Würzburg

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    • Vorweg, ich war noch nie in Würzburg aber nach allem was ich hier und andernorts gesehen habe, kann ich nicht wirklich nachvollziehen, warum du dich beim Würzburger Wiederaufbau zu so einer Schimpftirade hinreißen lassen kannst. Meiner Meinung nach stimmen da irgendwo die Relationen nicht. Angesichts des Zerstörungsgrades hat sich die Stadt doch ein einigermaßen passliches Stadtbild bewahrt. Das natürlich ein großes Gefälle zur unzerstörten Stadt besteht, ist ja selbstverständlich. Aber mit dem Wissen wie es in Kassel, Pforzheim, Darmstadt, Hannover oder auch Magdeburg aussieht, würde es micht interessieren, wie du dann diese Städte beschreiben würdest? Prypjat 2.0?
    • Lieber Tobias, hier sind ein paar Empfehlungen: Das Juliusspital Barock Ensemble ist unverzichtbar. Es steht in der Juliuspromenade, wo koennen Sie auch den barocken "Wuerzburger Hof" finden. Die domerschulstrasse, wo steht die Rennaisance Alte Universitaet, und die barocke Peterskirche (im Petersplatz) sind auch ein Muss. Schoene Gassen in der Naehe vom Marktplatz: Schmalzmarkt, Schustergasse, Haefnergasse, Maulhardgasse, Bronnbachergasse (eine Warnung: in der Bronnbacher. steht ein wirklich stoerendes Parkhaus). Auch die Umgebung von Stift Haug ist interessant, besonders die Heinestrasse mit Barockhauser.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Weser ()

    • Danke für eure zahlreichen Antworten!
      Verdirb mir nicht die Vorfreude, ursus ;) Du klingst ja als wäre Würzburg architekturhistorisch die Hölle auf Erden. Ich habe mir Würzburg selbst gewünscht (Muss ich mich jetzt rechtfertigen? :D), ich weiß eh dass es dort keine schöne Altstadt gibt. Aber traditionell bekomme ich jährlich eine Weihnachtsstädtereise und ich wollte dieses Mal nach Franken (noch fasziniert von der Reise im Sommer) und in Würzburg gibt es die Residenz, den Dom, die Festung, die mich alle sehr beeindrucken und sich bei der winterlichen Kälte auch gut eignen (da habe ich schon schlechte Erfahrungen bei Eiseskälte mit halb abgefrorenen Gliedmaßen gemacht). Dass es kaum historische Bebauung gibt, damit habe ich schon gerechnet. In Rothenburg war ich übrigens schon, wegen Nürnberg habe ich länger überlegt, aber das wohl zu viel für drei Tage.
      Vielen Dank auch an Weser, Saxonia und Zeno. Sehr hilfreiche Infos!
      Liebe Grüße und natürlich schöne Feiertage ;)
      Tobias

      PS: Ich werde natürlich von meiner Reise berichten und ein paar Fotos zeigen
    • Noch eine Bemerkung ueber W: zweifellos gibt es in der Altstadt einige (nicht wenige) visuelle Stoerungen. Aber wenn man kennt die "richtigen Wege" (und weiss welche Wege zu vermeiden), kann man die Altstadt mit ihren vielen grossen und kleinen Juwelen wirklich geniessen.

      In einigen Faellen sind die Bauten der 50er Jahre ziemlich gut, wie z.B. in der Domstrasse.
    • Vierzehnheiligen ist 100 km entfernt


      Mist, ja, ich hab da Wü mit Bayreuth verwechselt. 14Hl hab ich von Bayreuth aus gemacht!

