Hamburg - Baugeschehen

  • Gab es da überhaupt eine Gestaltungskommission? Die Titanic-Hotelkette scheint generell scheint generell öfter auf klassische und ortstypische Entwürfe zu setzen, siehe hier. Als Hotel macht es auch Sinn, seinen Gästen auch architektonisch die Besonderheiten einer Stadt zu bieten.

  • Gab es da überhaupt eine Gestaltungskommission? Die Titanic-Hotelkette scheint generell scheint generell öfter auf klassische und ortstypische Entwürfe zu setzen, siehe hier. Als Hotel macht es auch Sinn, seinen Gästen auch architektonisch die Besonderheiten einer Stadt zu bieten.

    Das weiß ich nicht. Ich hatte es ja auch "kleine Geschichte" genannt, weil es in einen Trend in Hamburg reinpasst, ohne jetzt eine große Nummer zu sein. Ich weiß nicht einmal, ob es einen Wettbewerb gegeben hat (wobei ich schon davon ausgehe angesichts der städtebaulichen Lage), und in den Jurys sitzen dann ja häufig auch die Stadtbaudirektoren und andere Granden der lokalen Szene. Und ohne diese Leute geht es halt nicht. Ist das in Berlin denn ein Neubau oder eine gelungene Renovierung?

  • Schon wieder icke, schon wieder Hamburg. Diesmal geht es um ein nur tlw. denkmalgeschütztes Ensemble von Kontorhäusern am Rödingsmarkt, das seit Jahren unterbenutzt vor sich hin gammelt und bereits mehrfach als Abrisskandidat gehandelt wurde:


    Die Flügger-Höfe in Hamburg


    Das Gebäude wurde 2018 von der Signa AG gekauft und seitdem bauhistorisch untersucht. Das oben ist ein Video mit einer der Architektinnen, die das Projekt mitplanen und sehr zu empfehlen. U.a. beherbergt das Ensemble den ältesten Paternoster der Welt, der aber zur Zeit nicht betriebsfähig ist und ggf. wiederhergestellt werden soll. Insgesamt ein weiteres sehr interessantes Projekt in der Hamburger Innenstadt.

  • Die Hamburger Staatsoper ist in ihrer heutigen Form weitgehend ein Bau der frühen Nachkriegsmoderne des Architekten Gerhard Weber von 1955. Lediglich Teile des Bühnenhauses stammen noch aus dem frühen 19. Jahrhundert.


    Die Oper als Institution gibt es sogar bereits seit 1678 - wenn man Wikipedia Glauben schenken darf, ist sie damit die älteste Oper Deutschlands. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Kaufmannsstadt Hamburg diesbezüglich schneller gewesen sein soll als sämtliche Residenzstädte in der Mitte und im Süden Deutschlands - vielleicht kann hier jemand anders sich noch dazu äußern.


    Ich bin nun kein besonderer Fan von 50er Jahre Bauten. Allerdings komme ich nicht umhin, anzuerkennen, dass dieses Gebäude eine ordentliche architektonische Qualität und durchaus Charme hat. Die Oper ist bisher für Menschen mit körperlichen Einschränkungen kaum zugänglich, und erhält deshalb nun einen gut sichtbaren Außenfahrstuhl.


    Ohne den plumpen Sockel würde die Ergänzung IMHO nicht stören.


    Bild: Hamburger Abendblatt

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  • Die Hamburger Staatsoper ist als fünfziger Jahre Bau noch etwas filigraner und angepasster am baulichen Umfeld wie die monströsen Opernhäuser aus den 60iger Jahren. Im Stadtbild fällt das Hamburger Opernhaus nicht weiter auf. Die Bilder wo es gut aussieht sind allerdings meistens Aufnahmen im beleuchteten Abendlicht - angestrahlt sieht es eben immer besser aus.

    Erstaunlich ist mit einer Kantenlänge von 60x40m der geringer Flächenverbrauch in Hamburg. Zwar ist der Fundus ausgelagert, aber man sieht doch das man nicht ein wuchtige modernen Klotz wie in Frankfurt am Main braucht, der sich auf 100x100m erstreckt. Das historische Schauspielhauses in Frankfurt am Main war dagegen natürlich kleiner wie der 60iger Jahre Klotz. Das wird ja auch gerne als Argument genommen, dass eine Reko in Frankfurt nicht möglich sei.

  • HelgeK,mag sein das es eine ordentliche Qualität und Charme(vielleicht im Innern?) hat.

    Aber als ein Opernhaus ist dieses Gebäude auf den ersten Blick nicht zu erkennen.Wenn man die großen Fenster noch mit Textilien ausstaffieren würde könnte man es äusserlich für ein 50er Jahre Kaufhaus halten.Ich muss sagen,der Fahrstuhlanbau passt sich ja hier mal an die Aussenfassade ,sehr gut an.Was sonst eher äußerst selten der Fall ist.

