Braunschweiger Schloss

  • Willkommen Braunschweiger: Schön, dass uns noch jemand vor Ort über die Geschehnisse in Braunschweig auf dem Laufenden halten möchte. Braunschweig ist natürlich (nicht nur) wegen des Schlossbaus für uns immer ein Thema.


    Ich hoffe derzeit vor allem, wie viele andere vermutlich auch, dass das von der Stadt eingeplante Geld für die Innenausstattung sinnvoll, d.h. für Innenausbauten im traditionellen Stil, verwendet wird.

  • @MunichFrank


    Ich hoffe auch, daß die Räume entsprechend gestaltet werden. Aber unser Herr Borek macht das schon :zwinkern: . Ich hatte vor langer Zeit gehört, daß auch Inneneinrichtungen der Welfenherzöge gesucht und auch teilweise aufgekauft wurden. Speziell für das kleine Museum wäre dies unabdingbar.


    Und wenn man ehrlich ist, welches historischen Gebäude in Braunschweig steht denn noch 1:1 ? Nach dem 15. Oktober 1944 stand hier kein Stein mehr auf dem anderen. Trotzdem wurden viele Gebäude wieder rekonstruiert z.B. die Alte Waage.


    Die Frage ist, wieviel historisches Ambiente bekommt man für rund 3 Mio.€ ? Am meisten gespannt bin ich aber auch auf die Quadriga :daumenoben:


    Gruß aus der kleinen "Bruderstadt" :lachen:

    Ricarda Huch:
    Wer rückwärts sieht, gibt sich verloren, wer lebt und leben will, muß vorwärts sehen...

  • Also ich habe einen guten Freund (ehemaliger Antiquitätenhändler), der eine originale Komode aus dem Schloß besitzt(habe den Stempel gesehen). Nur wird er die bestimmt nicht rausrücken.

    "Willst du eine Stadt vernichten, baue Kisten, Kisten, Kisten!"

  • Hier gibt es einen 4-minütigen Film über die Schlossgeschichte mit vielen alten Bildern und Filmaufnahmen, auch nach 1945 :weinengelbtraenen:


    http://www.braunschweig.de/sta…it/geschichte/index1.html


    und noch ein Foto von der Portikusenthüllung im Sommer 2006 (die dunklen Steine im Portikus sind Originalteile):


    Ricarda Huch:
    Wer rückwärts sieht, gibt sich verloren, wer lebt und leben will, muß vorwärts sehen...

  • Danke GruttePier, aber es gibt - wie in jeder Stadt - auch häßliche Ecken.
    Eine davon findet sich genau ggü. des Schlosses wieder, nämlich die andere Bohlwegseite :(
    Da soll allerdings auch bald etwas passieren. Ebenso wie schräg ggü. mit dem Bau des Schlosscarreés.

    Ricarda Huch:
    Wer rückwärts sieht, gibt sich verloren, wer lebt und leben will, muß vorwärts sehen...

  • Will man Grund zum Kopfschütteln oder Ärgern, ist ein Blick ins Baunetz stets zielführend:
    Schloss oder Multifunktionskörper?
    Braunschweig will Haltestelle umbenennen


    Ist ja auch klar, dass die, die eine weitgehendere Reko verhindert haben, dem Gebäude jetzt vorwerfen, es sei keine richtige Reko. Ist es auch nicht, aber die Haltestelle kann man trotzdem umbenennen, und sei es nur, weil dort das richtige Schloss früher mal stand. Der Berliner Schlossplatz wartet ja auch schon ziemlich lange auf sein Schloss. ;)

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Auch in Hanau findet man in der Innenstadt einen "Schlossplatz", eine Straße namens "Im Schlosshof" und einen Park namens "Schlossgarten"... das Schloss selbst sucht man heute natürlich vergebens.


    Ist das nicht eigentlich das normalste von der Welt, das Straßen, Gassen und Plätze nach Dingen benannt sind, die sich früher dort befanden? Man denke nur an Bezeichnungen wie "Mühlgasse", "Grabenstraße", "Mauergasse", "Hirschgraben", etc.?


    Was soll denn dieser Eiertanz?!? :augenrollen: Leute, nennt die Haltestelle doch einfach "Schloss"...

  • Quote from "Restitutor Orbis"


    Ist das nicht eigentlich das normalste von der Welt, das Straßen, Gassen und Plätze nach Dingen benannt sind, die sich früher dort befanden? Man denke nur an Bezeichnungen wie "Mühlgasse", "Grabenstraße", "Mauergasse", "Hirschgraben", etc.?


    Oder "Konstabler Wache" - kein noch lebender Frankfurter hat die je zu Gesicht bekomen... :zwinkern:

  • Wie Recht Ihr alle habt.
    Bis jetzt heißt die Haltestelle ja Bohlweg/Damm, wer weiß denn warum sie Bohlweg heißt ? Da kümmert sich doch auch kein Mensch drum.


