Leipzig - Bau- und Sanierungsprojekte

  • Noch ein Nachtrag zu Emil Franz Hänsel:


    Das Schrödterhaus in der Innenstadt, das gegenwärtig zu einem Geschäftshaus umgebaut und saniert wird, stammt auch von ihm. Im Inneren wird gerade eine neue, öffentlich zugängliche Passage gebaut. Das nur als Randnotiz.


    Hier ein schon etwas älteres Foto vom Schrödterhaus:

  • Jetzt, wo man sieht, wie viel von der alten fassade noch erhalten ist, wäre es unglaublich schade, wenn sie verschwinden würde.


    Ich kann aber auch diejenigen verstehen, die die Blechbüchse mochten, als ein Beispiel typischer DDR-Architektur. Daher frage ich mich, warum man nicht beides haben kann. Darüber wurde noch nie gesprochen.
    Warum stellt man die alte Fassade nicht wieder her und schafft auf der anderen Seite des Komplexes, dort wo früher die Platten standen, eine neue-alte Blechbüchse. Dann hätte man beides gezeigt, mehr noch, man könnte die Leipziger Geschichte wie in einem Buch lesen. Auf der einen Seite das historische Leipzig, am anderen Ende des Komplexes dann die Blechbüchse als Zeugnis der DDR und dazwischen die Jetztzeit, die Moderne. Das wäre mal ein Kompromiss, mit dem wohl wirklich alle leben könnten.

    APH - am Puls der Zeit

  • @wissen.de: ich nehme mal an, die idee ist nicht ganz ernst gemeint.


    die harry müller-fassade ist genau für diesen standort entworfen worden.
    nach dem krieg wurde der "friedlich-engels-platz" aufgeweitet. die neue fassade reagierte darauf, in dem sie einerseits auf fernwirkung abzielt und sich andererseits die weite des umfeldes zunutze macht. durch die reflexionen der sonneneinstrahlung gewinnt die fassade ihre lebendigkeit (wird man im gereinigten zustand wieder besser erleben können). so etwas kann man nicht an irgendeine andere strassenecke versetzen, wo diese wechselwirkung gar nicht stattfinden kann.

  • @ rakete


    ich meine das völlig ernst. Und ich denke, dass dies ein wegweisender Kompromiss hätte sein können. Sein wir doch ehrlich: Die alte Blechbüchse gibt es doch gar nciht mehr. Es wird ein kompletter Neubau sein, ein völlig neues Gebäude, auf das dann "restaurierte" Blechteile drauf geschraubt werden. Am Ende kann es sogar so kommen wie in Dresden wo man sie auch erst wieder verwenden wollte und dann waren sie doch nicht mehr zu retten und man hat sie neu hergestellt. Also handelt es sich bei der neuen Blechbüchse faktisch um eine Rekonstruktion der alten.
    Und warum man sie nicht an die andere Seite des Komplexes setzen kann, wenn dadurch die Geschichte der Stadt erhalten bleibt, will mir nicht einleuchten. Sonst wird immer gesagt, rekonstruieren, das geht nicht, das kann man nur machen, wenn noch etwas übrig ist. und jetzt ist etwas übrig und dann reißt man es ab und rekonstruiert im Gegenzug ein anderes Gebäude statt das bestehende zu erhalten. Irgendwie sinnlos!

    APH - am Puls der Zeit

  • mein voriger beitrag hat deine frage bereits beantwortet.


    die hänsel-fassade wurde für die damalige platzsituation geschaffen, die müller-fassade für die jetzige. sie einfach woanders wieder aufzubauen, würde weder der fassade noch dem neuen standort gerecht werden.

  • Quote from "Wissen.de"

    Ich kann aber auch diejenigen verstehen, die die Blechbüchse mochten, als ein Beispiel typischer DDR-Architektur.


    Wie kommst Du darauf, die Blechbüchse sei ein "Beispiel typischer DDR-Architektur"? Es ist herausragende Architektur, Punkt.


