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Fachwerkbauten in Frankfurt

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    • @ RMA Keine Angst, ich melde mich schon wieder hier. Zwei Details schweben schon lang in meinem Kopf herum, welche ich dereinst vorstellen möchte.

      "RMA" wrote:

      ... sowie die Verkleidungen im zweiten Obergeschoss, die trotz der hindurchgehenden Streben offenbar vollständig entfernt werden konnten. Möglicherweise hat man diese gar abgebeilt?

      Gemäss dem Plan handelt es sich aber um je zwei trapezförmige Platten links und rechts der Strebe. Ich vermute, dass der Bereich der Strebe selbst am Haus verblieb und heute fehlt.


      Dass die Spolien des Salzhauses in der Spolien-Studie nicht vorgestellt wurden, wunderte mich schon bei deren Erscheinen. Zu gerne hätte ich diese wenigstens im Bild sehen wollen. Auf Seite 7 der Einleitung heisst es hierzu:

      Die in der öffentlichen Debatte immer wieder erwähnten hölzernen Fassadenreliefs des Salzhauses sind in diesem Katalog nicht aufgenommen worden, weil sie als herausragende Spolien in den Neubau des Historischen Museums eingearbeitet werden sollen und deshalb für eine anderweitige Verwendung nicht zur Verfügung stehen. Weiterer Grund, die Holzpaneele nicht in den Katalog aufzunehmen, ist das an Ort und Stelle erhaltene Erdgeschoss des Salzhauses mit seiner räumlichen Präsenz, das keinen anderen Einbauort zulassen würde

      Eine Studie, oder besser gesagt hier eine Liste, sollte doch neutral bleiben, oder???
    • Haus "Grünau", Kleiner Kornmarkt 19 (Teil 3)


      Ziemlich am Anfang dieses Stranges habe ich mich mit dem Haus "Grünau" beschäftigt (Teil 1, Teil 2). Allerdings hatte ich nur relativ unscharfe Aufnahmen des Hauses verwenden können. Dank dem Beitrag von RMA zu seinem neuen Avatar möchte ich nun diese Photographie genauer betrachten:

      RMA wrote:

      Passend zum neuen Avatar das Bild nochmal in groß:


      (Klicken zum Vergrößern)


      Die Erforschung von untergegangenen Gebäuden basiert oft auf Photographien und Planaufnahmen. Photos zeigen allerdings nur den letzten Zustand, und dokumentieren damit selten den ursprünglichen Zustand eines Hauses. Es gilt daher, speziell die jüngsten baulichen Eingriffe unter die Lupe zu nehmen. Insbesondere bei damaligen Restaurierungen/Rekonstruktionen muss deren Qualität geprüft werden, bevor man baugeschichtliche Rückschlüsse vornimmt. Diese Frage stellte sich auch bei der Erforschung des Hauses "Kellertür", Markt 31, wo mich speziell interessiert hatte, ob bei der Freilegung des Fachwerks einige Rekonstruktionsergänzungen vorgenommen wurden.

      Vom Haus "Grünau" gibt es auch Photos vom Zustand vor der Fachwerkfreilegung, auf welchen man erkennen kann, dass die Fensteranordnung vorher anders war. Durch ein Übereinanderprojizieren eines Fachwerkplans mit der Photographie kann man leicht sehen, welche Partien eine Rekonstruktion erfuhren, und was noch ursprünglich war.



      Werbeansichtskarte, abgestempelt 1925, Verl. Bradenstein, Vertr. Rob Fleischbein, Frankfurt, M.


      . .
      links: entzerrter Ansichtskartenausschnitt; mitte: Projektion mit der Fachwerkaufnahme nach 1938; rechts: dunkelbraun = Originalbestand, hellbraun = 1938 rekonstruiert


      Auf der Photographie von RMA sind diese Ergänzungen nicht auszumachen. Die neu eingebauten Balken wurden also von der Oberfläche her völlig den Alten angeglichen! Anhand der original erhaltenen Brüstungen konnte die ursprüngliche Fensterteilung wohl eindeutig rekonstruiert werden. Besonders erwähnen möchte ich den Verputz, welcher nicht schokoladetäfelchenartig über die Balken vorsteht, sondern glatt abgestrichen ist. Sehr wahrscheinlich wurde bei der letzten Restaurierung ein Kalkputz verwendet (in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war es üblich, die Gefache mit einem Zementputz zu überziehen. Da dieser mindestens 3 bis 4 cm dick sein musste, entstanden vorstehende Putzfelder, welche dem historischen Aussehen nicht entsprachen).

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    • Zum Salzhaus:

      Um die Proportionen zu den historischen Steinbauten der Römerbergfassade nicht zu stören, ist der Bau ebenso wie das aus der gleichen Zeit stammende, benachbarte Haus Frauenstein von fast der selben Höhe wie das historische Salzhaus. Dessen – trotz der reichen Renaissanceverzierungen – noch sehr gotischer Charakter ist beim Wiederaufbau verloren gegangen. Beim historischen Salzhaus nahm das Dach nämlich fast die Hälfte der gesamten Traufhöhe ein, beim Nachkriegsbau macht es unter ein Drittel der gesamten Gebäudehöhe aus. Die Proportionen wurden, wie die Außenansicht verrät, zum Gewinn eines weiteren Vollgeschosses verändert.


      1) Damit ist eine Vorblendung der histoirische Fassade am Nachkriegsbau unmöglich?

      2) In den 80er Jahren gab es Wiederaufbaupläne. Sollte dabei das neue Salzhaus abgerissen werden?

      3) Wird ein Wiederaufbau von der Stadt strikt abgelehnt?

      4) Könnte man den Bau translozieren? Was hält Ihr davon?
    • Re: Fachwerkbauten in Frankfurt

      Grosse Fischergasse 14, Gasthaus “Zum Roseneck“



      Nach längerer Abwesenheit in diesem Strang zugunsten der Nürnberger Fachwerkbauten schaue ich mir wieder mal ein weiteres Haus in Frankfurt an. Allerdings kann ich jetzt schon vorausschicken, dass es nicht gelingen wird, das Fachwerk darzustellen, da bei Renovationsmassnahmen wohl keine Aufzeichnungen erfolgten.

      Es gäbe nun die Möglichkeit, die Frankfurter Fachwerkbauten weiter nach Fachwerktypen systematisch zu untersuchen (wie im entsprechenden Nürnberger Strang) oder einfach wahllos weitere Einzelgebäude genauer anzusehen. Da es sich hier um ein Diskussionsforum handelt, habe ich mich für letzteres entschieden. In Nürnberg sind auch viel mehr Sichtfachwerke bekannt und zugänglich, sodass dort die Recherche nach Fachwerktypen weit ergiebiger ist.

      Das Wirtshaus "zum Roseneck" war Teil eines oft abgelichteten Gebäudeensembles, und ist daher wenigstens am Äusseren sehr gut dokumentiert. Sichtbare Stein- und Holzkonsolen und eine Fotografie nach dessen Zerstörung ergeben Hinweise zur Tragstruktur des Gebäudes. Die Suche nach (kunst-)geschichtlichen Abhandlungen verlief nur spärlich, ergab aber dennoch wertvolle Hinweise.


