• Eben. Ich bin eigentlich über jeden schlichten Nachkriegsneubau in Würzburg froh, der erhalten bleibt, denn meist kommt nichts Besseres nach.
    Es wäre schon sehr viel gewonnen, wenn man z.B. die Dachlandschaft mit ihren roten Sattel- und Mansarddächern erhalten würde, denn diese geht ja immer mehr verloren, obwohl diese so ungeheuer wichtig für das Stadtbild ist, wie der Blick von der Feste Marienberg eindrucksvoll belegt (siehe dazu die oben geposteten Bilder). Gerade die Neubauten aus der ersten Phase des Wiederaufbaus nahmen noch eine gewisse Rücksicht auf die historischen Bauten, daher stehe ich den Bauten aus dieser Zeit auch nicht ganz so negativ gegenüber.
    Besler und Gutschow (Kriegsschicksale deutscher Architektur, Band II, Seite 1484) beschreiben es so:

    Der Wahrung des Stadtbildcharakters glaubte man durch Niedrigzonung der Bebauung und die pauschale Einführung ziegelgedeckter Satteldächer nachzukommen, wenn auch diese Forderung gegen Ende der fünfziger Jahre nicht mehr strikt beachtet wurde. So finden sich nun überdimensionale, das historische Stadtbild beeinträchtigende Bauten an der Jahnstraße, der Hofstraße, am Franziskaner- und Kaiserplatz sowie am Bahnhof und im Bereich des Schottenangers.

    Beim Wiederaufbau der übrigen zerstörten Profanbauten sind zwei Phasen zu beobachten: bis zur Mitte der fünfziger Jahre die Errichtung von Anpassungsarchitektur verschiedener Art, danach zeitgemäßes Bauen mit nur geringer Bezugnahme zum Umfeld. Die in der ersten Zeit auch von der Denkmalpflege geförderte Einpassung von wiederaufzubauender Architektur in kriegsbeschädigte Baugebiete stütze sich einerseits auf eine grobe Orientierung an ortsüblicher Bauweise, zum anderen vom Nachkriegspurismus bestimmte Baugesinnung, die Schlichtheit, Unterordnuung und materialgerechte, gediegene Handwerklichkeit erforderte.


    Artikel in der Zeit:
    https://www.zeit.de/1956/18/wuerzburg-behielt-sein-gesicht


    Leider scheint heute jedes Maß verloren gegangen zu sein. Viele Neubauten werden einfach nur noch so "dahingerotzt" ohne jegliches Gespür für die bauliche Umgebung, die bei der Planung meist vollkommen ausgeblendet wird. Die benachbarten Altbauten werden geradezu zur Seite gedrängt von den auftrumpfenden Neubauten, den Rahmen völlig sprengenden Neubauten wie alte, ungeliebte Möbelstücke, die man von der Oma geerbt hat und nicht wegwerfen darf.

  • Ich war neulich in Würzburg und war doch ziemlich geschockt, was man aus dem Innenraum der Augustinerkirche gemacht hat, der 2010/11 durchgreifend renoviert und umgestaltet worden ist. Das Ergebnis ist ein kahler, weißer, völlig steriler Raum. Jede Krankenhauskapelle sieht einladender aus:https://de.wikipedia.org/wiki/…burg,_Nave_20150814_2.jpg


    Wie ansprechend wirkte die Kirche doch vorher:https://bischof.bistum-wuerzbu…INERKIRCHE__WUeRZBURG.jpg


    Wenn die Schäfchen nun erst recht in Scharen davonlaufen, sollte man sich nicht wundern! Wer möchte denn in einer solchen Kirche Gottesdienst feiern?

  • Da tippe ich auf Folgendes: Teilweise in irgend einem Depot abgestellt, der Rest in ein Museum verbracht.


    Junge Leute gewinnt man bestimmt nicht, wenn man die Gotteshäuser leer räumt. Und die alten Leute verprellt man damit.


    In Würzburg ginge ich anstatt in die leere Augustinerkirche lieber entweder in die barocke Hofkirche der Residenz oder in die Marienkapelle am Markt, oder aber hinauf ins Käppele auf dem Nikolausberg.

