Dinkelsbühl

  • Die kritischen Meldungen aus Dinkelsbühl setzen sich leider fort. Pro Altstadt nimmt Stellung zum störenden Schriftzug „dinkelsbuehl" von 28.000 € Steuermitteln als Werbeanlage auf der Inselwiese vor der wunderschönen Altstadtshilouette und kritisiert den fehlenden Beschluss dafür in den Gremien der Kommune.



    Quelle: https://m.facebook.com/story.p…ile&anchor_composer=false

  • Diese Großbuchstaben-Ortsnamenschriftzüge entwickeln sich zur Landplage. Das kommt eigentlich vom

    "Hollywood"-Schriftzug, und jedes Kaff wähnt sich mittlerweile kreativ, ein solches Ding auch irgendwo aufzustellen.

  • Wie ich erst jetzt zufällig erfahren habe, hat es Ende Oktober letzten Jahres in der Altstadt gebrannt. Es handelt sich um das Haus Segringer

    Straße 4:

    Wohn- und Geschäftshaus

    Das vor 1600entstandene Fachwerkgebäude liegt direkt gegenüber dem berühmten Hezelhof unweit der Kirche St. Georg und diente als Hotel.

    https://www.google.de/maps/pla…069218!4d10.3184812?hl=de

    Ursache war wohl ein technischer Defekt.


    Abreißen oder Sanieren?

    Nachdem es am Sonntag. noch zu einem kleinen Zwischenbrand kam, der schnell gelöscht werden konnte, müssen nun schnell besprochen werden, ob das Hotel saniert oder abgerissen wird, sagte Oberbürgermeister Christoph Hammer (CSU) dem BR.

    Das Gebäude sei nicht einsturzgefährdet, hieß es von dem Statiker bei der heutigen Besichtigung. Allerdings müsse man abwarten, wie sich das unter einer beispielsweise enormen Schneelast verändere. Das Haus sei denkmalgeschützt und der besonders geschützte Dachstuhl stark durch das Feuer beschädigt. Es sei wohl sinnvoller, das Gebäude noch vor dem Winter abzureißen und dann analog zum alten Hotel neu aufzubauen. Das weitere Vorgehen werde der Gutachter der Versicherung in den nächsten Tagen klären.

    Quelle:https://www.br.de/nachrichten/…echnischer-defekt,SncYEsT


    Leider konnte ich im Netz keine Informationen darüber finden, wie es jetzt mit dem Haus weitergeht. Weiß jemand, ob es überhaupt noch steht?


    Beim Betrachten der Denkmalliste bei Wikipedia dann der nächste Schock! Das Haus Muckenbrünnlein 10 (Zweigeschossiger Giebelbau mit steilem Satteldach, verputztes Fachwerk, vor 1500) wurde offenbar bei der letzten durchgreifenden Sanierung im Jahre 2012 weitgehend seiner historischen Substanz beraubt und das Giebelfachwerk durch modernes Steinmaterial ersetzt:

    File:Dinkelsbühl Muckenbrünnlein 10-001.jpg

    Quelle: Wikipedia

    Im Denkmalatlas:https://geoportal.bayern.de/de…id=82100&objtyp=bau&top=1

    Nicht umsonst heißt es bei Konrad Bedal (Fachwerk vor 1600 in Franken, Petersberg 2006, Seite 167): "Trotz seines alle Orte überragenden zahlenmäßigen Bestandes an spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Fachwerkbauten ist der Hausbau Dinkelsbühls bisher wenig erforscht und durch Abbrüche und Neubauten, die äußerlich dem letzten Zustand in etwa entsprechen mögen, in letzter Zeit besonders gefährdet."

  • Für Freunde von Patina ...


    Koppengasse 1

    Denkmalpreisverleihung im Bezirk Mittelfranken "für die vorbildliche Instandsetzung" des Denkmals Koppengasse 1 in Dinkelsbühl.

    Der Preisträger wird im Buch "Denkmalpflege in Mittelfranken 2021" vorgestellt



    vorher:

    https://upload.wikimedia.org/w…Chl_Koppengasse_1_002.JPG

    https://upload.wikimedia.org/w…Chl_Koppengasse_1_001.JPG



    jetzt:

    Fassade

    https://www.facebook.com/proal…3317635/3002769793317639/


    Innenräume

    https://www.facebook.com/proal…3317635/3002769786650973/

    https://www.facebook.com/proal…33317635/3002769789984306

  • Ich würde es als Experiment bezeichnen, über das man diskutieren kann. Letztlich folgt die "Sanierung" der Fassade den Ideen eines Alois Riegl,

    der 1903 in Österreich seine Theorien vorlegte, die den „Alterswert“ und somit die dokumentarische Funktion eines Denkmals in den Vordergrund rückten. Es seien die Altersspuren und die Patina, die die Qualität des Denkmals bestimmten und somit jeden Eingriff verbieten würden. Riegel erkannte aber auch selbst, dass eine konsequente Anwendung seiner Theorien in einer Konzentration von zerfallenden Ruinen enden musste und somit in der praktischen Denkmalpflege Kompromisse notwendig seien.

    Kunsthistoriker, Historiker, Webdesigner und Fachreferent für Kulturtourismus und Kulturmarketing


    Mein Bezug zu Stadtbild Deutschland: Habe die Website des Vereins erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich. Meine Artikel zu den Themen des Vereins: Rekonstruktion / Denkmalschutz / Architektur / Kulturreisen

  • Von durch die Erbauer nicht vorgesehenem Ruinenkult halte ich gar nichts - schlimmes Beispiel: Schinkels Neues Museum Berlin. Auch beim Schloss Kummerow in Vorpommern stört mich dieses ahistorische Erhalten von "Zeitschichten", die einfach nur Willkür, Verfall und Zerstörung zeigen. Daran gibt es nichts zu heroisieren und auszustellen.