      Zur Situation verweise ich auf den Beitrag über das gesamte Gebäudeensemble "Roseneck" im Strang Frankfurt in alten Ansichten sowie auf das in diesem Strang bereits behandelte Haus Grosse Fischergasse 18. Die hier verwendeten Bildausschnitte stammen zumeist von den bereits dort verwendeten Ansichtskarten.

      In einem ersten Schritt verschaffe ich einen groben Überblick über das Aussehen des Hauses im 20. Jahrhundert bis zu seiner Zerstörung. Daraus sollen auch die grössten baulichen Veränderungen in dieser Zeitspanne ermittelt werden.
      In einem zweiten Schritt wird die Literatur zu geschichtlichen und baugeschichtlichen Aspekten zusammengetragen.
      In einem dritten Schritt versuche ich dann die Struktur des Gebäudes zu ermitteln, um so bisher unbekannte Aspekte zur Baugeschichte des Hauses eruieren zu können.



      1. Vorstellung des Hauses anhand historischer Ansichtskarten:
      (alte Photographien, welche mehr Details preisgeben könnten, wurden wegen der umständlicheren Beschaffung nicht verwendet; solche müssten dann aber bei einer baugeschichtlichen Vertiefung, bspw. bei einer Rekonstruktion, unbedingt beigezogen werden!)



      Ansichtskarte (Ausschnitt), Vereinigte ...(?) Metz & Lautz M.B.H. Darmstadt, versandt 1912

      Die traufständige Hauptfassade ist gegen Norden gerichtet. Über einem gemauerten Erdgeschoss folgen drei teils verputzte, teils verschieferte Fachwerkgeschosse, von denen das erste und zweite allseitig sehr stark auskragen. Die Materialisierung der Fassaden kann anhand der Konsolen ermittelt werden - Sandstein am Erdgeschoss und Holz am 1. Obergeschoss. Im Dachgeschoss liegen zwei Querhäuser Schulter an Schulter nebeneinander.

      In der linken Fassadenhälfte ist eine starke Bodensetzung auszumachen, wobei im Vergleich mit andern Abbildungen berücksichtigt werden muss, dass es sich nicht nur um eine Setzung handelt, sondern auch um eine leichte Abwinklung des linken Fassadenviertels. In diesem Bereich ist die Erdgeschossfasssade bis auf die Flucht des 1. Obergeschosses vorgemauert. Die Fensteranordnung an der ganzen Fassade ist sehr uneinheitlich.

      Die Seitenfassade schliesst mit einem geschwungenen Giebel in Zwiebelform ab. Dort ist der Schieferschirm ein Geschoss weiter hinunter als auf der Hauptfassade gezogen.

      In diesem Zustand zeigen alle Photos bis ca. 1920 das Wirtshaus "zum Roseneck".




      .
      links: Ansichtskarte, Verlag für Volks- und Heimatkunde Weimar, Lichtbild von Günther Beyer, Weimar, ca. 1920; rechts: Ansichtskarte (Ausschnitt aus
      der Seitenfassade), "Ropsh“ (?), versandt 1928

      Ab ca. 1920 bis in die Dreissigerjahre wiesen die Fassaden eine Bemalung auf, wie sie zu dieser Zeit vor allem vom "Bund tätiger Altstadtfreunde" initiiert worden waren. Bauliche Unterschiede sind nicht festzustellen, was die Fensteranordnung, Konsolen, Verschieferung etc. betrifft. Der linke Eckpfosten (gegen Nordwesten) ist teilweise freigelegt, und zeigt eine Schnitzerei.




      .
      links: Ansichtskarte (Ausschnitt), Verlag von Emil Hartmann, Mannheim, nach 1935; rechts: Ansichtskarte (Ausschnitt aus der Seitenfassade), M. Jacobs,
      Postkartenverlag Frankfurt a. M., versandt 1940

      Spätestens 1933 muss ein tiefgreifender Umbau stattgefunden haben, denn Ansichtskarten ab diesem Stempeldatum zeigen das Haus wieder ohne die Fassadenmalerei, dafür mit stark veränderter Fensterteilung und einer vorstehenden Gliederung am Erdgeschoss. Zudem ist die Anordnung der Steinkonsolen an letzterem verändert. Der Eckpfosten gegen Nordwesten ist nun ganz freigelegt, und zeigt auch im unteren Bereich Schnitzwerk. Auf dem kleinen Bild erkennt man zudem genau in der Mitte die Abwinklung innerhalb der Hauptfassade (Fassadenteile zwischen dem Eckpfosten und der Fassade mit den Bemalungen in den Fensterbrüstungen).





      Ansichtskarte, Walch & Jacobs, Postkartenverlag, Frankfurt a. M., ca. 1910

      Entsprechend der ersten Abbildung zeigt diese Ansichtskarte links die südwärts gerichtete, traufständige Rückfassade im Zustand bis ca. 1920 (links). Auch hier ist der Schieferschirm wie an der Seitenfassade bis über das 2. Obergeschoss hinuntergezogen.





      Ansichtskarte, keine Verlagsangabe, versandt 1943

      Eine ähnliche Ansichtskarte zeigt die Rückseite, wie sie sich ab den Dreissigerjahren präsentierte. Auch hier ist die Fensterdisposition anders als vorher, und am Erdgeschoss ist wiederum eine vorstehende Gliederung vorhanden, nebst einer Verschiebung der Steinkonsolen. Das Kamin befindet sich nun nicht mehr in Firstnähe, sondern innen an der Südfassade.





      Ansichtskarte, ohne Verlagsangabe, 1944 (offenbar Ausschnitt aus einem Farbdiapositiv von Paul
      Wolff im Historischen Museum Frankfurt, Ph D 100)

      Bemerkenswert ist nun eine Fotografie nach dem Bombardement von 1944, die wie die ersten Abbildungen von Norden aufgenommen worden ist. Während alle Fachwerkbauten rund um das Roseneck vollständig niedergebrannt, und massiv gebaute Häuser weitestgehend eingestürzt waren, blieben vom "Roseneck" ein Stahlgerippe und dicke, massive Innenwände übrig. Während Stahlträger normalerweise bei Brandeinwirkung starke Verformungen erleiden, sind sie hier gerade geblieben. Dies zeigt, wie massiv der Umbau in den Dreissigerjahren ins historische Hausgefüge eingegriffen hatte, der brennbares Holz praktisch nur in den Fassaden, den Decken und oben im Dachstuhl übrig gelassen hatte. Hinter dem Schuttberg im Vordergrund erkennt man noch knapp das Erdgeschoss.


      Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das "Roseneck" ab 1900 im Wesentlichen in drei Bauzuständen überliefert ist:
      - vor 1900 bis ca. 1920 hell verputzt
      - ab ca. 1920 bis in die frühen Dreissigerjahre mit einer Fassadenbemalung
      - ab den frühen Dreissigerjahren stark umgebaut

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    • Re: Fachwerkbauten in Frankfurt

      Vielen Dank für die interessante Darstellung! Ich wußte gar nicht, daß es in Ffm Fachwerkhäuser gab, die vor dem Krieg mit Stahlträgern und neuen Innenwänden verstärkt wurden. Hier hatte also eine Art Entkernung stattgefunden, die vom eigentlichen Fachwerkhaus mehr oder weniger nur eine Hülle gelassen hatte? Es ist schon fast zynisch, daß man dann gerade dieses immerhin stehengebliebene Gerippe mit Resten des Erdgeschosses doch abgerissen hat.
    • Re: Fachwerkbauten in Frankfurt

      @Riegel: wieder einmal eine aufschlussreiche Analyse von dir, die lehrt, dass sich genaueres Hinsehen lohnt, um mehr über die Geschichte eines Gebäudes zu lernen. Auch wenn der kunsthistorische Wert der Fassadenbemalung der 1920er Jahre wohl nicht sehr hoch war, setzte diese wohl eine heitere Note, die bald danach aber schon nicht mehr opportun war.
    • Re: Fachwerkbauten in Frankfurt

      Das Gebäude als solches war schon sehr wertvoll. Ich vermute mal, ohne jetzt in die Literatur zu gucken, dass es um 1550 erbaut wurde. Was ich an Fotos sowohl von den Bildhauerarbeiten als auch den Schnitzereien gesehen habe, dürfte das so mit das beste und reichste gewesen sein, was neben dem Großen und Kleinen Engel in der Spätgotik in Frankfurt gebaut wurde. Ich nehme an, dass erst die zwei jüngeren, großen Zwerchhäuser auf dem Dach die Statik durcheinander und das Gebäude dann dem Einsturz nahe gebracht haben.

      Aufgrund des kunsthistorischen Wertes war diese extreme Form der Sicherung aber meines Erachtens richtig. Heute würde man es natürlich ganz anders und wesentlich substanzschonender machen. Reine Stahlkonstruktionen genügen zur Stabilisierung von Fachwerkbauten.

      Ansonsten danke an Riegel für diese interessante Darstellung, ich freue mich sehr, dass du diesen Strang wieder aufgreifst.
    • Re: Fachwerkbauten in Frankfurt

      Schloßgespenst wrote:

      Ich wußte gar nicht, daß es in Ffm Fachwerkhäuser gab, die vor dem Krieg mit Stahlträgern und neuen Innenwänden verstärkt waren. Hier hatte also eine Art Entkernung stattgefunden, die vom eigentlichen Fachwerkhaus mehr oder weniger nur eine Hülle gelassen hatte?
      Es dürfte noch einige Fachwerkhäuser gegeben haben, die mit Stahlträgern verstärkt waren. Am Äussern sieht man es ihnen eben nur nicht an... gemäss Ruinenphotos hatte bspw. auch das Goethehaus (s. Bild) zahlreiche Stahlträger. Aber dass ein Haus in dem Mass wie beim "Roseneck" saniert worden war, dürfte eine Ausnahme gewesen sein.

      Ohne jetzt schon allzuviel von den künftigen Beiträgen zum "Roseneck" vorwegnehmen zu wollen, hatte speziell dieses Haus einen Grund für eine solche Massnahme:
      - der Grundriss des Hauses umschrieb ein Rechteck im Verhältnis von 4 : 1 (Breite : Tiefe)
      - das 2. und 3. Obergeschoss hatten durch die Auskragungen beinahe die eineinhalbfache Tiefe wie das Erdgeschoss
      - das Verhältniss von Erdgeschosstiefe : Gebäudehöhe (Traufe) betrug ebenfalls beinahe 1 : 4.

      Das Haus kann demnach fast als eine aufgestellte Scheibe mit Schwerpunkt in der oberen Hälfte verglichen werden - ein wahrhaft waghalsiges Unternehmen schon vor Jahrhunderten! Um sich das vorzustellen, betrachte man nochmals die folgende Ansicht, welche ganz links die Seitenfassade zeigt:


      Ansichtskarte, Walch & Jacobs, Postkartenverlag, Frankfurt a. M., ca. 1910


      Schloßgespenst wrote:

      Es ist schon fast zynisch, daß man dann gerade dieses immerhin stehengebliebene Gerippe mit Resten des Erdgeschosses doch abgerissen hat.
      Das Stahlgerippe war natürlich statisch wie geschichtlich wertlos. Für eine Rekonstruktion hätte es wohl nicht mehr herangezogen werden dürfen, da es immerhin einen Brand durchgemacht, und Deformationen - auch wenn nicht sofort sichtbar - erlitten hatte. Erdgeschosse standen noch von einigen zerstörten Bauten; so auch bspw. jenes des "schwarzen Sterns" am Samstagsberg, das wohl bis in die 60/70er Jahre überdauerte, und schliesslich dann doch noch abgebrochen worden war, bis es zwei Jahrzehnte später wieder rekonstruiert wurde...


      MunichFrank wrote:

      Auch wenn der kunsthistorische Wert der Fassadenbemalung der 1920er Jahre wohl nicht sehr hoch war, setzte diese wohl eine heitere Note, die bald danach aber schon nicht mehr opportun war.
      Die Farbigkeit dieser Fassadenbemalung nähme mich sehr wunder. Es dürfte die grossflächigste aller Fassadenbemalungen jener Zeit gewesen sein. Auch hier kann ich auf einen Beitrag verweisen, welcher weitere solche Bemalungen vorstellt. Bereits in den 30er Jahren waren diese vielerorts wieder verpönt.


      RMA wrote:

      Das Gebäude als solches war schon sehr wertvoll. Ich vermute mal, ohne jetzt in die Literatur zu gucken, dass es um 1550 erbaut wurde. Was ich an Fotos sowohl von den Bildhauerarbeiten als auch den Schnitzereien gesehen habe, dürfte das so mit das beste und reichste gewesen sein, was neben dem Großen und Kleinen Engel in der Spätgotik in Frankfurt gebaut wurde. Ich nehme an, dass erst die zwei jüngeren, großen Zwerchhäuser auf dem Dach die Statik durcheinander und das Gebäude dann dem Einsturz nahe gebracht haben.
      Ob das Haus wirklich wertvoller als der Durchschnitt war, bezweifle ich. Sandsteinkonsolen, geschnitzte Holzkonsolen und Eckpfosten derselben Qualität gab es noch an vielen anderen Bauten. Und der überwiegende Teil war unter Schieferschirmen und Verputz noch verborgen. Das Haus war eben wegen seiner Lage an einem Plätzchen, und auch wegen seiner extremen Proportionen ein Hingucker, und nicht wegen der künstlerischen Qualität.

      Die beiden Zwerchhäuser müssen nicht unbedingt jünger gewesen sein. Ich halte es sogar für möglich, dass eines der beiden zum Kernbestand gehörte. Und viel Gewicht besassen diese wohl nicht, da ich vermute, dass sie lediglich aus einer unausgemauerten, dafür verbretterten und verschieferten Konstruktion bestanden. Das riesige Querhaus des "Rebstocks" kann auch nicht schwer gewesen sein, da seine Front auf die filigranen Laubengänge, und nicht auf die tragende Fassade, abgestützt war!

      An Baudaten habe ich bisher 1545 und 1587 finden können, und beide kommen als Erbauungsdatum in Betracht. Damit werde ich mich noch auseinandersetzen.

