Die Prager Straße und Seevorstadt

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    • Ich finde es ehrlich gesagt sehr schade, was aus diesem früheren schönen Boulevard geworden ist. Speziell der Nordteil wirkt zwar besser als zu DDR-Zeiten, da tatsächlich urban und verdichtet.

      Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass man hier Europäisch baut und nicht "nirgendwo", das ist eine austauschbare d.h. ortlose Architektur, die genau so in Kuala Lumpur, Tokyo oder Los Angeles stehen könnte und dort wohl kaum als "Dresdentypisch" auffallen würde. Eine Nirgendwo-Architektur eben. Besonders schlimm allerdings finde ich diese Entrée die der uns vorerst nur per Entwurf "beglückt" (#222 zweites Bild) - sorry, eine solch schlimme und brutale Klotz-Architektur habe ich selbst in Dresden selten gesehen. :daumenunten: :augenrollengruen: :schockiert: :kotz: Ich finde dieses brutale Ungetüm eine Beleidigung des Stadtbewohners und einen brutalen Faustschlag ins Gesicht eines jeden feinfühligen Menschen. Einfach nur grausam! Damit wird der gesamte Platz, den man stadtbildtechnisch noch halbwegs hätte retten können, nun vollends und mit Karacho niedergemach. Mit ziemlicher Sicherheit kein Zufall, die "Gestaltungskommissions"-ähnlichen Gremien hocken ja im Stadtplanungsamt überall, nicht nur im Bereich Neumarkt, Ziel: zerstören.

      Das City-Hotel Bild 221 finde ich übrigens recht gut. Auch die Prager Spitze , und das Haus des Buches. Der Karstadt ist ein typischer Kaufhaus-Bau, finde ihn zwar etwas banal aber zumindest nicht zerstörerisch, also akzeptabel. Aber dieser neue pseudo-Futuristische Betonkasten, eine Beleidigung. Wenn ich den historisch gewachsenen Character einer Stadt restlos auslöschen wollte, würde ich genau so etwas wählen.
      Wie würden Sie ein schönes Haus definieren? - Kollhoff : Ein schönes Haus ist ein schönes Haus. Es nimmt im Äußeren nicht nur Rücksicht auf die Umgebung, sondern ist dem Gemeinwesen verpflichtet, indem es dank seiner Konventionalität zur räumlichen und atmosphärischen Eigenart des Quartiers beiträgt.

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    • Irgendwie habe ich genau diese Reaktionen erwartet. Manche Zeitgenossen sind doch wirklich sehr ausrechenbar...

      Wo genau hier eine städtebauliche Katastrophe zu erkennen wäre, will sich mir zwar nicht wirklich erschließen. Ich hätte ja mehr als nur ein gewisses Verständnis dafür, diese Beschreibung auf die parallel führende Sankt-Petersburger Straße anzuwenden. Aber sei's drum. Kritisieren des Kritisierens willen ist ja in diesem Land zur Zeit groß en vogue. Da muss man ja auch nicht sachlich argumentieren, sondern kann in Mutti-Manier alles alternativlos gut oder schlecht finden. Politisch korrekt allemal zudem, wenn es sich um Dresden handelt...

      @Königsbau
      Wir alle wissen: In Schwaben ist sowieso alles besser, schöner, lebenswerter, und überhaupt. (Bis auf den Dialekt natürlich, aber da sitzen wir ja mehr oder weniger im gleichen Boot :wink: ) Nur an Deinem Verständnis von Ironie solltest Du noch arbeiten...
    • ^Nun, vielleicht beruhigt es Dich, dass die Dresdner, die von "Elbflorenz" faseln, in erster Linie im hiesigen Tourismusmarketing zu finden sind und dann auch in aller Regel ihren Geburtsort westlich der ehemaligen innerdeutschen Demarkationslinie verorten. Das sind dann die Gleichen, deren Dresden-Horizont sich irgendwo im Bermudadreieck zwischen "Brühlschen Terrassen" (bäh...), Zwinger und Frauenkirche verliert.

