Hamburg - Baugeschehen

  • Hallo Pilaster, Du hast die Chaosstadtplanung und -bebaung der Hafencity vergessen ! Jedes Gewerbegebiet ist schöner als das.

  • Kommentar:


    Quote

    Viele Architekten und Städtebauer trauerten jedoch weder in Hamburg noch anderswo: "So kalt und berechnend, so verständnislos, soviel Schmerz und Kummer bereitend die Vorstellung auch sein mag, der Städtebauer möge es sagen dürfen dieses Werk der Zerstörung wird Segen wirken." Äußerungen wie diese waren damals Allgemeingut einer ganzen Generation von ihnen. Sie begriffen die Zerstörung als einzigartige Chance, den "steinernen Moloch Großstadt" zu überwinden.


    Ja, galt auch für das "steinerne" Berlin. Aber mit dem Verschwinden dieses Berlin verschwanden auch die Pracht Boulevards oder vielen schön bebaute Plätzen.

  • Das Fachwerkhaus "Vor dem Holstentore" (hinter dem Oberlandesgericht, neben der Gnadenkirche), 1881 als provisiorische Erweiterung des gegenüber einer Straße liegenden Gymnasiums wird wegen Termitenbefalls, der eine bereits 1987 erfolgte Sanierug überstanden hat, abgerissen. Der zuständige Bezirksamtsleiter will sich für einen historisierenden Neubau stark machen. Artikel hierzu im Abendblatt und in der Morgenpost.


    Um diesen Bau geht es:





    Die Freie und Abrissstadt verliert damit einen weiteren über 100 Jahre alten Bau.

  • Auch wenn das Fachwerkhaus für mich nicht gerade ein Schmuckstück zu sein scheint, so hoffen wir doch, dass der Bezirksamtsleiter sich mit seinen Wiederaufbauforderungen durchsetzt, da ansonsten nichts besseres zu erwarten ist.


    Weil für die Gebäudeschäden ausnahmsweise die Termiten und nicht die Alliierten Bomberpiloten zuständig waren, könnte sich ein rekonstruierender Wiederaufbau ohne mahnende Abweichungen à la Chippi vielleicht auch eher durchsetzen lassen. Aber ob, wie und warum sie erst dann einen gleichartigen Termitenbefall auch des Neubaus verhindern können bleibt für mich offen. Aber ich bin auch kein Holzexperte.

  • Hamburger Gebäude leiden ja seit längerem unter Termitenbefall, da die Gelbfüßige Bodentermite (Reticulitermes flavipes) Mitte des 20. Jhrdt. aus Amerika eingeschleppt wurde.
    Nach erfolgtem Abriss sollte das umliegende Erdreich abgetragen oder erhitzt werden, um so einen Neubefall des Nachfolgehauses möglicherweise zu verhindern. Ich hoffe mal das die Hamburger mittlerweile mit solchen Neozoen gerlernt haben umzugehen. Weit problrematischer als ein regionaler Befall, wie es z.Z. in Hamburg der Fall ist, wäre die unkontrollierte Verbreitung über das Bundesgebiet. Unwissende Baufirmen aus anderen Regionen verschleppen so möglicherweise die Termiten in wärmere Regionen, in dennen sie sich noch wohler fühlen. Natürliche Feinde fehlen meist bei solch eingewanderten Tierchen.


    Schade ist es allemal, das Fachwerkhaus scheint ja wirklich (bis auf den Befall der Termiten) gut in Schuss zu sein (oder ist das nur eine faule Ausrede für ein geplanten Abriss).

    Labor omnia vincit
    (Vergil)

  • Das Fachwerkhaus darf auf keinen Fall rekonstruiert werden. Die Wunde im Stadtbild muss als Mahnmal für die Termiten erhalten bleiben. :D

  • Ist das überhaupt echtes Fachwerk? Vor allem das eine Detailfoto sieht doch vielmehr nach der gegen Ende des 19. Jahrhunderts häufig praktizierten Sparversion eines Klinkerbaus mit aufgenagelten Brettern aus, der höchstens noch eine echte Holzbalkendecke besitzt, wozu auch die sehr dünnen Querschnitte passen. So richtig geht das nämlich auch aus keinem der Artikel hervor.