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    • Re: Fachwerkbauten in Frankfurt

      "Riegel" wrote:

      Erdgeschosse standen noch von einigen zerstörten Bauten; so auch bspw. jenes des "schwarzen Sterns" am Samstagsberg, das wohl bis in die 60/70er Jahre überdauerte, und schliesslich dann doch noch abgebrochen worden war, bis es zwei Jahrzehnte später wieder rekonstruiert wurde...
      Nicht zu vergessen der Große Engel, von dem 1945 noch das gesamte Erdgeschoss stand, wie man hier sehr gut sieht.
    • Re: Fachwerkbauten in Frankfurt

      2. Das Gasthaus "zum Roseneck" in der Literatur:


      Walter Sage, "Das Bürgerhaus in Frankfurt a. M." (Verlag Ernst Wasmuth, Tübingen 1959, S. 79f.)

      [...] Dieses Haus stand an dem kleinen "Roseneckplätzchen", das einst einen Teil des "Löherhofes" bildete. Der Löherhof gehörte, wie sein Name sagt, den Lohgerbern, die hier im Mittelalter ansässig waren, nicht nur drüben in Sachsenhausen, wo sich die Löhergasse am Main entlangzog. Das auch in der Gegend der Grossen und Kleinen Fischergasse Löher zu finden waren, hatte seinen Grund in den Wasserverhältnissen, denn noch im 15. Jahrhundert muss hier ein Bach von der Braubach her in den Main geflossen sein, in welchen er in der Gegend des Metzgertores einmündete.[...]
      Ein später kanalisiertes und aufgefülltes Bachbett ruft noch nach Jahrzehnten Setzungen an darüber und in der Nähe errichteten Bauten hervor. Eine starke Setzung ist im Bereich der Südfassade des "Rosenecks" bereits festgestellt worden, und könnte auf ehemals sumpfigen Boden hinweisen.

      [...] Die Überhänge des zweiten Stockes ruhen dagegen auf hölzernen Knaggen, die aber nicht mehr die einfache "gotische" Form zeigen, sondern als Voluten gebildet sind, die oben unter dem Deckprofil in einem Kopf enden. Die Seitenflächen der Voluten sind offenbar mit Beschlagwerk verziert, die Stirnflächen geschuppt. Ihre Anordnung entspricht noch der althergebrachten Weise, an den Ecken sitzen je drei Knaggen. [...] Weiterhin war nach Reiffensteins Beschreibung Schnitzerei an den Eckpfosten vorhanden, von der wir nichts mehr sehen können. Auf einem der Eckpfosten befand sich eine Rose mit der Inschrift "Zum Roseneck", auf einem anderen die Jahreszahl 1545, was die Datierung des Hauses sichert, auch wenn wir sie an Einzelformen nicht mehr nachprüfen können.
      Demnach dürfte sich das Fachwerk sehr von den bisher behandelten "gotischen" Fachwerkbauten wie Alter Markt 31 und 33, Grosse Fischergasse 18 und Kleiner Kornmarkt 19 unterschieden haben, da diese noch keine beschnitzten Balken und Knaggen aufwiesen. Vielmehr gehört es in die Epoche bspw. des 1562 errichteten "Engels" am Samstagsberg.


      (Abbildung aus W. Sage)

      Der Eckpfosten mit der Rose und der Inschrift "Zum Roseneck" ist auf einer Abbildung im ersten Beitrag zum Haus abgebildet.


      Ansichtskarte (Ausschnitt aus der Seitenfassade), M. Jacobs,
      Postkartenverlag Frankfurt a. M., versandt 1940

      Allerdings erkennt man auch die Zahl "87", welche am ehesten mit "1587" gelesen werden darf. Ob sie eingeschnitzt oder nur aufgemalt war, ist nicht festzustellen. Weiter gibt Sage in der Beschreibung Reiffensteins wieder, dass sich "auf einem anderen Eckposten die Jahreszahl 1545" befand. Eine genauere Erklärung kann ich hierzu nicht anbieten; jedenfalls ist das Pendant des Eckpfostens auf der Südseite nirgends genauer abgebildet, wo man das allenfalls noch nachprüfen könnte (dies war der einzige Pfosten neben dem Abgebildeten, der auch freigelegen gewesen sein könnte).

      Schliesslich hat das Haus noch einen geschweiften Giebel, der dem von Römerberg 15 gleicht. Er ist zweigeschossig und liegt mit dem dritten Obergeschoss in einer Fläche. Wegen der Verschieferung ist von seiner Konstruktion nichts zu sehen, aber allein die Umrisslinie genügt, um ihn für recht früh zu halten. [...] Typisch für die Entstehung des Butzbacher Giebels [auf das Beispiel des Butzbacher Rathausgiebels kam Sage ausserhalb der hier zitierten Textteile zu sprechen] erscheint mir ferner, dass der geschwungene Umriss nicht durch angesetzte Randbretter, sondern noch durch vollständige Fachwerkkonstruktionen erreicht wird. Ähnlich müssen wir uns die Konstruktion des Giebels hier am "Roseneck" und am Haus Römerberg 15 (das übrigens auch einen kleinen Krüppelwalm besass) vorstellen.
      Die Arbeit von Sage darf heute noch als das Standardwerk über die Frankfurter Fachwerkbauten angesehen werden. Da er für die Typisierung und Datierung der Bauten nicht mehr auf das Fachwerk zurückgreifen konnte, stützte er sich vor allem auf die Betrachtung der oft unveränderten Erdgeschosse, oder auf die Umrissformen der geschweiften Giebel.

      Seine Ausführungen zur speziellen Form des Giebels am "Roseneck" haben etwas an sich; darauf möchte ich später detailliert zurückkommen. Diese haben mich seinerzeit veranlasst, mich mit den geschweiften Giebel Limburgs genauer zu beschäftigen (s. Beitrag Teil 3, "Giebelkunde", wo ich beim Beispiel Salzgasse 21 Bezug auf das Roseneck genommen habe). Der Kernpunkt Sages Aussage ist der, dass sich der Umriss des Giebels "aus zwei einfachen steilen Kreissegmentbögen zusammen [setzt], die genau an der Grenze zwischen erstem und zweitem Giebelgeschoss in stumpfem Winkelzusammentreffen". Die gewohnten Frankfurter Giebel bestanden aber in ihrer Blütezeit im 17. Jahrhundert fast ausschliesslich aus s-förmigen Umrisslinien, welche anfänglich die Geschosstrennung betonten, und in der Spätform mehr und mehr verflachten.




      Hans Lohne, "Frankfurt um 1850", Nach Aquarellen und Beschreibungen von Carl Theodor Reiffenstein (Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt a.M. 1967, S. 182f.)

