Schopenhauerhaus

  • Bin gerade auf folgenden Text gestoßen, und wollte fragen ob jemand vielleicht ein Foto von dem Schopenhauerhaus hat.



    Quote

    Seit dem Beschluss, am Kopf der Bubis-Brücke die Stadtbibliothek wieder zu errichten, geistert unverhofft das Andenken an Arthur Schopenhauer (1788-1860) durch die Stadt. Der Philosoph lebte an der Schönen Aussicht am Kopf der Alten Brücke, nur ein paar Schritte entfernt.
    Das Bild der Altstadt ist ins Gerede gekommen. Was dort im Krieg verbrannte, hatte im Kern 800 Jahre Bestand. Die Bauten der Nachkriegsjahrzehnte dagegen werden nach Einschätzung des Frankfurt-Planers Albert Speer „von Bürgern und Besuchern als hässlich empfunden“. Die Debatte nimmt ihren Lauf. Da kommt das vielbesungene, verlorene Schopenhauer-Haus in den Blick, das 1805 gebaut wurde, 1944 ausbrannte, über ein Jahrzehnt als Ruine herumstand und seit 1956 abgetragen ist. „Es war der größte klassizistische Bürgerhaus im Fischerfeldviertel und wurde deswegen geschätzt“, meldete sich der Stadthistoriker Björn Wissenbach zu Wort. Wenn die Stadtbibliothek als Hülle für das Literaturhaus wieder entsteht, hätte dieser Altstadt-Experte die Anregung, auch diese Erinnerung wieder aufheben zu lassen: „Es kam in mir die Frage auf, ob es nicht sinnvoll und wünschenswert ist, auch an den Wiederaufbau des Schopenhauerhauses zu denken.“ Ein Nachkriegstrakt mit einem grünen Kachelsockel und „Bistro Salvatore“ mit ein paar Stühlen findet sich heute am Platz, wo der schwerhörige Schopenhauer („Parterre, rechts, Glastür, stark schellen!“) mit seinem Pudel zu Hause war. Gelb-braun die Putzfassade, ein Teil der Fenster blind und eingestaubt, der Hauseingang wegen des brüllenden Autoverkehrs am Fluss auf die Rückseite verlegt. Rechts daneben ist seit den Jahren der Zerstörung Brachland. Vor langer Zeit hat man Richtung Fluss Bretterzäune aufgerichtet, alle möglichen Reklame-Versprechen kleben davor. Lauter Götterbäume sind in die Höhe geschossen. Ebenso wie die Spekulationen über die Grundstücksgeschichte. Die „Frankfurter Biographie“ (Waldemar Kramer Verlag) ging dabei ebenso in die Irre wie der Geschichtsmagister Björn Wissenbach. Laut „Biographie“ nämlich sei „Schopenhauers Sterbewohnung auf dem Trümmergrundstück zu lokalisieren.“ Damit wären die ungenutzten Adressen der ureigene Ort für eine Schopenhauer-Gedenkstätte gewesen. Der Historiker Michael Fleiter im Institut für Stadtgeschichte, der sich mit einem Sitz in der Schopenhauer-Stiftung „der modernen Rezeption“ des misanthropischen Stadtbobachters Schopenhauer beschrieben hat, könnte für eine solche Idee „Leute mobilisieren und auch Sponsoren finden“. Zumal das Haus Schöne Aussicht 16, in dem Schopenhauer 1860 starb, auch architektonisch etwas Besonderes war. Es stammte aus der Werkstatt der legendären Stadtbaumeister-Familie Hess. Vater Johann Georg Christian Hess hatte es gebaut – und zwar 18 Jahre bevor sein Sohn Johann Friedrich Christian Hess die klassizistische Stadtbibliothek mit dem Portikus errichtete. Frankfurt wollte 1938 an der Schönen Aussicht 16 ein Schopenhauer-Museum aufmachen; der Weltkrieg kam aber dazwischen. „Altstadtvater“ Fried Lübbecke wohnte zu jener Zeit an der Adresse. Wie das hochherrschaftliche Gebäude mit seinem Säulen-Vestibül und der geschwungenen Freitreppe im Bombenhagel des 22. März 1944 „der Untergang ereilte“, hat Fried Lübbecke von der Alten Brücke aus beobachtet. Dorthin hatte er sich gerettet, zwischen allerlei Mobilar. Das, überliefert Lübbecke (1883-1965) in einer Schrift „Abschied vom Schopenhauerhause“, hatten Mitbewohner „aus Schopenhauers Wohnung im Erdgeschoss hergeschleppt – Schopenhauers Sterbesofa, Schopenhauers Schreibtischstuhl“. Die Gegenstände sind in einem kleinen „Schopenhauer-Archiv“ unter dem Dach des Literaturhauses untergekommen. An der Schönen Aussicht aber bewegt sich nichts. Warum eigentlich? Die drei Parzellen seien „Wegen der Gespräche mit verschiedenen Investoren liegen geblieben“, antwortet eine Mitglied der Wiesbadener Erbengemeinschaft, in deren Eigentum sie stehen. Es komme jetzt „etwas in Gang“. Denn bei der Stadt wird die ewige Baulücke moniert: „Wir möchten, dass da gebaut wird“, sagt Dieter von Lüpke im Planungsamt. Die Gelegenheit ist günstig, am Main einen weiteren Anziehungspunkt zu schaffen. Es treffen sich dort gerade einige Linien der Stadtentwicklung. Nicht nur, weil man über das heutige Bild der Altstadt spricht. Es ist das Literaturhaus, das die neue Hülle der alten Stadtbibliothek künftig füllen wird. Damit sieht sich das Schopenhauer-Archiv als Untermieter in der Bockenheimer Landstraße 102 zwar nicht hinauskomplimentiert; „es sei denn, der Vermieter hätte andere Pläne“. Doch auf längere Sicht wird die Institution an einem anderen Ort der Stadt eine neue Verbindung eingehen müssen.