    Aber von Erhalt der Patina und sensibler Sanierung statt Totsanierung hingegen halte ich sehr viel.
    Das beherrscht man im mediterranen Raum sehr vorbildlich, die Gebäude behalten ihren Materialcharme und werden dennoch pfleglich erhalten.

    Im konkreten Fall in Dinkelsbühl bin ich kein großer Freund der farblosen Putzfassade, aber immerhin wurde dieses nette Haus erhalten und kann später mit geschmackvoller, dezenter Kalkfarbe aufgefrischt werden.

  • Ein Mittelding zwischen Konservierung von allen Alterungs- oder Kriegsschäden und Totsanierung müsste in Deutschland gefunden werden. Das klappt in anderen Ländern, wie Erbse erwähnte, ja auch. In D muss leider immer alles so radikal sein.
    Es ist immer wieder traurig, wenn man ausländische Gäste in deutsche Altstädte begleitet, und diese, wegen der totsanierten Fassaden, immer davon ausgehen, dass alles neulich erst wie in Dresden rekonstruiert wurde.

  • Es ist immer wieder traurig, wenn man ausländische Gäste in deutsche Altstädte begleitet, und diese, wegen der totsanierten Fassaden, immer davon ausgehen, dass alles neulich erst wie in Dresden rekonstruiert wurde.

    Was soll an Rekonstruktionen "traurig" sein? An Dresden sollten sich alle deutschen Städte ein Beispiel nehmen und viel mehr rekonstruieren.

  • Was soll an Rekonstruktionen "traurig" sein? An Dresden sollten sich alle deutschen Städte ein Beispiel nehmen und viel mehr rekonstruieren.

    Les dir die Diskussion und meinen vollständigen Beitrag noch mal in aller Ruhe durch, und ich nehme an, deine Frage erübrigt sich. :)

  • Segringer Straße 4 - Abbruch straßenseitiger Fachwerkgiebel


    Der Oberbürgermeister von Dinkelsbühl erteilte aus seinem Urlaub am Freitagnachmittag die Abbruchgenehmigung für den markanten Fachwerkgiebel, der vom Dachstuhlbrand im Gegensatz zur Rückseite nicht betroffen bzw. in Mitleidenschaft gezogen war und für den Wiederaufbau des Dachstuhls gesichert werden sollte. Was den OB, der sich entsprechend der Kommentare bereits einige Fauxpas in „Deutschlands schönster Altstadt“ erlaubt hat, in diesem Fall geritten hat, kann man sich nur ausmalen und doch bleibt der Vorgang ungeheuerlich. Verschiedene Seiten/ Gruppen auf Facebook thematisieren den Fall, u. a. hier: https://m.facebook.com/story.p…m_source=timeline&paipv=0



    Der Giebel und das Gebäude vor seinen Zerstörungen:


    https://upload.wikimedia.org/w…C3%9Fe_4-20160807-001.jpg


    https://upload.wikimedia.org/w…tra%C3%9Fe_4%2C_2_001.JPG

  • Wird das Gebäude wenigstens rekonstruiert? Oder kommt da jetzt ein "angepasster Neubau" hin?

  • Das darf ja wohl nicht wahr sein... :kopfwand::kopfwand::kopfwand:
    Ich nehme schwer an, da kommt eine 1:1 Rekonstruktion des Giebels hin, aber selbst wenn das geschieht, wird der neue sehr viel steriler und unauthentischer wirken.

  • Vielleicht kann da der große Architekt D.Liebeskind weiterhelfen. :wink: Was an Orginalsubstanz erst einmal weg ist, darf nicht hist.Wiederaufgebaut werden höchsten dann als moderner Bruch,so argumentieren die doch so aufgeklärten Modernisten der Architektur.

  • Wird das Gebäude wenigstens rekonstruiert? Oder kommt da jetzt ein "angepasster Neubau" hin?

    Da die nun eingetretene Situation völlig neu ist, kann nach Rückmeldung der Beobachter vor Ort nach aktuellem Stand nicht gesagt werden wie es nun weitergeht. Es gibt hierzu keine Informationen. Die Beseitigung des Giebels lässt nach Einschätzung allerdings vermuten, dass eine bauliche Veränderung geplant ist.

  • Ich denke der Giebel wird mitsamt Gebäude wider aufgestellt. Dinkelsbühl kann sich Neubauten nicht erlauben. So wie ich das Problem verstehe hat sich der Giebel bereits nach vorne geneigt. Man fürchtete, dass auf einer Veranstaltung die Beucher erschlagen werden könnten.

  • @Kurfürst


    In den Kommentaren der sozialen Medien wird teilweise auch versucht den Vorgang zu relativieren, in dem das Pferd von hinten aufgezäumt wird. Der Giebel hat sich, wenn überhaupt, durch fehlende Sicherungsmaßnahmen mit der Beseitigung des Dachstuhls geneigt. Die besagte Veranstaltung als Begründung für den Abriss nun zu zitieren ist insofern unseriös und vorgeschoben, als dass der Giebel im Zuge der Beseitigung des Dachstuhls selbstverständlich hätte längst gesichert werden können oder spätestens mit der angekündigten Veranstaltung eine Notsicherung hätte durchgeführt werden müssen. Offenbar war das aus Gründen aber nicht gewollt…


    Zudem gebe ich Dir zu bedenken: Es ist nicht der erste Präzedenzfall den sich Dinkelsbühl „erlaubt“.