Fachwerk in Kalifornien, Solvang

  • Das Städtchen Solvang im Santa Barbara County in Kalifornien wurde von dänischen Siedlern 1911 gegründet und ist
    heute ein beliebtes Ausflugziel. Der besondere Reiz liegt darin begründet, dass die Architektur der Stadt eine
    Reminiszenz an dänische Architektur ist. Einige Gebäude sehen aus wie Fachwerkhäuser, ob es sich dabei tat-
    sächlich um Fachwerk handelt kann ich nicht sagen aber womöglich Riegel oder RMA.


    Ein Bild aus Wikipedia
    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/7b/Danish-land%21.jpg/800px-Danish-land%21.jpg\r
    upload.wikimedia.org/wikipedia/c ... and%21.jpg


    http://en.wikipedia.org/wiki/Solvang,_California\r
    en.wikipedia.org/wiki/Solvang,_California
    Offizielle Seite: http://www.solvangusa.com/index.cfm\r
    http://www.solvangusa.com/index.cfm
    Eine andere Seite: http://www.solvangca.com/\r
    http://www.solvangca.com/


    Hier http://forum.skyscraperpage.com/showthread.php?t=132048\r
    forum.skyscraperpage.com/showthread.php?t=132048 gibt es mehr Bilder.


    Was haltet ihr davon, Kitsch oder kulturelles Erbe?

    Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)

  • Eher ein Beleg, wie historistische Fachwerkeinflüsse sich in den USA niedergeschlagen haben. Auf den ersten Blick und nach Durchsicht der Bilder im von dir verlinkten Forum sehe ich eine Menge aufgemaltes und auch nur aufgenageltes "Fachwerk", aber wenig, was eine tatsächlich in sich tragende Konstruktion darstellen dürfte. Dies kann man selbst als Laie schon daran erkennen, dass an praktisch keinem der gezeigten Häuser irgendwelche Senkungen oder Verschiebungen eingetreten sind, was nach knapp 100 Jahren bei echten Holzkonstruktionen längst der Fall sein müsste.



    Dies hier sieht z. B. sehr aufgemalt aus, auch der obere Ständerabschluss wirkt reichlich komisch.



    Hier sind die Streben- und Ständerstellungen anbetrachts der dünnen Hölzer IMHO viel zu weit, als dass dies eine reine Fachwerkkonstruktion sein dürfte.



    Das Hinterhaus mit ausgemauerten Gefachen könnte noch am ehesten eine reine Holzkonstruktion sein, sofern man das auf dem kleinen Bild erkennen kann.



    Klar aufgenagelt.



    Dies sieht auch sehr merkwürdig aus, die Balkenköpfe sind sicher echt, Riegel und Ständer wirken aber auch hier aufgenagelt.

  • Quote from "RMA"

    Stimmt, aber wir in "Old Europe" können Fachwerk trotzdem besser. 8)


    Wir konnten es zumindestens mal.


    Allerdings kann man auch in der Alten Welt heute solchen und kaum besseren modischen "Fachwerk"-Kitsch aus den letzten 30-40 Jahren finden wie in diesem kalifornischen Städtchen.

  • Ja, aber Solvang ist ja auch in Amerika eine grosse Ausnahme. Besser als so wird es nicht in Nordamerika....Aslo Quidlinburg des USA....

  • Fachwerk ist einerseits in den USA fast nicht vertreten, andererseits liegt dort aber der Anteil der Holzbauweise bei Wohnhäusern bei stolzen 80%, in Japan mit seiner langen Tradition im Holzbau immerhin noch bei 40%, im ehemaligen Fachwerkland Deutschland dagegen heute nur noch bei bescheidenen 13%. Weltweit steht übrigens Finnland mit 85% an erster Stelle.


    http://www.voeb.com/seiten/news/news_detail.asp?id=57">http://www.voeb.com/seiten/news/news_detail.asp?id=57


    Obwohl bei Holzbau stärker auf ein Geringhalten des Brandrisikos geachtet werden muss, ist die Akzeptanz von Wohnhäusern in traditioneller Holzbauweise in den USA nach wie vor hoch. Das gilt auch für Neubauten. Der heute geringe Anteil in Deutschland dürfte bei den Einfamilienhäusern auch auf der ideologischen Voreingenommenheit der Mehrzahl der deutschen Architekten gegenüber einer traditionellen Bauweise beruhen, weniger auf den Vorlieben der Bürger.
    Mäckler macht sich z. B. über Fachwerkhäuser gern als "Hutzelhäuser" lustig.


  • Bei aller berechtigten Kritik möchte ich an diesem Bildausschnitt
    die optisch harmonische Patina der Dachziegel (der ersten drei Ge-
    bäude von links) herausstellen. Beim ersten Gebäude, ganz links,
    ist die Unregelmäßigkeit der Ziegel zu erkennen. Auch die
    Verlegeart fällt positiv auf.


    Industriell gefertigte Ziegel entwickeln diese Patina wohl nicht.
    Wer Näheres zu dieser Dachziegelthematik posten kann - ich wäre sehr
    daran interessiert.