    Das ist echt eine kranke Sicht, finde ich. Würde man Müther-Bauten endlich als Müther-Bauten würdigen und nicht in die Ecke "DDR-Architektur" (= minderwertig) stellen, dann wäre schon etwas Vernunft gewonnen.

  • Wieso impliziert die Aussage "Beispiel typischer DDR-Architektur" sie sei minderwertig?...Wenn da stünde, Beispiel "barocker Architektur" hättest du es dann auch so interpretiert....?


    nee nee..die Abwertung erfolgte hier durchaus von dir selbst und war durch Wissen.de sicher nicht beabsichtigt....ich finde seinen Vorschlag übrigens sehr reizvoll...im Übrigen ist mir Raketes Herangehensweise zu verkopft. Heutzutage wird sich doch so gut wie kein Kopf mehr gemacht...was an einen Platz passt oder nicht ( kann aber sein, dass ich in Dresden einfach ein gebranntes Kind bin )...und im Gegensatz zu ihm bin ich der Meinung, dass es passen würde.


    Gruß DV

    "We live in the dreamtime-Nothing seems to last. Can you really plan a future, when you no longer have a past." Dead Can Dance - Amnesia

  • Quote from "dancingdwarf"

    Es ist herausragende Architektur, Punkt.


    Und woran machst du das fest! Der Zusatz "Punkt" am Ende soll wohl die Absolutheit der Richtigkeit deiner Aussage unterstreichen, weist aber schon durchaus dogmatische Züge auf.

    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)

  • Ob die Alu-Fassade nun herausragende Architektur ist oder ein Beispiel typischer DDR-Architektur, ob hoch- oder minderwertig, mag jeder für sich beantworten. Das ist nicht der - springende - Punkt. Ein Fakt ist allerdings, dass die Alu-Fassade unter Denkmalschutz steht und sie dadurch Priorität beim Erhalt bekommt. Am Tröndlinring soll jedoch auf 15 Metern die alte Hänsel-Fassade erhalten bleiben und restauriert werden. Somit würdigt man gewissermaßen auch die nicht unter Denkmalschutz stehende Fassade.

  • Erstmal danke für die Ergänzung, spacecowboy. Dass die Hänsel-Fassade nicht das einzige Beispiel für Reformstil in Leipzig war und ist, ist mir klar, ich wollte eigentlich nur deutlich machen, dass der Reformstil gegenüber den eklektizistischen Bauwerken doch *vergleichsweise* rar ist. Und dass der Hänsel-Bau schon größenmäßig eines seiner Hauptwerke war, bleibt trotz dem dankenswerterweise erhaltenen Speck's Hof ja außer Frage.


    Zur Müller-Fassade: ich kann schon diejenigen verstehen, die sie erhalten haben wollen. Man muß wirklich in Leipzig gewesen sein, um zu sehen, dass hier die historische Bausubstanz derartig dominiert, dass die Müller-Fassade wirklich nur einen Tropfen auf den heißen Stein darstellt. Fragwürdig finde ich allerdings, auch aus denkmalpflegerischer Sicht, dass hier a) eher ein kollektiver Erinnerungswert dem ästhetischen Wert übergeordnet, und b) das Gebäude auf seine Fassade reduziert wird. Bei einem Fachwerkbau mag das etwas anderes sein, aber dieses Gebäude (der Hänsel-Bau) war ein ganzheitliches Kunstwerk, das nun nicht mehr wirken kann. Gerade bei dem Substanzfetischismus des Denkmalschutzes finde ich das etwas scheinheilig.


    P.S.: Bilder bei der Leipziger Volkszeitung, die einen Teil der freigelegten Fassade zeigen:


    http://nachrichten.lvz-online.de/leipzig-citynews-blechbuechse-fassade/buechse250210/r-detailansicht-galerie-704-16143.html\r
    nachrichten.lvz-online.de/leipzi ... 16143.html


    Nennt mich einen Spinner, aber vielleicht kann man in ein paar Jahren ja beides haben. So wie die Displaytechnik voranschreitet, kann man irgendwann vielleicht transparente OLED-Displays vorhängen, die die Müller-Fassade simulieren, und zeitweilig die alte Fassade durchscheinen lassen.

