• Ein sinnlos gehässiger Artikel von RMA, da hat yw schon recht. Abgesehen davon ist nicht einzusehen, was an der bloßen Konstatierung der Hässlichkeit Wü. "realtitätsfern" sein sollte. Kein Mensch hat irgendwas Realitätsfernes "gefordert", keinen Flächenabriss, keine Reko des Marktes, nicht einmal des Domlanghauses. Dass dies im selbstgefälligen Franken keine Chance auf Realisierung hätte, ist sowieso klar.

    Indes ist anzumerken: Dass das ästhetische Empfinden mancher entwickelt genug ist, um sich nicht mit der bloßen Existenz von Schrägdächern oder Fensterachsen zu begnügen, sollte hier nicht als Spinnerei abgekanzelt werden. Mir ist es ja an sich wurscht, soll wer nicht anders will glücklich werden in seinem Würzburg, soll er sich an dessen öden Wirtschafgtswunderstraßenfluchten ergötzen, auch seine Begeisterung darüber laut kundtun - ich kann andere Meinungen ertragen. Wahrscheinlich ist das wirklich nur eine Frage des kulturellen Umfeldes. Eben dieses in D. zu zerstören, war ja das erklärte Ziel der strategischen Bombardierungen. Wer halt Wien, Graz, Prag oder auch Passau als urbanes Umfeld gewohnt ist, wird halt einen anderen Zugang haben.

    Wie gesagt, es geht nicht drum, "rechtzuhaben". Das Tragische ist nur, dass sich, solange dieser Konsens über den "guten Wiederaufbau" der bayerischen insb der fränkischen Städte bestehen bleibt, nichts an diesen momentan grauenvollen Orten ändern wird. Auch der anstehende teilweise Wiederaufbau des keinesfalls "schlechter" aufgebauten FF (das wäre gar nicht möglich) wurde nur dadurch ermöglicht, dass sich die Anzahl der Narren, die am TR Gefallen fanden, durchaus in Grenzen hielt.

    Weser (gil)

    Mit deinem Deutsch komme ich klar, mit deinem ästhetischen Empfinden weit weniger. Dies umso mehr, als ich von dir weiß, dass du vieles wahrhaft Schönes und Intaktes kennst. Ich finde die von dir genannten Wü.er Beispiele allesamt unmöglich - kein einziges Ensemble taugt etwas.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Ich möchte da auch "youngwoerth" zustimmen, daß eine derart pauschal vorgetragene Attacke gegen dieses Forum unangebracht bzw. deplaziert ist. Doch abgesehen davon tendiere ich zwar emotional zu "RMA"s Sichtweise, kann aber "ursus carpaticus"´ Argumentation verstehen - ja finde sie auch durchaus sehr interessant und anregend. Vermutlich allerdings bin ich wohl zu "konservativ", um "ursus"´ durchaus revolutionärem Ansatz vertrauen zu können. Dieser geht schließlich davon aus, die Zustände zuzuspitzen, sie in solche Unerträglichkeit zu steigern, daß der Kopftopf irgendwann explodiert und die Möglichkeit eines Epochenwechsels herbeiläutet. Das ist die Sichtweise des Revolutionärs, indes bin ich aufgrund meines Menschenbildes skeptisch hinsichtlich des Eintritts eines solchen Szenarios. Denn, es geht immer noch schlimmer. Der Mensch ist stets fähig zur weiteren Niederentwicklung. Wenn man also davon ausgeht, daß sich die Leute an die Behaglichkeit eines minderwertigen 50er-Jahre-Wiederaufbaus gewöhnen können, dann kann das Niveau auch noch weiter heruntergeschraubt werden. Wer weiß, vielleicht gewöhnen sich die Leute auch an überdimensionierte Glaskästen mit Strichcode-Fenstern? Empfinden dies als natürliche Lebenswelt. Vielleicht hätten sie sich auch in Frankfurt an das Technische Rathaus gewöhnt, wenn es zehn Jahre länger gestanden hätte und die Stadt nach einer rentablen Sanierung gehörig die Propagandatrommel ("interessantes Zeitzeugnis") gerührt hätte. Ich habe einen Kumpel, der vor der Altstadt-Debatte zu mir meinte: "Das ist ein sehr spezielles, aber auch interessantes Gebäude." Er empfand das Haus nicht unbedingt als schön, aber er hatte sich daran gewöhnt und war sicherlich kein glühender Abrissfreund. Als ich indes davon anfing, daß ich für das Berliner Stadtschloß spenden wolle, antwortete er mir amüsiert und etwas verständnislos: "Das willst Du jetzt auch noch haben?" (So nach dem Motto: "Willst du immer noch keine Ruhe geben?") Als wir am "Palast der Republik" in Berlin vorbeigingen, sollte ich ihn fotografieren. Mein Kumpel meinte: "Das ist ja auch Geschichte, die hier einfach weggerissen werden soll." Fazit: Er hatte sich längst an den Anblick des PdR gewöhnt.
    Zurück zu Würzburg und dieser Schule: Es geht also immer noch schlimmer. Das Sein bestimmt das Bewußtsein. Und das sagt "ursus" ja sogar selber:

    Quote

    Wer halt Wien, Graz, Prag oder auch Passau als urbanes Umfeld gewohnt ist, wird halt einen anderen Zugang haben.


    Und insofern muß man im Einzelfall prüfen. Wenn ein Bau einem Straßenbild zuträglicher ist, wenn seine Architektur den Einwohnern ein Mehr an Maß, Proportions- und Formempfinden im Alltag vermittelt, dann muß man ihn erhalten, so lange die Alternative eine Verschlechterung bedeutet. Es geht also um eine pädagogische Maßnahme, um minimale Kulturreste über diese Zeit zu retten. Sollten sich die Alternativen eines Tages verbessern, dann weht ohnehin ein anderer Geist durchs Land. Ein ideologisch versteinerter Denkmalschutz kann dann sehr leicht auch wieder weggefegt werden.

  • @Ursus

    Selbstverstaendlich, Wuerzburg ist nicht intakt wie Graz oder Bamberg. Trotzdem, finde ich die Stadt sehr attraktiv und angenehm. Man muss beruecksichtigen, wie 1945 schwer zerstoert Wue war (wie kaum andere Stadt in D!). Ausserdem, finde ich einige Vorteile in heutigem Wue: Die moderne Schoenbornstrasse (besonders um Dominikanerplatz) ist in meinen Augen schoener als die alte, gruenderzeitliche, Schoenbornstrasse (sie koennen mich steinigen!). Auch das moderne Innerer Graben finde ich schoen. Ja, in Wue gibt es einige sehr gelungene Beispiele des Wiederaufbau Stil der 50er Jahren. Leider hat die Stadt einige sehr stoerende Bausuenden: im Marktplatz ("Petrini" ist nicht das schlimmste!), das Parkhaus in der Bronnbachergasse usw. Immerhin, ist das "Stadtbild-Erlebnis" in Wue fuer mich sehr positiv. Dieses "Stadtbild-Erlebnis" haengt nicht nur von der Zahl von alte Hauser in einer Stadt ab. Es haengt auch von etwas anders ab. Wenn ich auf der alten Mainbruecke stehe, oder durch den Schmalzmarkt gehe (in Richtung Neumuenster), fuehle ich den Begriff "Stadtbild" sehr stark. Tatsaechlich, fuehle ich diesen Begriff staerker in Wue als in Bamberg.

  • Man muss beruecksichtigen, wie 1945 schwer zerstoert Wue war (wie kaum andere Stadt in D!).


    Kriegsschicksale Deutscher Architektur (siehe eine Seite vorher):

    Quote

    Die Bombardierung Würzburgs hatte zwar eine Ruinenlandschaft hinterlassen, historische Stadtstruktur und Bausubstanz waren jedoch noch weitaus besser ablesbar geblieben, als dies in vielen anderen, stark durch Sprengbomben zerstörten Städten der Fall war. Die meisten dieser Ruinen sind aber beim Wiederaufbau beseitigt worden.

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Quote

    Dass Würzburg heute sehenswerter ist, ändert nichts daran, dass der Wiederaufbau in beiden Städten ungefähr gleich mies war

    Da würde ich doch gern entschieden widersprechen, in Würzburg gibt es relativ viele Beispiele für hochwertige Architektur aus den 50er Jahren, das ganze wirkt einigermaßen stimmig und ergibt ein durchaus erträgliches Gesamtbild.