  • Würzburg ist für mich mit Potsdam und Berlin und alten Dresden eine der schönste Städte D.
    Geht mich am Herz was ich von ihnen hier alles gelesen habe.
    Neubauten, ohne jede Hinsicht auf hist. Bausubstanz und ohne hist. Formen (= mit Sattel/Steil/Mansarde Dächer) werden einfach "hineingeschmissen" oder "hineingeklotzt" würde ich sagen. Kirchen, wie Augustinerkirche, werden am Innern von schöne Details und Kunstwerke beraubt.....


    Was finden denn die Bürger Würzburgs von das alles???

  • Ich war vor drei, vier Jahren in der Augustinerkirche, als gerade ein Gottesdienst vorbereitet wurde. Zunächst war ich mir gar nicht sicher, ob das eine katholische oder evangelische Kirche sei. Mir wurde darauf versichert, dies sei modern und "funktioniere" gut. Naja, für mich ist das nichts. "Calvinistischer Bildersturm" trifft es - leider - gut.

  • Im Stadtteil Sanderau steht eine dreiflüglige Wohnanlage aus dem frühen 20. Jh. kurz vor dem Abriss.
    Bereits vor Jahren hat man den Stuck und Gesimse abgeschlagen. Vor ein paar Wochen begann man damit, die Außenflächen, d.h. die Gartenanlage und Bäume zu entfernen.


    Blick von der Max-Dauthendey-Straße auf die Wohnanlage. Eigenes Foto



    Satellitenaufnahme von Google Maps.


    Noch ist unklar wer der neue Eigentümer ist, ursprünglich handelte es sich um eine Immobilie der Frauenland-EG.
    Dieses Handeln ist für mich unverständlich, denn gegenüber befindet sich eine ähnliche Wohnanlage aus gleicher Zeit, die teilweise saniert bzw. gedämmt wurde. Gerade für den Stadtteil Sanderau sind diese Bauten prägend.

  • Als nächstes möchte ich einige Eindrücke vom neuentstehenden Stadtteil Hubland präsentieren.


    Bei dem Gelände handelt es sich um die ehemalige Kaserne Leighton Barracks der US-Streitkräfte, die 2008 abgezogen sind. Von dem ursprünglich 134,5 ha großen Gelände erwarb die Stadt Würzburg 95,5 ha und die Universität 39 ha erworben. Im vergangenen Jahr fand auf dem städtischen Teil die Bayerische Landesgartenschau (25 ha) statt. Das LGS-Gelände ist im Februar 2019 offiziell als neuer Stadtteilpark der Öffentlichkeit übergeben worden. Die zahlreichen Flächen, die nicht der Grünanlage zugehörig sind, wurden schon seit 2016 bebaut, um aus der ehem. Kaserne den neuen Stadtteil Hubland zu entwickeln.


    Beginnen möchte ich mit dem ersten Quartier, das ab 2016 begonnen wurde und auch Quartier I heißt. Es befindet sich in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Eingangstor der Kaserne, dem Rottendorfer Tor, im Westen des Geländes.



    Blick durch das Rottendorfer Tor zu einem der neuen Studentenwohnheime.



    Neue Etagenwohnungen an der Dr.-Georg-Fuchs-Straße.



    Weiterer Wohnblock an der Dr.-Georg-Fuchs-Straße.



    Monotone Wohnhäuser an der Franz-Brentano-Straße.


    Alle Bilder von mir, Juni 2018


    Es folgen später Vergleichsbilder aus diesem Jahr.

  • Was ist mit den Bildern los? Mir werden sie im Browser nicht angezeigt. Klicke ich auf die Links, beginnt sogleich ein Download. Die so auf meinen Rechner geladenen Bilder kann ich aber auch nicht öffnen. Sehr schräg. Ist das bei anderen auch der Fall?

  • Weiter gehts mit dem Quartier III und den Miethäusern von Stadtbau Würzburg.


    Dabei handelt es sich um neun kubische Baublocks endlang der ehemaligen Landebahn, die jetzt als große Wiese umgestaltet wurde.
    Der Bau begann 2016 und 2018 waren alle Häuser bezugsfertig.