  • Die Frage, welche Fassade man nun für schöner oder für den Standort passender hält, muß jeder für sich beantworten - da gibt es m.E. kein eindeutiges "richtig" oder "falsch". Die Blechfassade mag von ihrem Erbauer direkt auf den Standort abgestimmt worden sein, und er hat sich etwas dabei gedacht - doch das trifft auf die alte Hänselfassade wohl ebenfalls zu. Und das Argument, daß die Blechfassade unter Denkmalschutz steht, überzeugt mich nur halb, wenn man bedenkt, wie viele an sich denkmalgeschützte Bauten und/oder Fassaden Jahr für Jahr dennoch verschwinden, weil die Denkmalschützer aus welchen Gründen auch immer eingeknickt sind (und das meine ich jetzt nicht speziell auf Leipzig bezogen, sondern auf zahlreiche Städte in so ziemlich allen Bundesländern).


    Ich halte es aus einem anderen Grund für vertretbar, die Blechbüchse (mit Ausnahme eines 15-Meter-Streifens mit Hänselfassade) zu erhalten: Die Hänsel-Fassade scheint mir, nach dem, was ich auf den Fotos gesehen habe, in der Tat in einem ziemlich schlechten Zustand zu sein, so daß man vieles nicht nur erheblich ausbessern, sondern komplett ersetzen, also rekonstruieren müßte. Und da gibt es bestimmt Häuser in Leipzig, bei denen ein solcher Aufwand lohnender wäre. Wenn der Vorkriegszustand komplett wiederhergestellt würde, würde ich applaudieren und der Blechfassade keine Träne nachweinen - aber wenn man sich nur zu dieser anderen Lösung entschieden hat, dann kann ich angesichts der Umstände (schlechter Zustand der Händelfassade, Blechfassade gilt als eine Art Wahrzeichen in der Stadt) auch leben. Da gibt es städtebauliche Frevel in Leipzig und anderswo, über die sich weitaus mehr Gedanken machen kann.

  • Quote from "Valjean"


    Ist das eine Frage oder ein Ausruf? Ich interpretiere es mal als Frage.


    Ich mache das "herausragend" daran fest, dass Du weltweit nichts Vergleichbares finden wirst. Beschäftige Dich mit Harry Müller, hör Dir die Überlegungen an, die zu der Fassade geführt haben, erfahr von den Schwierigkeiten bei der Berechnung und den Mühen, einen Betrieb zu finden, der die Fassadenteile herstellen konnte. Dann wirst Du verstehen.


    Dass der Hänsel den kleinbürgerlichen Massengeschmack eher trifft, dürfte außer Frage stehen, doch darum geht es nicht. Das wollte ich mit dem "Punkt" ausdrücken.

  • Nachdem hier in letzter Zeit einige Bilder der ursprünglichen Hänsel-Fasssade gezeigt worden sind, welche den aktuellen Zustand zeigen, habe ich meine Meinung revidiert.

    Quote from "Wissen.de"

    Jetzt, wo man sieht, wie viel von der alten fassade noch erhalten ist, wäre es unglaublich schade, wenn sie verschwinden würde.


    Ich denke, bei einer Restaurierung/Wiederherstellung dieser Fassade wäre diese am Schluss zu 100% neu geworden! 100%, und nicht 99%! Wenn man verschiedene Probeflächen auswählt, und da mal eine Bestandesaufnahme macht, welche Steine erhalten werden könnten, so komme ich auf keinen einzigen; traurig, aber war... Es gibt vielleicht einige Brüstungsfelder in den Erkern, mehr habe ich aber nicht ausmachen können. Nicht mal die grob behauenen Steine der Lisenen, welche grobe Schäden nicht sofort offenbaren würden, könnte man in dieser Form belassen; zu gross sind die Fehlstellen mit abgeplatzten Teilen. Dass die Dachzone bei einer Restaurierung des Hänsel-Baus komplett hätte rekonstruiert werden müssen, war schon vor Abnahme der Blechfassade klar, und selbiges gilt auch für das Erdgeschoss.