    Quelle:http://www.schopenhauer-online.de/130803schopenhauehaus.htm

    "Nürnberg leuchtet wahrlich in ganz Deutschland wie eine Sonne unter Mond und Sternen"
    (Martin Luther)

  • Dass die Schopenhauer-Haus-Ruine regenerationsfähig war, war mir bisher unbekannt - ein weiterer Beweis für den skandalösen Wiederaufbau. Vor allem wenn man bedenkt, dass das Goethe-Haus durch Sprengbomben-Volltreffer förmlich pulverisiert und dennoch wieder aufgebaut wurde. War den Stadtvätern Schopenhauer weniger wert als Goethe? :?


    Die Chance zur Reko ist natürlich gewaltig, nur dürfte das für ellenlange Diskussionen mit Modernisten sorgen, die sicher die Gegend wieder mit einem Glaspalast als Schopenhauer-Museum verschönern wollen. :übelkeit:


  • Quelle: Ansichtskarte um 1925/40, Verlag nicht angegeben


    Die Mainfront flussabwärts der "alten Brücke" ist offenbar öfters photographiert worden als die Partien oberhalb der Brücke; ich bin aber dennoch fündig geworden. Das Schopenhauer-Haus ist das zweite Gebäude von rechts, mit dem markanten Quergiebel.





    Quelle: Ausschnitt einer Ansichtskarte um 1955, Verlag Aero-Lux Frankfurt a. M.


    Von der Häuserzeile oberhalb der "alten Brücke" hat nur das östliche Nachbarhaus (Nr. 14) den Krieg heil überstanden. Vom Schopenhauer-Haus waren um 1955 nur noch die Umfassungsmauern bis auf die Höhe der Fenstersimse des ersten Obergeschosses vorhanden (in der Mitte der Mainfront).
    Eine Farbphotographie von 1944 zeigt, dass von der Rückfassade damals noch mehr vorhanden war (siehe: http://www.frankfurt1933-1945.de, eine sehr mühsame Seite, aber wegen der Farbdiapositive sehr sehenswert!!)
    > oben links "Beiträge"
    > links "Krieg und Zerstörung"
    > rechts "Der Luftkrieg 1944"
    > "Zwischen Domplatz, Weckmarkt und Fahrgasse"
    > unterstes Bild links)



    Übrigens, der Eckbau unten links nimmt heute, stark zurückversetzt, den Platz des ehemaligen "Wasserweibchens" ein (s. APH-Faden über Die Frankfurt Altstadt - früher, gestern und heute)

    Edited once, last by Riegel ().

  • Vielen Dank für die Informationen, Riegel! :)

    "Nürnberg leuchtet wahrlich in ganz Deutschland wie eine Sonne unter Mond und Sternen"
    (Martin Luther)

  • Von einer regenerationsfähigen Ruine kann man tatsächlich nicht mehr sprechen, okay. Dennoch war das wieder aufgebaute Goethe-Haus nicht in besserem Zustand.


