• Erweiterung des Leopold-Hoesch-Museums (Kulka)



    mein Brief zur Freude aller :gg:




    Sehr geehrter Herr Buergermeister,


    sehr geehrte Damen und Herren,



    ich habe soeben Plaene zur Erweiterung des Leopold Hoesch Museums in Dueren auf der Webseite eines deutschen Architekturbueros bestaunen koennen, und wuerde jetzt gerne den zustaendigen Duerener Aemtern und natuerlich zuerst dem Hernn Buergermeister Larue mit diesem Brief eine kleine Anregung dazu zukommen lassen. Zu meinem Erstaunen musste ich naemlich feststellen, dass unsere Stadt endlich wieder einmal so liebevoll durch Baukunst aufgewertet werden soll.


    Auch moechte ich Ihnen nicht vorenthalten, dass ich heute 31 Jahre alt bin, in Dueren aufgewachsen, mich aber seit dem laengere Zeit in USA und Osteuropa aufgehalten habe und aufhalte, wo ich leider feststellen musste, dass dort anscheinend mehr Wert auf lokale Identitaet, Aesthetik und urbane Aufenthaltsqualitaet gelegt wird, im Vergleich zum gegenwaertigen Deutschland.


    Vielleicht lassen sie mich einfach kurz einmal meinen Endruck bezueglich dieser Bauplanung und der allgemeinen Situation in Dueren ausfuehren, formlos direkt beginnen:


    Zum Bsp zu meinen Erfahrungen in Russland oder Polen, die mich dort anscheinend weitestgehend gesunden, architektonischen Menschenverstand erleben liessen, welcher wohl einfach nur(!!) Aufenthaltsqualitaet schaffen will, Stadtraum pflegt und weiterentwickelt, seine lokale Identitaet tradiert, visuell homogen ergaenzt wo moeglich, und nicht praepotent kontrastiert. Schauen wir mal nach Moskau:


    Moskau ergaenzt in den letzten 10 Jahren sein Stadtbild traditionell und in homogen ergaenzender Weise, genau so wie viele polnisch, europaeische Staedte, wie Danzig, Breslau oder Warschau.


    Frankreich pflegt ebenfalls seine Staedtbilder in Tradition und Eigenart, Italien ist einfach ein Traum.


    Deutschland aber war einmal ein Traum, ein vergangener.



    Hier wurde naemlich in unfassbarer Weise eine der schoensten und vielfaeltigsten urbanen Kulturlandschaften Europas in 2 Kriegsjahren mal eben komplett ausgeloescht, gesprengt, verbrannt, umgepfluegt, die Reste im Wiederaufbau niedergerissen und wegplaniert. Und wie ich den angesprochenen Planungen entnehme, 60 Jahre nach dieser schmerzhaften Katastrophe, stolpert jetzt noch immer eine Gruppe Bautaetiger, zum teil sogenannte Stars der Szene, wie im StarTV, intelektuell eindimensional mit kontextfreien Projekten ueber diese neuentstandenen, leider oft unschoenen Ansammlungen vereinfachter Wohnobjekte, welche den ehemals gelungenen und nachhaltig lebenswerten kunstvollen Staedtraeum, Lebensraeum leider ersetzt haben.


    Einer dieser Haus-Haufen traegt jetzt wieder den Namen des ehemaligen, wunderschoenen, symphatischen Duerens.


    Vormals eine rheinische Kleinstadt und Marktflecken mit ueber 700 jaehrigem Baubestand. Industriellem Maezenat mit Feinsinn. Ein visueller Roman, ein optisches Buch mit 1000 Jahren Seitenzahl, ein Gericht der rheinischen Kueche von Aleen und Stadtschmuck, vom Sinn fuer das Schoene geziert. Jeder Stadtspaziergang brachte dem Betrachter neue An- und Einsichten, Details, die Fahrt nach 'Rom' fand sozusagen taeglich vor der Haustuere statt...


    Heute ist es ein gerade mal 60 Jahre alter, optisch wenig reizvoller Behausungsort, welcher nun im Bereich des Hoeschplatzes, an eines der wenigen ueberbliebenen, visuell aussagekraeftigen obwohl verstuemmelten Gebaeude, eine weitere Schachtel angeklebt bekommen soll. Vor 25 Jahren waere diese Schachtel aus weissem Sichtbeton mit Umkleideraum gestaltet gewesen, jetzt baut man die gleiche Kiste in Glas, und mit Stolz wird vom initiiertem Fachpersonal den Lokalpolitikern die im Land soeben gerade noch als modern empfundene Glaswand anbedingt, vermutlich mal wieder als elegant transparent gepriesen, oder?


