Frauenkirche Dresden

  • Da wir mittlerweile den 20. Jahrestag des Beginns des Wiederaufbaues der Frauenkirche begehen dürfen, wird der 1. Juni, der Tag der Bergung des Turmkreuzes, zum Anlass genommen, an die enorme Rekonstruktionsleistung zu erinnern, die nicht zuletzt durch eine überwältigende weltweite Spendenbereitschaft ermöglicht wurde.


    http://www.dresden-fernsehen.d…-Juni-an-besonderen-Fund/

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Heute vor genau 20 Jahren, am 27.05.1994, begann mit der Versetzung des ersten Steins (Basis des rechten Türgewändes am Eingang A) der eigentliche Wiederaufbau der Frauenkirche. Bereits am 21.08.1996 konnte die Unterkirche geweiht werden. Am 22. Juni 2004, also ziemlich genau 10 Jahre nach Beginn der Wiederaufbaumaßnahmen, wurde das Kuppelkreuz unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf die Laterne gesetzt. Viele Feiertage für diese Stadt und ihre Freunde in nah und fern!

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Man kann sagen, das war eine Erfolgsgeschichte mit weitreichenden Wirkungen.
    Wahrscheinlich hätten wir ohne FK keine Stadtschlösser in Berlin und Potsdam.
    Die Erfahrung, dass Rekonstruktion funktioniert und zu befriedigenden Ergebnissen führt, war für uns alle, egal ob Befürworter oder Skeptiker, wichtig.
    Ich kann mich erinnern, wie bewegt ich war, als ich die FK zum ersten Mal gesehen habe. Es war von den Höhen des Elbsandsteingebirges unweit der Bastei. Man sah nicht viel, aber man sah, dass sie schon da war (was man zwar schon gewusst hat, aber trotzdem aufregend festzustellen war).
    Und als ich dann einen Tag später am NM war, der damals diese Bezeichnung noch nicht verdient hat, waren jegliche Zweifel beseitigt. Ich hatte das Gefühl, die FK wäre "nie weggewesen".
    Mit dem Gelingen des NMs habe ich damals überhaupt nicht gerechnet. Eigentlich kamen mir diese Bestrebungen recht sinnlos und albern vor. Der Ton der GHND, wie er sich in dem Container neben den Baustellen manifestierte, schien mir unangemessen und sinnlos aggressiv, im Ganzen sektiererisch. Es schien mir klar, dass aus dem Projekt nichts Rechtes werden konnte, auch die bereits vorhandenen Rohbauten vom Q 1 machten da keinen guten Eindruck.
    Irgendwann bin ich dann im Web vor einer Sachsen-Reise, bei der ich DD gar nicht eingeplant hatte, zufällig auf das Web-cam-Bild (auf dem Kulturpalast aufgenommen, und das sich um di FK bis heute relativ wenig geändert hat) gestoßen und war fassungslos. So kann man sich, überhaupt, wenn man keinen Sachverstand hat, täuschen, und so ändern sich die Zeiten!
    Heute ärgern wir uns über irgendwelche Details in zT schon ein bisschen abgelegenen Quartieren. Damals ist mir die Wiederherstellung des NMs als bloßen Platzraum utopisch vorgekommen.
    In diesem Sinne herzlichen Glückwunsch (nach DD, aber auch für uns alle, die wir im Herzen ein Stück DD tragen)!

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Baudirektor Burger sieht schwarz


    Unsere Frauenkirche
    beginnt zu rosten


    Baudirektor Burger sieht schwarz | Unsere Frauenkirche beginnt zu rosten


    In einigen Jahrzehnten wird unsere geliebte Frauenkirche wieder ganz so schwarz sein, wie sie es vor ihrer Zerstörung war. Wenn man heute die Kirche mit den den Aufnahmen von 2005 vergleicht, dann kann man die Verfärbung schon recht gut erkennen.


    Mich persönlich stört das überhaupt nicht und ich hoffe, dass ich die schwarze FK noch erleben werde! Irgendwie gibt ihr das auch die alte Würde wieder zurück und bis sie ganz schwarz ist, ist sicherlich auch der Neumarkt fertig, der Neustädter Markt und...;-)


    Modeationshinweis (Aedificium): Link funktionstüchtig gemacht

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Letzte Woche war ich oben auf der Laterne; und wenn ich mir die Risse dort innen anschaue, mache ich mir um die Farbe in einigen Jahren weniger Gedanken. Stattdessen kommen mir die drei Schwestern Buddenbrook (die unverheirateten aus der Seitenlinie) in den Sinn und die Aussage bei Tony´s zweiter Hochzeit: "Hoffentlich hält es diesmal...".

