Würzburg

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    • Anbei ein Artikel mit Buchvorstellung über eines der vorzüglichsten Rekonstruktionsprojekte in Deutschland in der Würzburger Residenz - die grandiose Rekonstruktion des Spiegelkabinetts:

      Entstehung, Zerstörung, Wiedergeburt
      Geschichte: Dr. Jörg Lusin hat den Wiederaufbau des Spiegelkabinetts der Würzburger Residenz beschrieben.


      Das Spiegelkabinett der Residenz Würzburg ist weltweit einzigartig. Es gibt nirgendwo einen vergleichbaren Raum dieser Art. Im Feuersturm des 16. März 1945 ging diese kunsthistorische Rarität verloren, wurde restlos zerstört. Der Wiederaufbau der Residenz schritt Zug um Zug voran, und mit der Einweihung des Grünlackierten Zimmers im Dezember 1974 waren auch die Prachträume der sogenannten Paradezimmer nahezu vollständig rekonstruiert. Das Spiegelkabinett aber war endgültig aufgegeben; es galt bei Fachleuten als absolut nicht mehr wiederherzustellen.


      Aber es kam, wie so oft und zum Glück anders! :daumenoben:

      Es liest sich teilweise wie ein Krimi und auch unbekannte Fakten wurden recherchiert, das beinhahe die Rekostruktion der Prunkräume gescheitert wäre...

      Eine weitere, selbst in Würzburg fast unbekannte Gefahr für die Residenz und die Wiederherstellung des Spiegelkabinetts deckte Lusin in seinem Buch detektivisch auf: der Einbau des Stadttheaters in die Residenz. Der Theaterbau sollte ursprünglich den gesamten Südflügel füllen, nur die Hofkirche und der westliche Innenhof wären vom Entwurf Balthasar Neumanns übrig geblieben. Dem damaligen bayerischen Finanzminister Friedrich Zietsch blieb es vorbehalten, die verheerende Planung der Stadtverwaltung zu Fall zu bringen, so Lusin.


      Kommt uns bekannt vor - nicht? Diese plumpen Stadtverwaltungen...hüben wie drüben.

      Und wer, abgesehen von dieser Glanzleistung auch noch wissen will, wieso ein Putto die Gesichtszüge des seeligen Franz Josef Strauß trägt, der soll sich den interessanten Beitrag einmal zu Gemüte führen:

      mainpost.de/regional/wuerzburg/Mosaik;art492151,8655719

      Ach ja und so sieht die Reko dieses Wunders wieder aus! :anbeten:



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      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Merkel, Krieg und Denkmalschutz!"
    • Weser schrieb:

      Ich finde es interessant, dass keine andere Stadt in diesem Forum zu so unterschiedliche Reaktionen fuehrt, wie Wuerzburg!



      Ich habe mich mal durch den Würzburg-Beitrag gelesen und will diese Meinung beispielhaft hernehmen:

      Die Reaktionen zu Wü sind zu 95% im Forum gleich oder ähnlich: Eine einstmals sehr, sehr schöne Stadt, die heute nur noch schön ist. Die restlichen 5% belegen Ursus Carpaticus (?) und seine Zweit- und Drittaccounts.
      Vor allem besteht in Wü noch die Möglichkeit viel zu verbessern, die viele andere Städte so nicht haben: Der Grundriß der Stadt wurde gewahrt, die 50er Jahre Bauten ließen sich ohne Totalabriß verschönern, es gibt keine fetten Stadtautobahnen (es werden zunehmend, wenn auch langsam, Straßen in Fußgängerzonen umgewandelt), junge Studenten beleben die Stadt, die Bewohner sind fränkisch-stadtverbunden etc. etc.

      Beispielhaft ist der Marktplatz. Das Petrini-Haus (?) ist natürlich ein großer Reinfall, aber würde man zwei Häuser abreißen (Völk-Haus und das schräg gegenüber vom Petrini-Haus) und das Alte rekonstruieren oder passend Neues hinstellen, wäre es einer der schönsten Marktplätze einer schwer kriegszerstörten Stadt. Auch jetzt ist dieser schon annehmbar.