    Wenn ich nicht wüsste, was da wieder stattdessen für ein Flachdach-Kubus-Käse hinkommt, hätte ich ehrlich gesagt so meine Zweifel an der Schutzwürdigkeit dieses Gebäude. Eigentlich hat es nämlich noch nichtmal was mit Fachwerkhistorismus zu tun, da gibt's so manche Scheune auf dem Land aus dieser Zeit, in der noch mehr Zimmermannskunst steckt. *duck*

  • Lieber RMA, wie Du schon sagst, man sollte schon aus erwähnten Gründen nicht an der Schutzwürdigkeit zweifeln.


    Schon der Hinweis "Der zuständige Bezirksamtsleiter will sich für einen historisierenden Neubau stark machen", macht mich hellhörig. Es ist demnach also noch gar nicht sicher, daß das Gebäude in seiner äußeren Gestalt wieder errichtet wird. Ein Flachdach-Glas-Kubus ist durchaus noch im Bereich des möglichen.


    Von dieser Prognose aus gesehen ist es für mich zwar von kunsthistorischem Interesse, vom Ergebnis aber zweitrangig, ob es sich um einen echten Fachwerkbau oder einen verkleideten Klinkerbau handelt. Das Gebäude scheint in die Ecke sehr gut zu passen, hat durchaus durch die Klinker hamburgerisches Flair, und der hölzerne Eingang gefällt mir auch ganz gut. Grund genug zu hoffen, daß alles nach Termitenbeseitigung wieder so hergestellt wird, wie es sich in den letzten 130 Jahren darstellte.

  • Zur Lage des Fachwerkensembles; [url=http://maps.google.com/?ie=UTF8&ll=53.557729,9.975919&spn=0.002202,0.00545&t=h&z=18]hier ein Link zur Karte auf googlemaps[/url]. die Verkehrssituation ist aktuell geändert, die westlich gelegene Karolinenstraße ist zwischen "vor dem Holstentore" und "Feldstraße" in einen Platz zwischen dem Karoviertel und der Gnadenkirche zurückgebaut worden, Der Verkehr aus der Karolinenstraße wird über das Holstenglacis geführt. Der Inselstatus besteht daher nicht. Südlich angrenzend die Gnadenkirche, weiter südöstich das hanseatische Oberlandesgericht, nördlich die Schule, für die die Bauten als provisorische Erweiterung geplant waren, weiter nördlich das Messegelände, südlich dann das Heiligengeistfeld.



    Gnadenkirche, links ist das Fachwerk-Ensemble zu sehen.

  • Senatsbaudirektor Walter und der Eigentümer sind sich einig, dass das 70er-Jahre-Hochhaus am Alsterufer Nr. 1 abgerissen werden soll und ein der Umgebung angepassterer Neubau entstehen soll.
    Wer ist wohl dagegen? DER DENKMALSCHUTZ cclap:):boese:


    Das Hochhaus ist nachfolgend auf dem zweiten Bild links zu sehen.
    Alsterufer - Hamburg Fotos Alster + amerikanisches Gerneralkonsulat | Harvestehude



    Quelle: http://www.mopo.de/2009/200903…ochhaus_am_alsterufer.htm

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • :boese: Ah, Wut! :boese:

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!


  • "... auch einen Sinn habe." :lachen:


    Wie gut, dass der Hamburger Oberbaudirektor die Gelegenheit wahrnimmt, uns (all die mit dem ungeschulten Auge--siehe Dresdener Gestaltungskommission) mal wieder auf diese keineswegs erwiesene Tatsache hinweist.

  • Die Energieeffizienz ist sicherlich auch ganz klasse und es wird natürlich auch ausreichend klimatisiert werden...


    ...wahrscheinlich dürfen wir auch deshalb bald auf unsere altbewährten Glühbirnen verzichten dürfen.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Quote

    Hamburg verbaut seine Wahrzeichen
    Hamburgs Stadtbild steht vor einer gravierenden Veränderung. Der geplante Bau auf dem Gelände der Katharinenschule an der Willy-Brandt-Straße wird die Hauptkirche St. Katharinen fast vollständig verschwinden lassen.


    http://www.katharinen-hamburg.…katharinen-in-gefahr.html



    Weitere Ansichten:
    http://www.bildarchiv-hamburg.de/hamburg/kirchen/katharinen/

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Quote

    Wie gut, dass der Hamburger Oberbaudirektor die Gelegenheit wahrnimmt, uns (all die mit dem ungeschulten Auge--siehe Dresdener Gestaltungskommission) mal wieder auf diese keineswegs erwiesene Tatsache hinweist.