  • Quote from "Johan"

    Ja, aber Solvang ist ja auch in Amerika eine grosse Ausnahme. Besser als so wird es nicht in Nordamerika....Aslo Quidlinburg des USA....


    Sorry, Johan, aber da liegst Du etwas daneben.


    Es gibt wesentlich Besseres! :D


    Solvang mag Dir, speziell weil es im gross-Grossraum von LA liegt, suspekt vorkommen, und das mit einigem (aber nicht voelligem) Recht. Du uebersiehst mit Deinem weit schweifenden "Nordamerika" Ausspruch aber nicht nur Montreal in Candada sondern auch und besonders einige amerikanische Staedte an der Ostkueste, darunter Savannah und Charleston im Sueden, die in meinen Augen wegen ihrer Originalitaet wesentlich schoener sind als Solvang weil sie eben keine Europanachahmungsbauten-Staedte sind sondern ihren ganz eigenen Stil haben. Leider kann ich Dir so auf Anhieb keiner Bilder Staedte zeigen.


    Aber Du brauchst nicht einmal auf diese beiden beruehmten Staedte zu schauen -- es wimmelt im US Suedosten geradezu von eigenstaendiger Architektur. Sieh Dir z.B. mal ein paar Bilder von Haeusern in Milledgeville, Georgia an, Bevoelkerung unter 20,000:



    Diese Villa liegt bei einem Botanischen Garten ausserhalb der Stadt.


    Bevor Atlanta die Hauptstadt Georgias wurde waren mehrere andere Staedte die Hauptstadt, darunter auch Milledgeville. Hier siehst Du the Governor's Manson aus jenen Tagen:



    Wie Du siehst befindet sich dieses Gebaeude im besten Zustand. :)



    Hinter dem Governor's Mansion ist ein grosser rechteckiger Park, von schoenen Haeusern umsaeumt, und auch die Nebenstrassen lassen es sich nicht nehmen:




    Also werte, obwohl Verachtung oft am Platze ist, bitte nicht die gesamten Vereinigten Staaten, geschweige denn ganz Nordamerika, als architektonisch nichtig ab. Solvang ist bei Weitem nicht der einzige Lichtblick! :!:

  • Ich hatte Johan jetzt so verstanden, dass er sich auf _Fachwerk_ bezieht. Und inwieweit es da in den USA mehr gibt - gibt es bestimmt -, weiß ich nicht. Städte wie Savannah sind wunderschön und haben auch viele Holzbauten, aber kein Fachwerk, so weit ich mich erinnern kann. Wobei da die Grenzen viell. auch fließend sind, da müsste mal wer eine genaue Def. von FW liefern. Mit Holz verkleidete FW-Bauten sind ja immer noch FW-Bauten.
    Ich bin irgendwo mitten in der Wüste durch eine kleine deutsche Stadt gekommen, aber auch dort erinnere ich mich eher an Western-typische Holzbauten, nicht an irgendwelches Fachwerk (Architektur hat mich damals aber auch noch nicht so sehr interessiert).


    Wenn man nicht nur über FW redet, hast du natürlich recht: da gibt's jede Menge Herausragendes in den USA - auch Altes (wenngleich keine Altstadt in europäischem Sinne, d.h. <=Barock)

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Pilaster schrieb:


    Quote

    darunter Savannah und Charleston im Sueden, die in meinen Augen wegen ihrer Originalitaet wesentlich schoener sind [...] Leider kann ich Dir so auf Anhieb keiner Bilder Staedte zeigen.


    Bilder von Savannah:


    http://forum.skyscraperpage.com/showthread.php?t=131792\r
    forum.skyscraperpage.com/showthread.php?t=131792
    http://forum.skyscraperpage.com/showthread.php?t=131362\r
    forum.skyscraperpage.com/showthread.php?t=131362


    Bilder von Charleston:


    http://forum.skyscraperpage.com/showthread.php?t=130404\r
    forum.skyscraperpage.com/showthread.php?t=130404


    Antiquitus schrieb:


    Quote

    da müsste mal wer eine genaue Def. von FW liefern.


    Ein Fachwerkhaus ist, für meine Begriffe, nur "echt" wenn das Gefache zwischen den Balken (für die Statik) ausgefacht, das heisst mit Lehm oder Backsteinen ausgefüllt/ausgefacht sind. Bei Holzhäusern in den USA handelt es sich um die sogennante Holzständerbauweise. Riegel könnte das besser erklären als ich, seinen Benutzernamen hat er ja auch nicht einfach so gewählt. :zwinkern:

    Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)

  • Wäre mir neu, dass mit Lehm und Stroh ausgefüllte Gefache besonders viel zur Statik beitragen können.

    Quote from "Wikipedia"

    Als Fachwerk bezeichnet man nach den Zwischenräumen, die Fach oder Gefach heißen, eine Konstruktion, in der nur Stäbe auf Druck oder Zug und nicht auf Biegung beansprucht werden.


