• Ich moechte hier die (fuer mich) schlimmste Bausuende im Wuerzburger Marktplatz erwaehnen (sogar schlimmer als das neue "Petrini Haus"!) - der Klotz an der ostseite des Unteren Markt. Es sieht wie ein besonders miserables Gebaude von den 60-er oder 70-er Jahren aus. Ich denke, dass es am Platz des ehemaligen barocke Petrini Haus steht. Der Unterer Markt kann viel gewinnen durch eine Verbesserung in diesem Standort. Vielleicht gibt es schon ein Plan das zu machen?

  • Quote

    Seinen schlechten Ruf hat er aber wohl dem Umstand zu verdanken, dass er die breite Ostseite des Marktplatzes einnehmen darf und sein Vorgängerbau, das Dietricher Spital, eine wundervolle Barockfassade aufwies. Zu bemängeln ist aber eigentlich nur der nördliche Teil, Marktplatz 26, 28, 32 u. 34, der sich mit seinen Waschbetonbrüstungen schwertut, seine Entstehungszeit zu verheimlichen. Das echte Wohnhaus Petrinis stand dennoch an der Stelle des jetzigen Petrini-Hauses (oder Forum-Haus). Irgendwelche Pläne, die Marktplatz-Ostseite zu rekonstruieren, sind mir nicht bekannt.


    Man täte aber sehr gut daran, denn das Dietricher Spital war eines der schönsten Bauten Petrinis. Und Marktplatz 26, 28, 32 u. 34 ist wirklich der häßlichste Bau am Marktplatz. Ich würde bei einer Hausrekontruktion in Würzburg auch an erster Stelle an das Dietricher Spital denken. Schon weil es auf der breiten Ostseite der Marktplatzes so wunderbar wirken würde.

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Quote from "Zeno"

    Für mich nicht ganz nachvollziehbar wird dieser Bau immer wieder als schwere Bausünde eingestuft. Schwerlich nachvollziehbar deswegen, weil es in Würzburg jede Menge solcher Bauten gibt und dieser Bau dann auch nicht mehr übermäßig schwer ins Gewicht fällt.


    Diese etwas bemühte bis gewundene Argumentation sagt wohl alles über die heutige Befindlichkeit der ehem. Kulturstadt Würzburg aus, und dies äußerst treffend.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Natürlich ist der Wiederaufbau Augsburgs um nichts besser als der Würzburgs, nur blieb dort doch noch etwas an Bürgerbauten erhalten.
    Es ist alles Ansichtssache: In Ö und seiner Umgebung sehen Großstädte so aus, wie Linz, Graz, Salzburg, oder auch Prag, Wien, ungünstigstenfalls (weil historistisch völlig entstellt, wovon Wü immerhin nur träumen könnte) zB Brünn eben aussehen.
    Eine total zerstörte Großstadt gibt es in unseren Breiten nicht, interessanterweise (außer dem immerhin tw recht gefällig aufgebauten und keineswegs einen Totalverlust, als welcher Wü ja leider unzweifelhaft anzusehen ist, darstellenden München) auch in Kern-Bayern nicht. Da muss man schon weiter nach D hineinfahren.
    Wahrscheinlich hat der Bombenkrieg tatsächlich eine Nivellierung der dt. Ansprüche mit sich gebracht. Wenn alle Städte so aussehen, fällt einem ein Stadtbild à la Wü, das ich als haarsträubende, unannehmbare Zumutung empfinde, nicht weiter auf.
    Das ganze wird erst dann richtig pervers, wenn man sich die (kunst)historische Bedeutung der Stadt und einiger erhaltenen Einzelbauten vor Augen führt - und das bei einem Stadtbild, das heute, sagen wir, dem Klagenfurts nicht im Entferntesten das Wasser reichen kann, wahrscheinlich nicht einmal dem von Kattowitz.
    Aber auch wenn wir nicht diesen Zerstörungsgrad bei unseren Städten zu beklagen hatten, ist es legitim, katastrophale Wiederaufbauleistungen zu kritisieren oder zu beklagen - das heutige Wr. Neustadt, alles andere als eine solche Zumutung, berechtigt uns dazu ebenso wie manche wiederhergestellte Ensembles der Inneren Stadt (zB Platz am Hof, auch wenn es in Wien leider auch hochgradig unästhetische 'Lösungen' gab, wie zB den Hohen Markt, dessen Neubebauung derjenigen seines Würzburger Pendants nur wenig nachsteht).
    Aber hier fehlt den Deutschen jedenfalls das Bewusstsein dafür, dass die Hässlichkeit Wü oder Nü ein mitteleuropaweit einzigartiges Phänomen darstellt - jede hinreichend alte Stadt über 100.000 hat hier eine einigermaßen ansprechende Altstadtzone. Zweifellos wird es von der Ochlokratie des Massentourismus nicht erkannt. Bemerkenswerter erscheint mir, dass auch die meisten kultivierten Juhser dieses Forums hier schon allein dadurch zu einer gewaltigen Beschönigung neigen, indem sie das heutige Wü als "Stadtbild" oder "Stadtraum", welcher oder welches diesen Namen vedient, akzeptieren oder auch nur diskutieren.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Quote