      Schon der Künstler Reiffenstein hat diesem Haus einige kurze Notizen gewidmet (1877):
      15. Oktober 1877
      Ein Haus, das bis vor einigen Jahren noch beinahe ganz in seinem Originalzustande erhalten war, wie die verschiedenen Abbildungen zeigen, mit ziemlich reicher Holzschnitzerei und vortrefflicher Steinhauerarbeit...
      Früher, das heisst in den dreissiger Jahren, befand sich in den unteren Räumen ein Wirtschaftslokal, das von uns als Künstlerkneipe benutzt wurde, und worin wir mit die behaglichsten und vergnügtesten Stunden verbrachten. Durch wahrscheinliche Veränderung des Giebels sowie auf vielfache Anstriche hat das Haus seinen eigentümlichen Charakter eingebüsst...
      Was Reiffenstein mit "verschiedene Abbildungen" meint, geht leider nicht hervor. Vielleicht gibt es in den diversen Archiven Frankfurts tatsächlich historische Abbildungen, welche noch nicht publiziert worden sind. Und was meint er wohl mit "das bis vor einigen Jahren noch beinahe ganz in seinem Originalzustande erhalten war"? Etwa mit sichtbarem Fachwerk? Jedenfalls war das "Roseneck" auch noch im Zeitalter der Photographie eines der urtümlichsten Häuser in der Altstadt. Auch die Passage mit "wahrscheinliche Veränderung des Giebels sowie auf vielfache Anstriche" ist unklar. Meint er den geschweiften Giebel, der durch seine altertümliche Form auf den Künstler weniger kunstvoll und zierlich wirkte wie die meisten anderen Giebel? Oder meinte er allenfalls die beiden Zwerchhäuser? Die "vielfachen Anstriche" könnte ich mir höchstens dadurch erklären, dass damals das Fachwerk noch unverputzt war, aber durch mehrfache Kalkschlämmen über die Balken und Putzfelder nur noch schwach erkenntlich.


      "Plätzchen am Roseneck", Aquarell von Carl Theodor Reiffenstein, undatiert (19. Jh.), publiziert im hier angegebenen Buch
      (das Roseneck befindet sich am rechten Bildrand)





      Dreysse Architekten, "Spolien der Frankfurter Altstadt" (Stadt Frankfurt am Main, ca. 2009):

      (edit. 8.5.2015: Bericht nicht mehr online verfügbar)

      Im Kapitel "Spolien in Privatbesitz" sind sechs Werkstücke aufgeführt:
      - 3 Konsolen mit Löwenkopfen
      - 2 Konsolen mit Männerköpfen
      - 1 Eckkonsole (zweiteilig)




      Ansichtskarte, rückseitiger Text (keine Verlagsangabe, versandt 1943)

      Historische Gaststätten
      "Zur alten Dorfschmiede im Roseneck"
      erbaut 1587
      "Doctor-Stübchen im Heisterhaus"
      erbaut 1563
      Inh.: Walter Thurecht, Frankfurt a. M.
      Grosse Fischergasse 14 - Ruf 26194


      Die Karte, die als Werbekarte herausgegeben wurde, ist als zweitletztes Bild zum Einführungstext auf der vorangehenden Seite grösser abgebildet. Es scheint, dass die beiden Häuser bei der letzten Renovation in den Dreissigerjahren vereinigt worden waren, und erst damals neue Namen erhielten. Ich glaube aber kaum, dass es sich um historisch überlieferte Namen handelte. Das Erbauungsdatum "1587" wurde wahrscheinlich vom Eckpfosten übernommen.

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    • Re: Fachwerkbauten in Frankfurt

      @ Palantir: Danke für das Einstellen dieser tollen Fotografie!



      3. Befunde an den Fassaden:


      a) Nordfassade

      Nun gehe ich an die detaillierte Betrachtung der einzelnen Fassaden, und beginne mit der Nordfassade gegen das Roseneckplätzchen. Hierzu verwende ich gerade mal die von Palantir gefundene Fotografie aus "LIFE bei Google", die sich durch ihre Schärfe besser eignet als die Ansichtskarten. Wohl gibt es auch Foto-Ansichtskarten, aber solche habe ich erst von nach dem letzten Umbau des Hauses in den Dreissigerjahren, und nachgewiesenermassen haben dort umfangreiche Veränderungen auch vor den Fassaden nicht halt gemacht. Für eine baugeschichtliche Betrachtung sollten vor allem möglichst frühe Ansichten herangezogen werden.

      Für die Betrachtung habe ich die erwähnte Fotographie entzerrt, um ein ebenes Fassadenbild zu erhalten. Die Schwierigkeit bestand darin, dass die Fassade durch die Auskragungen in drei Ebenen bestand, und zudem die linke Partie leicht abgewinkelt war. Das hat zur Folge, dass das Erd- und 1. Obergeschoss weiter hinten standen, und somit minim verkleinert und verkürzt auf den Originalansichten festgehalten waren. Somit mussten diese nach der Entzerrung weiter "nach vorne geholt" (verschoben und vergrössert) werden, und die linke Fassadenpartie leicht "zurückgeklappt" werden. Erst so entstand eine Photo-Planansicht. Demselben Vorgang unterzog ich auch die Ansichtskarte, die das Haus nach dem letzten Umbau zeigt.




      Grundlage: Fotografie von 1907 aus LIFE bei Google
      1 = Steinkonsolen, 2 = konkave Knaggen, 3 = geschnitzte Knaggen


      Man sieht hier deutlich die Senkung in der linken Fassadenhälfte. Um diese aufzufangen, wurde wahrscheinlich das Erdgeschoss im 19. (evtl. 18.) Jahrhundert vorgebaut, sodass dort keine Auskragung mehr bestand (vier hohe Einzelfenster klassizistischen Formats). In der rechten Partie ist ein sehr niedriger, bogenförmiger Eingang sichtbar, welcher gemäss Beschriftungen der "Eingang zur Wirthschaft" war. Nebst der Eckkonsole aus Sandstein bestanden zwei weitere Konsolen unter der Auskragung (1). Diese dürften mit jenen im "Spolienbericht" identisch sein.

      Die Auskragung über dem 1. Obergeschoss wurde durch mehrere Holzknaggen unterstützt. In der linken Fassadenhälfte waren diese höher als in der rechten, und wiesen keine Schnitzereien auf, sondern nur eine konkave Rundung (2). Die mittlere dieser "drei" Knaggen war zudem breiter, aber bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass zwei Knaggen unmittelbar nebeneinander angebracht waren, just an der Stelle, wo die Fassade leicht abgewinkelt war. Es waren demnach also vier Knaggen. Von den kleineren Knaggen in der rechten Fassadenhälfte (3) waren an der Ecke drei Knaggen gebündelt angeordnet, wie man es an vielen Gebäuden des 16. Jahrhunderts beobachten kann. Die linke der kleineren Knaggen sass sehr nahe neben der rechten der hohen Knaggen (2), was eigentümlich ist, und bei einer einheitlichen Statik unnötig wäre. Dies weist auf eine sehr frühe Veränderung oder gar Erweiterung des Hauses hin.

      Die mittlere und die Eckkonsole am Erdgeschoss entsprechen in der Lage den kleinen Knaggen über dem 1. Obergeschoss. Die linke Steinkonsole prangt hingegen unter einer hohen Knagge, und nicht unter der kleinen Knagge unmittelbar rechts daneben. Stilistisch passen aber die Steinkonsolen zu den kleinen, geschnitzten Knaggen, und dürften miteinander entstanden sein. Dazu passte auch die Jahrzahl "1587" im Eckpfosten.