      Kurzum: Würzburg ist immer noch eine Stadt mit Charme, Herz, Seele und Schönheit. Wie jede Frau mit diesen Eigenschaften hat auch sie ihre Macken, mit denen man leben muß. :ueberkopfstreichen:
    • Als Stadtautobahn würde ich den Mittleren Ring (?) nicht bezeichnen, da er schon zu weit aus der Innenstadt draußen ist. Bezeichnet man das als Innenstadt, was überwiegend den Fußgängern vorenthalten ist, dann ist diese Zone in Würzburg, verglichen mit anderen Städten ähnlicher Größe, sehr, sehr groß. Dabei ist es schwierig, diese ganz den Fußgängern zu reservieren, zumal da Wü über einen weiten ländlichen Einzugsbereich im Einzelhandel verfügt. Wer sagt, des Würzburgers liebstes Kind sei sein Auto, der möge mal ins Württembergische gehen bzw. fahren

      Ein Ärgernis ist meiner Erfahrung nach der schlechte ÖPNV, der selbst Außenstadtteil- und Landkreisbewohner fast zum Autofahren zwingt.

      Was ist in Wü in den letzten Jahren besser geworden? - Der Mainkai wurde umgestaltet und wird bei gutem Wetter von den Menschen angenommen, auf der Alten Mainbrücke ist 365 Tage im Jahr Weinfest (sehe ich eher positiv als negativ, wer mit Freunden an einem warmen Sommerabend ein, zwei Schoppen genießt, weiß warum), Fußgängerzonen werden erweitert und die Notwendigkeit, diesen Weg weiterzugehen, wird zumindest von einigen erkannt.
      Vor allem: Es besteht die Möglichkeit, vieles mit relativ einfachen Mitteln erheblich zu verbessern. Neben einigen wenigen Rekonstruktionen bzw. angepaßten Neubauten an sensiblen Stellen (Marktplatz, Barbarossaplatz - an dem auch vor Jahren noch unglaublicher Verkehr herrschte), würden andere Dinge die Stadt schon erheblich voranbringen: Eben Ausweitung der Fußgängerzonen, Fensterläden, Blumenkästen an bestimmen Gebäuden, mehr Pflaster, weniger Asphalt in der Innenstadt...

      Dies ist in vielen Städten Deutschlands leider nicht mehr so, da ist - wenn man unsere Kriterien anlegt - mehr oder weniger alles verloren; ich verweise hier wieder ins Württembergische.

      Wü ist sicher keine Stadt mit einer perfekten Altstadt. In Wü ist auch nicht ein Teil der Altstadt nahezu perfekt (wie z.B. in Freiburg) rekonstruiert (wo dafür der Rest eher mäßig aussieht), sondern weite Teile sehen ganz ordentlich aus mit immer wieder prächtigen Bauwerken dazwischen. Man kann Wü häßlichfotographieren, nur wer in der Stadt ist, dem gefällt sie allermeist - weil sie neben den vielen schönen Ecken auch viel Flair und Charme hat.
    • Sehr schöne Bilder. Und wenn jetzt die Autos noch aus der Neubaustraße verbannt würden (was meines Wissens zumindest diskutiert wird), wäre noch mehr gewonnen.
      Würzburg - und auch Nürnberg - zeichnen sich für mich nicht durch die Zahl der Rekonstruktionen aus, sondern dadurch, daß eine große Zahl an angepaßter Nachkriegsarchitektur die vielen bedeutenden Meisterwerke der Baukunst nicht ins Lächerliche ziehen - wie es leider in manch anderer Stadt ist, wo Kirchen und Schlößer in einem Meer von 70er Jahre Kästen stehen.
    • ursus carpaticus schrieb:

      immer das gleiche dämliche Argument mit Pforzheim...