      Keinem wirklich Einheimischen, den ich kenne (mich eingeschlossen), käme diese Sinnlos-Floskel über die LIppen, und schon gar nicht im Zusammenhang mit der Prager Straße.

      ---Ende der Diskussion auch meinerseits, viele Grüßle ins Schwabenländle---
    • Die Prager Straße ist durch und durch ein Boulevard der Nachkriegsmoderne. Das hast du schon gewusst oder, Königsbau? Ich finde das hier gezeigte zumindest nicht schlechter als das, was in Stuttgart gerade rund um den Mailänder Platz hochgezerrt wird und was viele, gerade im DAF, als grundsolide oder "großstädtisch" titulieren.

      Bei einigen Motiven kann ich das beabsichtigte "Sputnik-Flair" durchaus nachfühlen.



      Hier hätte ich mir durchaus noch einige Gebäude im eigentümlichen Stil der Leipziger Blechbüchse vorstellen können. Viele Gebäude der Nachwendezeit stellen zwar wichtige Räume wieder her, sind in der Gestaltung aber (wie m.E. leider zu häufig in Dresden) völlig ambitionslos und wirken nach den wenigen vergangenen Jahren schon wieder schäbig.
    • Kinners! Seid doch nicht so zickig. Genau das ist es was ich mit Städte-Bashing meine und dazu rührt's. Eine sachliche Diskussion ist nicht mehr möglich, weil jeder die Kritik an seiner Heimatstadt oder -Region so persönlich nimmt. Wo Licht ist da ist auch Schatten. Selbst in Gelsenkirchen gibt es bestimmt schöne Ecken und Ludwigshafen, dort habe ich immerhin 5 Jahre gelebt, ist wesentlich besser als sein Ruf oder der erste Eindruck. Ich persönlich würde mir mal wieder eine Versachlichung wünschen, gerade wenn es um Stuttgart, Köln oder Dresden geht. Sicher geht es nicht nur mir so und der immer gleiche Schlagabtausch nervt schon. Dann lieber mal ruhig sein. So, jetzt hab ich es mal gesagt und hoffe, dass es nicht wieder der ein oder andere in den falschen Hals kriegt.

      Zurück zur Prager. M.E. hat die Straße durch den Um- und Weiterbau nach der Wende viel von ihrer einstigen Originalität eingebüßt. Vor allem die früher opulenten Wasserspiele sind heute nur noch eine Abglanz ihres einstigen Selbst. Darüber hinaus finde ich die meisten Neubauten schlichtweg banal, ganz schlimm Karstadt. Die originale DDR-Architektur, wenn auch inzwischen aufgehübscht und überarbeitet, hat da wesentlich mehr Stil.
      Dresden hätte mehr verdient.
      Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.
    • @Pfälzer Bub

      Die Prager Straße, wie sie sich Ende der 80er Jahre präsentierte, war allerdings ein Torso. Besonders für den Nordteil, zwischenzeitlich als provisorischer Park gestaltet, hatte sich eine grundlegende Planänderung weg vom dem 100-Meter-Plus-Hotelturm "Stadt Dresden", der über den Bau des Fundamentes nie hinausgekommen ist, hin zu "angepassten" Plattenbauten der WBS-70-Serie ergeben, einer der Blöcke nördlich des Ferdinandplatzes wurde ja sogar fertiggestellt und vermag noch heute einen gruseligen Eindruck davon zu vermitteln, was an der gesamten Nordseite gedroht hätte. Für weitere Buden gleicher Qualität, unter anderem direkt östlich der Prager Straße, waren die Erdgeschosse erstellt, eine Fertigstellung nach 1990 unterblieb aber (Gott sei Dank) und die Rohbauten mussten Karstadt und Co. weichen.

