Hamburg - Bausituation

  • Hier noch ein Bild des Unilever-Gebäudes in der Hafen City: https://images.app.goo.gl/1hoh63bQxwnQpRXk6


    Ihr habt beide Recht. Für Unilever ist es sicherlich eine Hinwendung zum Stadtbild-verträglichen. Also eine Art Besinnung. Gleichwohl ist das neue Gebäude für den Hamburger Altstadt-Bereich zu uninspiriert und zu wenig ortsspezifisch.

  • Eine weitere erfreuliche Nachricht aus der Hansestadt Hamburg: Im Stadtteil Hamburg-Mitte wird ein Hotel der TITANIC-Gruppe in neo-backsteinexpressionistischer Architektursprache realisiert (s. hier) und eine Nachkriegs-Bausünde ersetzen. Das exponierte Gebäude wird deutlich aus seinem Umfeld (Google-Maps) herausstechen und somit hoffentlich Maßstäbe für weitere Entwicklungen in dieser Ecke setzen.

  • Ja, in Hamburg geht einiges, muss man so sagen. Ist alles nicht richtig "klassisch", aber dank der fantastischen frühmodernen Baugeschichte der Stadt gibt es genug Anschauungsmaterial, das irgendwie auch bei "Modernisten" durchgehen kann und eine hohe Qualität aufweist. Sicher nicht unbedingt etwas für den Freund (neo)barocker Opulenz, aber trotzdem Stadtreparatur. Das Ding sieht, ähnlich wie viele der hier zuletzt vorgestellten Projekte (auch dieses neue Hotel irgendwo am Berliner Tor mit der offenen Chilehausanleihe) richtig gut aus.

  • Noch eine gute Nachricht aus Hamburg:


    Das hier:


    ein ekliger 70er-Klotz an der Willy-Brandt-Straße wird durch das hier:



    Und vom Nikolaifleet aus:


    (QUEST Investment Partners, Architekten: Christ und Gantenbein


    So kann es gehen. Ich finde, gerade in den Metropolen gibt es nun doch einen sich stabilisierenden Trend zu besserer Architektur, ich habe in letzter Zeit gerade aus Hamburg und interessanterweise Köln eine ganze Menge dieser ganz ordentlichen Entwürfe gesehen. Backstein als Material macht es einfacher, ein wenig frühmodernen Chic in die Entwürfe zu bringen, anscheinend.


    Nicht missverstehen: Das ist jetzt kein Kracher, über den wir über Wochen reden müssen, aber gerade angesichts dessen, was in Hamburg alles als üblem Nachkriegsgrusch wegkommt (Cityhöfe, Commerzbankareal, das hier) doch sehr erfreulich.

  • Quote

    So kann es gehen. Ich finde, gerade in den Metropolen gibt es nun doch einen sich stabilisierenden Trend zu besserer Architektur, ich habe in letzter Zeit gerade aus Hamburg und interessanterweise Köln eine ganze Menge dieser ganz ordentlichen Entwürfe gesehen.

    Das empfinde ich ganz genau so! Mir scheint, in den Innenstädten (wirtschaftlich stärker aufgestellter) deutscher Metropolen wird vermehrt Stadtreparatur betrieben. Dazu zählt im Übrigen auch Hannover, hier werden im Moment die letzten innerstädtischen Brachen bebaut und die gröbsten Bausünden nach und nach durch moderne Stadtquartiere ersetzt.


    Die Entwicklungen verlaufen zwar noch nicht ganz im Sinne unseres Vereins, nichtsdestotrotz zeichnet sich bereits ein Marsch in die richtige Richtung ab.

  • Das ist zwar richtig, aber es bezieht sich leider ausschließlich auf gewerbliche Bauten / Geschäftshäuser, die derzeit in Metropolen wie Hamburg mit mehr architektonischem Stilwillen gestaltet werden. Wann kommt dieser Trend endlich auch bei Etagenmietshäusern an, die momentan größtenteils sehr öde einfallslose Kästen sind? Wann sehen Wohnbauten endlich wieder (wie es in der Gründerzeit üblich war) genauso gut aus wie gewerbliche Bauten?

  • Das ist zwar richtig, aber es bezieht sich leider ausschließlich auf gewerbliche Bauten / Geschäftshäuser, die derzeit in Metropolen wie Hamburg mit mehr architektonischem Stilwillen gestaltet werden. Wann kommt dieser Trend endlich auch bei Etagenmietshäusern an, die momentan größtenteils sehr öde einfallslose Kästen sind?

    Hammerbrook?


    S. etwas weiter oben hier in diesem Strang.

  • Das ist zwar richtig, aber es bezieht sich leider ausschließlich auf gewerbliche Bauten / Geschäftshäuser, die derzeit in Metropolen wie Hamburg mit mehr architektonischem Stilwillen gestaltet werden. Wann kommt dieser Trend endlich auch bei Etagenmietshäusern an, die momentan größtenteils sehr öde einfallslose Kästen sind? Wann sehen Wohnbauten endlich wieder (wie es in der Gründerzeit üblich war) genauso gut aus wie gewerbliche Bauten?