    Das Fachwerkhaus (schweizerisch: Riegelhaus) hat ein tragendes Gerüst aus Holz, bei dem die Zwischenräume meist mit einem Holz-Lehm-Verbund oder Ziegelwerk gefüllt sind.


    Lasse mich aber gerne belehren, falls es wer exakt sagen kann.

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    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Antiquitus schrieb:

    Quote

    Wäre mir neu, dass mit Lehm und Stroh ausgefüllte Gefache besonders viel zur Statik beitragen können.


    Du hast mich falsch verstanden, Antiquitus. Nicht das Gefache ist für die Statik wichtig sondern eben die Balken!

    Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)

  • Quote from "Stephan"

    Ein Fachwerkhaus ist, für meine Begriffe, nur "echt" wenn das Gefache zwischen den Balken (für die Statik) ausgefacht, das heisst mit Lehm oder Backsteinen ausgefüllt/ausgefacht sind.


    Ein Fachwerkbau ist das tragende und zugleich aussteiffende Gerüst eines Bauwerks. Die Ausfachung trägt nichts zur Statik bei. Insofern ist die Definition bei Wikipedia richtig. Die ältesten bekannten Ausfachungen in Mitteleuropa bestehen ja aus einem Rutengeflecht, welches beidseitig mit Lehm bestrichen wurde, z.B. rekonstruiert im Pfahlbaudorf Unteruhldingen am Bodensee. So ein Geflecht ist natürlich keinesfalls aussteiffend. Ausgemauerte Gefache konnten natürlich mit der Zeit eine stabilisierende Wirkung entfalten, wenn Streben nachträglich entfernt wurden, oder die Schwellen abfaulten.


    Mit Fachwerk sind keinesfalls nur Häuser gemeint, sondern ganz allgemein Bauwerke. Dazu gehören auch Brücken, welche ein Fachwerk aus Eisen als tragendes Gerüst haben, und hier werden die Gefache nicht geschlossen. Industriebauten aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts wurden oftmals auch als Eisenfachwerkbau konzipiert, und mit Sichtbackstein ausgefacht. Auch der Eiffelturm in Paris ist eine Fachwerkkonstruktion!


    Und wenn ich ganz weit in unsere Zeitrechnung hineinschaue, sind auch die metallenen Träger von Lautsprechern und Scheinwerfer in einer Diskothek "Fachwerk". Also ein uraltes Konstruktionsprinzip, welches bis heute seine Anwendung findet!


    Quote from "Stephan"

    Bei Holzhäusern in den USA handelt es sich um die sogennante Holzständerbauweise. Riegel könnte das besser erklären als ich, seinen Benutzernamen hat er ja auch nicht einfach so gewählt. :zwinkern:


    Die Ständerbauweise ist bereits eine Unterart im Fachwerkbau. Hier dominieren die senkrechten Ständer, welche durch zwei oder mehrere Geschosse hindurch laufen. Dies ist in den USA tatsächlich noch heute der Fall. Im Gegensatz dazu gibt es die Rähmbauweise. Bei dieser ist jedes Geschoss in sich abgezimmert; jede Wand wird oben durch den "Rähm" abgeschlossen. Der Übergang von der Ständer- zur Rähmkonstruktion fand in Deutschland und der Schweiz vorwiegend im 16. Jahrhundert statt.

  • Danke Riegel, ich hatte gehofft, dass du dich (als Experte) äußerst.
    Damit dürften in den USA u.U. mehr FW-Häuser stehen als in D. :gg: - aber FW europäischer Prägung gibt es natürlich v.a. hier. ;)

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • ...wobei auch das althochdeutsche "wintan" / "wint" vermutlich auf eine noch ältere indogermanische Wurzel zurückgeht, so dass Fachwerk keinesfalls, wie oft behauptet, urdeutsch ist. Sondern eher Verbreitung in ganz Mitteleuropa bis nach England (vgl. engl. "to wind" ) und tief in den osteuropäischen Raum hinein gefunden hat. Ist ja auch irgendwie klar, dass man in der hier stärker bewaldeten Klimazone eher zu Holz als Baumaterial gegriffen hat als z. B. in Italien oder Spanien, wo die Vegetation schon spärlicher ist.

  • Quote from "Antiquitus"

    Ich hatte Johan jetzt so verstanden, dass er sich auf _Fachwerk_ bezieht.


    Ah, in dem Fall nehme ich meine Verteidigungsargumente zurueck. :)



    Stephan: Danke fuer das schnelle Finden der threads aus skyscraperpage.

  • Quote from "Restitutor Orbis"

    Der Teil deines Beitrags ist mir nicht ganz klar. Das englische "wall" dürfte sich vom lateinischen "vallum" ableiten, was wohl wiederum auf "vallus" beruht (= Pfahl, als eine Palisade und nichts Gewundenes).


    Oder habe ich dich gerade falsch verstanden?


    Da hast du natürlich völlig Recht, die Etymologie von "wall" ist eine völlig andere. Danke für den Hinweis, habe ich korrigiert. ;)