  • Wenn man sich den wirklich erschreckenden Zustand der Hänsel-Fassade so anschaut, bleiben eigentlich nur noch wenige Optionen bestehen. Eine komplette Rekonstruktion scheint ob der hohen Kosten und etwaiger ideologischer Verbohrtheiten eigentlich illusorisch. Das Anbringen der Aluhaut ist in Anbetracht aller Tatasachen, einscließlich des Denkmalstatus der Müller-Fassade, sicherlich die sinnvollste Lösung. Als dritte Möglichkeit würde mir noch die Reinigung und behutsame Ergänzung der Hänsel-Fassade in konstruktiv unsicheren Partien erscheinen, die das Gebäude in seiner Versehrtheit belassen und so im Endeffekt alle Optionen offen lassen. Dabei könnte die Polemik natürlich schnell wieder auf den allgegenwärtigen "Ruinenkult" abzielen.
    Allerdings sind all diese Überlegungen ob des Komplettabrisses natürlich obsolet.

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Noch ist es mehr ein Rauschen im Blätterwald, aber es verdichten sich die Anzeichen, dass das heute völlig verstümmelte Eckhaus Jacobstraße 1, ein bemerkenswert verhunzter Gründerzeitler, saniert und dabei die Fassade nach historischem Vorbild rekonstruiert wird. Die Bild-Zeitung erwähnte es gestern in einem Artikel eher beiläufig, ein User eines anderen Forums berichtete bereits einen Tag vorher schon von dem Vorhaben. Als neue Nutzung für das Gebäude ist ein Hostel mit 170 Betten geplant, dass bereits Ende des Jahres eröffnen soll. Das Eckhaus befindet sich in einer Lage, wo die letzten Jahre hinsichtlich vorbildlicher Sanierung einiges passiert ist. Diese Sanierung könnte zweifelslos der krönende Abschluss dieser Entwicklung werden.



    Jacobstraße 1 im September 2009 vom Ranstädter Steinweg aus. Damals wurde das Gebäude schon einmal eingerüstet und es kam hier die leise Hoffnung nach einer Sanierung mit Fassadenreko auf. Nach ein paar Monaten wurde das Gerüst allerdings wieder abgebaut, ohne das sichtlich etwas passiert ist.

    Quote from "Leipziger"



    Links eine angeschnittene Ansicht der Jacobstr. 1. Die Jacobstr. 2 gegenüber wurde zu dieser Zeit bereits saniert.

    Quote from "Leipziger"


  • Das wäre in der Tat beeindruckend.

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Hier noch mal ein paar Sanierungsobjekte, die Spitze des Eisbergs gewissermaßen.
    Die Fotos sind von mir.


    Zentrum Ost, Lange Str.


    Vorher, rechtes Haus


    Tür vorher, linkes Haus


    2010, beide Gebäude




    Tür



    Reudnitz, Margaretenstr. 6 am 06.05.07, keine Hoffnung mehr?


    Ansicht


    Tür


    Ansicht 01/2010



    Tür 01/2010



    Reudnitz, Anna-Kuhnow-Str. , Fabrikgebäude
    Das Obergeschoss des rechten Gebäudeteils wurde komplett rekonstruiert, von dem Geschoss darunter standen nur noch die Außenwände.


    Bauphase


    Zustand 02/2010



    Tür

  • Man kann es nicht oft genug wiederholen: Allererste Sahne, die Qualität der Leipziger Sanierungen! :daumenoben:
    Toll, wie oftmals aus den obersten Geschossen exzellente Mansarddachabschlüsse mit viel Nutzfläche entstanden sind - es muss nicht immer ein brutaler Kastenaufsatz sein, damit auch die letzten qcm herausgequetscht werden.


    Danke für die Veranschaulichungen, Leipziger.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)