  • Hamburg macht tatsächlich vieles richtig.


    So auch am Ballindamm 27. Rechts neben dem Bankhaus Donner & Reuschel.


    Vorher: https://www.hansainvest-immobilien.de/de/bauprojekte

    Jetzt: https://caspar.archi/de/projekte/alle-projekte/ballindamm/


    Ballindamm 3:


    Vorher: Siehe Google Street View

    Jetzt: https://de.m.wikipedia.org/wik…Altstadt_Ballindamm_3.jpg


    Große Bleichen 19 (schon etwas länger her):


    Vorher: Thalia-Haus https://www.yelp.com/biz/thali…id=RWav3I6r8T1t1eKqzHOdbg

    Jetzt: https://tchobanvoss.de/projekt.php?r=466


    Bei den letzten beiden Bildern erkennt man auch, wie die äußere Gestalt der Alten Post verbessert wurde.

  • Sehe ich nicht so. Hamburg macht vieles falsch. Die unnötigen Abrisse historischer Villen etc. sprechen Bände. Und auch die neuen Bauprojekte überzeugen mich zumeist nicht. So wird z. B. gegenüber der Davidwache folgendes Hotel gebaut:

    https://www.shz.de/regionales/…e-geplant-id30303877.html

    so hätte es auch aussehen können (den riesen-Engel auf dem Dach mal weggedacht): https://www.abendblatt.de/hamb…fuer-die-Heisse-Ecke.html

  • Stimmt eigentlich - vielleicht wäre es sogar ganz cool mit dem Riesenengel

    MODERNExit

  • Sicher macht Hamburg auch einige Dinge falsch. Das betrifft mMn aber kaum die Innenstadt, wo viele Bausünden in den letzten Jahren abgerissen wurden. Das Allianz Hochhaus am Großen Burstah ist nur ein Beispiel. Dazu wertet die Stadt wichtige Plätze und Straßen nach und nach auf. Am Jungfernstieg dürfen mittlerweile kaum noch Autos fahren. Die Stadthöfe wurden wunderbar saniert. Ebenso die Post am Stephansplatz. Dazu stellt man jetzt - endlich! - eine direkte Verbindung zwischen Dammtor und Planten un Blomen her. Der schreckliche Tunnel an der Marseiller Str. wurde beseitigt. https://www.hamburg.de/pressea…eiller-strasse-wird-park/


    Hamburg hat auch das Glück, mit seinem Pfund wuchern zu können. München ist mMn die einzige deutsche Großstadt, die ähnlich schön ist wie Hamburg. Wo sonst gibt es so viele wunderbar erhaltene Stadtteile und Straßenzüge direkt im Zentrum? Eimsbüttel, Eppendorf, Harvestehude, St.Pauli, Rotherbaum, Hoheluft, Winterhude, St.Georg. Dazu noch Ottensen und Teile von Altona. Selbst in Barmbek kann man schön leben.


    Die HafenCity ist verhunzt, keine Frage. Und einige große Straßenzüge sind es auch, wie zB die Kieler Straße, Grindelallee, Ost-West-Straße und Reeperbahn. Deswegen ist es mir auch relativ egal, was für ein Hotelneubau dort entstehen wird.


    Ich reise beruflich viel und bin immer wieder erstaunt, wie "zurückgeblieben" viele andere deutsche Städte wirken. In Frankfurt habe ich oft den Eindruck, die Stadt ist komplett in den 50er-Jahren stecken geblieben. Selbst die an den Häuserfassaden angebrachten Werbeschilder kommen oft noch aus dem letzten Jahrhundert. So etwas gibt es in Hamburg nicht.

  • In Frankfurt habe ich oft den Eindruck, die Stadt ist komplett in den 50er-Jahren stecken geblieben.

    Na ja, vielleicht kommt es ein wenig darauf an, in welchen Ecken Du dich dort so aufhältst.

  • Hamburg könnte das Stadtbild noch deutlich aufwerten, indem man verstümmelte Altbauten wieder vervollständigen würde (so wie in allen anderen deutschen Städten).


    Damit kann man noch viel an Schönheit rausholen. Das gilt auch ganz besonders für Frankfurt am Main. Da stehen recht viele alte Bauten, die man mit Flachdach erschlagen hat.


    Es mag jetzt absurd erscheinen, aber ich mache mir echt Sorgen um die Zukunft der Hansestadt Hamburg. Das betrifft den Klimawandel. Wenn die Meeresspiegel steigen, wird Hamburg sicher in Teilen überschwämmt. Ich hoffe nur, daß die Stadt diese Gefahr im Blick hat und ihren Reichtum nutzt, um Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

  • Keine Sorge, im Bauen von Deichen war die Elbregion immer schon gut:wink:

    Lübeck, mein Lübeck, an der Waterkant
    Königin der Hanse, Perle am Ostseestrand.

