Hamburg - Bausituation

  • Aber warum sie qualitativ besser ist als die City Höfe (die Du ja leider in der aktuell verunstalteten Form mit Eternitfassade zitiert hast), erschließt sich mir überhaupt nicht.

    Die sahen auch mit den Bahnhofstoilettenfliesen an der Fassade nicht besser aus. Warst du schon mal in Dresden und Hamburg und hast dir das ganze mal in natura angesehen? Die Hamburger Häuser sind buchstäblich ein schlag ins Gesicht der Stadt, zumal sie an die wunderschöne Sprinkenhoffassade grenzen. Die Prager ist durchaus durchkomponiert und als stadtplanerisch gelungen zu bezeichnen. Ich habe die Prager auch nie als positives Beispiel für Städtebau genannt, zumal sie das Scheitern der "Moderne sehr eindringlich veranschaulicht identitätsstiftende Stadträume zu schaffen, wie es der Vorkriegs-Prager gelang, was man an der bis heute andauernden Verklärung dieser banalen Straße, auch hier im Forum sieht. Dennoch kann die Qualität dieser auf der grünen Wiese, im wahrsten Sinne des Wortes, gebauten Straße, als Einzeldenkmal, durchaus anerkannt werden. Die Hamburger Häuser sind Solitäre, denen kein Konzept oder stadtplanerischer Aspekt zugrundeliegt. Da war halt Platz nach dem Krieg und man wollte was "Modernes", Amerikanisches. So sind die halt entstanden.


    Was vergleichbares zur Prager haben die Hamburger übrigens mit der Hamburger Straße in Barmbek gebaut:
    http://de.academic.ru/pictures…de0188948464b3db80d19.jpg


    http://www.hamburg-web.de/foto…ekz-hamburger-strasse.jpg

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • Die Kieler Landschaftsarchitekten "MUHS" bekommen den Auftrag zur Sanierung des Alten Elbparks, in dem das große Bismarckdenkmal steht. Durch eine geschwungene Fußgängerbrücke sollen der Alte Elbpark und Planten un Blomen miteinander verbunden werden. In den Sockel des Denkmals soll ein Museum zur Entstehungsgeschichte des Denkmals selber. Die Wege bleiben weitgehend erhalten, Bäume werden nicht gefällt.


    Ein interessantes Detail: - An die nach dem Krieg beseitigten Brückenhäuser der Kersten-Miles-Brücke, soll mit einer "Stahlkonstruktion" auf der Brücke erinnert werden. Das kann natürlich alles bedeuten. Lassen wir uns überraschen.


    http://www.ndr.de/nachrichten/…arck,alterelbpark154.html


    http://www.radiohamburg.de/Nac…-neuer-Bruecke-aufgemotzt

  • In den Sockel des Denkmals soll ein Museum zur Entstehungsgeschichte des Denkmals selber.


    Wenn ich in heutiger Zeit von Museum oder Dokumentationszentrum zur Geschichte lese, läuten bei mir immer die Alarmglocken. Mal sehen, ob da nicht wieder der übliche volkspädagogische Sermon a la "Militarismus, Wilhelminismus, nationaler Überschwang, verhängnisvolle Entwicklung" usw. herauskommt.

  • Leider ist tatsächlich damit zu rechnen. Wir sind schließlich in Deutschland und müssen uns noch mindestens 100 Jahre für den begonnenen zweiten Weltkrieg schämen. Dazu gehört dann auch der Nationalstolz und eben ein solch pompöses Denkmal. Ganz egal, ob das was mit dem Nationalsozialismus zu tun hat. Es könnte sich ein ausländischer Tourist nach Hamburg verirren, der anhand des Museums im Denkmal erkennt, daß sich das deutsche Volk zum Guten verändert hat. :tongue:

  • Wie es aussieht, hat der Dachgarten auf dem großen Flakbunker am Hamburger Heiligengeistfeld, gute Chancen zur Umsetzung.
    Ich persönlich halte gar nichts von der Idee. Zwar liebe ich viel grün und denke, daß richtig platzierte Bäume im Stadtbild ungeheuer wichtig sind. Eine Begrünung des wertvollen Denkmals aus dem letzten Weltkrieg, lehne ich jedoch ab.