      Knaggen bestanden immer dort, wo ein Haupttragpfosten in der Fassade bestand, und meistens folgte dort auch eine Raumtrennwand dahinter. Wenn man nun das Fassadenfeld über dem "Eck" des Schriftzuges "zum Rosen-Eck" und wenig weiter nach rechts betrachtet, also zwischen zwei kleineren Knaggen, erkennt man drei Fensteröffnungen. Diese müssten demnach zu einem Raum gehören. Von der Sprossenteilung und den Gardinen her wird dies aber nicht der Fall gewesen sein, sondern das linke Fenster war gleich wie das Fenster über dem "zum Rosen" des Schriftzuges. Folglich dürften diese beiden Fenster zu einem Raum gehört haben, just unter den beiden verschieden grossen Knaggen hinweg laufend! Das sind nun Indizien, die vorerst für den Laien schwer nachvollziehbar sind, aber Hinweise zu baulichen Veränderungen liefern, die vor allem auch zu Beeinträchtigungen in der Statik des ganzen Hausesführen mussten.

      Mehr aussagekräftige Details sind nach einer ersten Betrachtung nicht zu erkennen.




      Grundlage: Ansichtskarte, Verlag von Emil Hartmann, Mannheim, nach 1935

      Der letzte Umbau hatte den Charakter des Hauses nicht gross verändert. Trotzdem wurde die Fensteranodnung massiv verändert, indem einzelne Fenster lediglich zugemauert wurden, andere neu ausgebrochen oder verschoben. Augenfällig ist die Höhenverschiebung der Fenster in der Fassadenmitte. Hier dürfte ein neues Treppenhaus mit Zwischenpodesten an der Fassade eingebaut worden sein. In diesem Bereich wurde die Fassade im Erdgeschoss unter Eliminierung der Auskragung vorgebaut, und die Partie im 1. Obergeschoss lotrecht erneuert. Der schmale, geschosshohe Keil rechts davon zeigt, dass sich das 1. Obergeschoss stark in Richtung zum Plätzchen neigte.

      Der Umbau machte auch vor den Konsolen und Knaggen nicht halt, sodass hier die baugeschichtliche Aussage verwischt worden war. Die mittlere und linke Steinkonsole wurden versetzt, da an ihre Stelle zwei Pfeiler vor die Erdgeschosswand traten. Ihre Materialisierung ist nicht auszumachen (Beton, Stahlpfosten oder Mauerwerk). Die Konsolen wurden aber ihrer Stützfunktion beraubt und als reine Schmuckstücke wieder angebracht. Dies erklärt, dass gemäss den Abbildungen im "Spolienbericht" nur noch die sauber abgetrennten Köpfe vorhanden waren, und nicht mehr die ganzen Kragsteine. Zudem sind an ihnen auch Einschnitte sichtbar, gemäss denen die Köpfe an im Mauerwerk angebrachten Winkeleisen von vorne einegschoben und verschraubt wurden.

      Die Knaggen über dem 1. Obergeschoss wurden in der Höhe vereinheitlicht, das heisst, die linken vier Knaggen wurden unten verkürzt. Insbesondere gingen auch die nahe nebeneinanderliegnden, verschieden hohen Knaggen durch die Fassadenerenuerung im Bereich des Treppenhauses verlustig, und als Zierde wurde die kleinere, geschnitzte verschoben wieder angebracht.



      Alle Veränderungen sind in der dritten Abbildung eingetragen. Wie in einem Baueingabeplan zuhanden der Baubehörde sind Ab- und Ausbrüche gelb dargestellt, und neue Bauteile rot:


      Grundlage: Fotografie von 1907 aus LIFE bei Google
      gelb = Ausbrüche, rot = neue Bauteile, Fensterzumauerungen
    • Re: Fachwerkbauten in Frankfurt

      b) Westfassade


      .
      "Planansichten" der Westfassade nach der Entzerrung; links: Ausschnitt aus Ansichtskarte, Walch & Jacobs,
      Postkartenverlag, Frankfurt a. M., ca. 1910; rechts: Ausschnitt aus Ansichtskarte, Verlag von Emil Hartmann, Mannheim, nach 1935


      Veränderungen an der Giebelfassade haben in den Dreissigerjahren nur am Erd- und 1. Obergeschoss stattgefunden. Das Schaufenster wurde zugunsten eines kleineren Fensters aufgegeben, und das Fenster im 1. Obergeschoss ersatzlos zugemauert, wobei die mittlere Knagge am Fensterpfosten belassen wurde. Zudem wurden die beiden Eckpfosten freigelegt. Die Auskragung über dem Erdgeschoss wurde durch einen Eisen- oder Betonträger zusätzlich unterstützt, wobei die Lage der Steinkonsolen unverändert blieb (die Position der Konsolen entspricht in beiden Ansichten infolge perspektivischer Verschiebung nicht den tatsächlichen Gegebenheiten!).

      Im Vergleich der beiden Ansichten sieht man, dass sich der Giebel stark zurückneigte, was vor allem im Zusammenhang mit der Setzung in Gebäudemitte stand. Der Fassadenaufbau war fast symmetrisch, wobei nur die Fenster im 2. Obergeschoss unerklärlicherweise nach links verschoben waren. Anhand der Fensterversprossung und den Gardinen nehme ich an, dass im 2. und 3. Obergeschoss nur je ein Raum in der Gebäudetiefe vorhanden war. Zwei sehr kleine Räume in der Gebäudetiefe sind an dieser prädestinierten Lage unwahrscheinlich, aber nur aufgrund der Indizien nicht absolut auszuschliessen. In beiden Dachgeschossen sassen je zwei Fenster, was darauf hindeutet, dass in der Mittelaxe Pfosten vorhanden waren. Zur Giebelform komme ich später in einem separaten Beitrag zurück.



      Nun gibt es noch zwei interessante Ansichten, welche ebenfalls von Westen entlang den Längsfassaden aufgenommen worden sind. Aus ihnen werden die statischen Verschiebungen besonders gut sichtbar:



      Ansichtskarte, L. Klement, Franfurt a. M., versandt 1912

      Das "Roseneck" ist links angeschnitten. Allerdings dürfte die Ansichtskarte in diesem Bereich retuschiert worden sein, denn der Giebel zeigt hier keine geschweifte Umrisslinie, und das Fenster im 2. Obergeschoss ist etwas unbeholfen mit dem Pinsel nachretuschiert. Besonders ins Auge springt die starke Neigung des 1. Obergeschosses nach links (Norden). Somit wird verständlich, weshalb das Fenster hier beim letzten Umbau zugemauert worden war, um damit eine bessere Aussteifung der Wandscheibe zu erreichen.



      Ansichtskarte, "G.G.F.", ca. 1910

      Die Neigung der gesamten Hauptfassade in Richtung Norden ist am rechten Bildrand eindrücklich festgehalten. Es handelt sich bestimmt nicht um fotografisch stürzende Linien, da diese mit den frühen Plattenaufnahmen meist auskorrigiert wurden. Die Betrachtung der anderen Gebäude zeigt, dass die Aufnahme insgesamt nur sehr minimal nach oben "stürzt". Weiter erkennt man auch das teilweise vorgebaute Erdgeschoss der Hauptfassade.
    • Re: Fachwerkbauten in Frankfurt

      Vielen Dank für diese detaillierte Präsentation Riegel, sehr interessant!