    Ich werde mal eine phantasiereichere Vision darlegen und meine Aussagen weiter vereinfachen:


    Stellen Sie sich vor, man wurde im Gegensatz andenken, den Hoesch Platz wieder herzustellen, ein Stueck Duerener Geschichte wieder sichtbar, geniessbar zu machen. Irgend wann einmal sogar das ehemalige Theater ggueber wieder aufbauen, die Kirche rekonstruieren, jemand haengt dazu sogar noch ein Dueren Faehnchen raus, begruent konsequent. Man nimmt die alten Plaene her, baut visuelle Identitaet rueck und kommt derat einfach und sicher, auch ohne Kopfzerbrechen, zu einem erprobten, belebten Platzergebnis, welches der Bevoelkerung einen angenehmen Lebensraum schafft, mit allen positiven Nebeneffekten.


    Das klingt tatsaechlich so unmodern, langweilig und einfallslos? Das geht nicht in der heutigen Gesellschaft?


    Ja, wenn allgemeiner Bildungsstand der Administration Stadthaeuser erst einmal hinter den Bahndamm setzt, unsaeglich ungemuetlich, kontextfrei, aber kostenintensiv von der Zielgruppe nicht angenommen, noch ergaenzt durch ein schickes Parkhaus und eine Kinokiste, ja, dann ist es sicher intelektuell und finanziell fuer solche Projekte in diesem Land eng geworden. In Danzig hat man es zwar geschafft, in Dueren aber eben nicht.


    Und ist denn selbst bei uns dieser dem Museums Anbau Projekt zu grundeliegende, ehemals revolutionaer-modernistische Architekturstil, heute nach 80 Jahren deprimierenster Bauergebnisse, ueberhaupt noch 'modern'?


    Oder vielleicht etwa 'neu', etwa irgendwo im Lande beliebt, ausserhalb der THs? Welche Motive zeigen die aktuellen Postkarten aus Dueren, mal wieder nur die als halbwegs schoen empfundenen Ueberbleibsel der Vorkriegsarchitektur, und mangels anderen Objekten vielleicht noch einen Rahthaus-Springbrunnen und ein paar Blumen? Woran liegt das wohl? Von welcher Seite wird die Photografin das Museum ablichten, von der zukuenftigen Glasanbauseite? NIEMALS! Machen wir uns doch nichts vor.


    Einfach eine visuelle Identitaet wiedererstehen lassen, aussen Kopie, und wenns Geld halt fehlt, eben innen Niedrigenergiehaus, das waere progressiv, modern, ein Blick in die Zukunft, abloesen von Komplexen.


    Warum denn nicht endlich den Wiederaufbau wagen, worauf kommt es uns an? Auf zufriedene Bewohner oder EINEN zufriedenen Architekten?


    Oder vielleicht doch auf die original reproduzierte, visuelle Information, detailliert kopiert, echtes Dueren eben.


    Als Alternative kommt sowieso wieder nur der tolle Glaskasten als Investitionsruine, den die Leute fliehen werden wie ueberall, wuerden sie darin ein Geschaeft eroeffnen? Ausser einen Blumenladen oder ein Gewaechshaus vielleicht?


    Unsere Kreditkarten, unsere gesamte Vorstellungswelt, die Stadtverschuldung, unser Archicad mit den Glasentwuerfen ist doch genauso virtuell oder sehr konkret wie die in BRD Architekturkreisen eben deswegen angefeindete rekonstruierte Fassade, so virtuell, wie der ueberkommene 68er Denkmalschutzgedanke in seiner Stein und Boden Philosophie fraglich ist. Fassadenrekonstruktion lokaler Kulturtradition aber ist fuer ein modernes Deutschland unumgaenglich, moechten wir morgen nicht allerorts modernistische Kulissen in Monokultur zu stehen haben und Geschichts- und Gesichtslos weiterleben.