    mitteleuropaweit einzigartiges Phänomen darstellt - jede hinreichend alte Stadt über 100.000 hat hier eine einigermaßen ansprechende Altstadtzone


    Vielleicht gilt das für Mitteleuropa - In Nordeuropa und Südeuropa ist es nicht unbedingt so (siehe UK, Spanien, Skandinavien, sogar NL). In Polen und Russland sieht es auch nicht immer rosig aus.


    Deine Maximalforderungen finde ich ok, dass heisst aber auch das nur Italien, Frankreich, Österreich und Böhmen ok sind.


    Dt. Grossstädte haben noch vieles zu bieten, vor allem im Süden und im Norden. Problematisch ist vor allem der Zustand der ehm. Fachwerkstädte (Frankfurt, Kassel, Hannover).

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Man muss gar nicht nach Warschau schauen, um zu erkennen, dass der Wiederaufbau Würzburgs völlig unzureichend ausgefallen ist. Trotzdem fällt auf, dass viele sich zu sagen scheinen, dass bei uns daheim so etwas halt nicht ginge, ohne grundlegende Fragen nach dem Warum zu stellen. Ein Blick nach Donauwörth oder Rothenburg zeigt, dass selbst in Bayern weitaus bessere Ansätze verfolgt wurden.

    "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
    Arthur Schopenhauer

  • Quote

    Glücklicherweise habe ich Köln, Pforzheim, Wilhelmshaven und Düsseldorf noch nicht gesehen, denn diese müssen entsetzlich sein


    Entsetzlicher als Würzburg? Geht einfach nicht!
    ME ist Köln sogar deutlich besser (aber damit stehe ich eher isoliert da. Allein mich hat Köln immer beeindruckt. Der Dom, die Rheinfront, der Alte Markt, das Rathaus, das kleine Altstadtviertel... Der Kölner Wiederaufbau ist teilweise nicht so schlecht, wie er hier gemacht wird. Er hat in den erwähnten Teilen annehmbare Seiten. Dazu ist Köln eine schmutzige Großstadt, die Moderne verträgt. In Köln bin ich eher seelisch darauf eingestellt, durch trostlose Straßen zu wandeln, um zu irgendeiner roman. Kirche zu gelangen. Dort stört das nicht so.
    Aber in Würzburg finde ich das nur schrecklich. Wahrscheinlich fehlt der Stadt auch so etwas, das ich als 'intakten Kernbereich' bezeichnen würde. Nirgends im Zentrum gibt es eine auch nur halbwegs ungetrübte Stelle, an die man sich geborgen fühlt, wohin man sich zurückziehen kann, die man so akzeptieren kann, ja auf die man sich freuen kann. Für mich ist derartiges wichtig. Dann bin ich auch bereit, unzulängliche Stadtviertel zu hinzunehmen.
    Köln ist in dieser Hinsicht weit befriedigender.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Diese Einschätzung wundert mich allerdings.
    Nachdem ich nun Würzburg erstmalig gesehen habe, und Köln schon länger und detaillierter kenne, muss ich sagen, dass die Altstadtbereiche in ziemlich vergleichbarer Qualität aufgebaut wurden. Es finden sich in beiden Städten immer mal wieder spolienhaft eingebaute Bauteile und einzelne übrig gebliebene Altbauten, während der große Rest jeweils sehr enttäuschend ist und die ehemals vorhandene historische Tiefe sowie die große historische Bedeutung beider Städte in keiner Weise widerspiegelt. Für die herausragende Architektur gilt ähnliches, sowohl in Köln als auch in Würzburg wurden fast alle Kirchen wieder aufgebaut, aber sehr häufig modern ergänzt oder ausgestattet.


