• Die würzburger Hausfassaden waren sogar meist recht einfach gestaltet, etwa so wie es heute in den umliegenden Kleinstädten immer noch der Fall ist: schlichtes 18. Jahrhundert, manchmal auch was Älteres (nur meist mit einem Stockwerk mehr). Ewta die "Greisinghäuser" gehörten schon vor 1945 zu den seltenen Ausnahmefällen.


    Typische Straßenbilder:
    https://www.richard-wagner.org…rzburg-haus-kapuziner.jpg
    http://www.fkg-wuerzburg.de/in…/data/pic/kue_haeuser.jpg
    https://bierkrugwiki.files.wordpress.com/2017/10/s.jpg?w=700


    Das hier wurde traurigerweise schon vor 1900 Abgerissen:
    http://www.mein-wuerzburg.com/index_htm_files/28764.jpg

  • Ich weiß, Würzburg war kein Bamberg und von den normalen Straßenzügen in seiner Anonymität "schwer greifbar", es lebte im Grunde schon damals von seinen Glanzlichtern.
    Und gerade deshalb wäre es viel leichter wiederherstellbar gewesen...
    was mich so stört, ist diese bereits diabolische Lieb- und Stillosigkeit. Wie konnte(und kann) man sein Stadtbild nur so verachten?

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Ja, Bamberg hat oft fast schon etwas pragerisches. Das gab es im alten Würzburg einfach nicht (was Straßenbilder betrifft war Würzburg da eher mit Heidelberg vergleichbar). Dennoch sehr schade, dass Würzburg zerstört und schlecht wiederaufgebaut wurde...

  • Würzburg wurde vielleicht schlecht wiederaufgebaut was die Qualität der Einzelbauten angeht. Aber was die Eigenart, das Wesen der Stadt betrifft, das sich durch Beibehaltung der Kleinteiligkeit und des Grundrisses ergibt, war der Wiederaufbau Würzburgs vorbildlich. Die Stadtsilhouette ist darüber hinaus auch heute noch eine der schönsten in Deutschland.

  • Ich war vor einem Jahr wieder in Würzburg und finde die Stadt immer noch sehr urban und ehrlich gesagt ganz schön. Die 50er Jahre bauten finde ich als Rahmen für den Kirchen und erhaltenen Fassaden in Ordnung. Um so ärgerlicher sind die schlechten Neubauten seit 2000: Das Dom-Museum wofür ein sehr schöner Nachkriegsbau abgerissen wurde, Petrini-Haus usw. Verglichen mit dem desaströsen Wiederaufbaus Dresdens ist Würzburg weit besser, weil man die Kleinteiligkeit und Straßennetz erhalten hat. Ein Vergleich auf Google Maps zeigt das sehr deutlich.

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Würzburg ist nur noch schön, weil man dort zumindest die tollen Einzelbauten gerettet, also nicht abgerissen hat. Ich weiß nicht, wie es in Dk so ausschaut, aber ich bin da doch ganz andere Stadtbilder gewohnt. Auch viele "perforierte" belgische Städte finde ich heute schöner (und vor allem interessanter) als Würzburg - sogar Lüttich! Und was Dresden betrifft: die Gegend zwischen Bahnhof und Altstadt ist in der Tat furchtbar, aber die Altstadt fand ich gar so schlecht nicht! Nur der Kulturbalast und der Schrott am Postplatz hätten nie genehmigt werden dürfen.

  • Aber Würzburg wirkt auf mich ebenfalls wie eine gut erhaltene historische Stadt. Ist vielleicht eine subjektive Empfindung, aber ich finde den Wiederaufbau (mit den bekannten Ausnahmen natürlich) als ausgesprochen gelungen. Wenn mich jemand früge, würde ich sagen: "Würzburg ist eine überdurchschnittlich schöne, sehenswerte Stadt. Fahr da hin!"

    Meine damalige Aussage möchte ich nochmal bekräftigen. Ich finde Würzburg keineswegs hässlich. Im Gegenteil.


    "Mens agitat molem!" "Der Geist bewegt die Materie!"

  • Ich wäre froh sowas wie Würzburg in Dänemark zu haben! Allein die Weinberge... Aber im Ernst: man kann doch nicht Wü mit Leiden oder Utrecht vergleichen, die im Krieg nicht zerstört wurden. Eher mit Rotterdam, Warschau, Caen oder Nimwegen. Oder eben Dresden.