      Ansonsten bleib ich dabei- ein Stadtrundgang durch Würzburg ist alles andere als ein Honiglecken.
      Ich hab mich in so manchen zerstörten Städten sehr wohlgefühlt, in Augsburg, Ulm, Mainz, Braunschweig,Münster, Osnabrück, Aachen, sogar in Großstädten wie Hamburg, Bremen, München und Köln.
      Was mich an Wü (und auch Nürnberg) so rasend gemacht hat, ist ein Umstand, den auch Zeno erwähnt hat: es gibt dort keine intakte Ecke mehr. Nichts, worüber sich die Seele erholen könnte.
      Der Verweis Saxonias auf offensichtliche Albraumstädte nützt nichts - wer hat denn schon Erwartungen an Darmstadt oer Pforzheim, wer würde dorthin aus Stadtbilderwägungen fahren? Wü ist eben nicht Bochum oder Duisburg, davon darf man sich schon mehr erwarten und sogar fordern.
      mW wäre kaum eine Stadt so "leicht" wiederaufzubauen gewesen wie Wü, wo es kaum Fachwerk und nur relativ wenig komplexe Barockfassaden gab. Einfache fränkische Häuseln aus Sandstein, solide und gut proportioniert, einen Willen zu neu kreierten Ensembles, die Kirchen wie Stift Haug besser einfassen, als es früher der Fall war, einfach eine gewisse Liebe zum Fränkischen, Formgefühl und auch Phantasie - und fertig wäre eine Stadt gewesen, die der alten um gar nicht viel nachgestanden wäre, ja diese sogar da und dort übertroffen hätte.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Ist nicht 100%-ig mein Ansatz, da ich etwas stärker vom Einzelbau ausgehe, aber ich kann die Position gut nachvollziehen.

      Als Ergänzung: Auch bei den genannten Negativbeispielen muss man differenzieren. Darmstadt hat seine wichtigsten Leitbauten erhalten (Schloss, Rathaus, Orangerie, Mathildenhöhe usw.) . In Pforzheim ist da viel stärker tabula rasa. Hier müsste zumindest eine Rekonstruktion der Rathausfassade u.ä. her.

      Als zweite Ergänzung: Man sollte ursus´ Zeilen auch als Aufruf verstehen, die bauliche Situation in Würzburg zu verbessern. Vielleicht lassen sich ja in Zukunft bestimmte Ecken durch Fassadeneugestaltung bzw. Umbau zu gefälligeren Ensembles zusammenfassen.
    • Nu, zeno, ich bin ja lernfähig. Erklär mit bitte, woran ich mich da erfreuen soll (Bild von silvester, wie auch die übrigen):



      Das hier ist auch so ein Fall. Ich weiß natürlich das Juliusspital zu schätzen, aber was ist mit dem Rest? Wie konnte man in einer derart zerstörten Stadt Stift Haug so gräßlich verstellen, anstatt vernünftige Sichtachsen zu schlagen?



      Es ist ja nun wirklich nicht so, dass ich die 60erJahre mag, und die Würzburgische Ausprägung ganz sicherlich am allerwenigsten. Aber dieses Beispiel hier ist echt grausam: dieser alte Turm gehört doch beseitigt, der passt hier überhaupt nicht hinein:



      Hier kann echt eine Sau das Grausen lernen- was für eine vertane städtebauliche Chance:



      Schluss aus. Diese Bilder sind echt nicht auszuhalten. Würzburg abhaken und vergessen. Das wird nichts mehr.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Ui, das sieht ja fast so gruselig aus wie die Dresdner Altstadt nur halt mit Menschen bespielt und mit totaler Urbanität. Ob den Menschen auf den Fotos auch so gruselt wie uns, Ursus? Um hier das Stadtbild doch irgendwann einmal noch gesunden zu lassen, bräuchte es vermutlich leider eines l´aquilaischen Ereignisses.
      "Man kann einen gesellschaftlichen Diskurs darüber haben, was Meinungsfreiheit darf. Oder man hat Meinungsfreiheit."
    • Hast etwa geglaubt, dass ich übertreibe oder gar scherze?
      Nur den Vergleich mit Dresden verstehe ich nicht.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Wie so häufig wird hier eine Stadt mit ein paar Bildern wieder sehr viel schlecher gemacht als sie in der Realität ist. Welche Hauptgeschäftsstraße in Deutschland ist denn bitte nicht total verbaut, selbst wenn die Stadt mehr oder minder leidlich gut erhalten war? Ich weiß noch, als ich, nach der Lektüre dieses Forums, vor ein paar Jahren das erste Mal nach Heidelberg kam und eine Stadt voller Bausünden und „Restaltstadt“ erwartete. :lachentuerkis:

      In Würzburg ist nicht alles Gold, was glänzt (z. B. durch Dummheit seiner Barocksierung beraubter Dom, fehlende Toscana-Zimmer der Residenz etc.) aber es ist, ohne den Anspruch der Rekonstruktion, eine der am respektabelsten wieder aufgebauten Städte, die fast völlig zerstört wurden. Die Kleinteiligkeit ist ebenso wie der Stadtgrundriss fast völlig erhalten, viele der 1950er Jahre-Bauten beinhalten Spolien der Vorgängerbauten, die Dächerlandschaft kann man für die Verhältnisse (es gab im Gegensatz zu anderen Städten keinen Gesamtplan für den Wiederaufbau!) schon fast als perfekt bezeichen. Es wurden keine bedeutenden Kirchen gesprengt oder abgerissen, die Ausstattung ließe sich also, was im katholischen Bayern neben Sachsen in Sachen Rekonstruktionsfreude ohnehin noch am wahrscheinlichsten ist, langfristig wiederherstellen. Alleine im Hinblick auf die vorgenannten Aspekte ist der Vergleich mit dem geschundenen Dresden ein Witz!

      Auch der ganz überwiegende Teil der völlig ausgebrannten öffentlichen und halböffentlichen Großbauten (v. a. Stiftsbauten) wurde äußerlich wiederhergestellt und nicht abgerissen. Es gibt keine riesigen Stadtautobahnen, die man in die Stadt geschnitten hat. Ich würde sogar behaupten, dass die gewisse fränkische Gemütlichkeit, die man in den kleineren nahe gelegenen und unzerstörten Orten wie Ochsenfurt etc. verspürt, auch durchaus in Würzburg verspüren kann. Und von der Residenz, die alleine den Würzburg-Besuch wert ist (am besten mit Abstecher nach Veitshöchheim) wollen wir mal gar nicht reden. Oder dem Erlebnis des Aufstiegs zum Käppele mit seinen alten Kreuzwegsstationen und der wunderbaren, unzerstörten Kirche am Ende, die zwischen Spätrokoko und Louis-seize schwelgt.

      Natürlich ist die Entwicklung ähnlich wie in Nürnberg seit den 1960er Jahren aufwärts alles andere als positiv, um nicht zu sagen, dass fast jeder Bau in der Altstadt seitdem ziemlicher Schrott war, aber zum Glück ist das immer noch in Bezug auf die Gesamtbaumasse recht wenig. Zeno hat natürlich auch Recht, es wird sich ziemlich auf dem UNESCO-Weltkulturerbetitel ausgeruht, die Situation auch in Bezug auf die Bereitschaft zu Rekonstruktionen ist wohl am ehesten mit Lübeck vergleichbar.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von RMA II. ()