  • Es mag jetzt absurd erscheinen, aber ich mache mir echt Sorgen um die Zukunft der Hansestadt Hamburg. Das betrifft den Klimawandel. Wenn die Meeresspiegel steigen, wird Hamburg sicher in Teilen überschwämmt. Ich hoffe nur, daß die Stadt diese Gefahr im Blick hat und ihren Reichtum nutzt, um Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

    Hamburg sorgt ja ganz gut vor, ein deutlicher Anstieg des Meeresspiegels in den kommenden 100 Jahren ist in die Schutzmaßnahmen eingepreist. Die Deiche werden Stück für Stück erhöht - ein gut sichtbares Beispiel ist die Uferpromenade an den Landungsbrücken, die im Zuge einer Erneuerung in den letzten Jahren fast um 2m(!) erhöht wurde - was natürlich nur Sinn macht, wenn nach und nach der gesamte Stadtdeich nachgezogen wird. Aber es gibt natürlich Grenzen des Machbaren.


    Wir selbst wohnen nur in Finkenwerder weniger als einen Meter über dem Meeresspiegel. Ohne Deich hätten wir 2x am Tag die Elbe im Erdgeschoss. Bei Sturmfluten wäre auch das Obergeschoss zur Hälfte unter Wasser. Es ist faszinierend, bei Sturmflut auf den Deich zu gehen und direkt sehen zu können, wie weit ohne den Schutz alles geflutet wäre.

  • Um Hamburg muss man keine Angst haben, denn die Meere sind in den letzten Jahrzehnten nicht gestiegen bzw. der frühere Anstieg hat sich verlangsamt oder wurde gestoppt (nur in Computermodellen gibt es den Hockeystick). Ein "Anstieg" in den Anfangsjahren kann natürlich auch durch ein anfängliches Einsinken der Messstation verursacht werden. Ein paar Messreihen aus den Mareografen in Städten der Ostsee (Hamburg selber hat keine Station).


    Kiel: https://psmsl.org/data/obtaining/stations/789.php


    Stockholm: https://psmsl.org/data/obtaining/stations/78.php

    Ihr wisst, wer in Stockholm wohnt?

    Sassnitz: https://psmsl.org/data/obtaining/stations/397.php

    Palermo: https://psmsl.org/data/obtaining/stations/2093.php

    Helsinki: https://psmsl.org/data/obtaining/stations/14.php

    Trieste: https://psmsl.org/data/obtaining/stations/154.php


    An der Stelle kann man wahrscheinlich auch die Plattentektonik beobachten, also das Heben und Senken von Erdplatten, was man als Veränderung des Meeresspiegels wahrnimmt.

  • Man muss sich v.a. deshalb um Hamburg vergleichsweise wenig Sorgen machen, weil große Teile der Stadt auf einem Geestrücken nördlich der Elbe auf zwischen 8 und 30 m über NN liegen. Also, das Hamburg, das die meisten meinen, ist noch für eine ganze Weile sicher. Anders sieht es natürlich in den Elbmarschen, im Hafengebiet und auf den Elbinseln aus, also Finkenwerder, Hafen, Wilhelmsburg etc. Diese Gegenden liegen wie Helge schon schrieb wirklich nur wenige Meter über NN und werden nur durch Deiche davor geschützt, dass jede 3. Flut den Leuten ins EG schwappen kann.

  • unify :


    Der Anstieg ist global leider Fakt.


    Lokal gibt es gegenläufige Tendenzen, insbesondere auch im Ostseeraum - dort dadurch bedingt, dass das Land sich bis heute immer noch hebt, da das kilometerdicke Eis der letzten Eiszeit abgeschmolzen ist (- "postglaziale Landhebung").

    Dieser Effekt kann uns aber in Hamburg nicht helfen, denn wir liegen hier außerhalb des betroffenen Gebietes.

  • Man muss sich v.a. deshalb um Hamburg vergleichsweise wenig Sorgen machen, weil große Teile der Stadt auf einem Geestrücken nördlich der Elbe auf zwischen 8 und 30 m über NN liegen.

    Anbei ein Höhenkarte *klick* , mit der man ganz gut rumspielen kann. In den Details ist sie nicht zu gebrauchen (zu ungenau), aber für ein grobes Bild reicht es. Wenn man rauszoomnt, kann man sich auch ganz Europa ansehen.


    Bei einem Kollaps des grönländischen Inlandeises würden wir bei 6m Anstieg Minimum landen (- Minimum, weil der Kollaps ja mutmaßlich nicht isoliert stattfinden würde, sondern von ähnlichen Entwicklungen in Teilen der Antarktis begleitet werden würde).


    Hamburg würde dann nicht nur gefühlt, sondern auch tatsächlich an der Nordsee liegen - an einer 10km breiten, trichterförmigen Bucht.