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Ich wohne ganz in der Nähe von Nimwegen, und mag diese Stadt einfach nicht. Vieles, was nach dem Krieg noch stand, wurde dort einfach abgerissen (in der Altstadt zumindest). Nein, da ist Würzburg schon weit besser dran, da hast du recht. Aber Würzburg war schon immer toller als Rotterdam (schon vor 1940 war vom richtig alten Rotterdam nicht mehr viel übrig) oder Nimwegen: es gab und gibt in den Niederlanden ja nur eine Stadt, die bedeutender als das alte, untergegangene Würzburg war, und das ist Amsterdam (und in Belgien nur Brügge, und vielleicht auch Gent).

  • Ich hab nicht die Fähigkeit, eine Stadt prinzipiell aus der Vogelperspektive zu betrachten und mir angesichts der Aneinanderreihung der bundesdt. Wiederaufbauscheußlichkeiten beständig vorzusagen: ja, sicher nicht ganz schön, aber dafür mit roten Dächern und im alten Grundriss und so kleinteilig...
    Ich kann das einfach nicht.
    Und der Blick vom Käppele oder von der Festung vermag mich dafür auch nicht so sehr zu entschädigen, dies umso mehr, als ich das Wü.er Panorama für nicht besonders großartig erachte. die Türme sind einfach zu weit von einander entfernt, um eine wirklich beeindruckende Wirkung bzw Verschmelzung à la Salzburg zu ergeben.
    gut, das ist jetzt aber kein Problem des Wiederaufbaus.
    Das hier aber schon:


    diese unerträglich banal-kitschige Supermarktfassade musste ebenso wenig sein wie die angrenzenden Balkonbauten.
    Eine Schlüsselstelle wie diese mit links erhaltenem Bestand (wobei auch rechts die Umfassungsmauern des Brückenkopf-Barockhauses noch lange standen) .
    aber es ist so typisch für diese Stadt, die offenbar alle Schönheit mit Füßen treten muss...

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    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Ach Ursus, da gibt es wahrlich schlimmeres! Auch in Würzburg. Aber diese Diskussion hatten wir schon mehrmals.


    Was passiert eigentlich mit dem Augustinerhochhaus?

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Natürlich gibt es das. Aber an so einer Stelle ist es schon hart...


    Das wäre so eine heile-Welt-Stelle und dazu ein tolles Postkartenmotiv.


    Hier mit alten Resten - dass diese nicht erhalten wurden ist ein echt würzburgischer Skandal:



    man muss sich schon verdammt spielen, dass man heute diesen läppischen Mickeymousebau, der alle historische Würde dieses Ensembles zerstört, nicht ins Bild bekommt.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • In Gmünders Gesamtansicht wird auch deutlich, wie entscheidend die traditionelle Dachlandschaft für die Homogenität des Stadtbilds ist, und dass diese in Würzburg wirklich vorbildlich bewahrt wurde. Es gibt kaum modernistische Störfaktoren. Ich finde das sehr bemerkenswert und glaube, dass dies ein Grund ist wieso Würzburg auch heute noch als schöne Stadt empfunden wird.

  • In Gmünders Gesamtansicht wird auch deutlich, wie entscheidend die traditionelle Dachlandschaft für die Homogenität des Stadtbilds ist, und dass diese in Würzburg wirklich vorbildlich bewahrt wurde. Es gibt kaum modernistische Störfaktoren. Ich finde das sehr bemerkenswert und glaube, dass dies ein Grund ist wieso Würzburg auch heute noch als schöne Stadt empfunden wird.

    Dies und die Kleinteiligkeit beim Wiederaufbau, das Verzichten auf übergroße Verkehrsschneisen, die große Fußgängerzone, das Quirlig-Urbane und - immerhin - das überwiegende Verwenden traditioneller europäischer Häuserformen.
    Zu Lasten steht, daß man zumindest einige Inselchen komplett rekonstruieren hätte können. Zudem könnten viele Fassaden (mit geringem Aufwand) schon deutlich ansprechender gestaltet werden (Schönbornstraße!). Auch sieht der Straßenbelag in der Fußgängerzone bisweilen wenig einladend aus. Letzteres liegt vielleicht auch daran, daß in der im Verhältnis zur Größe der Stadt sehr großen Fußgängerzone nicht alle ehemaligen Autostraßen adäquat umgebaut werden konnten.

  • Ja, oh weh. Das bestätigt doch, dass man über den Wiederaufbau Würzburgs heilfroh sein kann. Heutzutage entsteht viel Schlechteres, wie dieses Beispiel zeigt. Da ist überhaupt kein Wille zur Maßstäblichkeit mehr zu erkennen.