    Aber an soetwas ziehen sich die Gegner des Projekts natürlich hoch.

    Ricarda Huch:
    Wer rückwärts sieht, gibt sich verloren, wer lebt und leben will, muß vorwärts sehen...

  • Quote from "Restitutor Orbis"

    Auch in Hanau findet man in der Innenstadt einen "Schlossplatz", eine Straße namens "Im Schlosshof" und einen Park namens "Schlossgarten"... das Schloss selbst sucht man heute natürlich vergebens.


    Abgesehen davon, daß Hanau mit den Schlössern Philipsruhe, Wilhelmsbad und Steinheim über recht bedeutende Anlagen verfügt, existieren durchaus noch Reste des alten Stadtschlosses. Diese sind das Rentamtsgebäude (heutige Stadtbibliothek), der Marstall (heute eine Veranstaltungshalle) und ein Wasserturm aus dem 14.-15. Jahrhundert. Also, vollständig weg ist das Schloß dort nicht.


    Ansonsten ist die Einschätzung bzgl. Braunschweig natürlich richtig, wie meine Vorredner erkannten, daß diejenigen Linkspolitiker, die sich anfänglich gegen jede Rekonstruktion wandten, nun dagegen polemisieren, es sei ja gar keine Rekonstruktion. Das geschieht dann im Falle der "Grünen" auch noch mit ideologisch aufgeladenem Halbwissen. Man sollte sich diese "qualifizierten" Stellungnahmen einfach im Gedächtnis behalten, damit für die Zukunft klar ist, was man von diesen Leuten zu erwarten hat.

  • Quote

    Abgesehen davon, daß Hanau mit den Schlössern Philipsruhe, Wilhelmsbad und Steinheim über recht bedeutende Anlagen verfügt, existieren durchaus noch Reste des alten Stadtschlosses. Diese sind das Rentamtsgebäude (heutige Stadtbibliothek), der Marstall (heute eine Veranstaltungshalle) und ein Wasserturm aus dem 14.-15. Jahrhundert. Also, vollständig weg ist das Schloß dort nicht.


    Weiß ich natürlich (ich wohne ja in unmittelbarer Nähe zu Hanau). Aber das gehört meiner Meinung nach alles in die Rubrik "Nebengebäude"; das, was man landläufig unter Schloss im engeren Sinne versteht, fehlt hingegen - wenn du in der Hanauer Innenstadt jemanden fragen würdest "Wo geht's denn hier zum Schloss?", würdest du nur dumme Gesichter als Antwort erhalten (oder man schickt dich nach Kesselstadt).


    Im weitesten Sinne sind ja nicht nur Bibliothek und Marstall, sondern auch der Schlossgarten ja noch ein Rest der alten Schlossanlage...

  • Quote from "Antiquitus"

    Will man Grund zum Kopfschütteln oder Ärgern, ist ein Blick ins Baunetz stets zielführend:
    Schloss oder Multifunktionskörper?
    Braunschweig will Haltestelle umbenennen


    Löblich ist allerdings, daß diese falsche Aussage


    Quote

    Auch Bündnis 90/Grüne sind gegen die Umbenennung. Bekanntlich handele es sich bei dem ECE-Center mit „angehängter“ Schlossimitation nicht um eine Rekonstruktion des Ottmer-Schlosses, sondern um einen „reinen Funktionsbau, dem ein historisierender Anstrich verpasst wurde“, sagte Fraktionsvorsitzender Holger Herlitschke. Das Schloss sei im Zweiten Weltkrieg untergegangen und werde als solches nie wieder erstehen. Mit der Bezeichnung des ECE-Umfeldes als „Schlossplatz“ und der Umbenennung der Haltestelle solle diese Tatsache verschleiert und vernebelt werden.


    von den Baunetzern richtiggestellt wird:


    Quote

    Da bleibt zum Schluss nur noch diese Anmerkung der BauNetz-Redaktion: Das Braunschweiger Schloss ist nicht „im Zweiten Weltkrieg untergegangen“, sondern seine kriegsbeschädigte, aber aufbaufähige Ruine wurde 1961 auf Ratsbeschluss mit einer Stimme (SPD-)Mehrheit abgerissen.


    Auf diese Genauigkeit lege ich Wert. Der böse Krieg wird nämlich allzu oft vorgeschoben, um zu verschleiern (vgl. T & T-Palais Frankfurt, Prager Straße Dresden uvm), daß sehr wohl wiederaufbaufähige Ruinen geblieben waren, aber rücksichtslose Stadtplan(ier)er alles in die Luft gejagt haben, um "modern" bauen zu können.