    Erschreckend ist aber der Zerstörungsgrad selbst aus massivem Stein errichteter Häuser. Man hat auf alliierter Seite wohl wirklich alles daran gesetzt, auch den letzten Rest kostbarer Bausubstanz nicht nur durch Brand-, sondern auch extremsten Sprengbombeneinsatz zu pulverisieren. :weinen:

  • tja....letzlich haben sie sich damit auch ins eigene fleisch geschnitten, wenn man bedenkt was sie sich jetzt hier alles als touristen hätten ansehen können....aber hauptsache in london steht ein bomber harris denkmal
    :boese:
    Offtopic: Übrigens gibt es in Kassel eine Kneipe mit dem Namen "bomber harris". Finde ich persönlich mehr als geschmacklos. Grade in einer Stadt, die so massiv zerstört wurde.... :augenrollen:

    "Nürnberg leuchtet wahrlich in ganz Deutschland wie eine Sonne unter Mond und Sternen"
    (Martin Luther)

  • Quote from "Protector"

    tja....letzlich haben sie sich damit auch ins eigene fleisch geschnitten, wenn man bedenkt was sie sich jetzt hier alles als touristen hätten ansehen können....aber hauptsache in london steht ein bomber harris denkmal
    :boese:
    Offtopic: Übrigens gibt es in Kassel eine Kneipe mit dem Namen "bomber harris". Finde ich persönlich mehr als geschmacklos. Grade in einer Stadt, die so massiv zerstört wurde.... :augenrollen:


    Das mit dem Denkmal für Bomber "Butcher" Harris habe ich auch schon gehört, allerdings wurde es selbst auf dem britischen Festland so oft Ziel von Vandalismus, dass es, sofern ich mich recht erinnere, jetzt 24/7 unter Videoüberwachung steht. Das sagt schon einiges, wie umstritten er selbst drüben auf der Insel ist. Nichtsdestotrotz ein Skandal, dass jemand wie er, der in seinen Aussagen nicht weniger menschenverachtend war als ein Himmler oder Göbbels überhaupt sowas wie ein Denkmal gekriegt hat. Zumal er ja z. B. auch dafür verantwortlich zeichnet, dass überwiegend blutjunge Schulabgänger für die RAF eingespannt wurden, von denen viele überhaupt keine Ahnung (bzw. jemals in ihrem Leben gesehen hatten) davon hatten, was sie da zerbomben.


    Also wenn diese Kneipe in Kassel nicht gerade ein Punker-Treff ist, ist es insbesondere in dieser Stadt, die nach den Bombardements einer Mondlandschaft glich, ein Skandal. Wie kann sowas überhaupt sein?

  • Da ich die Gegend um das Schopenhauerhaus ebenfalls schon gebaut habe, könnte ich mal ein Bild davon rendern und anschließend einstellen. Ich finde es an dieser Stelle wichtig zu erwähnen, was in dem Eingangstext nur recht umständlich beschrieben ist:
    Das Grundstück des Schopenhauerhauses IST bereits sein Jahrzehnten bebaut, bei der Freifläche handelt es sich um das Nachbargrundstück, auf dem bis 1944 drei klassizistische Reihenhäuser standen. Wenn man also davon schwärmt, das Schopenhauerhaus zu rekonstuieren, müsste vorher das bestehende Gebäude aus den 60ern aberissen werden! Und dann gibt es da noch ein weiteres Problem. Das Schopenhauerhaus wäre im Fall der Rekonstruktion ein Eckhaus, was es historisch allerdings nie war. Denn die nach dem Krieg gebaute Kurt-Schumacher- und Konrad-Adrenauer-Straße würde direkt am Haus auf die Mainbrücke führen. Die alte Brandmauer wird das Planungsamt - zu Recht - niemals zulassen, deswegen kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass eine Rekonstruktion auf absehbare Zeit durchsetzbar ist. Leider! Aber auch hierfür gibt es einen Trost: Mein Modell! :zwinkern:

  • Um die Sache vollends verwirrend zu machen gab es zwei Schopenhauerhäuser, einmal das bekannte, das auch das Sterbehaus war, in dem er aber nur wenige Monate gelebt hat. Davor hat er beinahe dreißig Jahre im Nachbarhaus gelebt, dem auf dem Schwarzweißbild noch stehenden Gebäude, das auch erst irgendwann in den Siebzigern abgerissen wurde.