    Der nackte kalte Beton vermittelt ausgezeichnet den Schrecken des Bombenkrieges. Der Bunker ist angsteinflößend und majestätisch zugleich. Pflanzen auf dem Dach und an der Fassade, machen diesen Eindruck völlig kaputt. Das Bauwerk wird friedlich verniedlicht und verliert seinen brutalen Kriegscharakter. Der Wert als Denkmal und Mahnmal ist dahin.


    Wie ist denn dazu die Meinung hier im Forum?

  • Ich bin Hamburger und kenne den Bunker von Kindheit an, denn am Bunkerstandort auf dem Heiligengeistfeld findet regelmäßig der Dom statt und auch große Zirkusse u.ä. schlagen da ihre Zelte auf. Auf mich hat der Bunker nie furchteinflößend gewirkt, da sein kriegerischer Zweck auf den ersten und zweiten Blick nicht mehr zu erkennen ist. Das war ja auch ein Gestaltungsziel dieser Bunker: Eine gute Integration ins Stadtbild. Es war von den Erbauern eigentlich noch eine ansehnliche Fassade geplant... Der Bunker ist optisch ansprechender als so manche Plattenbaukatastrophe in Hamburg.


    Zum Thema Hilldegarden:
    Der Vorwurf steht im Raum, dass das ganze nur Astroturfing ist und letztlich ein großer Investor hier seinen Plan durchziehen will. Solche Großprojekte bringen in Hamburg und weltweit nur ganz selten ein ansehnliches Ergebnis. Die Idee, den Bunker zu nutzen, auch teilweise zu begrünen ist gut, aber den Initiatoren rund um Hilldegarden sollte die Entscheidungskompetenz hier entzogen werden und stattdessen sollte die Bunkeroberseite möglichst kleinteilig parzelliert werden und in den Parzellen sollte nach individuellen Plänen gebaut und gegärtnert werden.

  • (...) Auf mich hat der Bunker nie furchteinflößend gewirkt, da sein kriegerischer Zweck auf den ersten und zweiten Blick nicht mehr zu erkennen ist. Das war ja auch ein Gestaltungsziel dieser Bunker: Eine gute Integration ins Stadtbild. (...)


    Der Zweck des Bunkers ist nicht mehr zu erkennen? Nee, die Flak wurde natürlich vom Dach entfernt. :biggrin: Sonst sollte aber jeder halbwegs denkende Mensch mitbekommen, daß es sich um einen Bunker handelt.


    Gute Integration in das Stadtbild? Das ist ein Scherz, oder? Na, vielleicht passt er in das heutige Nachkriegs-Stadtbild. In das damalige Hamburg sicher nicht. Diese Bunker sollten lediglich so vielen Menschen wie möglich Schutz vor Bomben bieten. Dazu waren auf dem Dach Flugabwehrkanonen positioniert. Auf eine ansehnliche Architektur wurde da nicht geachtet.

  • Na, das stimmt ja so nicht ganz. Wie gesagt wurde der Hamburger Bunker nicht vervollständigt. Man war oft schon sehr bedacht darauf, dass die Bunker möglichst unauffällig wirken bzw. am besten wie deutlich ältere, nicht(mehr)militärische Bauten (v.a. Luftschutzbunker). Es gibt mehrere dieser Bauwerke, die wie gewöhnliche Häuser oder gar (aus der Luft/Distanz betrachtet) wie mittelalterliche Wachtürme o.ä. aussehen. Man nehme die standardisierten Zombeck-Türme, den Hochbunker von Trier, den Lübecker Bunker an der Krähenstraße, den Bunker in München-Trudering, den Ruhrort-Bunker in Duisburg, den Hochbunker im Magdelstieg in Jena, ... gibt noch einige mehr.


    So sollte übrigens der Hamburger Hochbunker am Heiligengeistfeld aussehen:

    Urh.rechte abgelaufen, Quelle: http://berliner-unterwelten.de…er-flaktuerme.1814.0.html


    Die Idee mit dem Dachgarten gefällt mir. Sie verändert den Grundcharakter des Bunkers nur soweit, dass man ihn noch erkennt, er aber doch deutlich lebendiger und stadtbildfreundlicher wirkt. Das Ganze hat was von den Hängenden Gärten von Babylon, sehr massiv und verträumt-romantisch, etwas exotisch, zugleich.