      In Anbetracht dieser Umstände, die die ursprünglichen Pläne der Prager Straße aus den 60ern genauso ad absurdum geführt hätten, bin ich regelrecht froh über die jetzige Bebauung, die zwar sicherlich nicht weltbewegend, aber (von dem wirklich unsäglichen Karstadt abgesehen) doch meiner Meinung nach zumindest guter Durchschnitt ist. Was mir allerdings wirklich zutiefst missfällt, ähnlich wie übrigens auch am Altmarkt, ist die Degradierung der Querstraßen zu bloßen zugigen Durchgängen mit Null Verweilqualität. Dabei hätte doch die gerade die wiedererlangte Verdichtung mit den sich dadurch ergebenden interessanten und teilweise intim wirkenden Stadträumen (bspw. hinter dem Wöhrl am Rundkino) bei entsprechender Bestückung mit Gastronie, Geschäften und einer angenehmen Außengestaltung zu einer wirklichen städtischen Belebung abseits der Hauptmagistrale führen können, die ich persönlich für recht gelungen erachte.

      Insofern finde ich die grundlegende Planung seit 1990 mit der Rückführung auf die Vorkriegsbreite am Nord- und Südende und dem "Prager Platz" als erweitertem Mittelteil wirklich alles andere als schlecht und in Teilen sogar regelrecht gelungen. Auch die grabenartigen, dezenter gehaltenen Wasserspiele gefallen mir, wenngleich viele Dresdner (und offenbar nicht nur diese ;) ) die weitgehend nach Prohlis entschwundenen Pusteblumen vermissen.

      Ebenso konnte der Wiener Platz in seiner ausladenden zerfließenden Weite beim besten Willen nicht so bleiben. Auch hier ist bei der Bewertung des Stadtraums zu bedenken, dass dem Platz nach wie vor seine Ost- und Westseite fehlen. Erst dann kann er meiner Meinung nach wirklich abschließend eingeschätzt werden.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Antonstädter ()

    • Ähm, moment mal. Indem ich diese hochgradig pervertierte unmenschliche Architektur kritisiere, "bashe" ich keine Städte sondern die Verantwortlichen für die Stadtzerstörung. Die Dresdner sollten mal begreifen, dass diejenigen die die derzeitige Stadtzerstörung kritisieren, dass vielleicht gerade deswegen tun, weil sie - so wie ich z.b. - auch nach Jahren noch schockiert sind beim Vergleich vor/nach 1945?

      Es ist doch kein Geheimnis, dass Dresden vor der Zerstörung schöner war als diese scheussliche Wessi-Architektur die man Euch aufzwingt. (die angeblich "sozialistische" Architektur war übrigens auch reine Wessi-Architektur, Frankfurt-Nordweststadt sah haargenau so aus wie die DDR-Prager in Dresden, nur inzwischen eben auch "rückgebaut", und genau wie heutige Prager zwar eine Veränderung, aber nicht unbedingt eine himmelstürmende Verbesserung).

      Kennt ihr Dresdner, die ihr so rumschimpft über legitime Kritik an dieser ekelhaften Monster-Architektur, die Prager eigentlich vor der Zerstörung? Ich meine, hab ihr mal mehr als ein Bild davon gesehen oder so? Es gibt Filmaufnahmen in sehr guter Qualität der Prager Strasse aus den 1930ern, kann man überhaupt nicht vergleichen mit diesem irren Betonkasten- Wahnsinn der sich da heute auftürmt. Eine ganze andere Welt! Und ja, tatsächlich eine schönere , in der Prager war auf jeden Fall. Ich finde es immer wieder erschreckend, wie man versucht Eure geschundene Stadt in ein Amerikanisches Shopping-Center mit dem Charme einer Fabrikhalle zu verwandeln! Ihr müsst mal die Kritik an dieser Architektur nichdt an der Kritik an Dresden oder den Dresdnern, sondern als Kritik an der aggressiven und zerstörerischen Architektenlobby sehen! Mir geht es manchmal sehr auf den Nerv, dass man hier gleich angegiftet wird, nur weil man eine destruktive Architektur kritisiert! Dresden war eine der wichtigsten Städte Europas vor der Zerstörung, kulturell gesehen auf jeden Fall, wenn nicht eine der wichtigsten der ganzen Welt - und in vielerlei anderer Hinsicht auch eine der wichtigsten Deutschlands. Dass dies 1945 erstmal radikal verschwand, darüber müssen wir nicht diskutieren. Ich bin der Meinung, man kann Dresden wieder zu dem machen was es einmal war, ist absolut möglich. Aber dann muss man es bitteschön auch wollen! Es nützt doch nichts, sich bequem zurückzulehnen und sich über "unser guuhdes Drääsden" zu freuen, und sich einzureden dass die derzeitigen Pläne der Stadtgestaltung kein Problem seien? Wenn ich mir einrede, hurra alles supi, obwohl es nicht so ist und ich bestimmte Dinge einfach nicht wahrhaben will, dann stelle ich mein persönliches privates Wohlfühl-Schema über das Geschick meiner Stadt. Das ist purer Egoismus! Ihr Dresdner habt ja noch Glück, denn Euer historisches Zentrun erstrahlt ja inzwischen mit einem Glanz und einer Glorie, es ist unglaublich! Freut Euch doch mal darüber? Ich jedenfalls tue das! Jawohl, ich freue mich auf das zumindest an den wichtigsten Stellen wiederaufgebaute Dresden. Und mehr wäre möglich!