    Ich hoffe, daß ihr alle auch wißt, daß der liebe Herr Walter vor 10 Jahren Stadtplanungsamtsleiter in Dresden war und an "unserer" Verunstaltungskommission seinen nicht unbedeutenden Anteil hat....


    "Hony soit qui mal y pense" - wie der Engländer zu sagen pflegt...


    Ist doch toll, wie wunderbar diese ganze Architekturszene miteinander vernetzt ist...

  • Quote from "Palantir"

    Hamburg verbaut seine Wahrzeichen
    Hamburgs Stadtbild steht vor einer gravierenden Veränderung. Der geplante Bau auf dem Gelände der Katharinenschule an der Willy-Brandt-Straße wird die Hauptkirche St. Katharinen fast vollständig verschwinden lassen.


    NEINNN!!! Das ist doch nicht moeglich! Ich sehe Hamburgs Hauptkirche St. Katharinen als "meine" Kirche an. Sie hat das elende Schicksal, gleich neben der autodurchbrausten Ost-West Strasse zu liegen, nahe dem jetzigen Spiegel-Klotz und anderem Horror. Zur anderen Seite hin ist allerdings die fein renovierte Speicherstadt, gefolgt von der noch wachsenden und mich atmosphaerisch weit weniger ansprechenden Hafen City. Die nahegelegene Ruine der Nikolaikirche, direkt am Verkehrsgetoese gelegen, ist kein Trost.


    Das Stadtbild Hamburgs, ueber Jahrhunderte durch die Tuerme seiner 5 Hauptkirchen (St. Michaelis, St. Petri, St. Jakobi, St. Katharinen und St. Nikolai [die Gemeinde von St. Nikolai ist die einzige, die ihre Kirche nicht wieder aufbaute sondern in ein neues Gebaeude in Harvestehude umzog]) sowie den Turm des Rathauses gepraegt, sollte eine grundlegende und sehr schmerzhafte Anderung erfahren? Was auch immer dort gebaut werden soll, es gehoert nicht dorthin! An einer anderen Stelle wuerde weder der Kirche noch dem Stadtbild Hamburgs Schaden zugefuegt.


    Danke fuer den Hinweis und die Links, Palantir! :D


    Quote from "Oktavian"


    Ich hoffe, daß ihr alle auch wißt, daß der liebe Herr Walter vor 10 Jahren Stadtplanungsamtsleiter in Dresden war und an "unserer" Verunstaltungskommission seinen nicht unbedeutenden Anteil hat....


    "Hony soit qui mal y pense" - wie der Engländer zu sagen pflegt...


    Ist doch toll, wie wunderbar diese ganze Architekturszene miteinander vernetzt ist...


    Nein, ich hatte keine Ahnung! :schockiert:


    Sowas nenne ich "recycling." Also ist dieser Mensch, nachdem er in Dresden sein Unheil angerichtet hatte nach Hamburg abgewandert um dort sein uebles Spiel fortzufuehren? :augenrollen: Er "waltet" dort nun schon an die 10 Jahre. Welche Stadt wird als naechste von ihm befallen, oder ist es Zeit fuer den Ruhestand? Diesem Video zufolge noch nicht; vielleicht hat er als naechste Steigerung seiner Taetigkeit Berlin im Auge?

  • In Hamburg soll wieder historisierendes Bauen erlaubt werden
    Eine gute Nachricht aus Hamburg: Der Bezirksamtsleiter des Bezirks Hamburg-Mitte hat einen "Masterplan" vorgestellt, in dem der mit vielen Architekten und dem Oberbaudirektor Jörn Walter (ein erklärter Fan der Greisen-Moderne") auf Distanz geht. Neu- und Umbauten könnten auch historisierend sein. "Ich bin davon überzeugt, dass die Bürger sich dabei wohler fühlen, als bei der neuen Glas-und Stahl-Architektur. Wir bauen für die Bürger und für derenBürger müssen wir offener sein."
    Ein großer Sieg, der zeigt, dass der stetige Einsatz (ich hatte ihn auch mehrfach angeschrieben) sich langfristig lohnt.
    Viele Grüße aus Hamburg :lachen:

  • Willkommen im Forum, liebe Hamburgerin. Danke für die Berichte aus dem Norden.


    Das hört sich ja gut an, vor allem, da Walter einem gewissen modernistischen Dogmatismus frönt.
    Hast Du einen Link zu der Thematik? Wie heißt der werte Herr aus dem Bezirk Mitte?