• Ursus, ich muss dich leider enttäuschen: Würzburg hat mir gefallen :wink:


    Ich habe mich ja schon recht gefürchtet, aufgrund deiner fürchterlichen Stadtbildbeschreibungen...Aber so schlimm war es wirklich nicht. Natürlich ist Würzburg eine zerbombte, zerstörte Stadt mit nur mehr wenig historischer Substanz, aber trotzdem hat sie doch einen ganz eigenen Charme. Die so scharf kritisierte Kaiserstraße ist wirklich ein Extrembeispiel. In Einkaufsstraßen stehen natürlich solche Betonklötze, das war ja kaum anders zu erwarten. Aber in fast allen Nebenstraßen befindet sich eine ganz angenehme nachkriegszeitliche Wohn- und Geschäftsverbauung, die natürlich den alten, zerstörten Gebäuden in nichts nachkommt, aber doch irgendwie ganz schön ist und eine gute, "altstadtartige" Atmosphäre schafft. Besonders da die Häuser sich ungefähr auf die alten Grundstücksumfänge beschränken und dadurch die Häuserfronten ein bisschen unregelmäßig wirken, ja auch der alte Straßengrundriss bewahrt wurde, hat die Würzburger Altstadt an den meisten Stellen einen gemütlichen, historischen Charakter. Und dazwischen stehen immer wieder einige ältere historistische oder barocke Gebäude, über die man sich dann doppelt freut...


    Einzigartig ist m. E. vor allem die Dachlandschaft. Von der Festung aus lässt sich wirklich ein großartiges Panorama genießen: Keine grauen und weißen, langen Flachdächer oder Ähnliches... Im Gegenteil: Man kann fast nur schöne, rote Satteldächer sehen. Und die Turmkulisse: Stift Haug, Dom, etc... sieht einfach genial aus. Man kann ja fast meinen, Würzburg wäre im Krieg kein bisschen zerstört worden, wenn man dort auf einer Bastion steht und über das Häusermeer blickt... Auf den Fotos von slesiano (danke ;D) kommt das sehr gut zur Geltung. Da ja auch die Auflösung nicht so gut ist, könnte man wohl wirklich meinen, auf den Bilder eine erhaltene Altstadt zu sehen.


    Von den Straßen aus ist das, was man sieht natürlich nicht so berauschend wie aus der Vogelperspektive. Aber wie gesagt ist es insgesamt doch ganz annehmbar, und es gibt ja auch doch noch einige schöne historische Ensembles, wo keinerlei Neubauten stören, auch keine dem Stadtbild angepassten. Es existieren aber leider - das muss ich doch sagen - viele störende Bauten und Baugruppen. Eben die besprochene Kaiserstraße ist fürchterlich. Und es gibt eine ganze Menge grauslicher Innenstadt-Parkhäuser, als ob am Residenzplatz nicht schon genug Autos stehen können (haha schlechter Witz :lachentuerkis: ) Und ich muss auch noch über die verschandelte Domkrypta schimpfen, falls ihr die kennt...Betondecke über romanischen Säulen :gehtsnoch: !


    Man könnte noch genügend Dinge finden, die wirklich schrecklich sind, aber man soll sich damit nicht betrüben, sondern an den guten Sachen erfreuen, und von denen gibt es wirklich sehr viele! Also - jetzt zum 5. Mal einen Satz mit der ungefähr gleichen Aussage, nur zum Zusammenfassen am Schluss: Auch wenn es vieles zu kritisieren gibt - Würzburg ist eine sehr schöne Stadt, und der Wiederaufbau ist größtenteils recht gelungen.

  • Danke für deine unvoreingenommen Eindrücke, Tobias. Warst du auch in der Residenz?

  • Ich finde es interessant, dass keine andere Stadt in diesem Forum zu so unterschiedliche Reaktionen fuehrt, wie Wuerzburg!


    Zeno: gibt es Fotos von der Theaterstrasse vor der Zerstoerung?

  • RMA II:
    natürlich war ich in der Residenz! Man kann doch nicht einfach nach Würzburg fahren, ohne die Residenz anzusehen! Ich glaube, ich habe noch nie ein so beeindruckendes Barockschloss gesehen, vielleicht hat es mir sogar besser gefallen als Schönbrunn. Mit dem großen Residenzplatz - wenn auch leider als Parkplatz genutzt - wirkt das Schloss so monumental, diese "Inszenierung" ist einfach großartig, und bei den meisten anderen Schlössern nicht der Fall. Auch die Innenräume, traumhaft...