    Eine tradierte visuelle Information ist ja im Idealfall frei der Substanz und der Zeit immer original. Egal, womit oder wie diese entsprechend erzeugt wurde. Das ist das 3 Jahrtausend. Kontextfreies Glas-Kistenbauen aber entstammt noch dem letzten Jahrhundert architektonischen 'Tatements', einer lahmenden Auslaufideologie unserer Grossvaeter.


    Aber schauen wir doch noch einmal in die Boom Towns des Ostens. Oder auf die Flatscreens der 23 jaehrigen Designer im Netz. Ganze Planeten, Universen existieren virtuell, in allen Formensprachen, und EBEN AUCH historisch und traditionell evolutif. Selbst das alte Frankfurt am Main existiert uebrigens bereits virtuell, und das sichtlich angenehmer als direkt vor Ort zu besehen, viel Vergnuegen:


    http://www.architekturforum.ne…=0&postorder=asc&start=24">viewtopic.php?t=1530&postdays=0&postorder=asc&start=24


    Aber so ein olles Bauhauskisten Derivat als Glaskarton ans Museum zu stellen, dass hat sogar mein Opa schon annaehernd bei Scharoun erlebt. Oder noch einfacher: wenn man abends in den Sternenhimmel, in das Universum schaut und dort nirgends entziffern kann: 'Rekonstruktion nicht erlaubt, kein Dach neben dem Flachdach sollst Du haben', dann sollten einen starke Zweifel uberkommen. Kuenstler wollen sie alle sein, aber was bedeutet das ueberhaupt?


    Mann kann aber auch weiterhin ueber 7 Ecken theoretisieren, so wie jeder Dipl. Architekt Karl-Heinz Mueller sicher schon am deutschen Bauhaus Ausbildungsmonopol der TU Karlsruhe oder Berlin usw. in seiner jugendlichen Sozialisierungsphase auswendig gelernt hat:


    des Professors Definition von Haus = sehr modern,


    sehr modern bekanntermassen = sehr gut,


    somit seine den Lehrer imitierende Seminararbeit halt => ganz geniale Kunst!!


    Und wenn er doch lieber ein Schwarzwaldhaeuschen zeichnet, gibt's halt kein Diplom, die 3% Selbstdenker und anti Bauhaus-Mainstream Rebellen an der RWTH haette ich da gerne mal gesehen...


    Sind wir mal ehrlich:


    Haette Herr Schuermann einfach nur 5 Jahre in Salerno mit den Maedels und Jungs am Meer auf der Vespa gesessen und dann halt dort das Konstrukt 'Mensch' und seine Empfindungs-Grundprogrammierung verstanden, wurde der hier vorgestellte Entwurf vielleicht etwas froehlicher aussehen. Leider ist dem nicht so, und ergo glaubt man in der Architekturszene D mangels lokaler und zeitlicher Erfahrungsvarianz noch an die Baureligion der westdeutschen Kistenmania, der 30er bis Ulmer Stadhaus.


    Englaender und Hollaender machen's ja schliesslich aehnlich.


    (Lateiner und Slaven zwar wieder ganz anders, und dort ist 'anders' auch als zeitgemaess und somit ganz modern definiert...), zu der Modernitaetsdefinition des 'germanischen' Kulturkreises verbindet aber eben auch die Sprachkompetenz. Stuttgard lernt von Zurich und Berlin auf dem Auslandssemester in London und aus der hollaendischen Fachzeitschrift 'het nieuwe rotterdam'. In Folge steht in Dueren am Museum der selbe Kasten wie im Kanton Schwyz neben den Kuehen auf der Weide ueberm Zurichsee, dort reckt er sein fesches Alugelaender nebst weisser, langezogener Betonmauer aehnlich laecherlich in die Luft wie die Glaskiste in Dueren Ihren Allerwertesten ans Museum reiben wird.


    Entschuldigen Sie bitte die Kraftausdruecke, aber ich versuche hier nur einmal wiederzugeben, was dem Betrachter eines an lokale Verhaeltnisse derart unangepassten Urbanitaetsgestuempers durch den Kopf geht.


