Potsdam - Garnisonkirche

  • Ich kann solche Texte nicht mehr sehen, auch wenn sie noch so "wohlmeinend" sind. Jeder zweite Halbsatz ist ein Zugeständnis, das den eigenen Standpunkt nur noch unhaltbarer macht. Über die Lächerlichkeit des Terminus "Europa-Kirche" braucht man nicht viel Worte verlieren. Der blöde Kult um das Wort "Europa", der sogar dann sauer aufstößt, wenn es weniger um die Union als sogar wirklich um das Abendland geht, lässt im Zusammenhang mit einer Kirche tatsächlich Assoziationen mit der namensgebenden heidnischen Göttin aufkommen. Es ist bereits mehr als naiv, zu glauben, sich damit die Akzeptanz der Gegner "erkaufen" zu können.

    Nein. Denn die Gegner argumentieren auf der primitivsten Ebene. Und üben dabei Druck auf Andersdenkende aus. Auch das Stimmvolk ruft laut hurra, wenn es der eigenen Karriere nützt. So war es seit der Steinzeit über das Inquisitions-Mittelalter bis zur heutigen Meinungsdiktatur.

  • Das Problem beim Wiederaufbau der Garnisonkirche waren und sind nicht die Gegner. Das Problem war von Anfang an die Kirche, die es nicht geschafft hat die eigenen Leute hinter sich zu versammeln und die ersten fast 10 Millionen Euro Spendengeld abgelehnt hat. Zu Projektbeginn stand die Kirche dann nur mit halbherzigiger Unterstützung der eigenen Leute da, die maximal zinslose Kredite gegeben haben, und einer breiten Spenderszene, die brüskiert war.

    Als sich dann noch die neu gegründete Stiftung, deren Management aus einem Theologen, einem Verwaltungsbeamtem und einem Orgelbauer mit lokalpolitischer Erfahrung zusammensetzt, erklärte sie wollen mehr als 80 Millionen Euro Spenden sammeln und die Kirche selbst bauen, war das Kind eigentlich schon in den Brunnen gefallen. Ohne technischen und immobilienwirtschaftlichen Sachverstand ist die Stiftung bis dato durch das Projekt gestolpert. Es ist erstaunlich, dass die Kirche mehrfach erfolgreich die Bundesregierung um Geld erpresst hat. Mit den Unterstützern hat die Stiftung nie kooperiert, nach wie vor meint der oben versammelte Sachverstand alles allein hinzubekommen.

    Nun steht die Truppe allerdings mit einem Projekt da, das erst zu 40 % fertig ist, und ist mit dem Latein am Ende. Es ist schade, aber ein Umdenken kann ich bei der Stiftung nicht erkennen. Der abgerüstete, dreiviertel fertige Turm wird so im Frühjahr zu einem Symbol des Niedergangs der evangelischen Kirche, auf allen Ebenen.

  • Die Evangelische Kirche ist ein rückgratloser Verein von Opportunisten. Immer schön laut jubelnd im Zeitgeist mitschwimmen. Gestern Adolf angehimmelt und intern den "Ariernachweis" eingeführt, heute die "Letzte Generation" hofieren und die Bibel in Gendersprache umschreiben. Ich frage mich manchmal warum ich mich immernoch nicht zum Austritt durchgerungen habe.

    Der abgerüstete, dreiviertel fertige Turm wird so im Frühjahr zu einem Symbol des Niedergangs der evangelischen Kirche, auf allen Ebenen.

    Ich habe die vage Hoffnung dass der Turm nicht auf längere Zeit ein Torso bleibt. Das will in Potsdam sicher niemand, abgesehen von der Linksaußen-Szene.

    Mein (wenig erfreuliches) Szenario: Der OB macht bei Kulturstaatministerin Roth die entsprechenden Millionen für das tolle "Haus der Demokratie" (sowas liegt ja gerade voll im Trend) samt Renovierung des Rechenzentrums locker. In diesem Kontext wird dann auch der Turm fertiggestellt, freilich ohne Bauschmuck, der ja irgendjemand missfallen könnte...