  • Diese Risse sind ja schon direkt nach der Fertigstellung aufgetreten. Zumindest erinnere ich mich an eine entsprechende Aussage von 2005. Gibt es Bilder dazu? Wie gravierend ist das Problem denn? Im Netz konnte ich nichts finden. Da kann man nur hoffen, daß die Bautechnik bald eine Lösung zur dauerhaften Reparatur entwickelt und die Risse verfüllt werden.

  • Die Schwarzfärbung ist nun mal nicht zu ändern, wobei ich angesichts der verringerten Abgase davon ausgehe, dass eine komplette Verfärbung länger dauert als in früheren Zeiten, wo noch der Dreck aus den Kohleheizungen dazukam. Man könnte den Stein beschichten, das macht man bei den Skulpturen am Zwinger auch. Aber das ist mühsam, kostspielig und auch nicht von Dauer.
    Bei den Rissen ist die Frage, ob eine Verfüllung ausreicht. Da wäre auch eine Überwachung angebracht, ob sich da was verändert, und die Frage zu beantworten, wie diese entstehen, und ob sie eine Gefährdung fürs Bauwerk darstellen. Ohne die Hintergründe zu untersuchen, könnte eine Verfüllung reine Kosmetik sein und womöglich weitere Schäden verschleiern.

  • Die alte Frauenkirche war teilweise aus zu weichem Sandstein gebaut. Außerdem ging George Bähr davon aus, dass die Last auch über die Außenmauern abgeleitet wird, was nur zu einem kleineren Bruchteil der Fall ist. Die Pfeiler waren dadurch stark überlastet, die Kuppel senkte sich und es kam zu ellenbogendicken Rissen. Chiaveri hatte Recht, wenn er die Steinkuppel für grundsätzlich zu schwer einstufte. Vor dem Zweiten Weltkrieg gelang es Rüth aber, durch Einbau eines Kuppelringankers ein weiteres Auseinanderdriften zu stoppen. Außerdem verstärkte man die Pfeiler soviel ich weiß mit Zementinjektionen. Die schlechter errichtete alte Kirche war gesichert.


    Beim Wiederaufbau wuden erstens die Fundamente mit Stahlbeton gesichert, zweites wurde nur sehr harter Sandstein verwendet und drittens wurden von Anfang an Stahlringanker um die Kuppelschale gelegt. Man muss sich also keine übertriebenen Sorgen machen. Die neue Frauenkirche ist stabiler als die alte und die technischen Mittel zu ihrer Sicherung sind heute besser als in alten Zeiten. :cool:

  • Die neue Frauenkirche ist stabiler als die alte und die technischen Mittel zu ihrer Sicherung sind heute besser als in alten Zeiten

    Völlig richtig. Und die alte Frauenkirche hat ja auch 200 Jahre gehalten. Dennoch ist es sicher sinnvoll, die Kirche (wie auch andere Kirchen und sonstige Großbauten) zu überwachen und Schäden zu beseitigen, so lange sie noch klein sind. Was passiert, wenn man das nicht macht, kann man gerade an unserer Infrastruktur in Deutschland bewundern...

  • Völlig richtig. Und die alte Frauenkirche hat ja auch 200 Jahre gehalten. Dennoch ist es sicher sinnvoll, die Kirche (wie auch andere Kirchen und sonstige Großbauten) zu überwachen und Schäden zu beseitigen, so lange sie noch klein sind. Was passiert, wenn man das nicht macht, kann man gerade an unserer Infrastruktur in Deutschland bewundern...


    Die "Altvorderen" hatten im Vergleich zu uns die unzureichenderen technischen Möglichkeiten, doch von der Tendenz her klar die höhere Wertschätzung ihrer errichteten Bauten, die heutigen Generationen wissen um ausgefeiltere und fast schon Allmachtsphantasien beflügelnde technische Möglichkeiten, sie leiden aber vglw. an der unzureichenden Wertschätzung, die das Entsprechende dann marode macht.

  • die heutigen Generationen wissen um ausgefeiltere und fast schon Allmachtsphantasien beflügelnde technische Möglichkeiten, sie leiden aber vglw. an der unzureichenden Wertschätzung, die das Entsprechende dann marode macht.


    Das Phänomen gab es aber auch schon im ausgehenden 19ten Jahrhundert.

  • Das Phänomen gab es aber auch schon im ausgehenden 19ten Jahrhundert.


    Gewiss.
    Ich wollte da auch keiner hermetischen Weltenscheide bzw. Zeitenscheide das Wort reden.
    Das Ausmaß dieses "Phänomens" dürfte sich allerdings mit weiterer Zunahme der technischen Möglichkeiten und der grassierenden Allmachtsphantasien eher noch verstärken. Gemeint als Herausforderung.