      Diese Entrée ist das allerletzte, der Architekt der das den Menschen zumutet gehört, so er überhaupt irgendwelche Ämter innehat, aus sämlichen Ämtern entfernt! So einen Schrott kann nur jemand bauen, der sich geweigert hat, sich auch nur eine einzige Sekunde mit der Geschichte der Stadt zu beschäftigen! Diese anti-Architektur negiert Dresden und seine Tradition, und ausgerechnet das Negieren der eigenen Stadt finden einige Dresdner gut? Wahnsinn.

      Also, liebe Leute, fahrt mal einen Gang runter bitte und beginnt das logische Denken anstatt egoistisch zu handeln. Nochmal zum Mitschreiben: Wer Stadtzerstörung kritisiert, ist kein "Städte-Basher" sondern das Gegenteil, denn Stadtzerstörung und Stadt-Aufbau sind nicht gleiche, bitteschön. Ich finde viel eher was ihr macht ist "passiv-Bashing", indem ihr ein Zerstörungwerk schönredet und auf die Kritiker eindrescht. Damit erreicht ihr grade, dass alles hingenommen werden soll. Ich bin dagegen dass man das hinnimmt, wenn eine Stadt verhässlicht und verschandelt wird. Und daher sage ich es immer wieder: Würden (gerade in Dresden) sich mehr Leute trauen, diesen Architekten-Unsinn zu "bashen", dann würde es ihn gar nicht geben da der Widerstand zu gross wäre. Insofern brauch ich mir GAR NICHTS vorzuwerfen, im Gegenteil, indem ich die Zerstörer und die Unfähigen anpragnere, tue ich das richtige. Und wenn Euch Eure Stadt etwas wert ist, tut ihr das auch.

      Stadtzerstörungs-Bashing ist KEIN "Städte-Bashing" sondern das Gegenteil. Denn so etwas tut nur jemand, dem die Stadt wichtig ist.

      PS - Was dieses scheussliche Betonmonster am Eingang betrifft, ich bleibe dabei: Das ist ein extrem schwerer Fehler der dem Stadtbild an dieser wichtigen Stelle (Eingang in die Stadt vom Hbf) schweren Schaden zufügt, , und ich finde es tragisch, dass das Stadtplanungsamt - das ganz klar GEGEN Dresden arbeitet und nicht dafür - immer wieder mit solchen Monströsitäten und Zombies durchkommt. Und noch tragischer ist, dass offenbar einige Dresdner aus einem falsch verstandenen Patriotismus Kritik an der Dresdenzerstörung mit Kritik an Dresden verwechseln, und dies einfach nicht begreifen wollen.
      Wie würden Sie ein schönes Haus definieren? - Kollhoff : Ein schönes Haus ist ein schönes Haus. Es nimmt im Äußeren nicht nur Rücksicht auf die Umgebung, sondern ist dem Gemeinwesen verpflichtet, indem es dank seiner Konventionalität zur räumlichen und atmosphärischen Eigenart des Quartiers beiträgt.