    Meine Frage:


    haben Sie sich, Alle, nur EINMAL FUENF MINUTEN mit der ueber tausendjahrigen Geschichte der Stadt Dueren auseinandergesetzt? Haben Sie einmal mehr als zwei Bilder der visuellen Identitaet der Stadt vor Ihrer barbarischen Vernichtung im WKII angesehen? Oder nur den alten Hoeschplatz und seine umgebende Bebauung vor der Zerstoerung? Tun Sie das doch bitte jetzt einmal, das waere eine neue Architekturrevolution!! Es ist nur 60 Jahre her, kein anderer Planet, sondern die ehemalige Stadt Dueren. Setzen Sie sich mit dem Ort auseinander, der lokalen Identitaet. Das ist brand modern, nicht nur mit deutscher mainstream Bauphilosophie kommunizieren. Es gibt mehr als ein Bau-Glaubensbekenntnis auf dieser Welt, das ist zu banal mit den formensprachlich reduzierten Kastenklischees ! Bitte vergroessern oder im Bildindex selber nachschauen.


    http://www.bildindex.de/bilder/MI10481c01c.jpg


    http://www.bildindex.de/bilder/MI10481c02c.jpg


    Das Ergebnis dieser gruendlichen und sensiblen Betrachtung ist jetzt noch immer eine hinten ans Museum gepappte Glaskiste? Und das empfindet tatsaechlich irgend jemand als Fortschritt zu jeglichem bisherigen Zustand?


    Fuer mein Empfinden ist die jetzige Planung belanglos! Selbst unter Kriegstruemmern war der Ort noch interessanter, aesthetischer. Und die Rheinlaender im Amt wollen wirklich ne Museums Glaskiste, sozusagen als 2ten Max, um dann vielleicht abends davor zu stehen und so schoen bei nem Glas Koelsch kloenen vor der kuehlen Glaswand?


    Ach was, da geht nacher doch sowieso keiner hin.


    Ich moechte hier und generell niemanden veraergern, obwohl wahrscheinlich, aber mit ein wenig neutraler Betrachtung und angewandtem Hausverstand ist doch die Grundaussage:


    mit ueber 50 Jahren Fachtaetigkeit und Lebenserfahrung im deutschen Kulturkreis als Ergebnis ein weiteres, beliebiges Glashaeuschenklischee fuer das arme, vollzerstoerte Dueren, einfach hinten ans ueberlebende, verstuemmelte Museum drangedeckelt?


    Das ist einfach nicht mehr zu unterbieten.


    Sorry Jungs!

  • Kann deine Verärgerung sehr gut verstehen. Aber ich befürchte, dass dein Brief viel zu lang und emotional geraten ist, als dass er von den angeschriebenen Personen überhaupt vollständig durchgelesen oder gar beantwortet wird. Falls du doch Antwort erhalten solltest, gib uns bitte Bescheid.


    Wie sehen die Pläne eigentlich aus? Hast du vielleicht Bilder der Neubaupläne?

  • tja, hab mich dazu hinreissen lassen, sicher zu lang und daher ungeschickt, halt in einem runtergetippt und dabei schweine sauer gewesen, nicht mal zeit genommen, noch die rechtschreibung zu ueberfliegen
    so passierts halt, wenn man mal richtig schlechte laune hat...


    aber auf jeden fall schadets sicher nicht, wenn beim buergermeister beschwerdebriefe eingehen ob eines offenen projektes...


    http://www.peterkulka.de/\r
    http://www.peterkulka.de/


    also man muss sich auf der grausigen chaos webseite von den kulka klischee modernisten von einem haesslichen projekt zum naechsten durchwursteln, aber wenn man mal irgendwo 'dueren' erblickt hat, packt einen auch rasch die blanke wut, ob soviel gewollt unaesthetischem bunkerbau.
    das sind wirklich die typisch deutschen frust kisten der spaeten 80er anfang 90er auf neu getrimmt, mit diesem schuss bekannter 'ich bin ein toller kuenstler und wenn ihr was gemuetliches wollt, dann kauft euch doch ne katze' ausstrahlung, bei gleichzeitig sichtbar verkrampften versuch, alles ganz toll intellektuell aussehen zu lassen trotz minimalem bewusstseins niveau, in jedes banale kisten projekt noch ne tolle neue idee reinzuquetschen, gerade wegen ewig gleicher ideenlosigkeit, ein einziges, praepotentes kastorama all dessen, was ich absolut zum :übelkeit: finde.


