Leipzig - Bau- und Sanierungsprojekte

  • Ah, danke für die schnelle Antwort. Jetzt erinnere ich mich auch, dass Leipziger schon ein paar Fotos von dieser Fabrik hier reingestellt hatte. Es wäre zu schön, wenn sich für diese alte Fabrik eine Neunutzung findet. Aber Anger-Crottendorf ist natürlich ein ganz schwieriges Pflaster dafür, um nicht zu sagen: aussichtslos! Sag' nur noch schnell, woher du die Vergleichsfotos von dem Eckgebäude in der Pfaffendorfer her hast. Meines Wissens exisitierten sie noch nicht hier im Forum, oder sollte mir das wirklich entgangen sein?

  • Das gesamte Fabrikareal sollte im Übrigen bereits Mitte der 90er entwickelt werden.
    Deshalb begann man mit dem Abriss kleinerer Nebengebäude, auf deren Fläche ein ganzer Neubau-Wohnpark entstehen sollte, die Planungen waren sogar sehr weit fortgeschritten, als dann das plötzliche Aus kam. Warum weiß ich leider nicht, wahrscheinlich die finanziellen Mittel.


    Die Vergleichsbilder existierten noch nicht im Forum, ich habe sie "illegaler" Weise aus "Leipzig, Stadt des Wandels" entnommen. Dieses Buch vom Passage-Verlag ist sowieso völlig vergriffen und auch nicht mehr im Handel erhältlich, daher sollte es kein Problem darstellen :zwinkern:


    MfG
    Steve

  • Quote from "rakete"

    @schlossgespenst:


    das mit der f-e-s 81 ist doch nun wirklich kalter kaffee und auch thematisch anders gelagert. wenn ein eigentümer weder sanieren, noch verkaufen, noch wiederaufbauen will, lässt sich halt nichts machen. die stadt kann ja letzten endes keine hauseinstürze verbieten.
    aber das weisst du doch alles längst...


    Ich wollte ja auch kein Faß aufmachen deswegen - ich kam nur darauf zu sprechen, weil Leipziger vermutete, daß die Fassadenreko Bedingung für die Abrißgenehmigung war. Und da fiel mir ein, daß es solche auf Betreiben der Denkmalbehörde erteilte Auflagen sehr wohl gab und gibt.


    In Frankfurt etwa gibt es (am Anfang der Zeil) ein Gebäude aus den 90ern, das als Eckbau die sandsteinerne Fassade des zuvor nach langem Leerstand vergammelten und deshalb abgerissenen gründerzeitlichen Vorgängers trägt (die vom Abbruchhaus demontierten Fassadenteile wurden damals Stück für Stück an die Betonwände drangesetzt), und das war eine Auflage des Denkmalschutzes.


    Warum sollte das nicht generell ein Weg für Leipzig sein? Wenn eine Sanierung nicht mehr wirtschaftlich vertretbar ist, dann muß, damit ein Abriß genehmigt wird, beim Neubau die alte Fassade wiederverwendet oder gegebenenfalls (wie beim besprochenen Gebäude) originalgetreu rekonstruiert werden.


    Halten die anderen hier diesen Gedanken ebenfalls für "olle Kamellen" und "kalten Kaffee"?

  • die sache ist doch folgende: wenn es einen investor gibt, kann man ihm auflagen machen. wird ja auch gemacht, weil hier seit der wende jeder altbau unter denkmalschutz steht. wenn es aber keinen investor gibt, dann gibt es halt auch keinen, dem man auflagen machen könnte.

  • Hallo,


    wie in dieser Woche schon einmal angekündigt, stelle ich hier einmal Bilder meiner letzten Fototour ein. Diesmal war ich nicht etwa im Randgebiet sondern direkt in Leipzig unterwegs. Abermals in einem eher unterschätzten Stadtteil: Eutritzsch.
    Anders als etwa Schleußig oder die Südvorstadt tobt der Sanierungsboom eher verhalten. Dennoch finden sich hier sehr interessante Objekte der späten Gründerzeit und vor allem der Moderne, die vor allem auch im Leipziger Nordosten vertreten ist. Hier einige Eindrücke.


    Zunächst ein Blick auf eines der vorzüglichsten Zeugnisse sozialen Wohnungsbaus in Deutschland - die Meyerschen Stiftungen, die in ähnlicher Bauweise an mehreren Stellen in Leipzig zu finden sind.



    Danach weiter entlang der Theresienstrasse. Wie man sieht eine ruhige, aber durchaus gediegene Wohngegend. Eher unaufregend, aber durchaus nicht schmuddelig.



    Viele Zeugnisse der Moderne finden sich im Viertel. Einiges wird auch derzeit saniert, vieles erstrahlt schon im neuen Glanz



    Um die Ecke: In der Dessauer Strasse entdeckte ich ein für meine Begriffe atemberaubend schönes Industriegebäude. Ich habe noch nie davon gehört. Augenscheinlich steht es leer, scheint aber noch in sehr gutem Originalzustand zu sein. Es handelt sich um den ehemaligen Firmensitz der Papiergroßhandlung Ferd. Flinsch & Co., die vor dem Kriege Marktführer in Leipzig war.