  • @TL


    Quote

    Ich glaube, ich habe noch nie ein so beeindruckendes Barockschloss gesehen, vielleicht hat es mir sogar besser gefallen als Schönbrunn.


    Interessant zu lesen, da ich das bereits von mehreren Seiten auch gehört habe, dass die Würzburger Residenz für viele vermutlich berechtigterweise eines der schönsten Barockschlösser überhaupt ist.


    Ich selbst fand Schloß Schönbrunn im Inneren um einiges sehenswerter und besser und auch vollständiger erhalten als beispielsweise Schloß Versailles, welches ja ansonsten als Inbegriff barocker Pracht gilt (abgesehen natürlich vom tatsächlich unschlagbaren megalotomanischen Park). Die Würzburger Residenz kenne ich leider nicht persönlich, obwohl ich schon so oft dort vorbeigefahren bin...und deswegen bin ich Dir für diesen persönlichen Eindruck von dort sehr dankbar! Es scheint als ob die Würzburger Residenz alle anderen Barockschlösser Europas in den Schatten stellt - und das macht es natürlich sehr, sehr interessant!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Ich glaube, es ist eben die schon erwähnte "Inszenierung" der Residenz, die sie so eindrucksvoll macht: Der große Platz, mit den seitlichen Säulenkolonnaden. Und dann nochmals eine Steigerung zur Mitte durch den Ehrenhof. Und außerdem - das bewirkt wirklich sehr viel - ist das Gebäude ja steinsichtig. Eben das Äußere hat eine viel monumentalere Wirkung als irgendein anderes Barockschloss, das ich je gesehen habe. Das ist es, denke ich, was mich so begeistert.


  • Sicherlich existieren welche. Ob es auch welche im Netz gibt und wo die stehen, ist mir nicht bekannt. Der Bildindex hat so ohne weiteres nichts gebracht.


    Doch, da gibt es welche, auch wenn es mittlerweile sehr tricky ist, Bildindex URLs zu entlocken, eine Perspektive (nach der Zerstörung) entspricht sogar fast genau deinem gezeigten Bild des gegenwärtigen Zustands und verdeutlicht die singuläre Wiederaufbauleistung:


    http://www.bildindex.de/bilder/mi03266g12a.jpg


    Theaterstraße vor der Zerstörung (Standort muss ein Ortskundiger einordnen):


    http://www.bildindex.de/bilder/mi09125d05a.jpg


    http://www.bildindex.de/bilder/mi03266g11a.jpg

  • Auch von mir vielen Dank an Tobias für seine unvoreingenommenen Eindrücke. Eventuell haben ja die kritischen Beiträge innerhalb dieses Diskussionsstranges dazu beigetragen, dass er nicht mit einem allzu weichgezeichneten Bild nach Würzburg gefahren ist und womöglich enttäuscht gewesen wäre ;-)


    Wenn nicht in einem Forum wie diesem, wo sonst sollten kritischen Anmerkungen gemacht werden, mit der unterschwelligen Hoffnung versehen, es möge sich dadurch irgendwann zum (noch) Besseren wenden.


    Aber nach Lage der Dinge bestehen für derlei Hoffnungen geringe Aussichten auf Erfolg. Man hat sich eingerichtet, sich mit dem Wiederaufbau arrangiert und findet Würzburg offensichtlich mehr als genug schön, so wie es ist.

    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)

  • Nun, was Freund Tobi betrifft, so muss zwecks hinreichender Würdigung seiner Darlegungen natürlich sein Alter in Betracht gezogen werden, wie wir denn auch Freund Weser erst richtig verstehen können, wenn wir folgende Weisheit des alten und ehrwürdigen Tacitus berücksichtigen, die da lautet:

    Quote

    Major e longinquo reverentia


    Zenos Verteidungsversuche mittels Bilder gescholtener Straßen wiederum gehen ins Leere. Dieses zitierte Barockhaus verdankt seinen ach so glamorösen Wiederaufbau jenem erhaltenen, höchst bedeutsamen Rokoko-Portal, das man nun doch nicht so ohne Weiteres opfern konnte.
    Zurück zu Tobi und seiner Motivlage.
    Vieles an seinen ex prospectu transoenico unverständlichen ästhetischen Wertungen scheint mir nämlich auf hartnäckigen iuvenilen Trotz zurückzuführen zu sein. "Unvoreingenommen", wie RMA Secunda meint, ist da wohl nicht das richtige Adjektiv. Eher trifft das genaue Gegenteil zu.
    Sei's drum. Wir wollen es dem Tobias nicht anrechnen, sondern es bei einem verständnisvollen Augenzwinkern belassen. Immerhin sind wir ja auch einmal so gewesen. Aber ich freue mich schon jetzt auf Tobis Reisebericht aus einer Stadt, die viele Straßenzüge aufweist, welche den Würzburger Pendants zum Verwechseln ähnlich sehen, und für Tobi überaus leicht erreichbar sein dürfte: Attnang-Puchheim. Wer sich in Würzburg wohlfühlt, muss auch Attnang-Puchheim lieben, Tobi. Auch im Linzer Bahnhofsviertel ist gar Vieles ganz herbipolensisch geraten, und ein exzellentes Beispiel findet sich auch in unserer Bundeshauptstadt in Gestalt des Hohen Marktes. Üblicherweise wird der von Touristen nur wegen der Ankeruhr geschätzt, aber diesen Massen fehlt wohl noch das Gespür für so herbipolensische Feinheiten.


    Was nun die Diskussion um den Rang der Residenz anbelangt, so erscheint diese müßig. Mir persönlich erscheint der Außenbau durch die Sandsteinsichtigkeit zu schwer, auf jeden Fall ungewohnt, weshalb ich unsere Palaisbauten, etwa das sehr verwandte Obere Belvedere bevorzuge, natürlich Hildebrandt und nicht den eher farblosen imperialen Schönbrunn-Fischer. Im übrigen, exi, sollte man die Wü-Residenz schon in natura gesehen haben, wenn man hier mitschreibt. Was immer sich contra Herbipolim zu sagen ist, und das ist wahrlich viel, diese Zeit sollte man sich nehmen. Treppenhaus und Prunksaal sind wirklich einzigartig, mit dergleichen haben wir nicht aufzuwarten.
    Würzburg ist halt der Inbegriff einer touristisch sehr, sehr unangenehmen Stadt, einer Stadt, wie man sie als Tourist genau nicht will, so gesehen das Gegenteil einer mährischen Kleinstadt: als Stadt potthässlich und depremierend, aber mit sehr vielen verstreuten erstklassigen Sehenswürdigkeiten, weshalb man eigentlich die ganze trostlose Stadtfläche und noch einiges drüber hinaus (Festung Marienberg!) ablatschen muss.
    Wie gesagt, die Residenz entschädigt für vieles, wie auch manch Anderes- Juliusspital, Neubaukirche und Universitätskomplex, Stift Haug, Neumünster, Haus zum Falken - man darf Wü halt nicht als Stadt, sondern als Häufung von Einzelbauten sehen, die aufgrund ihres in aller Regel höchst unpassenden Umfeldes viel von ihrer Wirkung eingebüßt haben. Dies trifft natürlich nicht auf die Residenz zu, sieht man von dem in seiner Barbarei für diese Stadt typischen Missbrauch des Residenzplatzes als Zwischenlager für noch in temporärem Gebrauch befindlichen Schrott ab.



    Dies festos bene agatis et prosit vobis.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

    Edited 2 times, last by ursus carpaticus ().

  • Ich bin jetzt dazu gekommen, diesen Strang genauer zu lesen und ich finde auch, dass ursus und Valjeans Einschätzung des Würzburger Stadtbilds zu negativ ist. Aber ihre Ansichten sind begründet und nachvollziehbar und haben die Diskussion in diesem Strang sehr belebt.


    Mein Eindruck der bisherigen Diskussion ist eh, dass wir uns im Grunde einig sind, dass das heutige Würzburg nur ein sehr schwacher und inferiorer Abglanz des herrlichen Stadtbilds der Vorkriegszeit ist. Wenn man wie die Meisten hier traditionelle Architektur bevorzugt und einen Großteil der Architektur seit Beginn des Siegeszuges des Bauhaus für minderwertiger als die früheren Werke der Baukunst hält, kann man nicht ernsthaft zu einer anderen Einschätzung kommen. Fast alle Bildvergleiche der Vorkriegszeit zur heutigen Bausituation zeigen dies doch eklatant. Und dieser Vorwurf gilt natürlich nicht nur für Würzburg, sondern im Grunde für jede deutsche Stadt.


    Trotzdem kann und muss man die Wiederaufbauleistung der Stadt Würzburg (und vieler anderer Städte) durchaus loben, finde ich.


    Die Vergleichsituation für diese Einschätzung muss immer der Ruinenzustand 1945 und nicht die Vorkriegssituation sein.