    Pforzheim oder gar Wilhelmshaven lassen sich mit Köln und Würzburg nicht vergleichen. Wilhelmshaven ist eine neue gegründete Militärstadt des 2. Reichs mit extrem geringer historischer Tiefe und völlig belangloser architektonischer Qualität. Die Kriegszerstörung konnte sich dort kulturell gar nicht schlimm auswirken.

  • Der Rheinfront der Kölner "Altstadt" ist teilweise ziemlich gut, einige Gassen die davon abgehen auch, aber der Alte Markt und der Heumarkt sind bereits unter Würzburger Niveau. Insgesamt haben Köln, Würzburg und Nürnberg sich wohl gleich viele (oder wenige) Mühen gemacht. Nur sind Brutalitäten wie die Hohe Strasse oder die Nord-Süd-Fahrt nicht mit der Größe Kölns allein zu entschuldigen. In Hamburg oder München gibt es die so nicht. Frankfurt am Main steht wieder eine ganze Stufe tiefer als Kö, Wü oder Nü.

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Pluspunkt sowohl für Nürnberg wie auch Würzburg, die Kleinteiligkeit und Maßstäblichkeit wurde beim Wiederaufbau übernommen.
    Das macht beide Städte heute trotz aller baulichen Verluste behaglicher als andere deutsche Städte, wenn auch weniger großstädtisch. Jedenfalls lässt ihre Gesamterscheinung den Vorkriegszustand noch besser nachempfinden, allein das wird schon von Besuchern wie Einwohnern geschätzt.

    In dubio pro reko

  • Meine ich auch, nur sollten die Nürnberger und Würzburger sich nicht damit zufrieden geben und überall verbessern und rekonstruieren, denn auch in ihren Städten ist das bitter nötig.


    Die zerstörten Bereiche der südlichen Kölner Altstadt wurden einfach als eine planierte, asphaltierte Fläche gestaltet, umrahmt vom billigsten Waschbeton und simpelsten Rasterfassaden.
    Diese Wunde kann nur noch bei einer gezielten Planung, Rückkehr zur Blockrandbebauung usw., über Generationen geheilt werden. Dasselbe gilt für fast die gesamte ehem. Frankfurter "Altstadt".

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Meinst du nicht, dass die Einschätzung Würzburgs als schönste Großstadt Bayerns neben München nicht eher auf Würzburg selbst und dessen Umland beschränkt ist ?
    (Wobei die Stadt in der hiesigen Lokalpresse ja auch oftmals süffisant als Provinzstadt bezeichnet wird).


    Also mir ist dieser Ruf , der Wü da vorauseilen soll, noch nicht anderswo in Bayern aufgefallen.


    Was ist denn dann mit dem un- oder relatv wenig zerstörten Bamberg, Regensburg, Augsburg , Fürth , Aschaffenburg etc. und den ebenso zahlreichen unzerstörten Kleinstädten ...



    Die Um- und Neubauten werden wie jedes Mal eh wieder extrem hässlich aussehen ( obwohl , das ist das Gebäude ja jetzt schon).
    Ein Jammer bei den vielen Bauarbeiten der letzten Jahre im Innenstadtbereich und die verschenkten Möglichkeiten zur Rekonstruktion.
    Aber das wird in Wü und bis auf einige wenige Ausnamen auch deutschlandweit eh nix mehr.