  • Also, die Haube wäre schon zu wünschen. Und aus Gründen der baulichen Proportionen auch die Säulen. Der restliche Bauschmuck kann dann immer noch peu a peu ergänzt werden, wenn mal eine Spende eingeht. Das funktioniert beim Schloss ja auch. Aber Haube und Säulen wären schon wichtig. Vielleicht findet sich ja doch noch ein Großspender, der das Elend nicht mit ansehen kann. Oder sie verhandeln geschickt. Sie geben die Idee des Kirchenschiffs ganz auf, geben der Stadt das Grundstück für deren "Demokratiezentrum"; aber nur, wenn diese vertraglich zusichert, Haube und Säulen zu finanzieren.

  • Wenn es tatsächlich einen Großspender gibt, der Interesse zeigt die Garnisonkirche in Form von Geldmitteln zu unterstützen, dann muss der natürlich vorher von Herr Oswald medienwirksam geprüft werden ob es nicht eine Gesinnung gibt, die von seiner abweicht.

  • Weder für die Haube noch für den Fassadenschmuck ist ein "Großspender" in Sicht. Das ist reines Wunschdenken, auch mancher Foristen dieses Strangs. Die Spender, die sowas machen, sterben entweder weg oder sind durch die woke Haltung der Kirche angewidert. Und die Stiftung sammelt gerade Spenden für den Empfangstresen, Bestuhlung und die Stapeltassen für den roten Tee, statt sich um die Haube zu kümmern.

    Was die Fähigkeit des OB betrifft Geld für Projekte zu organisieren kann man beruhigt sein: in vier Jahren Amtszeit hat es Schubert noch nie geschafft für irgendein Projekt Geld zu besorgen. Unter den Potsdamer Initiativen geht der Witz um, dass ein Projekt dann gestorben ist, wenn es der Oberbürgermeister zur "Herzenssache" erklärt.

  • Ich weiß, dass ich damit nicht die Mehrheit hinter mir habe, aber ich kann fürs erste mit einem Turmtorso leben. Klar wäre es schöner, der Turm hätte den vollständigen Bauschmuck und die Haube, aber immerhin stand von 1945 bis 1968 auch nur ein Torso. Lasst uns doch 23 Jahre Geld sammeln, dann haben wir hoffentlich genug...

  • aber ich kann fürs erste mit einem Turmtorso leben.

    Das können alle hier. Ich behaupte, dass ein auch nur partieller Forums-Suizid ausbleiben wird.

    Somit bleibt uns nichts anderes übrig, als damit "zu leben".

    Abgesehen davon stellt dieser Turm auch als Torso eine enorme Bereicherung des Stadtbildes dar, schon alleine durch seine Höhe und schon allein dadurch, dass die GK nun nicht gänzlich mehr "aus der Welt" ist.

    Die Gefahr liegt natürlich darin, dass es irgendwann Spinner geben wird, die diese so geschaffene und als Brüchigkeit der Geschichte erlebbare Historizität des Provisorischen konservieren wollen.

  • Und wenn. Die Stimmung dreht sich auch wieder.

    Mir geht es vor allem darum, aus der "Wir müssen so schnell wie möglich alles aufbauen"-Logik auszubrechen. Ich verstehe, dass es vor allem älteren Semestern ein Herzenswunsch ist, die Garnisonkirche wieder vollständig sehen und erleben zu können, bevor sie das Zeitliche segnen. Mein Vater (86) wünscht sich das auch sehr. Aber mir ist es lieber, es dauert ein wenig länger, dafür dann aber ohne faule Kompromisse...

  • Ich hoffe nur, es kommt bis zur Fertigstellung der Rekonstruktion niemand auf die Idee, das Gebäude "modern zu vollenden", mit einer Stahl-Glas-Kuppel oder so... In den heutigen Zeiten muss man ja tatsächlich mit dem Schlimmsten rechnen.