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    • Und? Was soll man tun? Hätte man nach der Wende die völlig banale Prager Schneise der Vorkriegszeit, die übrigens gar nicht so besonders war, schon garnicht architektonisch, so nachzulesen im letztes Jahr erschienenen Buch über die Prager, rekonstruieren sollen? Architektonische Dutzendware auch damals. Gerade mal eine Hand voll Gebäude ragte aus dem gründerzeitlichen Einheitsbrei heraus. Jetzt werde ich wieder anecken. Übrigens zeigen Filme und Fotos in der Regel den attraktiven kurzen Teil von der Sidonienstraße bis zum Hauptbahnhof und den Anfang mit Viktoriahaus, ReKa und Esders, Der Rest erschien schon damals kaum dokumentierenswert. Dresden war bestimmt vor dem Krieg eine schöne Stadt, das traf jedoch nicht unbedingt auf die City zu. Eine typische Großstadt im Reich, mehr nicht. Frankfurt oder Hamburg waren da schöner. Es muß mit der immensen Zerstörung zusammenhängen, dass diese City im Nachhinein so glorifiziert wird und wieso die Prager Straße eine Sonderbehandlung jenseits der "Wessi-Architektur" verdient haben soll leuchtet mir auch nicht so ganz ein, zumal ich das heutige Ensemble Prager Straße zu 80 % für gelungen halte.
      Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.
    • @Pfälzer

      Einverstanden (nicht das ich die heutige prager Straße für gelungen halte...). In Dresden wird jetzt zumindest das wohl wertvollste Teil der alten Stadt sehr schön (nicht perfekt, aber dennoch sehr schön) wiederaufgebaut. Die Prager Straße war dagegen niemals wirklich interessant, da sie vor 1850 noch nicht existierte. Mal zum Vergleich, das wirkliche "Elbflorenz" im Jahre 1750:

      upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f2/Dresden1750.jpg
    • Die alte Prager Straße war meines Erachtens durchaus herausragend. Sie hatte auf jeden Fall mehr als ein halbes Dutzend wirklich stattliche Gründerzeithäuser: Victoriahaus, Residenzkaufhaus, Europäischer Hof, Esders, Deutscher Hof, Centralpassage, Kaisercafe. Man nenne mir bitte eine weitere Gründerzeitstraße der Stadt, die das in den Schatten stelt. Kleinreden würde ich hier nicht. Freilich hatte die Straße ihren Ruf in erster Linie durch die Geschäfte. Eine alte Dresdnerin erzählte mir mal: "Wenn du irgendwas gesucht hast, in der Prager konntest du es kaufen." Alt war sie natürlich nicht, wertvoller war die Stadt innerhalb des Rings, da geb ich Niederländer recht.

      Die neue Prager Strase gefällt mir vom Raumgefüge sogar besser als die Alte! Urbaner Anfang und Ende, in der Mitte ein schöner Platz. Die Wasserbecken stehen, begleitet von den 3 Baumreihen und den Lichtsteelen in Reih und Glied, die Ästhetik - aus der Luft betrachtet - hat fast was faschistisches. Trotzdem hat's seinen Reiz, man sollte da ja nicht zu viel reininterpretieren. Tja, und auch die neue Prager Straße hat mindestens ein halbes Dutzend erstklassige - freilich moderne - Bauten: Haus des Buches, die Centrumgallerie mit den Waben, Rundkino, Kristallpalast, Prager Spitze und Kugelhaus, dazu gefallen mir das Denkmal Völkerverständigung und natürlich die Pusteblumenbrunnen. Der Rest versinkt entweder im Mittelmaß oder ist banal.