    Pforzheim, das ich tatsächlich relativ gut kenne, zählt hingegen zu den absolut häßlichsten Städten in ganz Deutschland. Nicht nur, daß Gestaltung dort wohl ein Fremdwort ist, das meiste befindet sich auch noch in einem katastrophal angegammelten Zustand.

  • Mit der nächsten Sanierung Sprossenfenster und Fensterläden dran und es könnte ein äußerlich recht gemütliches Haus entstehen. Schlimm wie diese geschundene Stadt ihre vorhandenen Potentiale nicht nutzt und solche unnötig sterilisierten Stadtbilder einfach hinnimmt. Als wären die gewaltigen Kriegsverluste nicht schon genug, versaut man auch noch einigermaßen gut eingefügte Wiederaufbauarchitektur.

    "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
    Arthur Schopenhauer

  • Das Gebäude ist denkmalgeschützt, wie ich schon beim ersten Anblick vermutet habe. Wird also wohl eher nix mit Abriss.

  • Wenn ich auch ansonsten auf Würzburg nix kommen lasse, ist eine solche Aussage doch mit Abstand das dümmste und bescheuertste, was ich seit langem gehört habe. Gleichzeitig wird dadurch eine absolut veraltete und nicht mehr vertretbare Geisteshaltung offenbart, in der "das alte Würzburg halt mal so ein bißchen für immer untergegangen ist" und nun dieser 50er-Jahre-Schmierkäse für alle Zeiten die Richtigkeit des demokratisch geläuterten Wiederaufbaus unter der Generation Adenauer repräsentieren muß; und da scheint es diesem Typ auch erlaubt zu sein, sich in aller Gutmütigkeit und Behäbigkeit in seinen Amtssessel zurückzulehnen, sich dabei ergötzend, was man alles geschafft hat.
    Da eine Einmischung von außen in das Selbstverständnis im allgemeinen nicht so gerne gesehen wird, würde ich den Würzburgern wünschen, daß sie sich selbst noch einmal mit den Umständen befassen, warum das alte Würzburg zur Legende geworden ist und daß dieser ganze Schmodder aus den 50er und 60er Jahren niemals einen adäquaten Ersatz dafür darstellen kann , und daraufhin die einzig richtige Entscheidung fänden.

  • Quote

    Nirgendwo sonst, weltweit, gibt es bislang mehr jüdische Grabsteine aus dem Mittelalter als in Würzburg.


    Keine Städtelandschaft Europas dürfte archäologisch so gut erforscht sein wie die deutsche. Das ist nichts, worauf man stolz sein müsste, da Bombenkrieg und großflächige Abrissmaßnahmen die traurige Grundlage für solche wissenschaftlichen Untersuchungen bilden. Es ist doch einfach unglaublich, dass man Ende der 1980er Jahre ein altes Klostergebäude tatsächlich abgerissen hat. So aufschlussreich der Fund der jüdischen Grabsteine für die Landesgeschichte auch sein mag, der Preis war viel zu hoch. Der wissenschaftlichen Erkenntnis ging ein nicht hinnehmbarer Akt der Kulturbarbarei voraus. Die jetzigen Selbstlobhudeleien lassen für solche Gedanken freilich keinen Platz.

    "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
    Arthur Schopenhauer

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    Drei Jahre lang war die Hofkirche der Würzburger Residenz wegen Sanierungsarbeiten geschlossen, nun eröffnete sie Bischof Friedhelm Hofmann mit einem Pontifikalgottesdienst wieder.

    Er betonte in seiner Predigt, dass das von Balthasar Neumann errichtete Gebäude, das in die beeindruckende Residenz integriert ist, den Himmel einen Spalt weit öffne. Den Innenraum der Kirche prägen nun erneut die Stuckmarmorsäulen, die aus Carraramarmor hergestellten Figuren sowie die Malereien der Deckengewölbe und Seitenaltäre

    Hofkirche erstrahlt in neuem Glanz | MAIN-POST Nachrichten für Franken, Bayern und die Welt

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.

