Hamburg - Bausituation

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    • -Bismarck- wrote:

      Bei Google im Panorama kann man sehr gut die heutige Platzsituation erkennen, >> Link
      Die Architektur ist überwiegend grauenhaft, eine breite Verkehrsachse zerschneidet das Areal. Dazwischen ein neugotischer Kirchturm ohne Kirchenschiff. Null Aufenthaltsqualität. Hier wäre ein Stadtumbau dringend geboten!
      Immerhin: Das Allianz Hochhaus am Großen Burstah im Hintergrund ist mittlerweile fast weg, der grausame Klotz hinter der Kirche schon komplett. Neu bebaut wird natürlich modern, aber zumindest kommt eine Straße, die seit Kriegsende weg war, wieder.
    • Ich meine auch, da ist - Achtung Wortspiel ;) - Hopfen und Malz verloren. Insbesondere die sechsspurige Willy-Brandt-Straße (vormals Ost-West-Straße) wird man nicht rückbauen können, ohne die Stadt in einen Verkehrskollaps zu stürzen.

      Hier übrigens ein Bild vom Hopfenmarkt vor dem großen Stadtbrand 1842:

      Zeichnung von Friedrich Carl Alexander Lill, 1836. Quelle: Wikipedia, gemeinfrei
      Links zu sehen die mittelalterliche, außergewöhnlich geformte backsteinerne Nikolaikirche, die leider ebenfalls dem Brand zum Opfer fiel und durch die ortsuntypische Sandsteinkirche ersetzt wurde, deren Turm und Schiffsreste heute noch stehen.
      Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)
    • Wenn man mal einen Blick auf die städtebauliche Struktur der Hamburger Innenstadt wirft, ist auf dem ersten Blick zu sehen, dass die Nachkriegsschneise der "Ost-West Straße" wie eine klaffende Wunde wirkt, die die Stadt in einen größeren nördlichen und kleineren südlichen Teil zerreisst. Die Straße trägt heute ja eigentlich die Namen von Ludwig Erhardt im westlichen, und Willy Brandt im östlichen Teil - bei den Hamburgern haben sich diese Bezeichnungn aber nicht durchgesetzt. Bis heute sind beidseits der Straße keine Strukturen enstanden, die dem weiten Verkehrsraum eine Fassung geben könnten:



      Neben dem Hopfenmarkt wurden 3 weitere innerstädtische Marktplätze durch den Bau der Straße zerstört. Die weitgehend intakten Vorkriegquartiere rund um die Binnenalster, in der Speicherstadt und an den Landungsbrücken bilden jeweils "Inseln" mit einem autogefluteten "Nichts" dazwischen. Bevor diese städtebauliche Fehlentscheidung nicht behoben und der Verkehr z. B. auf eine neue "Hafenquerspange" verlagert wird, sind entscheidene Verbesserungen meiner Meinung nach leider nicht möglich.
    • Der City-Hof im Kontorhausviertel kann abgerissen werden. Eine Bürgerinitiative (Link) hatte sich bei der UNSECO für den Erhalt des Baus als wegweisender Neubau der Nachkriegszeit eingesetzt und Beschwerde gegen die Abrisspläne des Senats eingelegt. Im August 2018 besuchten Experten von ICOMOS das Kontorhausviertel und informierten sich über die Planungen. Inzwischen hat ICOMOS mitgeteilt, dass der Abriss des City-Hofes den Welterbestatus der Speicherstadt und des Kontorhausviertels nicht gefährdet. Damit kann der City-Hof zeitnah abgerissen werden und ein Neubau im ortstypischen roten Backsein erfolgen.
      Hier ein Bildvergleich heute versus zukünftig >> klick
      und weitere Informationen beim >> NDR und im Abendblatt
    • Irritationen um die gestrigen Meldungen zum City-Hof:
      Offenbar hat das Auswärtige Amt ICOMOS nicht richtig zitiert. ICOMOS hat demnach weder Ja noch Nein gesagt, sondern empfohlen die Angelegenheit auf nationaler Ebene auszutragen. Da aber der Welterbestatus damit auch weiterhin nicht gefährdet ist dürfte dem Abriss nichts entgegen stehen.

      welt.de/regionales/hamburg/art…rg-falsch-verstanden.html
      abendblatt.de/hamburg/article2…m-hat-doch-Einwaende.html
    • Zu Hamburg gibt es so viele Themen. Ich hoffe, diese Meldung korrekt einsortiert zu haben.

      Die Schilleroper verfällt immer mehr. Der Eigentümer soll nun das Stahlgerüst reparieren lassen. Der möchte das Bauwerk aber scheinbar lieber beseitigen und dort Wohnungen bauen lassen. Die Stadt droht damit, das Gerüst selber zu reparieren und dem Eigentümer die Rechnung zu präsentieren.

      focus.de/regional/hamburg/hamb…parieren_id_10169043.html
    • Hier mal ein weiteres schönes Beispiel, dass Hamburg im Moment im Bereich "nichtneuklassische" Architektur einer der interessantesten Orte in Deutschland ist. Es handelt sich um die Zentrale der NOVUM Hospitality Gruppe (Hotels) mit angeschlossenem "Flagship-Hotel":





      Quelle: NOVUM Hospitality

      So kann es für norddeutsche Städte gehen, für mich weiterhin der auf Sicht "realistischste" Neubaustil, diese verklinkerten Neubauten mit klaren Anleihen an die frühe Moderne. (Ein gelungener Kollhoff im Berliner Blockrand ist natürlich auch etwas ganz Feines, aber für diese zerschossenen Nachkriegssituationen des Hamburger Ostens (hier: Berliner Tor) finde ich so etwas richtig gut. Und richtig schwierig ist es nun nicht und auch nicht unheimlich aufwendig.