    • Ich war erst kürzlich in Würzburg und ich kann den Totalverriss, den einige hier betreiben, nicht nachvollziehen. Wie jede deutsche Großstadt hat Würzburg sicher Schwächen, die es gar nicht wegzudiskutieren gibt. Einige Bilder wurden hier ja gezeigt. Der Media Markt ist wirklich entsetzlich. Dennoch hatte die Stadt durchaus Charme und eine erstaunlich urbane Atmosphäre. Hinzu kommen teilweise sehr sehenswerte Altbauten, die in der Altstadt noch sehr zahlreich vertreten sind. Natürlich kann man sagen, dass der Platz vor der Residenz zur Stadt hin missglückt ist, natürlich sind einige Bauten in der Altstadt selbst billigste Nachkriegsstangenware. Aber so zu tun, als wäre Würzburg der Inbegriff des städtebaulichen Unglücks, ist einfach nicht richtig. Dies mag vielleicht stimmen, wenn man sein Leben lang in Paris wohnhaft war. Dann ist Würzburg vielleicht eine ästhetische Zumutung, dann ist aber auch von Reisen ins gesamte Bundesgebiet abzuraten, denn ich könnte sicher 40 deutsche Städte nennen, bei denen noch wesentlich mehr schief gelaufen ist, als es in Würzburg der Fall ist.
      APH - am Puls der Zeit
    • Hallo bin neu hier im Forum...btw tolles Forum !
      Ich kann die harsche Kritik an Würzburg hier auch nicht ganz nachvollziehen.
      Sicher gibt es einige Bausünden und lieblosen 50er Wiederaufbau, aber bedenkt mal wie viel "große Baudenkmäler" (Residenz, Festung, Dom, altes Rathaus) wieder hergestellt wurden. Mehr wird wahrscheinlich nicht drin gewesen sein an Wiederaufbau in den 50er, 60er Jahren, zumal ich gelesen habe das man Würzburg gar nicht wieder aufbauen wollte, sondern als Mahnmal so belassen wollte wie es der WW2 hinterlassen hatte,
      Ich finde man hat zumindest immer noch ein gewisses Flair im Zentrum, auch wenn leider manches in den Augen wehtut.
      Also ich komme aus Pforzheim und ich weiß wovon ich rede, denn dort ist nichts mehr historisch...wirklich nichts mehr. Wenn ich schon mit Freunden und Bekannten in Würzburg war und ich erwähne das die Stadt ähnlich kaputt war nach dem Krieg wie Pforzheim, höre ich immer nur, warum hat man das bei uns in Pforzheim nicht auch so gemacht. Du hast in Würzburg eigentlich trotz allem immer historische Bauten im Blick, egal wo du bist in der Innenstadt...und wenn es nur die Festung Marienberg ist:-).
    • Man musst nicht Pforzheim (oder Ludwigshafen, oder Kassel) erleben, um Wuerzburg positiv zu bewerten! Trotz einiger visuelen Stoerungen, ist ein Spaziergang von der Alten Mainbruecke, durch die Domstrasse, die Schusterstrasse, den Schmalzmarkt bis zum Neumuenster, und dann vom Marktplatz durch die Hafnergasse zum Juliusspital ein beeindruckende Erlebniss! Ich persoenlich finde das Wiederaufgebaute Wuerzburg in Summa bezaubernder als die fast unzerstoerte Bamberg...
    • Allerdings handelte es sich bei Würzburg, ähnlich wie bei Nürnberg, um eine kulturgeschichtlich herausragende Stadt. Sicherlich einst ein Leuchtturm in Europa nördlich der Alpen.

      Und hier kann ich mich Ursus nur anschliessen, es ist abwegig, ja geradezu grotesk, den Wiederaufbau Würzburgs - angesichts der flächendeckenden Misere, welcher der Wiederaufbau in den altbundesdeutschen Mittel- und Grossstädten hinterlassen hat - zu relativeren, bzw. sich selbigen gar schön zu reden. Selbstverständlich haben die verhunzten Abbilder Nürnbergs und Würzburgs allemal noch mehr Strahlkraft als wiederaufgebaute Städte der Sorte Oberhausen, Pforzheim, Hannover etc. Aber schon allein letztgenannte Städte als Vergleichsgrössen heranzuziehen, kann nur als herabwürdigend aufgefasst werden, gemessen an der einstigen Bedeutung und Strahlkraft der beiden fränkischen Grossstadtschwestern.
      "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)
    • Valjean schrieb:

      Grossstadtschwestern

      Na, wer wird denn Äpfel mit Birnen vergleichen? Die beiden Großstädte mögen benachbart liegen (und die Großstadt Fürth dazwischen), aber mit dem Begriff "Schwestern" ist eine Ähnlichkeit assoziiert, wenn nicht gar eine wesensmäßige Übereinstimmung, die bei Nürnberg und Würzburg mitnichten gegeben ist. Ein derart hehres Wort zu verwenden, ist hier nicht nur fehl am Platz, ich empfinde es geradezu als Beleidigung.
    • Nun, es soll auch schon Pferde vor Apotheken gegeben haben, welche von Dresden und Leipzig als sächsischen Schwesterstädten sprachen. Wü und N sind gewiss sehr verschieden, dies zu bestreiten, hätte keinen Zweck. Es sind aber dies die beiden einstigen herausragenden fränkischen Großstädte und Fürth har nun gar nichts verloren in dieser Aufzählung. Den Status einer "Großstadt" hat es auch erst 1990 erlangt.
      "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)
    • Würzburg hat sich vor allem bis heute ein wunderschönes Weichbild bewahrt, was vor allem an den vielen Türmen und den roten und braunen Dächern liegt. Die Dachlandschaft und das Mainufer ist zumindest aus der Ferne weitestgehend von modernistischem Wildwuchs frei, was zu einer der eindrucksvollsten Stadtpanoramen in Deutschland beiträgt, auf einer Stufe z.B. mit Heidelberg. Und Würzburg ist trotz seiner Größe bis heute überschaubar und behaglich geblieben, wenn ich da zum Vergleich nur an die Möchtegern-Metropole Frankfurt denke.
      In dubio pro reko

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Stuegert ()

    • Zunächst: Danke Valjean, genau das ist es.

      Ob wir in Österreich Besseres gewohnt sind, Zeno?
      Natürlich, denn wir hatten keine so schweren Zerstörungen. Und was die Qualität des Wiederaufbaus anbelangt - das haben wir schon woanders diskutiert.
      Feststeht, dass es so eine Stadt* wie Würzburg außerhalb Deutschlands nicht gibt.
      Aber eins schwör ich dir: gerade Wü hätten wir besser hingekriegt (wobei "schlechter" mE nicht denkbar ist, was meine aussage etwas relativiert).