      Sogesehen kann ich den Verlust der alten Prager verschmerzen. Gute Architektur ist weg, Gutes ist teilweise aber auch entstanden. Irgendwo muss es ja auch Platz für Experimente geben. Lieber dort, als in Alt- oder innerer Neustadt. In den letztgenannten Gebieten, zur Altstadtreparatur nämlich, könnte eine solche Architektursprache überhaupt nicht funktionieren. Sie wäre eine Katastrophe.
    • jojojetz schrieb:

      Die alte Prager Straße war meines Erachtens durchaus herausragend. Sie hatte auf jeden Fall mehr als ein halbes Dutzend wirklich stattliche Gründerzeithäuser
      Warum immer wieder dieser Versuch aus der Vorkriegs-Prager etwas besonderes zu machen? In Frankfurt war dieses halbe dutzend schon am halben Bahnhofsplatz voll, wie man hier sieht:
      altfrankfurt.com/spezial/bahn/…of/pic/Hauptbahnhof04.jpg

      Andere Plätze wie Rossmarkt/Hauptwache oder der Opernplatz standen dem in nichts nach.
      Ich bleibe dabei und das ist schwer zu widerlegen, das Vorkriegsdresden jenseits von Brühlscher Terrasse und Neumarkt war nicht so herausragend wie heute meist behauptet. An herausragenden (gründerzeitlichen) Monumentalbauten in der City fallen mir eigentlich nur noch das Rathaus, der Kaiserpalast und das Centraltheater ein.
      Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.
    • Na ja, etwas mehr gab es da schon: diverse Kirchen (allen voran die Johannis- und Jacobikirche), die Direktionsgebäude der Königlich-Sächsischen Staatseisenbahn am Hauptbahnhof, das Feuerversicherungsgebäude am Wiener Platz, das Güntzbad am Elbberg, diverse hochherrschaftliche Plätze und Straßenzüge namentlich in der Pirnaer und der Seevorstadt, deren Verlust aus architektonischer Sicht für mich wesentlich schlimmer ist als der der alten Prager Straße, da sich an deren Stelle heute nur noch Ödland ausbreitet bzw. diese gar gänzlich verschwunden sind: Pirnaischer Platz, die Ringstraßen und die Amalienstraße, Rathenauplatz (Amalienplatz), davon abgehend die Marschall- und Pillnitzer Straße, Seidnitzer Platz und Kaulbachstraße, der Sachsenplatz mit der hervorragenden Kopfbebauung zur Albertbrücke hin, die Johann-Georgen-Allee und natürlich der Georgplatz und die Bürgerwiese...