      Rein informativ: Auf dieser Karte ist das Roseneck eingezeichnet, es hat die Nummer 7.


      Wo ich das gerade so betrachte... Wie realistisch ist es eigentlich, dass auch das Roseneck sich wieder aus der Asche erhebt?
      Dort stehen natürlich diese banalen Notunterkünfte aus den 50ern im Weg, wie am gesamten Weckmarkt.
      Zusammen mit dem Leinwandhaus könnte durch das Roseneck aber wieder ein richtiges Ensemble entstehen.

      Man muss jetzt schon über eine Erweiterung des Rekonstruktionsgebietes nachdenken, noch bevor uns die Modernisten zuvorkommen und überall auf dem Gebiet der Rest-Altstadt ihr eigenes Süppchen kochen!
    • Re: Fachwerkbauten in Frankfurt

      Wir haben das Thema Rekonstruktion in diesem Gebiet, wenn auch nur über die Garküchen, bereits hier einmal diskutiert:
      stadtbild-deutschland.org/foru…s/&postID=52018#post52018
      Ich stelle aber den dort gezeigten Kartenausschnitt nochmals ein, da er auch zum Thema "Roseneck" passt:


      Überlagerung vom Ravensteinplan 1861 und Google Earth
      (gemäss Nutzungsbedingungen von Google Earth dürfen Kartenausschnitte direkt verlinkt werden, wenn die Copyright-Angaben darauf ersichtlich bleiben)



      Und zwei Aufnahmen, welche vom selben Standpunkt neben dem Südquerschiff des Doms in Richtung Osten aufgenommen wurden:


      Kolorierte Ansichtskarte, Ludwig Klement, Frankfurt a. M., ca. 1930/35; rechts angeschnitten das "Roseneck"


      Dezember 2006

      Das vorstehende Treppenhaus steht ziemlich genau anstelle der linken Gebäudeecke des verschieferten Hauses in Bildmitte (Weckmarkt 13) und dem links folgenden schmalen Giebelhaus (Weckmarkt 11). Der Neubau mit dem Treppenhaus wurde förmlich mitten ins Roseneckplätzchen hineingestellt, sodass sich die Grundfläche des Gasthauses "zum Roseneck" heute im Bereich des Gartens im Hinterhof befindet. Da alle 50er-JahreBauten in den letzten Jahren renoviert worden sind, ist kaum davon auszugehen, das hier in den nächsten Jahren was passiert. Es ist zwar fraglich, ob diese Bauten bei einem nächsten Sanierungsbedarf nochmals saniert werden, da diese wohl nur ungenügend den heutigen Energiestandards entsprechen.

      The post was edited 2 times, last by Riegel ().

    • Re: Fachwerkbauten in Frankfurt

      c) Südfassade


      .
      "Planansichten" der Südfassade nach der Entzerrung; links: Ausschnitt aus Ansichtskarte, Walch & Jacobs,
      Postkartenverlag, Frankfurt a. M., ca. 1910; rechts: Ausschnitt aus Werbe-Ansichtskarte des damaligen Inhabers W. Thurecht, versandt 1943


      Veränderungen infolge des Umbaus in den Dreissigerjahren betrafen folgende Bauteile:
      - Vorsetzen zweier Stützen vor die Erdgeschossfasade
      - daraus resultierend Versetzung der Steinkonsole (wobei auf dem rechten Bild rechts eine weitere Konsole sichtbar ist!)
      - Zumauern eines Fensters im 2. Obergeschoss
      - Ausbrechen zweier neuer Fenster am 1. und 2. Obergeschoss
      - Versetzung des Kamins vom Hausinnern an die Südfassade, in derselben Ebene wie die breitere Stütze am Erdgeschoss

      Auf beiden Bildern ist am 1. Obergeschoss neben dem dreifachen Eck-Knaggenbündel eine weitere Knagge am Fenstermittelpfosten vorhanden. Vielmehr hätte man diese genau über der Steinkonsole erwartet, wo aber keine vorhanden war, wie an der Nordseite. Wie wir gesehen haben, sass auch an der Westfassade eine Knagge am Fenstermittelpfosten. Die Anordnung aller Knaggen wird später im Zusammenhang mit der Erforschung der frühen Baugeschichte des Hauses untersucht.
    • Re: Fachwerkbauten in Frankfurt

      4. Ermittlung der Gebäudestruktur:


      Anders als bei einem noch stehenden Gebäude, dessen Baugeschichte archäologisch erforscht wird, versuche ich mich der Baugeschichte des "Rosenecks" von rückwärts her anzunähern. Das heisst, dass ich die jüngsten Bauetappen zuerst ermittle, und dadurch Rückschlüsse auf die nächst ältere Bauetappe erhalte. Bei einem bestehenden Gebäude hingegen stösst man ziemlich schnell auf den Kernbau, und kann dann die weiteren Bauetappen wie Anfügungen und Aufbauten relativ-chronologisch erkennen.

      Bisher ist es noch nicht gelungen, den Umbau des "Rosenecks" in den Dreissigerjahren zu datieren. Bei der benachbarten Grosse Fischergasse 18, dem "Rosenbusch", ist die Fachwerkfreilegung mit der aufgemalten "1935" am Haus selber dokumentiert. Nun gibt es sehr wenige Ansichtkarten und Photos, welche das "Roseneck" bereits renoviert zeigen, und den "Rosenbusch" noch nicht. Ein Beispiel dazu ist die kolorierte Ansichtskarte im vorletzten Beitrag, welche leider nicht datiert ist.

      Eine interessante Foto-Ansichtskarte zeigt diesen Zustand ebenfalls, und dort fehlen sogar noch die Schriftzüge an den Fassaden, und die Gläser der neuen Fenster sind mit Leimfarbe markiert (bis in die 1970er Jahre war es üblich, neu eingebaute Fenster mit Tupfern oder einem grossen "S" vor Beschädigung zu markieren). Der "Rosenbusch" ist das zweite Gebäude von links. Versendet wurde die Karte im September 1933, also kann der Umbau spätestens 1932/33 stattgefunden haben. Aufgrund der Seltenheit von Ansichtskarten, die diesen Zustand mit dem renovierten "Roseneck" und dem nicht renovierten "Rosenbusch" zeigen, wird man nicht fehl gehen, den Umbau in diese Jahre zu setzen.