    Vereine wie dieser ( der scheint ja auch "nur" von Studenten zu sein, aber es gibt doch glaub ich noch einen anderen in Wü, oder täusch ich mich da ?) haben wohl überhaupt keinen Einfluss ?
    http://www.denkmalschutz-wuerz…index.php/Main/Startseite

  • Quote

    Das unter Denkmalschutz stehende Hauptgebäude soll in seinem äußeren Erscheinungsbild einschließlich des überdachten Haupteingangs weitestgehend unverändert bleiben, erklärte Wiedemann.


    Quelle: Startseite | MAIN-POST Nachrichten für Franken, Bayern und die Welt
    Also dieses Gebäude, stadtbildverunstaltend wie der Frankfurter Bundesrechnungshof, steht unter Denkmalschutz, das wirklich historische Hochhaus in der Augustinerstraße aber nicht :gehtsnoch:


    So was heißt euphemistisch erklärungsbedürftig.

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Vielleicht missverstehen wir den Denkmalschutz ja schon die ganze Zeit. Womöglich geht es beim Denkmalschutz gar nicht um den Schutz der Denkmäler, sondern um den Schutz vor den Denkmälern. Mit Insektenschutz(mitteln) will man ja schließlich auch nicht die Insekten schützen. :P:gehtsnoch:

    "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
    Arthur Schopenhauer

  • Leider setzt sich der banale Geschmack immer noch in Würzburg durch. Wenn es so weitergeht, wird auch der Tricyan-Tower gebaut werden.

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Zu meinem Erstaunen fand ich die Mozartschule zu Wuerzburg, besonders durch Zenos zweites Bild beeinflusst, erhaltenswert (kann mit der Aera meist nicht viel anfangen, und die meisten Gebaeude aus der Zeit sind mir zuwider). Nun hat eine Gruppe von Fachleuten der abrissbereiten Stadt gesagt, die Schule solle stehenbleiben. Erfreulich! Aber selbst wenn die Stadt diesen Rat annimmt fuerchte ich, dass dieses oder ein zukuenftiges Projekt fuer ein shopping center an anderer Stelle Druck auf die Stadt ausueben wird, Bauten einzureissen, die wir noch weit mehr vermissen wuerden wie diese Schule.


    Das wäre natürlich fatal. - Und solch ein Einkaufszentrum finden Kommunalpolitiker ja fast generell gut. - Doch bei der Fülle an Bausünden, die Würzburg ja leider vorzuweisen hat, stehen die Chancen nicht schlecht, daß für einen Shopping-Tempel einige Kästen aus den 60ern oder 70ern fallen. Wollen wir ´s hoffen.



    Moderationshinweis (Zeno):
    Zitat aufgenommen, um infolge der Umordnung von Beiträgen verlorengegangene unmittelbare Bezüge wiederherzustellen

  • Nein. Für Würzburg bleibt nur zu wünschen, dass 60er-Jahr -Schrott wie die Mozartschule so rasch wie möglich verschwindet. In der "Altstadt" hat dergleichen, wie man auch seine (höchst bescheidenenen) architektonischen Meriten einschätzen mag, ohnehin nichts zu suchen. Ein an seiner Stelle errichtetes Einkaufszentrum hat viele Vorteile: seine unzweifelhafte Hässlichkeit lässt die Sehnsucht nach der Altstadt wieder aufkommen, es handelt sich um ein Gebäude mit Ablaufdatum, und last but not least: wenn es irgendwann zu einer ernstzunehmenden Altstadtdebatte à la FF in Wü kommen sollte (mE ohnehin die einzige Chance, aus dieser unglücklichen Stadt was zu machen), dann wird hier keiner den Denkmalschutz für diesen Kasten ins Spiel bringen, was bei dieser komischen Schule allzuleicht der Fall sein könnte- also weg damit bei günstigem Wind! Das Wü temporär ein Stück hässlicher wird, sollte niemanden erschrecken, zumal dies eh schon wirklich wurscht ist.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.