  • Quote

    Um die Sache vollends verwirrend zu machen gab es zwei Schopenhauerhäuser, einmal das bekannte, das auch das Sterbehaus war, in dem er aber nur wenige Monate gelebt hat. Davor hat er beinahe dreißig Jahre im Nachbarhaus gelebt


    Fast. 1843 ist er in das Nachbarhaus eingezogen. Vorher ist er noch ziemlich herumvagabundiert. UNter anderem hat er auch mal in der SAalgasse gelebt, in einem Haus zur "Hangenden Hand". :?:
    Vieleicht kann das nochmal rekonstruiert werden?

  • Frankfurter


    Das wusste ich noch gar nicht. Da kannste mal sehen. Man lernt doch nie aus.


    davila


    Das "Haus zur Hangenden Hand" ist Saalgasse 23. Es ist in allen Details, selbst in der Innenraumaufteilung und den stuckierten Decken mancher Zimmer dokumentiert (Institut für Stadtgeschichte). Könnte problemlos rekonstruiert werden, sofern das dort befindliche Pfarrhaus aus den 50ern verschwinden würde.

  • Meine jüngste Erkundungstour durch Frankfurt galt auch dem Fischerfeldviertel, und damit auch den ominösen Grundstücken, wo einst Arthur Schopenhauer gelebt hatte. Ich wollte eigentlich nur drei Fotos davon einstellen, aber das Durchlesen aller hiesigen Beiträge, und anschliessend auch einer Biographie über Schopenhauer, hat dann vollends Verwirrung gestiftet.


    Ich zitiere und kommentiere vorerst mal...


    Quote from "Protector"

    Bin gerade auf folgenden Text gestoßen...


    Quelle:http://www.schopenhauer-online.de/130803schopenhauehaus.htm


    Der Link ist zwar inaktiv, dafür aber ein Bild der heutigen Situation:



    Der Wohnblock links steht genau an der Stelle des ehemaligen Hauses Schöne Aussicht 16. Rechts von ihm liegt immer noch das besagte "Trümmergrundstück". Hinter der Abschrankung sieht es so aus (Brandmauer zum gelben Wohnblock):




    Quote from "Riegel"


    Quelle: Ausschnitt einer Ansichtskarte um 1955, Verlag Aero-Lux Frankfurt a. M.


    Von der Häuserzeile oberhalb der "alten Brücke" hat nur das östliche Nachbarhaus (Nr. 14) den Krieg heil überstanden. Vom Schopenhauer-Haus waren um 1955 nur noch die Umfassungsmauern bis auf die Höhe der Fenstersimse des ersten Obergeschosses vorhanden (in der Mitte der Mainfront).


    Das Nachbarhaus hatte die Nr. 15, und nicht 14. Ich bin da einem Fehler auf dem Stadtplan von 1944 in http://www.altfrankfurt.com">http://www.altfrankfurt.com auf den Leim gekrochen, da durch ein Verschnitt die Nr. 15 einfach ignoriert worden ist! (genaus so, wie die "Goldene Waage" dafür zweimal erscheint...)



    Quote from "jörg"

    ... Das Grundstück des Schopenhauerhauses IST bereits seit Jahrzehnten bebaut, bei der Freifläche handelt es sich um das Nachbargrundstück, auf dem bis 1944 drei klassizistische Reihenhäuser standen.


    Richtig! Und die sahen alle drei genau gleich aus, und hatten die Nrn. 13, 14 und 15.



    Quote from "Frankfurter"

    Um die Sache vollends verwirrend zu machen gab es zwei Schopenhauerhäuser, einmal das bekannte, das auch das Sterbehaus war, in dem er aber nur wenige Monate gelebt hat. Davor hat er beinahe dreißig Jahre im Nachbarhaus gelebt, dem auf dem Schwarzweißbild noch stehenden Gebäude, das auch erst irgendwann in den Siebzigern abgerissen wurde.


    Woher ist die Information, dass er in dem auf dem Schwarzweissbild noch stehenden Gebäude Nr. 15 gelebt haben soll? Ich bin da auf eine andere Information gestossen, gemäss welcher er in der Nr. 17 gelebt haben soll... Ich komme da nachher noch darauf zurück. Jedenfalls grenzt es schon an ein Wunder, dass von einem gänzlich vernichteten Häuserblock ein Haus praktisch keinen Kratzer abbekommen hatte! Wie Frankfurter geschrieben hat, ist es später abgerissen worden. Aber nicht ganz...