    Besonders beeindruckend fand ich die schlichte Formgebung, so etwas habe ich sonst nur so klar in Amerika gesehen mit die großen Original-Stahlrahmenfenstern.





    Weiß jemand mehr über das Gebäude?
    Wer ist der Eigentümer, gibt es dort geplante Sanierungsprojekte? Hier sollte man eine Loft-Nutzung anstreben, ein prädestinierteres Gebäude gibt es in Leipzig nicht.

    Den Willigen führt das Schicksal, den Unwilligen zerrt es dahin. (Seneca)

  • Aktuelle sanierte Objekte, bei denen die Gerüste in den letzten Tagen abgebaut wurden
    Vorher-Bild von allen Objekten weiter oben im Forum...


    August-Bebel-Str. 47a



    Kurt-Eisner-Str.



    Moschelestr.
    Zwischendurch


    Jetzt

  • Diese einzeln stehenden Villen wie auch immer man das letzte Haus nun nennen will, finde ich immer besonders schön. Vermitteln einen noch herrschaftlicheren Eindruck, als die durchgehenden Fassaden. Die Fenster sind ja auch toll.

  • Schön, dass Leipzig noch so viel großbürgerliche Bausubstanz hat.
    Solche großen einzeln stehenden Villen im Straßenverbund gab es in Dresden rings um die Bürgerwiese und den großen Garten früher auch. Leider ist das ja alles Geschichte. Die heute so vielbeachteten Villenviertel in Blasewitz und Loschwitz waren ja nur die 2. und 3. Garnitur.

  • Ich freue mich besonders, dass der Kelch in Form pseudomoderner Dachaufbauten bei der Villa in der Moschelesstraße vorüber ging.


    Vor der Sanierung war der geplante Dachaufbau noch links auf dem Werbeplakat zu sehen. Ich ahnte übles...




    Und hier das aktuelle Bild von Leipziger. Der Investor hat's sich offensichtlich anders überlegt. Gut so...


    Danke für die Bilder, Leipziger.

  • Quote from "spacecowboy"

    Ich freue mich besonders, dass der Kelch in Form pseudomoderner Dachaufbauten bei der Villa in der Moschelesstraße vorüber ging. Und hier das aktuelle Bild von Leipziger. Der Investor hat's sich offensichtlich anders überlegt.


    ...oder der Denkmalschutz hat nachgeholfen...


    Hat mich jedenfalls auch gefreut. War nicht selbstverständlich. Die Dachgeschosswohnung gibt es übrigens noch zu kaufen, wer genug Geld hat und Dachgeschosse mag, also los. Die Nobel-Etagen dürften schon weg sein...
    Es wurden übrigens auch in den Wohnräumen teilweise historische Fenster aufgearbeitet, sehr schön.


    Die angesprochenen zerstörten Dresdner Villen rund um die Bürgerwiese von Semper, Nicolai und anderen waren natürlich um Nummern besser als dieses Haus. Die haben Architekturgeschichte geschrieben. Übrigens handelt es sich hier eher um einen freistehenden Geschosswohnungsbau als um eine Villa, denke ich. Eine Villa ist ja im eigentlichen Sinn ein Einfamilienhaus.

  • ehrlich gesagt gefällt mir die oben gezeigte Villa im unsanierten zustand um einiges besser. Sieht viel charmanter und irgendwie auch lebendiger aus. Jetzt wirkt die Fassade so extrem homogen und unnatürlich "sauber"


    Bitte nicht falsch verstehen, ich finde es absolut wunderbar was in Leipzig momentan passiert, aber ich kann nicht abstreiten das ich ein wenig Patina hier und da durchaus ansprechend finde.


    In Iatlien z.b. habe ich schon häufig gesehen (ich halte mich übrigens aus Familiären gründen viel in Turin, Asti und Alba auf) das kürzlich sanierte Gebäude durch eine scheinbar ganz bestimmte Technik NICHT komplett deckend mit einer Farbe gestrichen werden. Es scheint eine besondere Technik zu geben um die Patina der darunterliegenden Farbschickt immer ein wenig durchscheinen zu lassen. Mir gefällt das sehr gut.

    Am Ufer der Sonne wo die wesen vom sehen träumen ist in Echtzeit überall Nacht

  • Das stimmt, die unsanierten Palazzi in Venedig und Florenz haben eine Charme, dem alle verfallen. Bei uns aber ist es erst gut, wenn alles steril sauber und makellos ist.
    Die Villen sehen jetzt besser und sauberer aus als je zuvor! Oftmals waren sie ja gar nicht gestrichen, sondern nur einfach geputzt.

    Den Willigen führt das Schicksal, den Unwilligen zerrt es dahin. (Seneca)

  • Quote

    Das stimmt, die unsanierten Palazzi in Venedig und Florenz haben eine Charme, dem alle verfallen. Bei uns aber ist es erst gut, wenn alles steril sauber und makellos ist.