    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Hallo zusammen,

    glaube, dass die online-Petition hier noch nicht gepostet wurde! Der Stein-Wein-Pfad-Verein will eine große Betonplattform in den Weinberg stellen. Bitte unterstützt uns im Widerstand gegen diese geplante Bausünde! Mehr Infos und zur Online-Petition gibt es hier: Petition | Verein Stein-Wein-Pfad, Würzburg: Kein Beton am Stein! Gegen den Bau der modernen Aussichtsplattform am Stein | Change.org

    Wir haben auch eine Infoseite erstellt:

    http://denkmalschutz-wuerzburg.de/index.php/Aktionen/Steinweinberg

    Viele Grüße

  • Eine löbliche Petition. Diese bemüht futuristische und die Landschaft störende Plattform sollte verhindert werden. Statt dessen sollte das Geld in die dringend benötigte Herrichtung der bestehenden Aussichtspunkte investiert werden.

  • Das Problem dürfte in Zukunft des öfteren auftauchen. Die teils massiv überschuldeten Kommunen können den Unterhalt ihrer öffentlichen Gebäude nicht mehr sichern und sind zur Veräußerung gezwungen. Ob dann ein Käufer/Investor aber gefunden werden kann, steht in den Sternen und liegt am Vermarktungspotenzial des Objekts. So entsteht die Gefahr des Verfalls.
    Wollen wir für das schmucke Würzburger Palais das allerbeste hoffen.

  • Naja, finde es etwas unsinnig das Fallrohr jetzt an der Fassade langzuführen und nicht wie vorher seitlich am kleinen Fassadenvorsprung zum Nachbarn.

  • Quote

    Gästeführer und Kunsthistoriker Rudi Held über die Liebe der Bürger zum Mittelpunkt Würzburgs – und über emotionslose Neubauten
    [...]Dabei ist Held nicht gerade ein Freund jener Bauten, die zuletzt am Marktplatz entstanden sind oder gegenwärtig entstehen. Es sind ihm in der Innenstadt zu viele geworden. „Die Balance zwischen Tradition und Moderne stimmt nicht mehr“, erinnert er an die Geschäftshäuser wie Forum-Bau oder s.Oliver-Haus. „Dem Marktplatz täten ein paar Rekonstruktionsbauten nach historischem Vorbild gut, wie beispielsweise das Dietricher Spital anstelle des Völk-Hauses an der Ostseite.“
    Held ist sich dessen bewusst, dass Historisierendes bei Architekten und auch vielen Denkmalpflegern verpönt ist, auch als reaktionär gilt. Moderne Architektur überzeuge, so Held, im gelungenen Fall durch Reinheit und Klarheit der Formen, durch Proportionen und ihre Materialien. „Doch sie versteht sich als autonom und kann daher die Geschichte und Eigenart eines Ortes nicht zum Ausdruck bringen. Sobald sie überwiegt, fehlt einem Marktplatz Emotion, Stimmung und Erinnerung.“
    Umkränzt von Häusern unterschiedlichster Baustile und Höhen habe der untere Markt seine historische Substanz größtenteils eingebüßt, bilanziert der Gästeführer. „Die Atmosphäre ist steril, die Sitzplätze sind Nebensache und haben keinen Zusammenhang.“ Diesen Eindruck verstärke das umstrittene Forum-Haus. Viele Gäste fragten, wer das Teil genehmigt habe. Held nennt den Bau „provinziell“. Es wundert ihn, dass der Muschelkalk an Neubaufassaden oft als ortstypisch herausgestellt wird. „Aus Muschelkalk waren früher nur die Sockel, die Fassaden aber aus Sandstein. Das hatte technisch und farblich seinen Sinn.“ [...]

    Warum die Würzburger ihren Marktplatz lieben - Mainpost

    Die Kommentare sind auch entsprechend - wenigstens die Einwohner Würzburgs sind sich des Elends der letzten Jahre bewusst.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • "Held ist sich dessen bewusst, dass Historisierendes bei Architekten und auch vielen Denkmalpflegern verpönt ist, auch als reaktionär gilt."

    Wie kann man diesen Umstand in diesem Land jemals ändern? Über die Frage denke ich täglich nach. Ich glaube, es ist nahezu unmöglich, die Ideologien sitzen zu fest.

    In dubio pro reko