      Es gibt also in Dresden noch ganz andere und wesentlich dringendere "Baustellen", an denen man sich bis zur Verzweiflung abarbeiten kann. Das Problem ist nur, dass, um die einstige städtische Dichte in den genannten Bereichen wiederzuerlangen, man aufgrund der veränderten strukturellen Voraussetzungen fast schon die Millionenmarke an Einwohnern anstreben müsste, gepaart mit einem völligen Umdenken bezüglich der Gestaltung des innerstädtischen Verkehrs (Stichwort Rückbau der unmöglichen Verkehrsschneisen), so dass ich befürchte, dass weder ich noch die meisten Foristen hier das Wiederentstehen der meisten der genannten städtischen Räume erleben werden. Man darf schon froh sein, wenn sich in puncto Johann-Georgen-Allee ("Lingnerstadt") in den nächsten Jahren etwas tut und wenigstens die Wilsdruffer Vorstadt und die Friedrichstadt ihren Beitrag zur Reurbanisierung unseres Riesendorfes leisten werden. In Anbetracht dieser immensen Aufgaben erscheint die kleinliche Diskussion um die Einzelarchitektur dieser oder jener Hütte gerade auch an der Prager Straße geradezu nichtig.
    • Ich versuche auch mal einen Eindruck zu formulieren, ohne zwischen diesen harten Fronten zermahlen zu werden. :zwinkern: An sich kann ich mit der neuen Prager Straße leben. Warum? Nicht, weil ich diese Architektur und Städteplanung präferieren würde, sondern schlicht aus Nostalgie. Sie spiegelt eine Welt wieder, in der ich teils aufgewachsen bin. Die Welt der Fußgängerzonen, Betonplatten und weiträumigen Wohnblocks. Insofern spüre ich in der Unwirtlichkeit stets auch (und ganz subjektiv) ein Stück Heimeligkeit. Insofern verstehe ich, wenn manche Dresdner hier ein Stück ihrer Kinderzeit verteidigen. Auch gefällt mir die Geradlinigkeit und die luftig-klare geometrische Form des Areals. Das Spiel zwischen Verengung und Erweiterung, dass man in den letzten Jahren dort eingesetzt hat, gelingt anscheinend durchaus. Von kleinen Ausnahmen abgesehen, wie dem Pullman und dem recht gelungenen Haus des Buches, ist die Architektur aber in meinen Augen banal (und natürlich auch nicht ortsspezifisch). So banal kann die alte Prager Straße gar nicht gewesen sein. Die öffentliche Raumgestaltung mit den Brunnen und Skulpturen macht hingegen einen teils recht angenehmen Eindruck. Ansonsten bleibt, ganz typisch für moderne Architektur (wenn sie nicht ins grell-kitischige abgleitet, was hier nicht der Fall ist), der Eindruck der Kälte. Das liegt schon am gezeigten Farbspektrum. Wir haben grau erscheinende Bodenplatten, hellgraue Fassaden, teils dunkelgraue Balkons, blau- oder grüngraue Glasflächen. Schon dieses Farbspektrum ist geneigt, bei manchen Menschen Depressionen hervorzurufen. (Immer noch besser irgendwelche knall-orangenen Spielereien oder ähnliches). Hinzu kommt die übliche Überdimensionierung. Man sieht faktisch nur riesige Wohn- oder Geschäftsblöcke, keine kleinen Parzellen. Und dann noch Flachdächer. Gemütlichkeit sieht anders aus, wenn, ja wenn man nicht mit solchen Arealen bereits Kindheitserinnerungen, also Nostalgie, verbindet. Etwas besser ist es bei den Neubauten mit Natursteinvorblendung. Diese haben teils einen monumentalistischen Anflug in der Gestaltung. Vor allem aber bringen sie mal einen leichten Gelbton in das graue Areal. Einen regelrechten Flash an Farbe und Freundlichkeit erhält man aber erst, wenn man die (diesbezüglich noch äußerst dezenten) vor-modernen Gebäude erblickt: Die Altmarkt-Westseite und das Bankgebäude am Külz-Ring. Plötzlich hat man warmes Rot (die Dächer) und satte pastell-gelbtöne der Fassade. Plötzlich ist auch gegenständliche Kunst am Bau erkennbar (die Putten am Bankgebäude), die den Blick auf Erkundungstour schickt. Die vorherigen weitgehend glatten Fassaden haben derlei nicht zu bieten. Ausnahme: Das Wandbild "Dresden grüßt seine Gäste", das man zum Glück erhalten hat.
      Also, ein gemischtes Fazit. Ich verstehe die Nostalgie mancher Dresdner, die mit der modernen Prager aufgewachsen sind. Die Probleme der modernen Architektur und des modernen Städtebaus sind dabei dennoch gar nicht zu übersehen.
    • Ich denke, die hohe Qualität des Dresdner Historismus ist keine Ansicht, die nur Lokalpatrioten teilen. Die noch vorhandenen (mehr oder weniger) innenstadtnahen Reste am Wettiner, Thomas-Müntzer oder auch Münchner Platz machen das m.E. sehr deutlich. Großzügige Gebäude, Vollsteinfassade, klare Dachgestaltung. Das ist nichts unglaublich Außergewöhnliches aber dennoch hochwertiger als vieles Anderes, was seinerzeit hochgezogen wurde.
    • @Pfälzer Bub,