    (dh, kuben ueber kuben, aber hier ein bullauge appliziert, dort mit einem einzeln raustehendem fenster usw usw)


    praedikat: besonders widerwaertig anzuschauen, gewollt unsensible visuelle umweltverschmutzung.

  • @Marc.
    Kann deine Frustration sehr gut begreifen. Selber bin ich zum Tiefsten enttäuscht über die moderne Deutsche Architektur, die zusammmen mit Investoren und Behörden Altes abreizt zur Günste flache Kisten (Glas, Beton) und immer wieder nur (einfache) Kuben sind (oder Varianten davon). Sie behaupten dann immer "es sei ein Entwurf der die höchste Standards entspricht!". Das is ja reiner Propaganda für "höchst" Unfähigkeit etwas modernes aber doch Schönes zu scahffen.
    Schau mal nach alle neue Entwürfe in Berlin (Friederichswerder sogenannte "Townhouses"), Ulm (stadtmitte); Sturrgart aber sogar Dresden: die neue Entwürfe für die ehemalige prächtige Postplatz. Was die letzte 50 Jahren gebaut wurde ist völlig Mist. Die letzte 10 Jahren wird aber doch versucht besseres zu netwerfen und wird auch wieder mehr Backstein verwendet.
    Finde das Patschke das richtige Vorbild ist. Am Hausvogtieplatz gibt es endlich wieder schöne moderne Innenstadt Architektur.
    Es schimert also ein bisschen Hoffnung am Horizont.
    Wie man in Deutschland aber mit der verschwundene historische Erbe umgeht ist sehr verkrampft: eigentlich ist für die meiste Baukunde Liebhaber schon schnell klar das vieles wieder original aufgebaut werden muss (vielleicht sogar unter bewusste Verzichtung vieler künstlerischen Details) und das soger mit "moderne" Entwurfe auch wieder Schönes geschaffen werden kann. Das kann aber nur wenn die Architekten afhören nur in "Flachen" zu Denken".
    Finde es Schade das fast überall, auch in das am schwersten zerstörten Düren, keinen Wert auf die untergegangen Prachtbauten gelegt wird.

  • Tja, ich erlebe hier in der Nähe von Esslingen im "Scharnhauser Park" ja jeden Tag, was dabei herauskommt, wenn ein völlig neuer Stadtteil ausschließlich mit den Methoden der "zeitgemäßen" Architektur gestaltet wird:


    Ein luftschutzbunkerartiges Rathaus, natürlich schief und in verschiedenen Grau- und Brauntönen gehalten, auch innen unverkleideter Beton (aber selbstverständlich "preisgekrönte" Architektur, wird vom Bürgermeister ausdrücklich als "zeitgemäß" gelobt), kistenförmige Wohnhäuser aus Beton (ebenfalls preisgekrönt, war sogar Aufmacher in der Zeitung, sieht aber 0815 aus), überhaupt alles kistenförmig und aus Betonplatten. Der einzige Unterschied zu 1970 besteht darin, daß heute des öfteren alle erdenklichen Imitate den Betonplatten vorgeklebt werden - Klinkerimitat, Holzimitat usw. Peinlich nur, wenn so ein Imitat abfällt und man sieht, daß der "Klinker" nur so 1 cm dick ist und der "Holzfußboden" im Restaurant nur etwa 1 mm... das wird aber alles so hingenommen, obwohl es eigentlich keinem so richtig gefällt.


    Ich glaube, der zentrale Begriff aus Deinem obigen Brief ist "Aufenthaltsqualität". Die habe ich in der Esslinger Altstadt, aber ganz sicher nicht im Scharnhauser Park. Und ganz sicher vermitteln auch all diese "preisgekrönten" Neubauten im Stile eines Kulka oder - noch schlimmer - Braunfels keine Aufenthaltsqualität, sondern erinnern eher an Industriebauten.


    Früher war man in der Lage, auch auf der grünen Wiese städtebaulich ansprechende Lösungen zu gestalten - Orte, die man gern aufsucht, obwohl man eigentlich gar nichts dort zu erledigen hat. Einfach, weil sie Aufenthaltsqualität bieten. Wer die Ödnis der Plattenbauten in der Johannstadt hinter sich gebracht hat, wird beispielsweise in der Gegend um Fetscherplatz und Stresemannplatz ein solches städtebauliches Juwel finden. Plötzlich ändert sich die Stimmung, und man schlendert Straßen entlang, einfach weil es so viel schönes zu sehen gibt. Nicht wie in "unseren" Neubauvierteln, wo man eher möglichst schnell zum Auto oder Bus hetzt und keinen Blick mehr an die Umgebung verschwendet.