    Von heute aus gesehen kann man immer vieles kritisieren, aber man sollte eher versuchen, sich in die damalige Zeit des in jeder Hinsicht völligen Zusammenbruchs zurückzuversetzen, nachdem die moral bombing campain eine in der europäischen Geschichte einzigartige Zerstörungsorgie eines ganzen Landes bewirkt hatte.


    Und wenn ich die Ruinenbilder von Würzburg (und anderen Städten sehe), dann muss ich die Leistung des Wiederaufbaus einfach loben und froh sein, dass zumindest die bedeutendsten Bauten und Stadtstrukturen einigermaßen gut wiederhergestellt worden sind.


    Ein Vergleich mit dem angeblich besseren Wiederaufbau in anderen europäischen Ländern finde ich übrigens wenig hilfreich, angesichts des doch erheblich größeren Zerstörungsgrades Deutschlands und der damals (aber mit heutigen Abstand nicht mehr unbedingt) verständlichen Meinung, für die Zerstörung des eigenen Landes selbst Schuld gewesen zu sein. So gab es zum Beispiel damals (im Gegensatz z.B. zu Polen) verständlicherweise keinen Willen in Deutschland, das alliierte Zerstörungswerk nicht akzeptieren und, egal was es koste, rückgängig machen zu wollen.


    Wie ich zuletzt schon in Bezug auf den Wiederaufbau Münchens geschrieben hatte, ist die Frage wohl eher, ob man froh ist, dass doch noch einiges erhalten und wiederhergestellt wurde, oder ob man eher kritisiert, dass doch vieles verloren wurde und kein Wille bestand, die damals geringen finanziellen Mittel für einen noch besseren Wiederaufbau der Würzburger Altstadt zu investieren. Und ich gehöre diesbezüglich eher zur Fraktion, für die das Glas noch halbvoll und nicht schon halbleer ist.


    Allerdings, und das halte ich für sehr viel kritikwürdiger, wurde nach der ersten und prägenden Wiederaufbauphase, die grob bis Anfang der 60er Jahre ging, nichts besser gemacht und zwangsläufig beim Wiederaufbau erfolgende Fehler nicht rückgängig gemacht. Im Gegenteil, die größten Bausünden Würzburgs (und dies gilt wiederum für fast alle Städte des Landes) kamen erst ab den 60er Jahren, Und dafür habe ich dann wiederum kein Verständnis mehr .

  • Bravo - großartiger, ausgewogener Beitrag. Ich stimme dir voll und ganz zu!


    Ich liebe (das heutige - ich kenne kein anderes) Würzburg sehr, was nicht heißt, dass nicht etliches zu verbessern wäre.
    Dazu zählen f. mich aber auch die meist immer noch fehlenden Raumausstattungen in den Kirchen. Positiv zu werten ist in dieser Hinsicht, dass die katholische Kirche in etlichen Kichen für teilweise gute (moderat-moderne) Ersätze gesorgt hat, die die Bauten nun wieder füllen.


    Eine quantité indispensable ist m. E. aber die Aufgabe des albernen "romanischen" Dom-Nachkriegslanghauses und die Reko des herrlichen frühbarocken Stucks von Pietro Magno dort (kennt das hier eigentlich jemand??).


    Notabene: die Stukkaturen sind noch zur Hälfte da, wurden nämlich erst nach dem Krieg von den ruinösen LH-Wänden abgeschlagen und liegen noch als Originalsubstanz (!) bis heute unter dem Domdach. M. E. eine Kulturschande ohnegleichen - hier müsste dringend etwas getan werden. Wer gründet eine Bürgerinitiative??

  • Ich sehe das genauso wie Frank.


    Die umfassende Zerstörung der Stadt war nun einmal für eine Stadt dieser Größe zu erheblich.





    Bildquelle jeweils: Life bei Google


    Auch als richtig fasse ich auf, dass die richtigen Bausünden erst nach den Wiederaufbaujahren (also ab ca. 1960) entstanden sein dürften.
    Nur mal so als Beispiele:


    Marktplatz, Ostseite


    'Petrinihaus' (VR-Bank) am Markt


    Der zentral gelegene Platz Ulmer Hof/Bronnbachergasse


    Ich habe mich in WÜ dem zum Trotze immer recht wohl gefühlt...