    Blick auf die Miethäuser von Stadtbau Würzburg von Westen nach Osten. November 2017.


    Blick weiter entlang der Bebauung an der Alten Fernstraße. November 2017.


    Blick über die ehem. Landebahn/ heutige Wiese des Stadtteilparks auf die neun Blocks von Stadtbau Würzburg im Sommer 2018.


    Blick von Süden durch die Eschenallee auf die Bebauung von Stadtbau Würzburg von Quartier III im Sommer 2018.


    Alle Bilder von mir.

  • Dieser neue Stadtteil ist ein Sinnbild der zeitgenössischen Einfallslosigkeit und Monotonie. Schrecklich! Dazu noch die lächerlich-hohen Mieten für solche seelenlosen Kisten. Die Landesgartenschau dort oben war ja auch ein riesiger Flop. Zum Glück liegt das alles weit abseits und wer nicht dort wohnt, wird sich kaum dorthin verirren.

  • Jeder Bau von Anfang 20. Jhz. ist eigentlich unerstetzbar. Kommt niemals mehr zurück. Dazu kommt noch ein Loch in der noch geschlossen Randbebauung. Lass mal raten: kommt unangepasste Flachdach Kiste mit viel zu grossen Fenster zurück. So geht die alte gemütliche und stolze Deutsche Heimat Stückchen nach Stückchen unter........


    Erst Stuckabschlag, dann Kahlschlag.......wie einfach ein grossen Jahrhundert ausradiert wird. Allen Grossen Bauten sind nun fast verschwunden und nun kommen die einfache Wohnbauten.


    In Hamburg wurde auch schon ein herrliches und gemütliches, nach dem Krieg mühevoll wiederaufgebautes Wohnviertel in der Jarrestadt aus Backstein, Erker, Steilsdächer abgebrochen. Reiner Verlust, kein einziges Vorteil. In Hamburg wird auch ein sehr prägender Vorkriegsgebäude abgerissen, neue Fassade vorgeblendet, was eigentlich wieder ein riesiger Identitätsverlust der Stadt Hamburg bedeutet. Sternstrasse 2 in Magdeburg: stolze Gründerzeitler; jetzt ein Loch.
    Chemnitz: eingige der letzt Gründerzeitler in der Stadtmitte, ganz intakt, abgebrochen...


    Und das abbrechen geht so immer weiter. Wie Bilder oben gezeigt kommen dann immer denselben Kisten zurück.
    Phantasielos...... Untergang des Abendlandes. Millionen Einwanderer (kein Deutschen mehr), millionen Zerstörungen und gleich so viel monotone Kisten (wie Särge) und dan ein Neumarkt oder ein winziges Teil einer Frankfurter Altstadt als Gegenleistung??? Särge/Kisten und 2 viel zu "cleane" Reko Viertel.


    Wie wird D.über 50 Jahren aussehen??

  • Der gezeigte Stadtteil ist der heute übliche stumpfe Architekten-Standard. Es gibt dabei gewisse Abstufungen. Am schlimmsten finde ich die ersten beiden Abbildungen, also (1.) der grünliche Ufo-Pavillon hinter dem Rundbogen-Tor und das dahinter liegende Strichcode-Gebäude (arme Studenten, immer müssen sie in solche Buden hausen) sowie (2.) die Etagenwohnungen an der Dr.-Georg-Fuchs-Straße mit den klotzigen braunen Erkern. Dagegen sind die anderen Gebäude nicht minder monoton, aber nicht ganz so hässlich.


    Aber womöglich gefällt es ja den Leuten, die da einziehen. Also sollen sie in ihren Kisten oder Legehennenbatterien hausen.

  • Ein kleiner Zusatz zum Quartier III des Stadtteils Hubland.


    Die Bebauung besteht aus den neun kubischen Blocks von Stadtbau Würzburg mit bis zu sechs Stockwerken. Hinter dieser Reihe wurden dieses Frühjahr die Fundamente für Wohnblocks mit bis zu vier Stockwerken angelegt. Dahinter erstreckt sich ein großes Quarre für private Doppelhaushälften. Leider sieht der Bebauungsplan für Neubauten für das ganze Quartier und wohl auch für den ganzen Stadtteil nur Flachdächer und bei privaten Häusern Flachdächer und höchstens Pultdächer vor.


