das klassische Konzept für nicht mehr als Kirche nutzbare Kirchen. Frage: braucht Potsdam das? Ist das Konzept stark genug?
    d) Ausstellungen: dafür ist die Kirche zu klein, oder? Zumindest wenn man meine Ansprüche an ein Gesamtkonzept hat.
    e) Dokumentationszentrum für Kriegs- und Nachkriegsschicksale deutscher Architektur. Das wärs eigentlich!
    f) nur den Turm aufbauen, dahinter was ganz anderes: in keiner Hinsicht überzeugend. Als Gegenbild zu schwach, ästhetisch höchstwahrscheinlich fragwürdig. Darunter würde auch sowas wie der Bertelsmann-Nachbau des Kronprinzenpalais in Berlin fallen, also außen Reko, innen was ganz anderes. Das finde ich in Berlin ok, aber in Potsdam? Die alte Symbolik ist hier viel stärker, und den konzeptionellen Kontrast würde ich bei diesem Gebäude als Missklang empfinden.

    Vielleicht bin ich ja zu anspruchsvoll in dem Punkt, aber ich wäre gerne mit dem Endergebnis auch konzeptionell zufrieden. Ich kann die Geschichte des Gebäudes nicht einfach wegdrängen. Es ist eben nicht nur ein Tag, sondern es steckt mehr Symbolik dahinter. Vielleicht nicht ganz so viel wie beim Brandenburger Tor, aber so ähnlich. Das ist ja ursprünglich auch nur ein Stadttor, aber durch die Geschichte so mit Symbolik aufgeladen, dass man sie nicht mehr ignorieren kann.

  • Wir brauchen diese Debatte gar nicht wieder neu zu öffnen. Die Kirche wird gebaut.

    Ich lasse mir nicht von der Nazi-Propaganda meine Symbole diktieren, insbesondere nicht so einen Propaganda-Schmarrn wie den Tag von Potsdam (wo es ja darum ging, dass die Nazis sich plötzlich bürgerlich gaben). Man kann Symboliken am besten durch Aneignung überwinden. Die neu erstandene Garnisonkirche wäre ja sogar von ihrer NS Geschichte befreit, man könnte direkt an den preussischen Barock anknüpfen.

  • Gut, und durch was sollen wir uns die Kirche aneignen, also: was soll die neue Nutzung sein? Das war eigentlich mein Thema.

    Und da gab es vielleicht ein Missverständnis: den Tag von Potsdam halte auch ich symbolisch eher für schwach, es geht eher um eine Haltung zum preußischen Militär.

  • Ganz einfach, als Kirche des friderizianischen Barocks und Grabmal Friedrich Wilhelms und als das berühmteste Glockenspiel der Republik. Und mit Mars und Ballona. Und als reformierte, nicht lutherische Kirche, mit ganz viel Kirchenmusik.

    Bloß kein Versöhnungszentrumkitsch, nichts gegen diese Spielart des Protestantismus, der ich mich ja verbunden fühle, aber weniger ist mehr. Besser nur als Bauwerk, mit dem gleichen - hach so bedrohlichen - Gewaltpotenzial wie alte Ritterburgen, Rüstkammern und Pulvertürmchen.

  • So ein großer Bau für eine in realitas nun einmal langsam absterbende Religion? Ist denn dafür überhaupt wirklich Bedarf? :zwinkern: Von mir aus könnte man auch einen religiös nicht eindeutig festgelegten spirituellen Andachtsraum daraus machen, der dem gegenseitigen Austausch dienen kann. Dann wäre dem religiösen Bedürfnis Rechnung getragen, aber der Versöhnungsgedanke wäre auch berücksichtigt. Als Musikhintermalung zudem vielleicht ein wenig Wagner? razz:)

  • Hallo zusammen,

    ein nicht näher benannter Mäzen hat 1.000.000 € für den Wiederaufbau der Hof- und Garnisonkirche gespendet. Damit ist nun der Baubeginn 2013 gesichert. Näheres in der Märkischen Allgemeinen. Vermehrt gute Nachrichten aus Potsdam (heute Vormittag).

    Nein doch nicht. Heute Abend heisst es: eine Stiftung der Siemens-Familie hat dieses Geld gespendet. Aber das ist nicht ausreichend für einen Baustart. Auch hierzu die PNN.

    Ja was denn nun?

    Irritierte Grüße aus der Hauptstadt der kleinen DDR
    Luftpost

    PS. ich war jüngst in den "Gärten der Welt" und habe dort diese Architekturfragmente fotografiert. Kann diese ein Mitleser zu einem Bau zugehörig identifizieren?

  • Wäre ja wohl zu einfach und zu schön um wahr zu sein. Mal schauen wer in Potsdam diesmal wieder was dagegen hat....

    "Willst du eine Stadt vernichten, baue Kisten, Kisten, Kisten!"

  • Quote

    um bis zum Reformationsjubiläum 2017 für 40 Millionen Euro den Turm der einstigen Barockkirche errichten zu können.

    So pfeift der Wind! Die Glockenspieler hatten Recht. Überhaupt hat sich gezeigt, dass es ein Fehler war das der evangelischen Kirche anzutragen, da muss man eine eigene Gemeinde gründen, sonst wird das nichts mit der Garnisonkirche.

  • Alles Gebaute hat seine eigene, universale Geschichte.
    Von den geschichtlich "belasteten" Bauwerken der Pharaonen bis ff. in unsere Zeit !

    Ein Wiederaufbau der GK ist städtebaulich erforderlich, gibt der Stadt nun endlich ein prächtiges Baudenkmal zurück.

    Wer der GK einen gewissen bösen Geist unbedingt, fast schon zwanghaft, immer wieder aufs Neue unterlegen möchte, mag das tun.

    Es scheint mir jedoch wenig sinnvoll, einen in der Gegenwart überhaupt nicht mehr vorhandenen "Geist von Potsdam" immer wieder geradezu zwanghaft beschwören zu wollen.
    Die GK war, solange sie stand, in der Hauptsache i m m e r ein Haus Gottes.

    Das Kirchenbauwerk selbst konnte seinen Ge - und Missbrauch in dunkler Zeit, natürlich nicht selber verhindern.

    Wir Nachgeborenen wollen uns allein wieder an dessen genialer, prächtiger Architektur, dem Hörgenuss bei Konzerten erfreuen - mehr nicht !

    Ein verständlicher Wunsch, der mir nicht gar zu vermessen erscheint.

    Gerade deshalb ist die Wiedergewinnung der Kirche zwingend erforderlich.