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • @ ursus:

    Vieles an seinen ex prospectu transoenico unverständlichen ästhetischen Wertungen scheint mir nämlich auf hartnäckigen iuvenilen Trotz zurückzuführen zu sein. "Unvoreingenommen", wie RMA Secunda meint, ist da wohl nicht das richtige Adjektiv. Eher trifft das genaue Gegenteil zu.
    Sei's drum. Wir wollen es dem Tobias nicht anrechnen, sondern es bei einem verständnisvollen Augenzwinkern belassen. Immerhin sind wir ja auch einmal so gewesen. Aber ich freue mich schon jetzt auf Tobis Reisebericht aus einer Stadt, die viele Straßenzüge aufweist, welche den Würzburger Pendants zum Verwechseln ähnlich sehen, und für Tobi überaus leicht erreichbar sein dürfte: Attnang-Puchheim. Wer sich in Würzburg wohlfühlt, muss auch Attnang-Puchheim lieben, Tobi.


    Ich kann ja wirklich voll und ganz verstehen, dass dir Würzburg überhaupt nicht gefällt. Es gibt wirklich viel Verschandelndes und Hässliches. Das ändert aber nichts daran, dass ich die Stadt - zumindest im Großen und Ganzen und vor allem im Vergleich zu anderen kriegszerstörten Orten - als recht angenehm empfunden habe. Dass ich aber trotzig auf meinen Äußerungen beharre? Das trifft ja eher in deinem Fall zu. Du würdest ja wohl kaum auch nur eine positive Äußerung zu dieser Stadt abgeben, abgesehen vielleicht von ein paar sehenswerten Großbauten.


    Und der Vergleich mit Attnang-Puchheim ist ja wirklich absurd. Diese kleine Stadt besteht zu 95 % aus Bahngleisen und sonst hauptsächlich aus Wohnblöcken von Bahnarbeitern. Wie kommst du denn bitte darauf? Das wäre - um von dir so geliebte tschechische Kleinstädte zu nehmen - als ob man Prachatitz und Breclav gegenüberstellen würde.



    Es sind ja nicht die hässlichen Billig-Neubauten in Würzburg, die mir gefallen, ich mag das was erhalten ist und das was angepasst wieder aufgebaut wurde. Und das ist wesentlich mehr als du dir eingestehst. Sicher sind insgesamt wohl die meisten Straßenzüge mehr oder weniger verschandelt. Aber eben bei Weitem nicht alle, und um diese zu sehen, lohnt es sich, nach Würzburg zu kommen.



    Dies trifft natürlich nicht auf die Residenz zu, sieht man von dem in seiner Barbarei für diese Stadt typischen Missbrauch des Residenzplatzes als Zwischenlager für noch in temporärem Gebrauch befindlichen Schrott ab.


    Da muss ich dir aber ganz recht geben, fürchterlich der Platz!! Es gibt aber doch auch eine ganze Menge gewisser Kleinstädte, wo es keinesfalls besser aussieht ;)



    Liebe Grüße

  • Wahnsinn! Der kleine Altbau inmitten von Verkehrslawinen und Industrie! Für solche einzeln stehende historische Gebäude in völlig altbaufeindlichen Umgebungen habe ich irgendwie eine Schwäche. Dass man das Haus möglichst bald dem Erdboden gleichgemacht hat, war aber zu erwarten. War das die Villa eines Fabrikbesitzers, oder welchem Zweck diente es? Scheint mir jedenfalls um 1910 entstanden zu sein.

  • Ich sehe den Verlust derartiger Bauten gleichfalls als schmerzlich an. Eine Kulturlandschaft wird nicht zuletzt durch das Ambiente, durch das "Unter ferner liefen" und nicht ausschließlich durch die Vorzeigebauten geprägt. Bei diesen Phänomenen war der ehemalige Ostblock absolut führend. Nirgends konnte man abseits der Trampelpfade so viel Malerisches finden. Die BRD scheint hingegen dafür niemals etwas übrig gehabt zu haben.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Das sehe ich genau so. Im Frankfurter Osthafen-Gebiet, Weismüllerstraße, stand lange zwischen lauter Gewerbebauten eine schlichte Villa im Landhausstil mit Fensterläden. Leider stand sie leer, das Erdgeschoss zugemauert, so dass ich schon das Unheil erwartete. Irgendwann vor wenigen Jahren wurde sie weggerissen. Für einen Parkplatz, eine Lagerhalle, wen interessiert´s... Ähnliches am Bahnareal in der Nähe, Ferdinand-Happ-Straße. Dort gab es direkt an den Bahngleisen einst zwei tolle Villen-artige Gebäude im Jugendstil bzw. frühen Reformstil. Mit hohen, steilen Dächern. Wunderschön, weit beeindruckender als das Würzburger Beispiel, aber in schlechtem Zustand. Abgerissen schon vor Jahren. In deutschen Gewerbegebieten sind Flachdachschachteln angesagt, keine solchen Kontraste. Aber eines Tages wird dieser globale materialistische Ungeist auch zugrunde gehen.