      Ja, natürlich geht immer alles noch viel schlimmer. Aber was war Pforzheim und was war Würzburg. Ich denke, man darf im zweitgenannten Fall sehr wohl eine höhere Verantwortung gegenüber Geschichte und Stadtbild postulieren. Dass Würzburg heute sehenswerter ist, ändert nichts daran, dass der Wiederaufbau in beiden Städten ungefähr gleich mies war. In Würzburg gab es einfach mehr Kirchen und Palais, der Ruinen man nicht ohneweiters platt machen konnte. Aber das Stadtbild als solches war den fränkischen Wiederaufbaubarbaren völlig wurst (den Pforzheimern natürlich auch, aber angesichts einer Opferrate von 25% ist das mehr als verständlich).Franken einen Hass auf die eigene Geschichte zu unterstellen, zielt natürlich auf das unglückliche Nürnberg ab, wo derartige Tendenzen nicht zu übersehen sind. Davon abgesehen, bleibt zu konstatieren, das der Wiederaufbau in Franken als Ganzes gelinde gesagt kein Ruhmesblatt war, die beiden zerstörten Großstädte völlig verhunzt, im zum Glück nur marginal zerstörten Bamberg übelste Ansätze. Dieser Umstand wird nicht zuletzt dank der typisch fränkischen Selbstgefälligkeit nicht wahrgenommen. Ein Blick über den fränkischen Tellerrand scheint nicht stattzufinden, die nicht wahrgenommene Hässlichkeit der eigenen Städte scheint hier eine Selbstverständlichkeit und im internationalen Rahmen keinerlei Sonderfall zu sein.

      Ein eingehender Befund muss noch üngünstiger ausfallen: von den zahllosen schlecht aufgebauten Städten ist Wü eine der schlechteren, die keinen partiellen Vorzug aufweisen kann: wichtige Kirchen entstellt (va im Inneren), keinerlei Ensemblebewusstsein (der Markt ist noch hässlicher als sein N.er Pendant, sämtliche Hauptstraßenzüge, auch dort, wo viele Kirchen und Palais konzentriert sind, völlig entstellt), kein Altstadtrestling auch nur angedeutet, Baulücken in Kretzln mit relativer Altbestandsdichte (etwa um Neubaukirche) schlecht gefüllt, keine überzeugende Dachlandschaft (wie ansatzweise immerhin Nürnberg), keine Rekos von Bürgerbauten (die Zeile in der Neubaustraße immerhin ausgenommen, immerhin!), viele erhaltbare Ruinen (Marktostseite!) abgebrochen, kein Ansatz einer altstadttauglichen Anpassungsarchitektur... das Sündenregister ist ewig lang. Und was steht diesem an Positivem gegenüber? Die Beibehaltung des Stadtgrundrisses? Dass die Neubauten idR Dächer und Fenster aufweisen?

      Dass, wie RMA anführt, nur Breslau schöner aufgebaut sei, ist natürlich unhaltbar. Gerade Breslau ist ein schlechtes Beispiel (anderes Zerstörungsmuster, stellenweise ähnlich inferiorer Wiederaufbau). Besser wäre auf Posen oder Danzig verwiesen, aber dassind für D ohnehin unerreichbare Vorbilder. Aber auch in D gibt es Beispiele, wie Freiburg oder auch Mainz, Braunschweig (wo ist ein wü.er Pendant zur Alten Waage?), ja sogar Köln, Hannover - auch diese beiden letztgenannen Städte haben immerhin Altstadtrestlinge neuerrichtet bzw zugelassen, wovon in Wü wie gesagt keine Rede ist. Selbst in Bayern gibt es weit bessere Beispiele, man sehe sich München an mit seiner Behandlung der Kirchen und sein stellenweise hochausgeprägtes Ensemblebewusstsein.

      Die weitgehende, leider so ziemlich an allen Stellen gleich stark ausgeprägte Hässlichkeit dieser Stadt nicht wahrzunehmen, ist eine Form von Realitätsverlust, zu der eine bestimmte Art von Intellektuellen zu leiden pflegt.

      Auch auf diesen Satz des ansonsten sehr geschätzten Zeno trifft dies leider zu:

      "Der Wert der 50er-Jahre-Gebäude besteht m. E. darin, dass sie in der schwer zerstörten Stadt wieder einen erträglichen städtebaulichen Rahmen gegeben haben." Städtebaulich erträglicher Rahmen? Was ist daran erträglich? So eine Bruchkiste vor dem Dom? Wo sind wird? In Ulan Bator? Sicher könnte man argumentieren, diese Schule bedeutete die Rückkehr der Zivilisation in eine Ruinenstadt, damals hatte man andere Wertigkeiten etc aber das sind nun eben keine städtebaulichen Kategorien.