  • Tatsächlich. :schockiert: Man lernt eben nie aus.


    Dann wurde aber wohl kein einziger dieser Großbunker vervollständigt, oder? Ob in Hamburg, Wien, Berlin,... Ich kenne nur die nackten Betonklötze. Aber mal im Ernst. Welchen Sinn hat eine solche "Tarnung" für einen Bunker? Die Bomben wurden doch, ohne Rücksicht auf Verluste, auf die gesamte Stadtfläche geschmissen.

  • Von der Form her erinnert der Bunker mehr an eine mittelalterliche Burg oder ein Schloss als an etwas millitärisches aus dem 20. Jahrhundert. Die Form mit den 4 Ecktürmen ist wohlproportioniert. Als ich noch ein Kind war, war es noch nicht üblich, dass Altbauten wieder auf Hochglanz restauriert werden. Damals war bei den allermeisten Altbauten die Fassade so grau wie der Bunker heute noch ist. Bis auf den fehlenden Stuck sah ich als Kind in dem Bunker keinen großen Unterschied zu anderen Altbauten.
    O.K, er ist ziemlich groß. Dafür steht er als übergroßes Haus aber vereinzelt, auf 3 Seiten umgeben von Freifläche und auf einer Seite normal großen Häuser. Solche vereinzelten übergroßen Gebäude gibt es an vielen Stellen in Hamburg. Zum Beispiel das Rathaus, die Hauptkirchen, das Planetarium im Stadtpark und eben dieser Bunker. Passt schon! Die Fassade müsste man noch gefälliger gestalten. Es war nie geplant, dass das nackter Beton bleibt, ursprünglich war noch eine Verblendfassade vorgesehen.


    Die Verblendfassade hatte keinen millitärischen Sinn, sondern sollte nach dem Krieg das Gebäude einer sinnvollen Verwendung zuführen.

  • Es gab sogar frisch errichtete Fachwerk-Bauernhöfe, die zur Tarnung militärischer Einrichtungen dienten.


    Deckname: Schafweide
    Während des Dritten Reichs errichteten die Nazis im Einhäuser Wald einen Militärflugplatz. Die Kommandantur saß in einem Fachwerk-Bauernhof.
    http://www.morgenweb.de/region…name-schafweide-1.1952346


    Der Einsatzhafen Biblis
    http://der-weltkrieg-war-vor-deiner-tuer.de.tl/Biblis.htm


    Schachtkabel führen in Fachwerk
    http://www.mt.de/lokales/porta…-fuehren-in-Fachwerk.html

  • Noch etwas weniger Neues, aber Erhebliches aus der APH-Diaspora.


    Die alte Oberpostdirektion am Stephansplatz/Gorch-Fock-Wall (Architekt Julius Carl Raschdorff):


    Das Gebäude trägt bereits jetzt ein gewölbtes Glasdach:
    https://upload.wikimedia.org/w…g-Neustadt%29.phb.ajb.jpg


    Künftig wird es dann so aussehen:
    https://scontent-fra3-1.xx.fbc…8925735005650983144_o.jpg
    https://scontent-fra3-1.xx.fbc…_620916684617614411_o.jpg


    Das neue Glasdach finde ich gar nicht so schlecht, aber dieser aufragende und aufdringliche Glasriegel an der Dammtorwall-Seite ist m. E. schon ziemlich verunstaltend.


    Projektseite 'Work-Life-Center Hamburg'
    Darstellung bei LH-Architekten

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Ich weiß nicht ob dieses Thema in diesen Thread gehört aber lasst es mich einfach mal versuchen.


    In Hamburg wird seit längerer Zeit diskutiert ob man den City- Hof, einen in den 50er Jahren errichteter Hochhauskomplex, von der Denkmalschutzliste nimmt und abreisst. Am 31. März wird die Bürgerschaft in Hamburg darüber entscheiden.


    http://www.welt.de/regionales/…us-fuer-den-City-Hof.html


    Nun war ich immer der Meinung, nur in Potsdam wird diskutiert und gestritten, nein auch in Hamburg!