  • Dasselbe gilt z. B. auch für Bahnwärterhäuschen.


    Hier werden einige solcher Bahngebäude angeboten. Alles Häuser für 500 Euro im Mindesgebot. Wer also handwerklich begabt ist, kann hier so manches Schnäppchen machen und ein kleines nettes Haus retten...


    http://500euro-haus.de/

  • WÜRZBURG
    Zerstörung und Wiederaufbau in 3 D
    Ausstellung mit ungewöhnlicher Perspektive


    Quote

    Die Ausstellung in der Residenz Würzburg bildet drei Zeiträume chronologisch ab: Vor der Zerstörung aus den Jahren 1941 – 1943. Nach der Zerstörung aus den Jahren 1943 – 1945, und Luftbildaufnahmen von 2014. 3-D-Brillen ermöglichen räumliche Eindrücke. Ob Hauptbahnhof, Alte Mainbrücke, Frauenland, Talavera oder andere Bereiche Würzburgs, die Dreifach-Sicht sowohl zeitlich wie auch optisch, beeindruckt.


    http://www.mainpost.de/regiona…-in-3-D;art492151,8611975



    Die Würzburger unter uns, BITTE ANSEHEN UND BERICHTEN!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Ich versteh nicht, was dieser kaputte Zerstörungskult eigentlich soll. So schön ist das ja wiederauch nicht, dass man sich das möglichst realistisch geben muss. Hier geht es ja längst nicht mehr um eine das historische Interesse befriedigende Dokumentation, sondern um ein morbides Event.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Anbei ein Artikel mit Buchvorstellung über eines der vorzüglichsten Rekonstruktionsprojekte in Deutschland in der Würzburger Residenz - die grandiose Rekonstruktion des Spiegelkabinetts:


    Entstehung, Zerstörung, Wiedergeburt
    Geschichte: Dr. Jörg Lusin hat den Wiederaufbau des Spiegelkabinetts der Würzburger Residenz beschrieben.


    Quote

    Das Spiegelkabinett der Residenz Würzburg ist weltweit einzigartig. Es gibt nirgendwo einen vergleichbaren Raum dieser Art. Im Feuersturm des 16. März 1945 ging diese kunsthistorische Rarität verloren, wurde restlos zerstört. Der Wiederaufbau der Residenz schritt Zug um Zug voran, und mit der Einweihung des Grünlackierten Zimmers im Dezember 1974 waren auch die Prachträume der sogenannten Paradezimmer nahezu vollständig rekonstruiert. Das Spiegelkabinett aber war endgültig aufgegeben; es galt bei Fachleuten als absolut nicht mehr wiederherzustellen.


    Aber es kam, wie so oft und zum Glück anders! :daumenoben:


    Es liest sich teilweise wie ein Krimi und auch unbekannte Fakten wurden recherchiert, das beinhahe die Rekostruktion der Prunkräume gescheitert wäre...


    Quote

    Eine weitere, selbst in Würzburg fast unbekannte Gefahr für die Residenz und die Wiederherstellung des Spiegelkabinetts deckte Lusin in seinem Buch detektivisch auf: der Einbau des Stadttheaters in die Residenz. Der Theaterbau sollte ursprünglich den gesamten Südflügel füllen, nur die Hofkirche und der westliche Innenhof wären vom Entwurf Balthasar Neumanns übrig geblieben. Dem damaligen bayerischen Finanzminister Friedrich Zietsch blieb es vorbehalten, die verheerende Planung der Stadtverwaltung zu Fall zu bringen, so Lusin.


    Kommt uns bekannt vor - nicht? Diese plumpen Stadtverwaltungen...hüben wie drüben.


    Und wer, abgesehen von dieser Glanzleistung auch noch wissen will, wieso ein Putto die Gesichtszüge des seeligen Franz Josef Strauß trägt, der soll sich den interessanten Beitrag einmal zu Gemüte führen:


    http://www.mainpost.de/regiona…/Mosaik;art492151,8655719


    Ach ja und so sieht die Reko dieses Wunders wieder aus! :anbeten:



    http://picslist.com/image/74276839103

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)