    Echte Straßen, echte Plätze - ansprechende Fassaden, ein attraktiver Wechsel aus verdichteter Bebauung und Grünoasen. Und nicht nur immer denselben öden Glaskasten und dieselben nackten Betonfassaden ohne Zusammenhang auf die grüne Wiese stellen. Das wäre die echte zeitgemäße Architektur...

  • Ich kann nur sagen, dein Beitrag spricht mir echt aus der Seele, er ist leicht abgewandelt wohl fast auf die gesamte deutsche Städtelandschaft anwendbar. Insbesondere wenn ich diese hohlen Phrasen lese, mit denen die "Stars der Szene" dann auch noch versuchen, ihre während eines Butterbrots gezeichneten Kastenentwürfe als revolutionär bis brauchbar zu verkaufen, könnte ich jedesmal einfach nur kotzen.


    Ich persönlich glaube ja, dass es einfach noch zwei, maximal drei Jahrzehnte braucht, bis Politiker der zu diesem Thema versteinerten aktuellen Generation abgetreten und von Nachfolgern ersetzt sind, die nicht in Krieg und Nachkriegszeit, sondern in der davon verbrochenen städtischen Umgebung aufgewachsen sind. Und die dann etwas daran ändern wollen.

  • Der Kulka-Entwurf ist auf seiner Internet-Seite übrigens am einfachsten in der "Chronologie"-Leiste unter 1999 zu finden. Wirklich ein grauenhafter Anbau an einen sehr schönen Neobarock-Jugendstilbau. Und zudem ist der Name des Museums auf der Bildseite noch falsch angegeben: Koesch- statt Hoesch-Museum. Typisch!


    Auf der Internetseite des Museums ( http://www.museum-dueren.de/index_lhm.htm\r
    http://www.museum-dueren.de/index_lhm.htm ) habe ich leider auch keine weiteren Informationen gefunden.

  • Quote from "MunichFrank"

    Der Kulka-Entwurf ist ....


    ...typisch für einen 70jährigen Greis mit HJ-Erfahrung. :übelkeit: Fast einen gleichen Klotz ist übrigens vor ein paar Jahren in Neuss an dem dortigen Römermuseum drangeklatscht worden.

  • Hallo Leute,


    habe tatsaechlich einen persoenlichen Gespraechstermin mit dem Buergermeister von Dueren bezueglich museums neuverbau vereinbart!!


    Jetzt brauche ich aber historisches Bildmaterial, und zwar jede Menge, fotos oder film, falls das existiert... Ich werde dies dann alles auf meinem laptop mitnehmen, eventuell vorher auch etwas ausdrucken, vielleicht kann ich in einem meeting raum ja sogar einen projektor benutzen...


    also es waere suuuper wenn ihr mir helfen koenntet, da etwas zusammen zu stellen, bzw mir etwas auf meine mail schickt. ich hab zwar auch schon in den bildindex geschaut, aber der war irgendwie nicht sehr ergiebig...


    hoffe auf eure hilfe, ich werde auf jeden fall mal einen vernuenftigen standpunkt in unserem sinne vertreten und wenn moeglich so auch mit bildern veranschaulichen koennen.


    denn bilder sprechen ja bekanntlich mehr als tausend worte!!


    8)

  • Quote from "marc!"

    ...habe tatsaechlich einen persoenlichen Gespraechstermin mit dem Buergermeister von Dueren bezueglich museums neuverbau vereinbart!!


    Jetzt brauche ich aber historisches Bildmaterial, und zwar jede Menge, fotos oder film, falls das existiert...


    Super! Im Internet habe ich auf die Schnelle auch nicht viel gefunden. Ich würde dir aber empfehlen das folgende Buch zu beschaffen:


    http://www.buch.de/shop/Buecher/suchartikel/dueren_zeitspruenge/helmut_krebs/ISBN3-89702-565-5/ID4144198.html?jumpId=3057883\r
    http://www.buch.de/shop/Buecher/suchart ... Id=3057883


    Scheint genau das zu sein was du suchst. Eine Gegenüberstellung der Vorkriegsbebauung zur heutigen Situation.