      "So eine Stadt" (*) will meinen:
      1) derartige ausgesprochene Kulturstädte sind in aller Regel nicht zerstört worden. Die Deutschen haben das nicht gemacht, und die Angloamerikaner ebenfalls nicht außerhalb Deutschlands. Im Bereich der Russen hat es eine derartige Stadt nicht gegeben.
      2) Ist eine kulturell bedeutsame Altstadt aber dennoch ausnahmsweise zerstört worden, so hat man stets eine besondere Fürsorge beim Wiederaufbau walten lassen.
      Und zwar über die achso gelobte Wiederherstellung von Einzelbauwerken hinausgehend. Von Danzig bis Saint Malo kann man einige Beispiele anführen, auch in D.: Freundenstadt (nicht sehr schon , aber stimmig) und Donauwörth. Sogar in Braunschweig hat man sich bei den zentralen Plätzen bemüht.
      Und hier lässt es sich nicht leugnen, dass dieser Wille in Wü völlig, aber wirklich völlig fehlt.
      Und das ist schlimm, sehr schlimm. Eine Stadt ist mehr als ihre Kirchen, Burgen und Palais.
      Es ist absurd,
      die Peterskirche so schön wieder aufzubauen und daneben so einen geschmacklosen Kubus hinzustellen,
      Stift Haug zur Schauseite hin in derartige Nichtswürdigkeiten einzubetten (die Stadt war ja total zerstört, warum hat man hier nichts Neues schaffen wollen, einen kleinen Berninischen Petersplatz in schönem, zeitlosen Stil?),
      eine locker gefügte Barockstraße wie die Theaterstraße mit vielen erhaltenen wichtigen Bauwerken so zu verunstalten,
      die einigermaßen erhaltenen Petrini-Fassaden am Markt abzureißen und durch Schrott zu ersetzen, der sogar in Nürnberg Seinesgleichen sucht,
      ditto an der Stirnseite (O-Seite) des Oberen Marktes, nur damit um Kapelle und Falkenhaus nur ja keine Ensemblewirkung entsteht,
      vis-à-vis vom Grafeneckhart so eine besondere Belanglosigkeit hinzustellen, die man unlängst sogar bewusst nicht zum Besseren korrigiert hat,
      den weitgehend erhaltenen Bereich um Domschulstraße und östliche Neubaustraße nicht mit guten Füllbauten zu ergänzen, sondern mit (bis in die jüngste Zeit!) besonderen Geschmacklosigkeiten zuzuscheißen, als ob letztgenannter Infinitiv nicht auf diese gesamte "flächendeckenden Misere" (danke Valjean!) anzuwenden wäre!
      Sicher gibt es schreckliche Wiederaufbauleistungen en gros, aber gerade is Wü gibt es keinen noch so kleinen Funken eines gestalterischen Willens oder guten Geschmacks. Ja, ein solcher Wille und Geschmack wurden vorsätzlich mit Füßen getreten. Als ich in Wü war (mehrmals) habe ich mich augrund meines damaligen Alters nicht mit philosophisch-politischen Fragen auseinandergesetzt, aber ich konnte es nicht verstehen, wie man solche an sich höchst leicht vermeidbare Dinge tun konnte. Heute schließe ich nicht aus, dass es Absichtlichkeit war.
      Diese Menschen waren Barbaren, die - günstigstenfalls - nur die Klingelkassa im Kopf hatten und nicht einen Funken von Anerkennung verdienen.
      Und was dir an dem Terminus "Großstadtschwersten" nicht passt, Zeno ist nicht einzusehen. Natürlich sind sie das, Wü und Nü. Vollständig zerstört und abscheulich wiederaufbebaut, nur noch leere Hüllen, die man am besten von außerhalb oder von Weitem betrachtet und im Inneren nicht ertragen kann. Willst du zwischen würzburgischem und nürnberigschem Schrott differenzeren? Tut mir leid, das prägt eben diese Städte und die schönen alten Bauten, zugegebenermaßen an sich gar nicht so wenig, ertrinken darin.
      Ja Volker, von außen ist Wü ganz schön. Und? Kann das für einen Stadtbildfreund ausreichen, noch dazu in Kenntnis des inneren Zustandes? Wo man nämlich ja auch den Zerstörungsgrad sehr wohl von oben erkennt, nicht drüber hinwegsehen kann.
      Den Vergleich mit Salzburg, Zeno, lass lieber bleiben. Was das Panorama betrifft, so konnte Würzburg schon vor der Zerstörung nicht mithalten, wie auch kaum eine andere Stadt. Die alpine Lage bringt einfach eine einzigartige Kulissenhaftigkeit mit sich, die architektonisch ideal ausgenützt wurde. So etwas gibt es nicht einmal in Italien. In Mitteleuropa erst recht nicht - Rothenburg, Tangermünde, Nürnberg, Dresden, Budapest, Brünn, Znaim, Krumau - im Vergleich zu Salzburg fehlt ihnen die dritte Dimension. Nicht einmal Prag kann da mit.
      Ob das Bahnhofsviertel in Salzburg jetzt hässlicher als anderswo ist oder nicht, erscheint wirklich zweitrangig. Das Stadtpanorama braucht man nicht vom Bahnhof aus genießen zu können, da gibt es unzählige andere Punkte (dies ist mE der Hauptvorzug von Salzburg: der Blick von "außen" oder von "oben" ist hier quasi omnipräsent, und nicht nur von außen erlebbar).

      Sicher ist die Kaiserstraße ein besonders böse gewähltes Beispiel. Ich wußte nicht, wo sie liegt und dass sie keinerlei historische Tiefe aufweist. Aber, wie du selbst einräumst, Zeno - woanders ist es nicht besser! Und das ist das Schlimme, nämlich, dass ich vermeinte, derlei in Würzburg häufig, quais als Normalfall gesehenzu haben. Der unerträgliche Marktplatz mit Waschbetonfassaden ist nur der Gipfelpunkt.

      Und zum Schluss, da dies schon lang genug war nur noch Eines:
      Ihr könnt euch sicher sein, dass sich in Wü sehr, sehr lange nichts ändern wird. Dem allerersten Schritt müsste ein allgemeiner Meinungsumschwung vorausgehen, und ein solcher erscheint solange ausgeschlossen, als eine Horrorstadt wie Wü in einem Forum wie diesem so unerträglich schöngeredet wird.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ursus carpaticus ()