Hamburg - Bausituation

  • Einfach geniale Kommentare zum Artikel aus der Zeit Architektur: Schluss mit klotzig! | Kultur | ZEIT ONLINE


    Beispielsweise von Azenium, Kommentar Nummer 6:


    Quote

    Daß kein ernstzunehmender Architekt oder Planer das Wort "Schönheit" als Ziel in den Mund zu nehmen wagt, liegt einfach daran, daß seit der Moderne Schönheit kein Qualitätsmerkmal mehr ist, sondern eine Schande.
    Schönheit ist demnach oberflächlich, unehrlich, belanglos, kitschig. Wahre Tiefe liegt in ungeschminkter, ehrlicher Häßlichkeit.
    Der Schöpfer eines Werkes, das allgemein als "häßlich" bezeichnet wird, kann immer die Haltung des unverstandenen, von dümmlichem Gefühlsdusel freien Genies einnehmen, dessen überlegene Vernunft den oberflächlichen Nörglern aufgrund ihrer Blödheit ein Geheimnis bleiben muß.

    Ist jemand zufällig dort angemeldet und kann einen unauffälligen Hinweis auf unser Forum formulieren? :thumbup:

  • ^^
    Nun gegen eine Rekonstruktion der Fassade wäre als Wiedergutmachungsleistung nichts einzuwenden.

  • Fürchte zu dieser Wiedergutmachung wird es nicht kommen.

    MODERNExit

  • So einfach ist das also: Ein paar neue Bäume pflanzen und die Gehwege sanieren - und schon hat man einen neuen Prachtboulevard! Schön wärs...

    Die Welt muss romantisiert werden! - Novalis

  • Wie denken die Bürger über Rekonstruktionen? Bisher lagen meistens Stimmungsbilder aus Print- und Onlinebefragungen vor - mit Zustimmungen von meist über 80 % der Bürger. Nun gibt es ein belegbares Stimmungsbild aus einem Zukunftsforum zur Stadt Hamburg. Der Spiegel berichtet in seiner aktuellen Ausgabe 9/2012 im Artikel "Weg vom Wutbürgertum" über das Hamburger Zukunftscamp. Auf der Internetplattform "Nexthamburg" sammelt das Zukunftscamp Bürgermeinungen zur Zukunft der Stadt im Jahr 2030. Neben Vorschlägen zu Wohnformen, zur Mobilität und Energieversorgung, bringen sich die Bürger insbesondere in die Stadtplanung ein.


    Zitate aus dem Interview mit dem Initiator des Zunkunftscams und Stadplaners Julian Petrin zum Bürgervotum: "...Für uns Stadtplaner und Architekten ist das nicht ganz leicht zu verkraften - aber es gibt tatsächlich ein starkes Bedürfnis nach Rekonstruktionen." und weiter "...sie wünschen sich markante alte Gebäude zurück."

    MODERNExit

  • Sowas ist nur für ideologische Modernisten "nicht zu verkraften". Der Rest wünscht es sich sehnlichst.

    In dubio pro reko

  • Quote

    Die Frankonia Eurobau investiert 100 Mio. Euro, um die denkmalgeschützte Standortkommandatur an den Sophienterrassen in Hamburg-Harvestehude zu Wohnungen umzubauen.

    Frankonia investiert 100 Mio. Euro in Sophienpalais Hamburg

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Nicht nur die Gründerzeitvillen verschwinden, auch in den Einfamilienhausvierteln setzt die Nachverdichtung ein, mit fragwürdigen Folgen. Ich habe in der Familie einen Fall erlebt, dass die Erben das Wirtschaftswunder-Einfamilienhaus schließlich verkauft haben, weil die Gegend mehr und mehr vor die Hunde ging. Rundherum wurden die alten EFH abgerissen und auf den großzügigen Grundstücken (So um die 1000qm) wurden stattdessen Mehrfamilien erbaut mit 4-8 Wohneinheiten, dabei die Baugesetze bezüglich Randbebauung und Baumasse ausgequetscht bis zum geht-nicht-mehr. Teilweise wurden die Baugesetze sogar überdehnt, aber da haben die Freunde des Bauträgers in der Behörde ein Auge zugedrückt.




    Die ersten paar Projekte nach diesem Muster konnte man noch als gelungen bezeichnen. Ein paar wenige große Einzelbauten konnten in dem insgesamt großzügig bebauten Viertel noch toleriert werden, ohne dass der Gesamteindruck von Sonne, Großzügigkeit und Grün zerstört wurde.




    Heute ist es aber so, dass da praktisch überhaupt kein Einfamilienhaus aus den Nachkriegsjahren mehr steht, sondern es nehmen sich diese hässlichen Bunker im Bauhausstil gegenseitig das Licht weg, weil sie ja allseitig maximal nah an die Grundstücksgrenzen bauen mussten. Wenn man da heute beim Frühstück aus dem Fenster guckt, sieht man nicht mehr in eine großzügig-grüne Gartenlandschaft, sondern man kann genau die Marmeladenmarke studieren, die der Nachbar gerade frühstückt. :kotz:

  • Der Trend, in der Hansestadt alte Villen abzureissen und durch Multiwohneinheiten zu ersetzen ist keineswegs neu. Das passiert schon seit Jahrzehnten, ist aber wohl in den letzten Jahren wesentlich haeufiger geworden und darum besorgniserregend.


    Quote

    Die Aussichten, die Abrissbirnen in Villenvierteln tatsächlich aufhalten zu können, sind allerdings alles andere als rosig. Denn: Stehen die Villen nicht unter Denkmalschutz – und das ist in den meisten Fällen so –, ist die juristische Handhabe seitens der Stadt beschränkt. Als einzige Möglichkeit nennt Oberbaudirektor Walter den Erlass von sogenannten Erhaltensverordnungen. Sie schützten dann nicht einzelne Villen, sondern städtebauliche Ensembles oder Quartiere, die das Stadtbild maßgeblich prägen.


    (Quelle: Der von Zeno verlinkte Artikel aus Immonet News)


    Na, da soll sich der Herr Oberbaudirektor dann mal ranmachen! Unter seiner Aegide hat Hamburg schmerzhafte Verluste erlitten; unschoene Mammutprojekte wie die Europapassage und die keineswegs ueberzeugende Hafencity (ein Riesenagglomerat von Flachdachkisten blah blah) wurden ihm waehrend Herrn Walters Amtszeit auferlegt. Mit grossflaechigen Erhaltensverordnungen koennte er vielleicht ein bescheidenes Gegengewicht zu diesen dem Stadtbild abtraeglichen Lasten erreichen.