      Abgesehen davon ist es schlicht falsch, dass Würzburg eine verputzte Fachwerkstadt war,wie RMA schreibt. Die altfränkische FW-Bebauung wurde im Barock weitgehend von schlichten, aber wohlproportionierten kleinstädtisch anmutenden traufseitigen Häusern verdrängt, deren Wiederaufbau weit einfacher als zB in N gewesen wäre. Es waren keine unverwechselbaren Häuserzeilen, eher ein Zusammenspielen mit den Kirchen und Palais.


      Aus diesem langen Beitrag will ich nur wenige Punkte herausgreifen: U.a. Hannover besser aufgebaut als Würzburg? In Wü nicht einmal eine ordentliche Dächerlandschaft und keine angepaßten Neubauten?

      Wenn man viel kritisieren kann, die oben genannten disqualifizieren das Übrige.
    • Wer lesen kann, ist eindeutig im Vorteil:

      ja sogar Köln, Hannover - auch diese beiden letztgenannen Städte haben immerhin Altstadtrestlinge neuerrichtet bzw zugelassen, wovon in Wü wie gesagt keine Rede ist.


      Kann man daraus dies ableiten?

      Hannover besser aufgebaut als Würzburg?



      Ich meine, dass nicht.
      Aber um den Novizen zu beruhigen: Der Wiederaufbau ist in beiden Städten in etwa gleich mies. Im Übrigen hab ich - auch was die läppische Dachlandschaft und herrliche angepasste Neubauten wie das Petrinihaus betrifft - das Thema gründlich satt. Kannst dich ruhig wohlfühlen in deinem WÜ, das geht mich ja wirklich überhaupt nichts an. Nur soviel: ein städtebaulicher Fortschritt wird sich in dieser Bewusstseinslage nie erzielen lassen.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Neues Ungemach droht in der Augustinerstraße. Das alte verratzte Polizeipräsidium wird nicht nur im Original (Denkmalschutz!) wiederhergerichtet, sondern es soll auch noch ein "Erweiterungsbau" entstehen, d.h. ein auf Betonstelzen stehender Betonquader.

      mainpost.de/regional/wuerzburg…47892,B::pic16658,3245972

      Weiß jemand von den Einheimischen etwas Näheres? Scheint auf jedenfall ziemlich furchtbar zu werden...
    • Das Polizeiprässidium ist ein Schandfleck und das meint wohl auch fast jeder Würzburger so. Es gibt sicher schlimmere Gebäude - hier wird durch das (kleine) Schrägdach und die Fenstergliederung noch eine gewisse Mindestform gewahrt - wobei letztere einfach geschmacklos ist.
      Ich sehe es so wie Königsbau: Solche Wiederaufbau-Häuser stehen in jeder Stadt. Sie mögen für eine gewisse Zeit stehen, aber aufgrund ihrer objektiven Häßlichkeit sollten sie nicht unter Denkmalschutz gestellt werden.

      Schlimmer als das eigentliche Gebäude noch scheint mir der "Anbau" links unten auf dem Bild zu werden: Ein Betonklotz auf Stelzen, der wie ein Geschwür aus dem Gebäude ragt. Weiß jemand von euch diesbezüglich etwas Aktuelles? Ich war zuletzt im August vor Ort und da war der "Bau" (hoffentlich) noch nicht abgeschloßen. Das Bauplakat läßt aber Schlimmes ahnen. Bleibt es bei dem angebauten Betonklotz?
    • Generell, subjektive Wertungen einmal völlig außer Acht gelassen, stelle ich mir bei solchen 50er-Jahre-Bauten immer die Frage, wie lange die noch stehen können. Solche billigen Kriegswiederaufbau-Gebäude sind ja nicht für die Ewigkeit gedacht, die haben ja ein Ablaufdatum. Ist nicht in 50, 100 Jahren sowieso ein Abriss vonnöten? Irgendwann wird sich das ständige Renovieren nicht mehr auszahlen.
    • Das Gebäude der Bezirksregierung Unterfranken am Peterplatz birgt Deutschlands größtes Sgraffito.