  • Quote

    Auf diese Genauigkeit lege ich Wert. Der böse Krieg wird nämlich allzu oft vorgeschoben, um zu verschleiern (vgl. T & T-Palais Frankfurt, Prager Straße Dresden uvm), daß sehr wohl wiederaufbaufähige Ruinen geblieben waren, aber rücksichtslose Stadtplan(ier)er alles in die Luft gejagt haben, um "modern" bauen zu können.


    Aber Schlossgespenst, wir alle müssen doch natürlich ( :zwinkern: ) die politischen Entscheidungen den Wiederaufbau unserer Städte betreffend respektieren und können sie doch uuuuuuuuuuuuunmöglich in Frage stellen; der größte Fehler schließlich ist unantastbar und unkorrigierbar, sobald er erst einmal weit genug in der Vergangenheit liegt... :augenrollen:


    (Meine Zeilen hier stellvertretend für ähnliches Geschwafel aus diversen Publikationen und von diversen Podiumsdiskussionen)

  • Besonders schlimm finde ich, daß das Braunschweiger Residenzschloss damals gegen den Willen der Bevölkerung, mit einer Stimme Mehrheit im damaligen Rat beschlossen wurde. Was muß das ein Gefühl für die Menschen gewesen sein ? Welch ein Frevel.
    Und dann wurde das Areal, nicht neu bebaut, obwohl immernoch Wohungsnotstand herrschte, sondern es lag brach und wurde zum Park.


    Es ist zum Haareraufen. Zum Glück wird in Braunschweig in Teilbereichen, der alte Kern wieder in die Erinnerung gerufen.

    Ricarda Huch:
    Wer rückwärts sieht, gibt sich verloren, wer lebt und leben will, muß vorwärts sehen...

  • Heute, Freitag 26.01, im ZDF, Aspekte ein Beitrag uber dem Shopping Mall und Schloss in Braunschweig!!!!!!!!!!!
    wird wahrnscheinlich wieder eine links Intellektuelle Belehrung sein :gg:

  • War nicht zuhause. Hat es wer gesehen?

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Hab's gesehen. Das Projekt wurde sehr positiv dargestellt. Und man sieht das Braunschweiger Projekt als Vorbild für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses. Angeblich haben sich schon viele Berliner Politiker vor Ort informiert. Die Braunschweiger sind mittlerweile wohl auch sehr Stolz auf ihr neues Schloss.

  • Hallo,


    ich weiß, ich bin ein bischen spät, aber ich habe diesen Thread erst jetzt entdeckt. :D


    Ich will mich zu meiner Aussage, daß das Braunschweiger Schloss im zweiten Weltkrieg untergegangen sei doch noch einmal positionieren:


    Das Schloss wurde im Krieg sehr stark zerstört. So stark, das es die Politik in den 60ern für nicht erhaltungswürdig erklärte und abreißen ließ. Nun mag man über den Zeitpunkt des Unterganges streiten. Ob es nun der Krieg war mit der Folge, daß das Schloss nicht mehr verwendungsfähig war, oder ob es erst der endgültige Zerstörungsprozess des Abrisses war. Fakt ist, daß eine Verwendung als Schloss schon durch die Kriegsschäden nicht mehr möglich war.


    Um jetzt gleich eine Diskussion um den möglichen Wiederaufbau zu vermeiden, will ich nur sagen, das ich mir als Architekt diesen Wiederaufbau damals hätte vorstellen können. Jedoch historisch betrachtet, da dieser nicht stattfand, ist das Schloss für mich durch den Krieg seiner "bestimmungsgemäßen Nutzung" entzogen worden und somit untergegangen.


    Das neue "Schloss" ist sicher unstreitig nicht als solches zu bezeichnen.
    Es hat weder die Nutzung als Schloss, noch die Baustruktur. Lediglich die Illusion durch die Fassade wird erzeugt. Der Untergang des damaligen Schlosses wurde damit (wenn mann es mal genau betrachtet) durch den Neubau erst so richtig "zementiert".


    mfg


    Holger Herlitschke, Ratsherr der Grünen in BS



  • Warum hätten Sie sich den Wiederaufbau damals vorstellen können und heute nicht? Das Schloss bestand doch damals auch nur aus Trümmern. Soweit ich weiß, wurden doch beim jetzigen Wiederaufbau auch die Trümmer verwendet, die damals übrig blieben.
    Bitte beachten Sie, dass es kein Bauwerk aus den vergangenen Jahrhunderten gibt,dass nicht irgendwann repariert, verändert, zerstört,wieder aufgebaut, restauriert etc. wurde. Nun geschieht das Gleiche eben auch mit dem Braunschweiger Schloss. Was macht es denn für einen Unterschied, ob das Schloss vor 40 Jahren oder erst jetzt wiederaufgebaut wurde?

    Der Tiefpunkt der Baukultur wurde in den 60er und 70er Jahren des 20sten Jahrhunderts erreicht...