  • Unglaublich. Sie werden es nie lernen (nicht weil sie nicht könnten, sondern weil sie nicht wollen).

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Ach Du meine Güte. Was für ein total einfallsloser Klotz. Das ist nicht mehr brutal, sondern einfach grausam.


    Und er hat wahrscheinlich mehr gekostet als die Rekonstruktion der halben Dürener Altstadt, so man dies denn wollte.

  • Aus dem Artikel:


    Quote

    »Tourismus gibt es in Düren einfach nicht«, bemerkt sie. »Man macht tolle Ausstellungen, doch das große Publikum bleibt weg.« Darüber habe sie sich als junge Museumsdirektorin schwarzgeärgert und deshalb nach etwas gesucht, das sonst keiner macht. Da sei sie auf die Papierkunst gekommen, auch weil Düren bis in die 70er Jahre hinein die Stadt des Papiers gewesen sei. Eimert gewann Größen wie Daniel Libeskind, Zaha Hadid oder Gregor Schneider, die im Leopold- Hoesch-Museum ihre Ideen in Papier und Pappe verwirklichten. Die neunte »PaperArt«-Ausgabe ist eben zu Ende gegangen – ein »Remix«, der die eigens für diesen Anlass geschaffenen Papierkunstwerke mit Einzelstücken aus dem Museums-Fundus kombinierte.


    Wen wundert's bei dem Stadtbild. Ihre Lösung ist Verschlimmbesserung und schlägt nochmals fehl.

  • http://cgi.ebay.de/AK-Dueren-Gewandhaus-S-02352-09_W0QQitemZ310173187919QQcmdZViewItemQQptZAnsichtskarte_Zubeh%C3%B6r?hash=item4837c33f4f\r
    cgi.ebay.de/AK-Dueren-Gewandhaus ... 4837c33f4f


    http://cgi.ebay.de/c3645-Dueren-Rhld-Marktplatz-AK-1917_W0QQitemZ400079454857QQcmdZViewItemQQptZAnsichtskarte_Zubeh%C3%B6r?hash=item5d26980289\r
    cgi.ebay.de/c3645-Dueren-Rhld-Ma ... 5d26980289


    http://cgi.ebay.de/AK-Dueren-Am-Marktplatz-Fahrradgeschaeft-Isidor-Hauck_W0QQitemZ400086002154QQcmdZViewItemQQptZAnsichtskarte_Zubeh%C3%B6r?hash=item5d26fbe9ea\r
    cgi.ebay.de/AK-Dueren-Am-Marktpl ... 5d26fbe9ea


    http://cgi.ebay.de/Dueren-Altenteich-42133_W0QQitemZ220502883538QQcmdZViewItemQQptZAnsichtskarte_Zubeh%C3%B6r?hash=item3356fefcd2\r
    cgi.ebay.de/Dueren-Altenteich-42 ... 3356fefcd2


    Ich wollt mich mal auf die Suche nach dieser sagenumworbenen Stadt machen, von der man eigentlich nichts weiß außer ihren exorbitanten Zerstörungsgrad. Wie bei solchen Suchen immer der Fall, endete die Sache wenig erbaulich und vor allem für etwaige Ansätze zur Völkerverständigung nicht eben förderlich, zumindest bei mir:


    http://cgi.ebay.de/Presse-Foto-Luftangriff-auf-Dueren-Julich-und-Heinsberg_W0QQitemZ380183332364QQcmdZViewItemQQptZMilitaria?hash=item5884b1460c\r
    cgi.ebay.de/Presse-Foto-Luftangr ... 5884b1460c


    Diese arme Stadt hier hieß zwar Jülich, aber das ist im Grunde wirklich wurscht.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Quote

    Diese arme Stadt hier hieß zwar Jülich, aber das ist im Grunde wirklich wurscht.


    eben, 100%iger Zerstörung: Staub ist gleich Staub.
    Erstaunlicherweise steht in Heinsberg noch einiges, dem dritten Ziel dieser vielleicht schwersten Bombardierungskampagne des 2. Weltkrieges in Europa neben der Bombardierung Duisburgs etwa zur gleichen Zeit.