      ohne jetzt großartig in eure Diskussion einzusteigen (sie führt nämlich zu nichts, wie du zu recht anmerktest), ist es nicht unbedingt ein günstiges Beispiel einen repräsentativen gründerzeitlichen Platz im Halbkreis (Bahnhofsvorplatz Frankfurt) mit einer Prager STRAßE zu vergleichen. Es dürfte wohl bekannt sein, dass es die Gründerzeit an den Platzaufweitungen geradezu hat opulent "knallen" lassen. Da wäre das Sachenplatzbeispiel vom Antonstädter ein in meinen Augen passenderes Beispiel.
      "We live in the dreamtime-Nothing seems to last. Can you really plan a future, when you no longer have a past." Dead Can Dance - Amnesia

      "Why not reinventing something from the past, something combining, nature and art." Lebanon Hanover - Fall Industrial Wall
    • Der Reiz des Dresdner Historismus lag ja gerade in seiner zurückhaltenden Formensprache, wie man sie heute noch hervorragend in Striesen, Strehlen, Cotta, Trachenberge, Pieschen, der äußeren Neustadt und anderswo sehen kann. Das Auftrumpfende war der Dresdner Stadtplanung von wenigen Bauten wie beispielsweise dem Kaiserpalast mal abgesehen, eher fremd. Ausgeprägte Eckgestaltungen wie in Frankfurt oder am Berliner Kurfürstendamm waren selten. Einer der wenigen wirklichen Prachtbauten dieser Art, die heute noch stehen, ist dieser an der Bautzner Straße:
      upload.wikimedia.org/wikipedia…Bautzner-Rothenburger.jpg
      Ganz anders Leipzig. Der Promenadenring strotzte geradezu vor Pracht, was auch geite nach den teilweisen Kriegszerstörungen noch zu erahnen ist. Exemplarisch der frühere Thomasring:
      leipzig-fuehrungen.de/wp-conte…thausring-vNW-um-1907.jpg
      upload.wikimedia.org/wikipedia…/Commandantur_Leipzig.jpg

      Bemerkenswert auch diese Vorkriegsaufnahmen vom Augustusplatz.
      home.arcor.de/haraldstein/bilder/galerie/dia_alt/bild_1.jpg

      home.arcor.de/haraldstein/bilder/galerie/dia_alt/bild_5.jpg

      Dieses zurückhaltende wirkt manchmal, wie im größten Teil der Prager, eher langweilig und wie Dutzendware, das meine ich. Ich kann aber keinen besonderen Dresdner Historismus erkennen. Die Historismusbauten hatten m.E. keine besondere Dresden-spezifische Anmutung, bei aller Liebe.

      Was ich mit der typisch zurückhaltenden Dresdner Historismusbebauung meine sieht man hier ganz rechts auf dem Bild. Diese Ecklösung dürfte die häufigste in Dresden sein. die linke ist eher ungewöhnlich:
      abload.de/img/dscf0962dtjng.jpg
      Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.
    • Meine ich auch. Der Dresdner Historismus war (neben dem zB in Hannover, Nürnberg und teilw. Frankfurt) meist deutlich abgrenzbar. Und wie ich meine in innerstädtischen Lagen wie auch in Villenvierteln sehr repräsentativ und dennoch elegant. Das Viktoriahaus wurde hier glaube ich noch gar nicht genannt. Die Albrechtsschlösser kommen mir auch gleich in den Sinn, solch ein Ensemble sucht man fast in ganz Europa vergeblich ein zweites Mal (wobei diese ausdrücklich keine typisch Dresdner Architektur zeigen). Allein schon der meist verwendete Elbsandstein, die Art der Ausprägung von Giebelfeldern, Kuppeltürmen, Erkern, Loggien und vielem mehr macht den Dresdner Historismus charakteristisch und ermöglicht eine leichte Abgrenzung von anderen Regionen. Die Würfelhäuser in den Villenvierteln (v.a. Striesen) sind sofort Dresden zuzuordnen.

      Auch die lokale Semper-Nicolai-Schule müsste hier eigentlich ein Begriff sein. de.wikipedia.org/wiki/Semper-Nicolai-Schule