      Es scheitert einfach am Willen.
    • Grandios!
      Ich nenne das auch gerne Neo-Backsteinexpressionismus. Der frühe Modernismus funktioniert ja auch deswegen so gut, weil die Architekten noch eine klassische Ausbildung genossen und ihre Entwürfe mit der Hand zeichneten. Das wird hier wiederbelebt und schafft ästhetische Formen! :) Weiter so, Hamburg - modern und doch typisch regional!

      Fast könnte man von einem Hamburger Flatiron Building sprechen... Oder einer Neuauflage des Chilehauses, was die Grundformen angeht.
    • Trotzdem bleibt bei mir immer so gemischtes Gefühl, gerade angesichts solcher Entwürfe, die zeigen, was möglich wäre, zurück: Warum ist es weiterhin anscheinend Zufall (vielleicht ein Bauherr mit Geschmack oder eine zufällig gegenüber solchen Entwürfen positiv eingestellte Wettbewerbsjury), dass sich so etwas mal ergibt? Was könnte man alles mit diesem Material machen, wenn man wollte? Der Backstein/Klinker ist noch lange nicht "auserzählt", man kann sogar hochmodern richtig gute Sachen damit machen. Aber irgendwie scheinen die Architekten weiterhin Lust auf Selbstverstümmelung zu haben, so muss man sich zumindest in Bremen häufig schon freuen, wenn mit dem Material ein bisschen gespielt wird (durch bescheidene Fassadenmosaike etwa), aber niemals zuviel oder gar richtig schön. Dann lieber gleich ein bisschen Klötzchenmoderne daneben setzen, fast schon als Abbitte für die Sünde der Gestaltung.

      Es ist immer wie eine Tür, die einen Spalt weit aufgeht und dann wieder ohne Angabe von Gründen zugeschlagen wird. Der hintere Gebäudeteil etwa strahlt die Ödnis aus, die vieles von dem, was im Moment in Norddeutschland gebaut wird, schön wiedergibt. Wenn irgendwo unverhofft etwas Schönes entsteht, muss auch gleich ne Rasterkiste danebengestellt werden. Warum?
    • Hallo Zusammen,

      als Novize hier im Forum, jedoch als alter Hamburg möchte ich ein kleines "Positivbeispiel" (meiner Meinung nach) zeigen. Als langjähriger Mitarbeiter der Firma SHARP habe ich über 35 Jahre die Entwicklung insbesondere im Umfeld meines Arbeitsplatzes in Hamburg Hammerbrook verfolgt. Dieses im Krieg besonders zerstörte Viertel und die desastöse Nachkrigsentwicklung (unter anderem Abbau der zu rettenden Hochbahnstrecke siehe auch : Hochbahnstrecke nach Rothenburgsort ) werden nun zaghaft repariert. Mit dem Sonninpark ist nun die Wohnbebauung fast fertig, wie sie ein wenig an das alte Hammerbrook erinnert. Blockrandbebauung mit einem Park im Innenbereich und wechselnde Backsteinfassaden, die den Eindruck von individuellen Häusern vermittelt.

      Sicher nicht jedermanns Geschmack, aber extrem viel besser als die vielen anderen Versuche in Hamburg, ein Identität stiftendes Wohnviertel zu errichten. Richtige Dächer fehlen leider immer noch ...

      Hier einmal 2 Fotos vom Beginn der Bauphase und Heute im Vergleich.




      Grüße aus HH
      Andreas
    • Vielen Dank für die Bilder und willkommen, Voss-HH! Ja, Hammerbrook hat eine durchaus interessante Entwicklung genommen, wie insgesamt der Hamburger Osten aus seinem Dornröschenschlaf zu erwachen scheint. Das SonninPark-Gebiet wurde hier in irgendeinem der anderen Stränge auch schon gezeigt, ich finde es gelungen. Natürlich ist die Gestaltung im wesentlichen modern mit Anleihen an die norddeutsche Klinkermoderne, aber die Rückkehr zur Bebauung im Blockrand geben dem Ganzen gleich ein enorm urbanes Gefühl, in diesem Ausmaß und jenseits von klassischen Lückenbebauungen wird sonst in Deutschland nur noch in Berlin gebaut. Sonst sehe ich in richtigen Neubauvierteln von München bis Frankfurt, von Köln bis Dresden eigentlich nur Solitäre verschiedener Ausmaße, wenigstens meistens nicht mehr quer zu den Straßen.

      Auf jeden Fall ein schönes Beispiel!
    • Ende der 50iger wurden für das Unilever Hochhaus große Teile des Gängeviertels Caffamacherreihe zerstört - für was eigentlich? 2009 zog Unilever in die HafenCity. Da alles immer kurzlebiger wird, ist nun der nächste Umzug fällig. Diesmal geht es in die City - gleich neben die Nikolaikirche. Ein Standort, der Stadtreparatur vertragen könnte. Doch stattdessen, wird ein weiterer, trostloser moderner Neubau in die Landschaft gesetzt. Die "Neue Burg", so heißt der triste Kubus, nimmt weder Bezug zu seiner Umgebung, noch zur Stadt noch zu irgendwas anderes. Langweiliger, Stadtfeindlicher und unkreativer kann man eigentlich kaum noch bauen. Mit den üblichen Plattitüden wird der banale Glaskasten angepriesen. Die Moderne hat sich überlebt. Ich hoffe, dass für diesen leblosen Bau nicht auch noch ein historisches Gebäude geopfert wurde: mopo.de/hamburg/unilever-zieht…ntrale-sein-wird-32279424