    Ganz richtig. Leider werden die Deutschen das in Jahrzehnten nicht kapieren.


    Hier wird alten Bauten meistens auf Teufel kaum raus ihre Patina wegsaniert, bis ein 500 Jahre altes Fachwerkhaus aussieht, als wäre es erst vor fünf Wochen gebaut worden. M.E. ist das auch eine Form der Geschichtszerstörung.

  • Nein liebes Gespenst, dem ist leider nicht so. Um es vorwegzunehmen: ich freue mich natürlich über jedes sanierte Haus.
    Die Farben die heutzutage benutzt werden sind extrem deckend. Bis vor 20 Jahren hatten sie sogar noch einen komischen Glanz ähnlich einer "Elefantenhaut". Die meisten Häuser hatten zur Erbauungszeit höchstens eine dünne Schicht gekalkter Farbe, die sich mit der Zeit durch den Regen auswusch und von der Sonne verblasste- oftmals wurde gänzlich auf Farbe verzichtet. Die heutigen Farben jedenfalls sind extrem witterungsbeständig und haben selbst nach 20 Jahren den Plastikcharakter nicht wirklich abgelegt.

  • Quote from "Leipziger"

    Die Sanierung der Villa Karl-Liebknecht-Str. 26 beginnt. Bauherr sind wohl Privatleute, ins EG kommt ein kleines Lädchen... eigentlich sollten wohl Kosten gespart werden, das aufwändige Wetterschutzdach lässt aber das Gegenteil vermuten...


    Da hast du mal wieder richtig vermutet. Das angebrachte Bauschild gibt Aufschluss darüber, dass die um 1860 erbaute Villa wieder in den historischen Zustand zurück versetzt wird. Sehr schön.



    Bilder vom Zustand vor der Sanierung der Villa






    Erstes Bild von mir, die letzten 4 von "Leipziger".

  • Quote from "Kindvon2dresdnern"

    Nein liebes Gespenst, dem ist leider nicht so. Um es vorwegzunehmen: ich freue mich natürlich über jedes sanierte Haus.
    Die Farben die heutzutage benutzt werden sind extrem deckend. Bis vor 20 Jahren hatten sie sogar noch einen komischen Glanz ähnlich einer "Elefantenhaut". Die meisten Häuser hatten zur Erbauungszeit höchstens eine dünne Schicht gekalkter Farbe, die sich mit der Zeit durch den Regen auswusch und von der Sonne verblasste- oftmals wurde gänzlich auf Farbe verzichtet. Die heutigen Farben jedenfalls sind extrem witterungsbeständig und haben selbst nach 20 Jahren den Plastikcharakter nicht wirklich abgelegt.



    Man muss bei den heutigen Farben unterscheiden (laienhaft erklärt):


    1) Die modernen Kunstharzdispersionsfarben erzeugen eine richtige Deckschicht. Auf dieser sammelt sich der Dreck, so dass die Fassade sehr schnell schmuddelig aussieht. In bestimmten Teilen Deutschlands sind diese Farben merkwürdigerweise häufiger anzutreffen als anderswo: Im Ruhrgebiet ...
    http://de.wikipedia.org/wiki/Dispersionsfarbe#Emulsionsfarben\r
    de.wikipedia.org/wiki/Dispersion ... ionsfarben


    2) Dann gibt es die mineralischen Farben, die diffusionsoffen (d.h. nicht versiegend), rauher und weniger glänzend und weniger intensiv, mehr erdfarbend sind. In Süddeutschland komischer Weise häufiger.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Mineralfarbe\r
    de.wikipedia.org/wiki/Mineralfarbe


    Zu den Fassadensanierungen allgemein: Ab einem bestimmten Verfallsgrad mit erheblichen Putzschäden durch undichte Dächer und fehlende Dachüberstände, wie in den neuen Bundesländern häufig anzutreffen, kann nicht mehr von einer Aufarbeitung des alten Putzes die Rede sein, es wird vielmehr völlig neu geputzt und die Gesimse neu profiliert. Alte Putzflächen werden dann neu übergeputzt. Man sieht dies oft an den manchmal nicht ganz gelungenen Proportionen der Profile. Bei vielen Schadensbildern finde ich dies gerechtfertigt. Das gezeigte Objekt war allerdings relativ gut erhalten, so dass es hier nur zu einer Putz-Ausbesserung gekommen sein dürfte.

  • Leipziger: hmm ja das ist ein Aspekt den ich nicht berücksichtigt habe... bei dem letzten Bild der Villa Karl-Liebknecht-Straße sind ja z.b. das Mäanderfries sowie auch das Kapitell des Pilasters schon extrem übertüncht und auch schadhaft. Warscheinlich ist zumindest beim Mäanderfries eine komplette neuanbringung sogar günstiger und effektiver.

    Am Ufer der Sonne wo die wesen vom sehen träumen ist in Echtzeit überall Nacht