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    Gutmensch = Gut gemeint, nicht zuende gedacht, schlecht gemacht

  • Das ist alles denkbar. Wenn der Turm nicht mit der Turmhaube gekrönt wird, ist ein Etappenziel erreicht. Da kann dann z.B. beliebig modernistisch ergänzt werden, inklusive Architekten-Urheberrecht. Im schlimmsten Fall kann es dazu führen, dass einige Foristen sich wünschen würden, dass das Ding nie zu bauen angefangen worden wäre. Aber, man soll ja nicht den Teufel an die Wand malen. :zwinkern:

  • Das Urheberrecht für den Turm liegt beim Architekturbüro Himmler, Sattler und Albrecht. Und gerade der Architekt Thomas Albrecht, der bereits eine Vorplanung für das Kirchenschiff gemacht hat, wird kaum zulassen, dass sein Werk, egal ob Fertigstellung morgen oder in 10 Jahren, von einer modernistischen Haube bekrönt wird.

    Die Versuche wird es zweifellos geben. Aber mit Architekt Albrecht haben jemanden 8n unseren Reihen.

    Wenn es jemand kann, dann ist es keine Kunst. Und wenn es jemand nicht kann, dann ist es erst recht keine Kunst!

  • Quatsch Leute, vergesst das.

    Es sind ja schon etliche historische Teile an dem Turm dran und für andere (Trophäen) stehen die Modelle bereit. Das wird niemand tun, den Turm modern zu vollenden.

  • Warten wir doch erst einmal die Abrüstung des Turmes ab. Der dann noch fehlende Schmuck, Säulen,Trophäen usw, wird je nach Finanzlage dann nach und nach angebracht.Das wird schon alles :daumenoben:

  • Die Potsdamer Tagesspiegel, hat in seiner Ausgabe vom 14.01.2023 berichtet, dass die CDU die Machbarkeitsstudie für das Haus der Demokratie erstmal zurückstellen möchte, aufgrund der angespannten finanziellen Lage der Stadt. Zudem steht noch eine wichtige Entscheidung der Stiftung Garnisonkirche aus.

    Haus der Demokratie in Potsdam: CDU will Machbarkeitsstudie zurückstellen
    Die Partei verwies auf die angespannte finanzielle Lage der Stadt. Zudem stehe noch eine wichtige Entscheidung der Stiftung Garnisonkirche aus.
    www.tagesspiegel.de
  • Warten wir doch erst einmal die Abrüstung des Turmes ab. Der dann noch fehlende Schmuck, Säulen,Trophäen usw, wird je nach Finanzlage dann nach und nach angebracht.Das wird schon alles :daumenoben:

    "Nach und nach" würde bedeuten, dass Spenden eingehen. M. W. n. war das in vergangenen zwei Jahren nur in homöopathischen Dosen der Fall.

  • Eine ziemlich traurige Meldung im neuen Jahr zur GK.

    Unterstützung für Potsdams Rathauschef: Landesbischof Stäblein befürwortet „Haus der Demokratie“
    Bewegung im Streit um die Garnisonkirche: Der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung Garnisonkirche ist bereit, auf das historische Kirchenschiff zu verzichten.
    www.tagesspiegel.de

    Für einen dauerhaften halben GK Bau wird die Spendenbereitschaft dann wohl völlig zum erliegen kommen.

    So wie es jetzt momentan aussieht ,hängt die Zukunft für das Schiff tatsächlich am Seidenen Faden.

    Die Kirche ,so mein Eindruck,hat bzw.hatte noch nie ein sonderliches Interesse am Projekt GK.

  • Auf das Kirchenschiff kann ich auch verzichten, wenn das Rechenzentrum dafür abgerissen wird. Jetzt sollte erstmal der Turm fertiggestellt werden.

    Das soll aber nicht heißen, dass ich grundsätzlich gegen einen Wiederaufbau der Kirche mit Kirchenschiff bin. Da müssten sich aber die politischen Verhältnisse in der Stadt Potsdam ändern und man müsste dem Wiederaufbau der Garnisonkirche nach außen hin positiv der Bevölkerung vermitteln. Und beides sehe ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht.