Leipzig - Bau- und Sanierungsprojekte

  • Danke für die leider doch etwas traurigen Bilder. Die Eisenbahnstraße war ja wie man leicht erkennt eine richtige vorzeige Straße und ist heute nur noch ein Schatten ihrer selbst, besonders bild drei verdeutlicht wie urban es dort war. Na ja noch ist nicht aller Tage Abend wenn die drei prächtigen Gründerzeitler auf dem letzten Bild aufwendig saniert werden sieht die Lage schon ganz anders aus. Würden diese drei Häuser nicht auch ins Sanierungsprogramm der Stadt aufgenohmen?

  • Man müsste prinzipiell soviel reparieren, wofür man heutztage einfach keine Augen hat. Dazu zählen vorallem die Dachlandschaften, die weiterhin eher von Besitzer zu Besitzer unterschiedlich gewichtet und meistens vernachlässigt werden. Vorallem in der Eisenbahnstrasse ist ja nahezu alles geglättet. Ebenso wichtig wie das Dach oben ist die Strasse unten (die ja mittlerweile komplett neu gemacht wurde) mit großen Bäumen und (für mich immernoch super wichtig) historischen Strassenlaternen. Was alte Lampen an Urbanität bringen können ist auch sehr schön am Beispiel von Karstadt Leipzig zu sehen.


    In der Eisenbahnstrasse ist einfach viel zu viel verloren gegangen. Sehr schön auf den alten Fotos ist auch der zurückgesetzte Strassenzug. Die Wirkung ist fantastisch. Heute steht da nix mehr und man sieht auf einen flachen Plattenbau - schrecklich.


    Auch das Tor zur Eisenbahnstrasse ist unglaublich schlecht. Das HDI-Gebäude ist eine moderne Abartigkeit und die Lücke gegenüber gibt ihr übriges. Vorallem hier kann Stadtreparatur nur Rekonstruktion heissen. Aber wer rekonstruiert heutztage noch normale Wohngebäude? Das ist und bleibt Wunschdenken.

  • Zuerst noch die Fortschritte des Objekts Inselstr. 2/Dresdenerstr. (1902) in der östlichen Vorstadt....


    dieselbe Fassade letzte Woche....




    Und jetzt verschwinden wir mal im richtig finsteren Osten – in der Eisenbahnstraße.


    Die Straße wurde in der zweiten Hälfte der 1830er Jahre angelegt und erhielt im Jahre 1839 den Namen Eisenbahnstraße (nach der unmittelbar nördlich neben der Straße verlaufenden Dresdner Eisenbahn).


    Zu einem bestimmten Zeitpunkt in der 2. H. des 19. Jhs. wurde die Eisenbahntrasse von 1839 neben der Eisenbahnstraße zurückgebaut und mit anderen Gleisanlagen nördlich von Leipzig-Neustadt neu erstellt. Damit war die nördliche Seite der Eisenbahnstraße frei für Bebauung mit Wohnhäusern.


    Die Bebauung der Eisenbahnstraße erfolgte flächendeckend überwiegend in den 90er Jahren des 19. Jhs., in den hinteren Teilen bis um 1905. Ältere Bebauung aus der Mitte des 19. Jhs. gab es auf der Südseite (zu Neuschönefeld gehörig), fast alle Häuser dieser Epoche wurden schon vor der Wende abgebrochen (es wurde die gesamte ältere Bebauung der ehem. Gemeinde Neuschönefeld flächendeckend abgebrochen).


    Die nördliche Straßenseite gehört zu Leipzig-Neustadt, die südliche zu Neuschönefeld (Lutherplatz bis Hermann-Liebmann-Str.), ab Hermann Liebmann-Str. gehören beide Seiten zu Volkmarsdorf, das Ende zu Sellerhausen.


    Aktuell Eisenbahnstr. 45: Das Dach wurde erneuert.



    Vorzustand Eisenbahnstr. 45


    Des weiteren ist die Nr. 17 Ecke Bussestr. eingerüstet – die neuen Fenster weisen darauf hin, dass es nicht nur eine Sicherung ist.



    Vorzustand:


    Jetzt einfach mal ein paar Bilder, hauptsächlich der nördlichen Straßenfront, im Bereich „Neustadt“. In der Eisenbahnstr. fällt generell auf, dass ungewöhnlich viele Fassaden „geglättet“ wurden – ich bin nicht sicher, ob das die Folge der „Rekonstruktionen“ zu DDR-Zeiten (80er Jahre – Sanierungsgebiet Volkmarsdorf) ist oder bereits vor dem Krieg erfolgt ist.












    Eisenbahnstr. 41-45








    Hier wurde vor kurzem (2006/07?)ein Haus abgerissen – Nr. 66


    Ecke Torgauerstr. in Sellerhausen


    Ecke Annenstr. am Ende der Eisenbahnstr. in Sellerhausen




    Schauen wir uns nun in das Innere des Quartiers „Neustadt“ an.
    Neustadt wird durch die Eisenbahnstraße im Süden, die Hermann-Liebmann-Str. (Kirchstr.) im Osten, die Rosa-Luxemburg-Str. im Westen und den Gleiskörper der Bahn im Norden begrenzt.


    Neustadt besitzt keinen alten Ortskern. Die planmäßige Bebauung als Vorstadt von Leipzig, jedoch als eigene politische Gemeinde, erfolgte ab etwa 1875 – es wurde ein strenges Raster mit schmalen Parzellen und schmalen Straßen angelegt. Der einzige Platz ist der Neustädter Markt. An diesem wurde 1878 eine Schule und nach der Eingemeindung um 1890 eine Kirche gebaut.



    Neustadt hatte nahezu keine Kriegsschäden. Das Quartier war von der DDR-Stadtplanung für 1989/90 als weiteres Sanierungsgebiet vorgesehen (Flächenabriss wie Volksmarsdorf im Bereich Lukaskirche). Damals bestand des zu einem großen Teil aus unbewohnten Häusern („Ruinen“).




    Hedwigstr. – Blick von Eisenbahnstraße auf Neustädter Kirche


    Eckhaus zur Ludwigsstr. Um 1875- Ruine


    Ludwigstr. Ecke Neustädterstr. Um 1875


    Ludwigstr. 29/31 – Doppelhaus um 1875



    Ludwigstr. – um 1885 -


    Ludwigstr. Um 1875


    Ludwigstr. Abgebrochene Sanierung – um 1875


    Ludwigstr.


    Ludwigstr. Um 1880


    Ludwigstr. Um 1875


    Ludwigstr. Ecke Hermann-Liebmann-Str. – um 1875


    Hermann-Liebmann-Str. – östl. Straßenfront (Volkmarsdorf) um 1885/90


    Hermann-Liebmann-Str. Ecke Mariannenstr. – Sanierung soeben fertig, im EG sind noch die Maler, Mieter werden sicher gesucht


    Hermann-Liebmann-Str. - Neustadt



    Mariannenstr. – um 1875


    Neustädter Markt – Ecke Mariannenstr. - um 1875


    Schulze-Delitzsch-Str. – um 1905 - gegenüber der Kirche - dieses oder das Nachbarhaus wurde vor kurzem versteigert.


    Schulze-Delitzsch-Str. – um 1880 – derartig gut sanierte Häuser sind in Neustadt selten.



    Der westliche Teil von Neustadt (Blöcke Neustädter Str. / Eisenbahnstr. / Rosa-Luxemburg-Str.) war bis etwa 1895 mit Industrie besetzt. Damals entstand ein Bebauungsplan für Wohnbebauung für dieses Gebiet in Fortführung des bestehenden Straßenrasters, der aber größere Parzellen vor sah. An den Häusern ist bis heute deutlich zu erkennen, dass diese rund 20 Jahre jünger sind als die Mehrzahl im übrigen Quartier „Neustadt“.


    Ludwigstr. Ecke Einertstr.


    Ludwigstr. 9, ausnahmsweise inschriftlich bezeichnet „Anno 1896“


    Ludwigstr. 13


    Ludwigstr. 14

  • Danke. Mal wieder ein toller Einblick in die Gründerzeitwelt Leipzigs. Bei dem, was schon alles an Sanierung geleistet wurde bin ich mir sicher, dass auch der Rest noch kommen wird, auch wenn viell. mal ein Haus dran glauebn muss.


    Was ist denn das?

  • Danke für diesen vielen Bilder
    man sieht es gibt sehr viel schone Baussubstanz, Einiges wurde saniert, ein Großteil leider noch nicht und Einiges hat seine Schönheit verloren.
    Man kann nur hoffen das es in diesem Viertel bald wieder bergauf geht und sich dort auch Sanierungen lohnen bzw. welche stattfinden, es wäre schade wenn diese einziganrtige Strucktur wo se noch da ist erhalten bleibt, dauerhaft.

  • Quote from "Benni"

    Danke. Mal wieder ein toller Einblick in die Gründerzeitwelt Leipzigs. Bei dem, was schon alles an Sanierung geleistet wurde bin ich mir sicher, dass auch der Rest noch kommen wird, auch wenn viell. mal ein Haus dran glauebn muss.


    Was ist denn das?


    Das ist ein altes Kino und so wie ich vor einem halben Jahr in der LVZ gelesen habe, soll dies saniert werden und ein Fitnessstudio o.a. rein kommen

  • War mal wieder in Leipzig und habe das gute Wetter genutzt. In Ranstädter Steinweg sind jetzt auch die Hüllen am Mittelgebäude gefallen, richtig viel hat sich optisch allerdings nicht verändert:







    Die aufgesetzte Etage ist als Staffelgeschoss zurückgesetzt, aber noch nicht fertig. Klassischer Fall von "vorne hui, hinten pfui", wirkt etwas steril, auch wenn die Edelstahlrohre ganz nett sind:




    Wahrscheinlich muss man bis zum Sommer warten, wenn die Balkone eingerichtet sind, dann sieht das Ganze wahrschienlich schon um einiges lebendiger aus.


    Edit: Bilder entzerrt

  • Vielen Dank für die eindrucksvollen Bilder, Leipziger und Dase.


    Dase, ich verstehe gar nicht, warum du der Meinung bist, dass sich optisch nicht viel verändert hat? Also ich kenne die Situation vorher auch nicht so genau, aber wenn man dieses Foto zur Hand nimmt, dann fällt auf, dass die für Leipzig typischen trapezförmigen Erker, die Balustrade sowie das zurückgesetzte Dachgeschoss total neu sind. Somit handelt es sich doch um einen Umbau, der mit dem Zustand davor nichts mehr gemein hat. Oder?


    Wenn ich das auf dem drittletzten Foto richtig sehe, wurde die Brandmauer schon mit dem ersten Graffito ver(un)ziert. An solch sensiblen Stellen hilft nur: legale Graffiti in Auftrag geben (oder einmal pro Woche mit Farbe drüberpinseln).


    Analog zu den Bildern von Leipziger noch ein Vergleich:


    Schulze-Delitzsch-Straße 6, um 1905




    2000




    Heute


    Bildquellen: Die ersten beiden Fotos aus http://www.lipsikon.de">http://www.lipsikon.de, das dritte von Leipziger.

  • @ alle Leipziger


    also es ist unglaublich, wie viele Schätze hier einfach so rumstehen.
    Kann man eigentlich beziffern, wieviel Prozent des Altbaubestandes in Leipzig bislang saniert wurde und wieviel nicht?

    APH - am Puls der Zeit

  • bislang sind rund 80 prozent der gründerzeitler saniert worden.
    das bedeutet auch, dass es noch rund 2000 unsanierte altbauten gibt.
    von denen gelten wiederum rund 400 als abbruchreif.

  • Quote

    bislang sind rund 80 prozent der gründerzeitler saniert worden.
    das bedeutet auch, dass es noch rund 2000 unsanierte altbauten gibt.
    von denen gelten wiederum rund 400 als abbruchreif.


    Erst einmal danke für die Rückmeldung. Sind unter den 400 abbruchreifen Bauten denn auch wertvolle Gebäude oder sind dies Gebäude, die eher schlicht waren? Sind diese 400 Bauten denn verloren oder gibt es für einige da noch Hoffnung?


    Aber trotzdem, die Sanierungsquote und auch die Sanierungsqualität ist mehr als erfreulich. Weiter so, Leipzig!

    APH - am Puls der Zeit

  • Quote from "spacecowboy"

    Vielen Dank für die eindrucksvollen Bilder, Leipziger und Dase.


    Dase, ich verstehe gar nicht, warum du der Meinung bist, dass sich optisch nicht viel verändert hat? Also ich kenne die Situation vorher auch nicht so genau, aber wenn man dieses Foto zur Hand nimmt, dann fällt auf, dass die für Leipzig typischen trapezförmigen Erker, die Balustrade sowie das zurückgesetzte Dachgeschoss total neu sind. Somit handelt es sich doch um einen Umbau, der mit dem Zustand davor nichts mehr gemein hat. Oder?


    Das täuscht, behaupte Ich mal. Auf dem 4. Bild sieht das Gebäude zur Straße hin ja auch relativ flach aus. Das liegt wohl daran, dass die "Erker" nicht sehr tief sind. Hier zum Vergleich Live Maps:



    Vielleicht hat ja noch jemand ein Foto vom alten Zustand aus der Nähe.


    Außerdem noch aufgefallen:


    Lückenbebauung in der Thomasiusstrasse:





    Find ich persönlich gar nicht schlecht, da gibt es definitiv schlechtere Neubauten.


    Gottschedstraße 23 (auch wenn Cowboy das schon im DAF gepostet hat):



  • Quote



    Find ich persönlich gar nicht schlecht, da gibt es definitiv schlechtere Neubauten.


    Zuerst als die Gerüste noch standen, habe ich das auch gedacht. Aber jetzt wo es fertig ist: :augenrollen: Im Stadtmodel hat es sich sicher ganz gut gemacht.


    Kritikpunkte:
    - Geschosshöhen zu niedrig (Räume vom Typ Sozialer Wohnungsbau-)
    - Erker zu klotzig
    - sämtliche Details einfach nur schlecht. Unheimlich breite Fensterrahmen, schlechte Proportionen der Fenster, Fenster zu klein.


    In Berlin bei diesen Townhouses am Friedrichswerder gegenüber der Schinkelschen Friedrichwerderschen Kirche ist das alles gelungen, es geht also (war aber auch teurer).


    Ein wenig lobenswert ist, dass die dahinter liegenden Gründerzeit-Hinterhäuser auch saniert wurden.



    Das Haus am Ranstädter Steinweg wurde um 1910 gebaut und um 1950 als einziges in die neue Bebauung integriert.

  • Quote from "Wissen.de"

    Erst einmal danke für die Rückmeldung. Sind unter den 400 abbruchreifen Bauten denn auch wertvolle Gebäude oder sind dies Gebäude, die eher schlicht waren? Sind diese 400 Bauten denn verloren oder gibt es für einige da noch Hoffnung?


    Mit diesen offiziellen, oft wiederholten, wenig differenzierten Zahlen tue ich persönlich mich ein wenig schwer. Ich weiss immer nicht genau:
    - wurden Liegenschaften gezählt oder Einzelgebäude (Vorderhaus-/Hinterhaus....)
    - Wurden auch gewerbliche Bauten dazu gezählt oder nur Wohnhäuser?
    - Sind es die Baudenkmäler oder sind es alle unsanierten Gebäude aus der Zeit vor 1990 (ich denke, das alles nennt sich "Altbau")


    Noch schwerer fassbar finde ich die immer wiederkehrende Angabe, dass 400 Altbauten abbruchreif sind. Wann ist ein Gebäude das? - O.K., wenn es in ein Fachwerkhaus mit Steinfassade (was auf die älteren Gründerzeithäuser zutrifft) jahrelang reinregnet, ist der Zustand sicher bald erreicht.


    Die verbliebenen unsanierten Gebäude sind in vielen Fällen (vielleicht 60%?) einfache, im jetzigen Zustand unspektakuläre. Oft sind aber gerade die ältesten der Straße dabei.
    Auszunehmen sind die Hauptstraßen. Hier stehen ohne Ende ehemals sehr hochwertig ausgestattete, für das Stadtbild unverzichtbare, unsanierte Gebäude (Käthe-Kollwitz-, Georg-Schumann-Str., vordere Wurzenerstr., und viele mehr )

  • @ Leipziger


    erst mal danke für deine Antwort.


    Ich kenne mich in Leipzig leider nicht besonders aus. Könntest du oder ein anderer vielleicht mal die 10 oder 20 wichtigsten noch unsanierten Gebäude auflisten, die von besonderem architektonischen Wert sind? Ich weiß, dass so eine Auflistung immer subjektiv ist, aber so könnte man an ausgewählten Beispielen verfolgen, wie es um die Sanierung steht und nicht so Ortskundige bekommen vielleicht mal einen kleinen Überblick.

    APH - am Puls der Zeit


  • allen Kritikpunkten zum Trotz ich finde es für einen Neubau in Ordnung

  • ja muss mich dem anscleßen, für einen neubau ist es sehr ok gibt viel schlimmere bauten (ud sicher auch bessere) aber ist ok so.

  • Leipziger: da ist dir ein schreibfehler unterlaufen. natürlich gelten nicht alle häuser vor 1990 als altbauten, sondern diejenigen, welche - je nach gusto - vor 1918 oder 1945 entstanden. und selbstverständlich können zahlen nur einen groben überblick liefern. aber den immerhin.


    @wissen.de: "architektonischer wert" ist in der tat ein sehr dehnbarer begriff. erfahrungsgemäss wird er zumindest hier meist den gebäuden zugeschrieben, die dem abriss am nächsten sind. unabhängig aller aufgeregtheit würde ich meinen, dass die von spacecowboy im graphischen viertel fotografierten ruinen als besonders wertvoll anzusehen sind. das stadtbild im besonderen masse prägend sind vor allem die gebäude, die die kommune auf eigene kosten sichern lässt. hinzu kommen natürlich auch noch markante beispiele der industriearchitektur.


    die idee einer art "datenbank" noch unsanierter altbauten ist hier schon mehrmals aufgekommen. angesichts der schieren masse ist dies allerdings nicht zu bewältigen. falls es für dich ein trost ist: es können bei weitem nicht mal alle sanierungen von gründerzeitlern dokumentiert werden.