    Hier ein Blick in den Bereich von Quartier III mit Doppelhaushälften und Einzelhäusern, die von Privaten erbaut werden. Januar 2018. Leider nur einfallslose Kuben.


    Hier die ersten Doppelhaushälften. Januar 2018. Mittlerweile stehen schon mehr Häuser.


    Demnächst folgen aktuelle Bilder.
    (Alle Bilder von mir)

  • Zeitgemässe Architectuur in D. heisst: "Kuben, Kisten, Klotzen und Würfel niederschmeissen".
    Übrigens brauht mann kein Architekt zu sein um so etwas entwerfen zu können.


    Es sind imdessen millionen von diese wenig inspirierende Bauten errichtet und das Ende dieser "Fluch" ist kaum in Sicht.
    Dass Holocoast Mahnmal in Berlin besteht auch aus klotzige und kubistiche Steinen.

  • Heute kommt der versprochene Nachtrag mit aktuellen Bildern vom neuen Stadtteil Hubland mit dem entstehenden Quartier III.

    Blick auf einen der neun Blocks von Stadtbau Würzburg, die im letzten Jahr fertiggestellt wurden.


    Leichter Schwenk nach Osten.



    Die Bebauung besteht eigentlich nur aus zwei Blocktypen, die jeweils abwechselnd und versetzt gebaut wurden. Hier mit dem Blick nach Osten, entlang der ehem. Landebahn/ heutigen Wiesenfläche.


    In direkter Nachbarschaft und parallel zu den Kuben von Stadtbau soll diese Anlage entstehen, deren Fassaden aus einer Holzverkleidungen bestehen.


    Für drei der zukünftigen Gebäude mit der Holzfassade wurden schon die Fundamente und Tiefgaragen angelegt und in Beton gegossen.


    Nun folgen exemplarisch Beispiele für aktuell bestehende "lockere" Bebauung mit Einzelhäusern, Doppelhaushälften und Reihenhäusern für Quartier III, die sich um die Agnes Sapper und die Norbert-Glanzberg-Straße erstrecken.
    Man beachte die teilweise lächerlichen Abstände der privaten Häuser zueinander.


    Drei meiner favorisierten Schuhschachteln ;-)


    Man erkennt deutlich den minimalen Maximalabstand von ca. 3 m ;-) von Haus zu Haus.


    Blick zurück in Richtung der Blocks von Stadtbau Würzburg an der Alten Fernstraße.


    Doppelhaushälften an der Norbert-Glanzberg-Straße.


    Eines der Einzelhäuser an der Norbert-Glanzberg-Straße in Grau und Flachdach.


    Alle Bilder von mir und von heute.

  • Blick durch die Agnes Sapper Straße nach Westen.


    Doppelhaushälften im Rohbau in der Norbert-Glanzberg-Straße.


    Reihenhäuser in der Norbert-Glanzberg-Straße.


    Abschließend zu Quartier III möchte ich noch einen Bebauungsplan zeigen. Ansonsten kann sich jeder im Internet auf der Homepage nähere Informationen einholen.
    https://www.wuerzburg-hubland.…ahmenplanung-Hubland.html


    Ausschnitt aus dem Bebauungsplan aus der obigen Internetseite. Der Plan kann heruntergeladen werden.


    Um ein bisschen Abwechslung in die monotonen moderne Bebauung zu bringen, zeige ich noch kurz die sanierten Bestandsobjekte, alte Kasernengebäude mit Satteldach, die teilweise schon bezogen wurden und teilweise noch saniert werden.


    Die Häuser befinden sich am Elferweg. Sie wurden entkernt, gedämmt und erhielten neue Fenstergewände und komplett neue Dächer, samt Giebelwände und Dachstuhl.


    Auch die Balkons sind neu.


    Aktuelle laufende Dämmarbeiten am letzten Bestandsobjekt in der Straße.


    Alle Bilder von heute und von mir.