    Irgendwo hier haben wir auch schon das SonninPark-Projekt gehabt, ich finde es nur gerade nicht. So wird in Deutschland im Moment allenfalls noch in Berlin (meist ohne Klinker) und evtl. Köln gebaut. Das ist schon sehr ordentlich, hier mal ein Screenshot von der Projektseite Sonninpark:


    sonninpark.hamburg


    Links:


    Sonninpark Hamburg


    Baunetz Wissen


    Auf den Seiten einfach mal die Visualisierungen anschauen, das meiste davon ist auch schon fertig. Das ist Blockrand, urban, nicht gestaltungsverweigernd. Ich finde es richtig gut. Von derartiger Qualität im städtischen Wohnungsbau können fast alle deutschen Städte nur träumen, zumal es hier nicht um etwas wahnsinnig Hochpreisiges geht. Mit irgendwelchen neuklassizistischen Edelstadtvillen im Düsseldorf oder München ist das nicht zu vergleichen. Da kommen richtig Menschen unter.

  • Das sieht wirklich schon gut aus. leider ist dieser erfreuliche Trend noch nicht wirklich bei uns in Barmbek angekommen. Hier sehen Neubauwohnungs-Projekte meist so aus wie z.B. in der Drosselstraße 15.

  • Rasterfassaden mit Klinker sind auch nicht weniger langweilige Rasterfassaden. Mich hauen die gezeigten Entwürfe nicht vom Hocker.

  • Naja, mögen muss man das -zumal als Stuttgarter natürlich nicht, vielleicht ist es ein wenig zu fremd. Aber wenn ich auf der Suche nach einem halbwegs realistischen Neubaustil für Großstädte bin, zumal mit ein wenig Lokalkolorit, dann finde ich solche Dinge doch einen gewaltigen Schritt in die richtige Richtung. Wir können natürlich auch alle von einer Rückkehr des Historismus träumen, hätte ich ja nicht mal etwas dagegen - aber dann werden wir hier auch noch in 50 Jahren sitzen und schimpfen, ohne einen Meter weitergekommen zu sein.


    Ich finde den Sonninpark-Entwurf auch gerade wegen des Bekenntnisses zum Blockrand und zur abwechslungsreichen Fassadengestaltung sehr ordentlich:



    Und im Luftbild:


    (Quelle: baunetz.de)


    Oder dieses Hotel am Anckelmannsplatz/Berliner Tor (weiter oben bereits gezeigt):


    (Quelle Goljan/Sontowski & Partner Group)


    Find ich richtig gut, ortstypisch, großstädtisch und passend für Hamburg.

  • Hotel und Geschäftsbauten finde ich auch gut bis sehr gut, wie vieles, was seit den 90ern in Hamburg entstanden ist und in der Tradition der Backstein-Kontorhäuser steht.


    Nur fur die Wohngebäude kann ich mich trotz aller beschriebenen Vorzüge (die ich auch zu würdigen weiß) noch nicht wirklich erwärmen. Irgendwie erwarte ich, dass dieser Bautypus freundlicher daherkommt, also möglicherweise weniger Geschosse, noch mehr Abwechslung/Gliederung zwischen den Geschossen, auch mal helle Partien, Ornamente (die ja im Backstein leicht umzusetzen sind), Mansarddächer etc.

  • Nur fur die Wohngebäude kann ich mich trotz aller beschriebenen Vorzüge (die ich auch zu würdigen weiß) noch nicht wirklich erwärmen. Irgendwie erwarte ich, dass dieser Bautypus freundlicher daherkommt, also möglicherweise weniger Geschosse, noch mehr Abwechslung/Gliederung zwischen den Geschossen, auch mal helle Partien, Ornamente (die ja im Backstein leicht umzusetzen sind), Mansarddächer etc.

    Mansarddächer: Unbedingt, ja. Für mich ist das Fehlen derselben der hauptsächliche Schwachpunkt. Es muss heute leider unbedingt immer noch ein 100%iges Flachdach sein - sehr schade.


    Anzahl der Geschosse reduzieren: Bitte nicht. Ich bin froh, dass in zentrumsnahen Bereichen wie hier endlich wieder auf ein halbwegs stimmiges Verhältnis von Straßenbreite und Gebäudehöhe geachtet wird. Die riesigen Areale der Stadt, wo man vermeintlich zugunsten von "Licht und Luft" auf Höhe gegenüber der Vorkriegsbebauung verzichtet hat, wirken auf mich langweilig - zu flach und zu wenig dicht für urbanes Lebensgefühl. Helligkeit kann man genauso gut durch großzügige Innenhöfe erreichen, wie in diesem Beispiel.


    Helle Partien in der Fassade: Ebenfalls bitte nicht. So etwas wurde in Hamburg oft versucht (- s. Beispiel Drosselstrasse weiter oben in Beitrag 431), die Resultate überzeugen mich persönlich nicht. Zur Hofseite wurde ohnehin kein Backstein verwendet, was ich schade finde - die Fassaden dort wirken auf mich im wirklichen Leben vor Ort öde.


    Ornamente aus Backstein: Aber ja! Die gibt es hier übrigens auch, und zwar in dem Sinne, dass in klassischer 20er Jahre-Manier die Steine wie ein Stoff "gewebt" und strukturiert werden. Ich stelle bei Gelegenheit mal beispielhafte Nahaufnahmen ein.

  • Hier noch Bilder von einem - meiner Einschätzung nach -recht ansehnlichen und sich in seine Umgebung (20er Jahre Quartier) gut einfügenden Etagenhaus-Projekt jüngeren Datums in Hamburg-Barmbek (in der Straße Witthof).


    Fotos von mir (leider suboptimal)