    Traute man der Standhaftigkeit des Nachkriegbaus nicht ganz, sodass man eine Partie der Nr. 15 noch stehen liess? Jedenfalls beeindruckt es mich schon, dass die beiden geschlossenen Jalousieläden 200 Jahre auf dem Buckel haben! Was haben diese schon alles 'erlebt' und 'gesehen': Einzug vieler Juden in dieses Viertel nach der Aufhebung des Juden-Ghettos, Schopenhauer, 2. Weltkrieg, Abbruch des zugehörigen Hauses... Das wäre doch ein Fall für die Denkmalpflege!!!



    Quote from "davila"

    Fast. 1843 ist er in das Nachbarhaus eingezogen. Vorher ist er noch ziemlich herumvagabundiert.


    Hast Du das aus folgender Quelle, der Homepage der Schopenhauer Gesellschaft?
    http://www.schopenhauer.de/start.htm\r
    http://www.schopenhauer.de/start.htm
    > Biographie
    > Auf den Spuren Schopenhauers in Frankfurt (Thomas Regehly)


    Quote

    Die Uferstraße in der Richtung der Alten Brücke folgend, gelangt man nach wenigen Minuten (edit.: von der Stadtbibliothek aus) zum Ort der ehemaligen "Schopenhauer-Häuser“ in der Schönen Aussicht Nr. 17 und 16. 1843 hatte Schopenhauer sich hier niedergelassen, nach häufigen Wohnungswechseln endlich ein angemessenes Domizil beziehend. Insgesamt 16 Jahre wohnte er im Erdgeschoß der Nr. 17, bis ihn ein Streit mit seinem Vermieter dazu brachte, ein Haus weiterzuziehen [...] in die Nr. 16. Dieses Haus, großzügiger angelegt, mit einer kleinen Vorhalle und korinthischen Säulen im Treppenhaus, ist zum eigentlichen »SchopenhauerHaus« deklariert worden.
    [...]
    Wer heute die Schöne Aussicht Nr. 16 sucht, wird dort zwar auch eine Nr. 16 finden. Es gibt sogar eine Inschrift über dem Hauseingang: »In diesem Haus starb am 21.9.1860 Arthur Schopenhauer.« Ein Blick von der Alten Brücke auf das Ensemble und der Vergleich mit alten Photographien zeigt aber, daß die heutige Nr. 16 nicht an dem Ort des »Schopenhauer-Hauses« mit der entsprechenden Nummer steht. Wo Schopenhauers letzte Wohnung stand, befindet sich heute ein wüst bewachsenes Trümmergrundstück, durch Bretterzäune den Blicken entzogen.


    Der Autor liegt hier aber falsch: Der Platz des Sterbehauses Schopenhauer's (Nr. 16) ist exakt mit dem heutigen Wohnhaus samt Bistro überbaut! Die Inschrift habe ich leider nicht gesehen. Aber ich nehme an, dass sie am eingangs erwähnten Haus mit dem "Bistro Salvatore" steht. Vielleicht geht es jemand mal nachprüfen? Die ehemalige Nr. 17 befand sich auf einem Teil der heutigen Kreuzung mit der Kurt-Schumacher-Strasse.


    Wo hat nun aber Schopenhauer zuerst gewohnt, in der Nr. 15 (gemäss "Frankfurter") oder 17 (gemäss Regehly)? Falls ersteres der Fall ist, dann gehörten die beiden geschlossenen Jalousieläden zu der Wohnung, in welcher Schopenhauer tatsächlich 16 Jahre lang gelebt hatte, bevor er wenige Monate vor seinem Tod in die Nr. 16 umgezogen war!

  • Also Safranski und Abendroth nennen auch Nr.17.
    (Wenn das weiter zweifelhaft bleibt, gibt's da auch was im Jahrbuch der Schopenhauer-Gesellschaft zu.)


    Nr. 17 macht auch mehr Sinn: Aus der Erdgeschosswohnung von Nr. 15 schiesst man schlecht auf 48er-Revolutionäre auf der Mainbrücke! :zwinkern:

  • Irgendwo hatte ich mal sowas gelesen, daß es sich um das fragliche Haus gehandelt hätte, hatte es dann aber nicht mehr wiedergefunden, möglicherweise habe ich auch was verwechselt. Am ehesten müßte man mal in den Adreßbüchern nachsehen.

  • Zu dem Thema kann man auch leicht Quellenforschung betreiben, da es für das ganze 19. Jahrhundert Adressbücher gibt. Ich werde die fraglichen Jahre (1843 und davor) bei Gelegenheit mal in den Mikrofilmen der Unibibliothek durchgucken, die eine ziemlich vollständige Sammlung darstellen.