      Bildquelle: Würzburg-Wiki, Urheber 'Dörfler', CC BY-SA 3.0

      Der Kasten wurde umfassend und aufwändig saniert:
      Baukunst: Innenhof der Regierung von Unterfranken restauriert - Gebäudesanierung teurer als einst der Neubau -Main-Echo

      Bildstrecke beim BR

      Ganz nett, aber in dem tristen Hof und bei den hässlichen Fenstern ist das Gesamtambiente dennoch eher enttäuschend.
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Vulgow schrieb:

      Das Gebäude der Bezirksregierung Unterfranken am Peterplatz birgt Deutschlands größtes Sgraffito.
      Dürfte der große Schloßhof in Dresden nicht mittlerweile mehr Sgrafittofläche besitzen? Also so rein nach Augenmaß bewertet...und schöner isses obendrein!

      Edit: Achso, der BR schreibt "süddeutschlands".
      "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski
    • Festung Marienberg

      Seit 2015 wird die Festung Marienberg saniert. Nun ist die Marienkirche dran und soll dabei eine neue Kuppeleindeckung erhalten.



      Mainpost schrieb:

      (...) Noch nicht einmal 60 Jahre alt, aber dennoch undicht war dagegen das Bleidach. Über zehn Jahre lang tropfte bei Regen Wasser in die Kuppel. Ein Notdach im Inneren hat schlimmere Schäden verhindert.

      „Jetzt decken wir wieder in Schiefer“, sagt Seibert: Denn so war die Kirche bis zu ihrer Zerstörung 1945 gedeckt und so sind es auch die übrigen Türme auf der Festung. „Außerdem ist Schiefer das nachhaltigste Material für die Kuppelform.“ (...)

      Und hier ist noch eine treffende Feststellung zum heutigen Denkmalschutz.



      Mainpost schrieb:

      (...) Damals war die Linie der Denkmalpflege rekonstruierend: Verloren gegangene Details eines Bauwerks wurden auch ohne gesicherte Grundlagen ergänzt, wenn sie nach dem eigenen Verständnis wichtig für dessen Geschichte waren. Dabei kamen dann auch relativ freie Interpretationen, wie etwa die Gesichter an der Fassade der Marienkirche, heraus.

      Ein Denkmal darf ruhig alt ausschauen Heute macht man das nicht mehr so. Denkmalpflege heißt jetzt, den Zustand eines Denkmals zu erforschen und zu erhalten. Und nicht, wieder herzustellen, was einst gewesen sein könnte. „Die Fragmente komplett verwitterter Skulpturen würden wir so erhalten, wie sie eben sind“, erklärt Seibert. „Das Alter darf man einem Baudenkmal ansehen.“ (...)

      ?( Nach dieser Logik dürfte rein gar nichts wiederhergestellt werden. Weg ist weg. Und irgendwann sind alle historischen Bauwerke zu Staub verwittert und verschwunden. Der Wiederaufbau nach dem Krieg war also eine einzige freie Interpretation und "Geschichtsfälschung".
    • Fachwerkliebhaber schrieb:

      fand eigentlich den früheren Zustand besser! Der schöne rote Sandstein ist doch viel natürlicher als dieses knallgrelle rot :kopfschuetteln:
      das Thema hatten wir sehr häufig: Natursteinfassaden waren bis ins späte 18. Jahrhundert fast immer farbig gefasst oder geschlämmt. St. Peter, Dresdner Zwinger, Würzburger Residenz u.v.m. Zum einen zum Schutz des Steins, zum anderen aus ästhetischen Gründen. Diese Idee vom edeln, reinen Stein kommt aus dem 19. Jahrhundert. Das Greiffenclau Palais gehört also unbedingt gefasst. Die Architektur ist darauf angelegt.
    • Das Innere der barocken Peter und Paul Kirche erstrahlt nach umfassender Sanierung in neuem Glanz. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

      Die Renovierung stand unter der Vorgabe, die barocke Strahlkraft der Kirche zu beleben. Dazu wurden zwei Fenster wieder geöffnet, damit mehr Licht strömt. Das schafft facettenreiche Nuancen, die Dombaumeister Cesare Augusto Stefano begeistern. Er spricht von »einer der elegantesten Kirchen Würzburgs«.

      Würzburger Kirche Sankt Peter und Paul erstrahlt im neuem Glanz
      In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.

      Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.