  • Hallo,


    mittlerweile ist auch neben dem Residenzschloss auch eine Galerie zur Frauenkirche auf Arstempano mit Bildern vom Anfang der 90iger hinzugekommen. Sie stammen wieder größtenteils von Stefan Hertzig. Das hier ist von mir. Die Facebooknutzer dürften die Bilder dank des rührigen Facebookmoderators von Stadtbild Deutschland schon gesehen haben.


    Es ist schon ein Wunder, dass dieses "Kirchlein" wieder steht! Und ab und zu treibt es mich nach wie vor hinein, um mich an ihr zu erfreuen, vom Stadtbild ganz zu schweigen. Hoffen wir, dass die fehlenden Teile des Neumarktes in anständiger Qualität vollendet werden!


    Beste Grüße


    Andreas



    Trümmerberg mit Lutherdenkmal



    Frauenkirche während der Entrümmerung

  • Am 30.10. wird es mehr als einen Anlaß geben, auf den zurückliegenden Zeitraum eines Jahrzehnts zurückzublicken. Wenn man zurückblickt, wie schnell dieses Jahrzehnt herum ging und was in diesem Jahrzehnt am Neumarkt Wirklichkeit geworden ist, wird man wohl den Kopf schütteln und es nicht glauben. Für mich war dieser Tag damals zweifellos einer der schönsten meines Lebens. Es wäre wirklich interessant zu wissen, ob es in vier Wochen diverse Veranstaltungen geben wird, die an den 30.Oktober 2005 erinnern. In vier Wochen fahre ich nach Dresden. Über einen APH-internen kleinen Umtrunk vor Ort zur Feier des Tages müßte man mal nachdenken.

  • Für diejenigen von Euch, die gestern nicht die Gelegenheit hatten, auf MDR das "Fest in der Frauenkirche" mitfeiern zu können:


    http://www.mdr.de/mediathek/fe…7931f8bf_zs-2d7967f4.html


    Es war sehr bewegend! Man hat auch wieder gemerkt bzw es wurde aufgezeigt, dass es (so wie bei der GHND) der unbändige Wunsch von kulturell herausragenden Persönlichkeiten in Dresden war, die unter der Ägide des Herrn Güttler - anfangs als verlachte - Einzelkämpfer aufstanden und eine Windmühle nach der anderen zu Fall brachten, damit dieses barocke Meisterwerk europäischer Baukunst wiederauferstehen darf! Keine Institution - nicht die Kirche, nicht die Stadt und schon überhaupt nicht die Denkmalpflege - waren für den Wiederaufbau! Das muss man sich heute - 25 Jahre nach der bürgerlichen Revolution und 10 Jahre nach der Einweihung der Frauenkirche - wieder vor Augen führen!


    Ich bin stolz auf auf dieses bürgerliche Sachsen, das zuerst diesen sozialistischen Verbrecherstaat friedlich stürzte, sich gegen die allseits bekannten und (scheinbar) immerwährenden und unverbesserlichen Institutionsfunktionäre durchsetzen konnte und dann den "Ruf aus Dresden" initiierte! cclap:)


    Ohne diesen löwenstarken Willen dieser herausragenden Einzelpersonen, würde es am Dresdner Neumarkt vermutlich nicht viel anders aussehen als am... Postplatz neben Zwinger.


    Alles Gute zum Geburtstag, liebe Frauenkirche! :blumen:

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Danke für den Link - muss ich mir dann mal angucken! Im wesentlichen hast Du mit Deinem Beitrag recht. Nur bitte ich die sächsische Denkmalpflege auszunehmen. Letztlich waren es Mitarbeiter dieses Amtes, die schon zu DDR-Zeiten die Unterlagen für einen späteren Wiederaufbau zusammentrugen. Immerhin waren unter den Erstunterzeichnern der langjährige Chef des Hauses Hans Nadler und einer der anerkanntesten und immer noch tätigen Kunsthistoriker Sachsens, Prof. Heinrich Magirius (ebenso im Landesamt tätig). Soviel Ehrenrettung muss sein! Es war eher die westdeutsche Denkmalpflege, die aus allen Rohren gegen den Wiederaufbau geschossen hatte. Ich denke der Wiederaufbau war auch insofern ein Glücksfall, dass innerhalb dieser Bürgerinitiative letztlich eine Fülle erstklassiger Leute waren, von denen jeder am richtigen Fleck zur richtigen Zeit das Richtige tat! Diesen kann man nicht genug danken!


    Beste Grüße


    Andreas