      Ansichtskarte, Verlag Chr. Schöning, Lübeck, versandt 6.9.1933



      Im Einführungsbeitrag zum Roseneck gibt es ein Ruinen-Bild, welches einige "Negativ-Abdrücke" der abgebrannten Holzkonstruktion zeigt. In diesem sind nun diese "Abdrücke" orange markiert. Die stehen gebliebenen Mauerscheiben wurden ja um die Holzkonstruktion herumgebaut, und somit zeugen noch Einschnitte vom Unterzügen, Mittelpfetten etc. von ihr. Bei der Auskragung über dem 1. Obergeschoss erkennt man möglicherweise Reste der abgebrannten, auskragenden Deckenbalken. Für eine verlässlichere Untersuchung müsste allerdings auf das Original-Diapositiv zurückgegriffen werden können:



      Markierung von baugeschichtlich relevanten Details in ein Ruinenbild
      Grundlage: Ansichtskarte, ohne Verlagsangabe, 1944 (offenbar Ausschnitt aus einem Farbdiapositiv von
      Paul Wolff im Historischen Museum Frankfurt, Ph D 100)



      Ein weiteres Ruinen-Bild ergibt hierzu zwar keine neuen Ergebnisse, zeigt dafür aber das Innere des Treppenhauses:



      Ausschnitt aus einer Fotografie aus einem Bildermäppchen, Bildverlag Peter Nagel, Frankfurt a. M., ca. 1944/45


      Mit Hilfe dieser beiden Ruinen-Bilder können die Mauerscheiben und die Eisenskelettstruktur in die entzerrten Fassadenansichten eingezeichnet, und anschliessend die baugeschichtlich relevanten Details lokalisiert werden. Die drei Mauerscheiben sind grün ausgefüllt, ebenso auch die Zwischenpodeste im Treppenhaus (entgegen dem Plan werden die Mauerscheiben senkrecht gemauert worden sein, und nicht schief; dies hat mit der ungenügend exakten Entzerrung der Fotografie zu tun. Der Absatz in der linken Wand hingegen bestand tatsächlich). Die Stahlträger sind grün umrandet, und das Kamin an der Südfassade grün-durchschimmernd.

      Die horizontalen Eisenträger waren offenbar nicht innerhalb der Bodenebenen eingebaut, sondern unmittelbar unter den historischen Balkenlagen. Bemerkenswert sind die Stützen nahe der westlichen Gebäudeecken: am Erdgeschoss sind sind sie aussen an der Fassade angebracht, im 1. Obergeschoss unmittelbar an der Innenseite, und im 2. und 3. Obergeschoss gar freistehend innerhalb der Räume!



      Einzeichnung des in den 1930er Jahren eingebauten Traggerüsts;
      von links nach rechts: Nordfassade, Westfassade, Südfassade



      Als nächster Schritt werden dann die Details in den Ruinenbildern analysiert, und in die Fassaden resp. in zu erstellende Grundrisse eingezeichnet. Im gleichen Schritt werden auch die Steinkonsolen und Knaggen eingetragen. Dies wird der spannendste Teil der Erforschung der Baugeschichte des "Rosenecks" sein!
    • Re: Fachwerkbauten in Frankfurt

      5. Grundrisse


      a) Erste Hypothese zur Baugeschichte:

      Nach der Betrachtung der Fassaden und des Traggerüsts des letzten Umbaus folgt ein Blick auf die Grundrisse. In diese werden die Fassaden mit den baugeschichtlich relevanten Details eingetragen, und ebenfalls das jüngste Traggerüst. Falls aus den Ruinenphotos weitere baugeschichtliche Details resultieren, können diese mit Hilfe des eingezeichneten Traggerüst in den Grundrissen lokalisiert werden.

      Zuerst folgt aber eine Zusammenfassung der bisherigen Erkenntnisse und ein möglicher Schluss daraus. Eigentlich müsste man zuerst Bestandespläne im Zustand von 1944 erstellen, und Schritt um Schritt rückwärts forschen. In einem zweiten Plansatz würden dann die baugeschichtlichen Details eintragen. Im Rahmen dieses Forums mache ich aber eine Abkürzung, und verwende die Fassaden im Zustand um ca. 1900, welcher ausreichend mit Bildern dokumentiert ist, und trage in dieselben Pläne das Traggerüst sowie die baugeschichtlichen Erkenntnisse ein. Das Vorgehen ist statthaft, denn es handelt sich hier nicht um eine abschliessende bauhistorische Abhandlung, sondern lediglich um ein erstes Herantasten in Form einer Arbeitshypothese.

      Bauhistorische Erkenntnisse lieferten bisher einzig die Steinkonsolen und Knaggen. Aufgrund der zwei unterschiedlichen Formen der Knaggen vermute ich, dass das Haus ursprünglich schmaler gewesen, und später verbreitert worden war. Die linken, östlichen Knaggen (2) waren höher und konkav ausgeschnitten, und unbeschnitzt. Solche Knaggen sind für das 15. Jahrhundert typisch, allerdings nahmen sie dort oft eine halbe Geschosshöhe und mehr ein. Erst im Verlauf des 16. Jahrhunderts wird diese Form in der Höhe deutlich reduziert, und wird schliesslich durch kleinere, oft reich beschnitzte Knaggen verdrängt. Diese letzten beiden Formen kamen am "Roseneck" vor. Zu den beschnitzten Knaggen (3) in der rechten, westlichen Gebäudehälfte passten stilistisch auch die Steinkonsolen (1). Es ist demnach möglich, dass beide Hausteile zeitlich nahe beieinander im 16. Jahrhundert liegen.

      Diese Vermutung ist in der folgenden entzerrten Fotografie dargestellt:



      Grundlage: Fotografie von 1907 aus LIFE bei Google
      braun = ältere Bauphase mit konkaven Knaggen; rot = jüngere Bauphase mit Steinkonsolen und geschnitzten Knaggen; blau = nachträglich
      vorgerückte Erdgeschosswand



      Erdgeschoss:
      - rechts: künstlerisch behauene Steinkonsolen (1)
      - links: vorgerückte Fassadenfront mit klassizistischen Fenstern, 19., evtl. 18. Jh.

      1. Obergeschoss:
      - rechts: beschnitzte Knaggen (3), ab Mitte 16./17. Jh., Datum an Eckpfosten "1587"
      - links: konkave Knaggen (2), drittels-geschosshoch, spätestens Mitte 16. Jh., abgewinkelte Fassade

      2. Obergeschoss:
      - rechts: im Verband mit den beschnitzten Knaggen (3) des 1. Obergeschosses
      - links: im Verband mit den konkaven Knaggen (2) des 1. Obergeschosses, abgewinkelte Fassade

      3. Obergeschoss:
      Dieses erscheint aufgrund der Fensterformate einheitlich, und könnte zusammen mit der ersten Erweiterung oder als spätere Aufstockung entstanden sein. Diese Frage bleibt noch offen, und ebenso die Frage nach der Entwicklung der Zwillingslukarne. Beim 3. Obergeschoss interessiert vor allem auch der geschweifte Giebel der Westfassade.


      Eine mögliche Zweiteilung umfasst also mindestens das Erd- und die ersten beiden Obergeschosse. Anhaltspunkte zur Zäsur könnten die ungewöhnlich nahe beieinanderliegenden Knaggen in der Mitte sein. Bei einer Erweiterung würde man nur eine Knagge allein erwarten, oder dann zwei unmittelbar nebeneinander liegende. Am "Roseneck" bestand aber ein Abstand von ungefähr einem Deckenbalkenfeld dazwischen. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass der ältere Trakt einst auch nach Westen mit einer Auskragung abschloss, und bei der Erweiterung die auskragende Ecke eine neue Knaggenunterstützung anstelle eines älteren Knaggenbündels erhielt.