  • Hier noch ein weiteres Bild - runterscrollen zu Artikel Schopenhauer, Adorno
    http://www.kultur-und-reisen.de/index.php?id=stadtkultur\r
    http://www.kultur-und-reisen.de/index.p ... tadtkultur
    demnach hatte Adorno auch in der Schönen Aussicht gelebt - sein Geburtshaus stand in der Nr. 9, in der Schönen Aussicht 7 betrieb sein Vater eine Weinhandlung. (sein Abitur machte Adorno übrigens mit 17 Jahren auf dem Kaiser-Wilhelm-Gymnasium, der heutigen Freiherr-vom-Stein-Schule - dieses kriegsüberlebte Originalgebäude von 1911 wurde übrigens in den siebziger Jahren "umgebaut" und teilweise abgerissen - die letzten historischen Gebäude wurden Anfang 2009 ! weggerissen und durch Neubauten ersetzt - soviel zum Geschichtsbewußtsein in Frankfurt/Main)
    Und hier noch einmal ein Bild aus dem Frankfurter Altstadtmodell - "An der schönen Aussicht 16" - dem Sterbehaus Schopenhauers:
    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Treuners_Altstadtmodell_Schoene_Aussicht_16_03012008.JPG&filetimestamp=20080103233011\r
    de.wikipedia.org/w/index.php?tit ... 0103233011
    und hier noch einmal der Artikel aus der FR vom 13.08.03 - http://www.schopenhauer.de/130803schopenhauehaus.htm\r
    http://www.schopenhauer.de/130803schopenhauehaus.htm

    MODERNExit

  • Die Keller im Fischerfeldviertel waren exzellent für den Weinhandel geeignet. Da man hier erstmals seit Jahrhunderten in der Stadtgeschichte ein Stadtviertel vom Grunde auf neu erbauen konnte, hat man die Keller sehr großzügig angelegt, auch weil man hier, im Gegensatz zur bis dato gewohnten Altstadt, nicht Sorge haben musste, unter der Straße beim Buddeln in den Keller des Nachbarn durchzubrechen (unter dem Römerberg sah es aus wie in einem Schweizer Käse).


    Interessant ist nun, dass sich viele dieser einmalig großen Keller – viele sind geräumiger als die von Gründerzeitlern – bis heute unter teils nach dem Krieg komplett neu errichteten Gebäuden erhalten haben (sofern man nicht, wie im nördlichen Fischerfeld, den ganzen Straßengrundriss aufgegeben hat). Wer so einen ganz typischen Keller mal erleben will, kann das Kellertheater besuchen, da sich in einem solchen eingenistet hat:


    http://www.kellertheater-frankfurt.de/produktionen/ueberUns/index.html\r
    http://www.kellertheater-frankfurt.de/p ... index.html


    Es wäre u.U. mal zu klären, ob der Keller des Schopenhauer-Hauses unter dem gräßlichen Nachfolgerbau noch vorhanden ist.

  • Ich kann mir gut vorstellen, dass der Keller dort noch komplett erhalten ist. Die Trümmeransichten von diesem Areal zeigen, dass dort doch noch einiges, wie Erdgeschosse, erhalten war.

    MODERNExit

  • Anlässlich der 150. Wiederkehr seines Todestages am 21.9.2010 wird die Ausstellung „Was die Welt bewegt ... Schopenhauer und Frankfurt“ im Karmeliterkloster eröffnet, die von einem internationalen Kongress und zahlreichen Veranstaltungen verschiedenster Frankfurter Institutionen begleitet wird. Den Auftakt bildet die Geburtstagsfeier am 21.2.2010 im Literaturhaus Frankfurt. Die Feierlichkeiten sollten jetzt endlich auch einen Denkanstoß für den Wiederaufbau des "Schopenhauerhauses" in Frankfurt/M. bilden. Immer noch ist die bauliche Situation an der "Schönen Aussicht" unbefriedigend. Immer noch scheinen die Stadtverantwortlichen das Thema auszusitzen.

    MODERNExit

  • Quote

    Die Feierlichkeiten sollten jetzt endlich auch einen Denkanstoß für den Wiederaufbau des "Schopenhauerhauses" in Frankfurt/M. bilden


    Ist das während den Feierlichkeiten geplant? Oder nur ein frommer Wunsch?

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker