Dinkelsbühl

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    Exkurs Sprossenfenster (Dinkelsbühl Kirchhöflein): Leider genießt dieser Aspekt (sachgemässe Versprossung) auch in Refugien der Stadtbildpflege stetig weniger Wertschätzung.
    Das Ausmaß mangelnder Sensibilität im Vergleich zu einem standardisierten Einfamilienhaus aus einem x-beliebigen Wohngebiet wird anhand der Bilder augenscheinlich:



    Solange der Aspekt der Fenstergestaltung HIER und da bei Altbauten, aber zusehends auch bei Füllbauten und traditionellen Neubauten, wie sie am Dresdner Neumarkt stehen oder wie sie für die neue Frankfurter Altstadt geplant sind, dermaßen behandelt wird, fehlt einem Gebäude DAS wesentliche Element. Hier auf spätere Verbesserungen und Korrekturen auf Grund von Sanierungsmaßnahmen zu hoffen, ist ein Trugschluss. Es wird nicht besser, bis erkannt wird, dass die ordentliche Versprossung der Fenster unabdingbarer Bestandteil der Gestaltung eines Gebäudes und damit eines Ensembles ist.

  • Ich meinte die Gasse Hintere Priestergasse (nicht Kirchhöflein wie ich erst Irrtümlich schrieb) , die vom Chor der St.-Georgs-Kirche in Richtung Norden führt. Durch eine Lücke in der Häuserzeile im auf der WESTSEITE der Straße habe ich das Foto gemacht. Da das Haus zu dem jenes Detail gehört hinter der Häuserzeile auf der Westseite der Hinteren Priestergasse liegt, steht es also an der Ostseite der Straße, die auf Höhe der Sakristei nach Norden Führt.

  • Hab das über Google Maps nachgeprüft (da war die Vordere Priestergasse nicht benannt) mit der Position, und ich dachte, es könnte einen der Fachwerkexperten hier erfreuen, da ja die Fassade zur Straße hin verputzt ist (aber im Erdgeschoss eine spitzbögige Steintür aufweist; d.h. im Erdgeschoss ist zumindest die Fassade aus Stein).

  • Tja, die Bauschild-Begründung ist mal wieder das übliche Dehio-Gelaber: Lieber Würfel bauen, weil das ja so viel ehrlicher ist... :daumenunten:
    (Wobei ich anmerken muss, dass mich diese Häuser an dieser Stelle immerhin nicht richtig stören. Ich werte dabei nur anhand der gezeigten Fotos.)

  • RMA, Sonntag, 22. Oktober 2006, 12:34

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    Im Bereich der Altstadt gibt es keine einzige Bausünde, was schon schwer zu fassen ist.


    Das hat sich mit diesem unnötigen Eingriff nun auch erledigt. Gemessen am Idealzustand der Altstadt, stellt dieser modernistische Präzedenzfall eine mittelschwere Katastrophe dar. Weitere werden folgen... :kopfwand:

  • Unglaublich! Gibt es denn keine Gestaltungssatzung, die Satteldächer in der Altstadt zwingend vorschreibt? Ich dachte immer, in Städten wie Dinkelsbühl, Rothenburg und Nördlingen wäre man da besonders streng. Aber wenn man einmal damit anfängt, werden weitere architektonische Entgleisungen folgen...


    Diese Aussage auf dem Schild macht mich besonders wütend:


    "Was man nicht wollte, war eine Kopie der Dinkelsbühler Altstadt. Eine Kopie würde das Original entwerten, wenn es denn überhaupt gelingen könnte."
    :kopfwand:


    Und durch diese Flachdachkuben ist die Altstadt nicht entwertet, oder was? Eine Kopie hätte ja auch nicht sein müssen, aber Bauten, die sich nahtlos ins Stadtbild fügen, wären meiner Meinung nach schon zwingend notwendig gewesen.

  • Die ausgemachte Faselei auf dem Baustellenschild zeigt ein nicht für möglich zu haltendes, unsensibles, unwissenschaftliches Konglomerat
    von höchst albernen, nicht zu beweisenden Thesen. Genau so banal, wie das danach fertiggestellte, kistenartige "Resultat".
    Was sind dies für Zeitgenossen, die uns hier solches vorsetzen dürfen ? Ausgerechnet in einem so traditionsreichen Ort wie Dinkelsbühl ?
    Das ist m. E. skandalös : sowohl die verquaste Ausdrucksweise als auch letztendlich die Realisierung der Kiste.

  • Dieser Beitrag zeigt, wohin die Entwicklung geht:


    http://dinkelsbuehl.blogspot.d…radition-und-moderne.html


    Dinkelsbühl wird vermutlich schon bald um weitere Bausünden reicher sein. Einige weitere gibt es schon:


    Neubau an der Promenade:


    http://bp3.blogger.com/_wumjNS…00-h/neubau+promenade.jpg


    Industrieansiedlung nahe des Segringer Tores:


    http://bp0.blogger.com/_wumjNS…0-h/Segringertor+Turm.jpg


    Hier noch ein hübscher Blick auf die harmonisch in das Stadtbild eingefügten Neubauten:


    http://upload.wikimedia.org/wi…g_32_Hagelsturm-008-2.jpg


    http://upload.wikimedia.org/wi…ei%C3%9Fer_Turm-001-2.jpg


    Es wird nicht mehr lange dauern, bis man solche Bauten auch an den Hauptstraßen errichtet, als Vertreter "aufrichtiger" und "zeitgenössischer" Architektur, die den Besuchern keine heile Welt mehr vorgaukelt! Armes Dinkelsbühl. Als ich das letzte Mal da war, war die Welt hier noch in Ordnung.

  • Schlimm! Wenigstens zur Stadtmauer hin hätte man zwingend Satteldächer vorschreiben müssen! Aber die hätten ja weniger Rendite gebracht und so hat man die Flachdächer wohl kurzerhand genehmigt. Schließlich hätte der Investor ja sonst abspringen können...

  • Als ich das letzte Mal in Dinkelsbühl war (Oktober 2013) sah es jedenfalls noch im Prinzip genauso aus wie auf dem Bild, das mittlerweile sieben Jahre alt ist. Allerdings ist mir schon damals aufgefallen, dass zumindest die eine (westliche?) Traufwand rezent massiv erneuert ist. Inwieweit das auf weiteren Verlust an Originalsubstanz schließen lässt, ist unklar.

  • Ich persönlich fand den Kommentator nahezu unerträglich. Trocken, langatmig, monoton, langweilig...war dieser Dieter Wieland einmal Kirchenprediger? Gut das heutzutage flotter und zwangloser kommentiert wird, dann steh ich auch eine 40 Minuten Doku durch. ;)

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    Dinkelsbühl, November 2016. In Dinkelsbühls Altstadt drosselt Kopfsteinpflaster den Gang auf Bummeltempo. Hier wachsen ein paar Blümchen zwischen den Steinen, dort flaniert eine Katze; alle Hektik scheint weit entfernt. Jeden Schritt und Tritt der Geschichte haben sich die Kopfsteine eingeprägt. Doch die Pflasterung, die so viel Flair verströmt, ist eine Stolperfalle für alle, die nicht gut gehen oder sehen können. Schönheit oder Sicherheit? In Dinkelsbühl will man beides vereinbaren und – buchstäblich – neue Wege erschließen. Wir haben Akteure getroffen und waren mit dem Stadtbaumeister auf Pflastertour!


    Quelle: http://www.barrierefrei.bayern…eie-wege-dinkelsbuehl.php


    Bedauerliche modische Entwicklungen häufen sich inzwischen in eine der wenigen vorbildlichen mittelalterlichen Kleinstädte der Bundesrepublik. Nach den unpassenden Neubauten auf dem Brauhausareal wird die Altstadt zusehends unter dem Vorwand der Barrierefreiheit mit großformatigen Platten belegt, die das homogene, gewachsene Kopfsteinpflaster optisch einer Asphaltschusterei gleich stören. Alternativen, die das charakteristische Straßenbild bewahren? Fehlanzeige. Die Verantwortlichen in Dinkelsbühl hätte gut daran getan sich bei Schweizer Städten umzusehen wie etwa das baden-württembergische Konstanz in Basel, wo das Pflaster zu besseren Begehung abgeschliffen wurde/ wird, ohne dass das harmonische Erscheinungsbild verloren geht. In Dinkelsbühl hat deutscher Bürokratismus einmal mehr gesiegt und zerstört - schade.

  • Das ist so eine Unsitte! In den letzten zehn Jahren sind mittlerweile so viele Bereiche in Bayerns Altstädten mit diesen öden, hässlichen, großformatigen Granitplatten (sehr oft aus China) zugepflastert worden. Immer im Namen der Barrierefreiheit. Oft durfte sich dann auch noch zusätzlich ein junges, hippes "Stadtplanungsbüro" austoben und mit den neuesten Schick an Straßenmöbel, die man nach einem Monat schon nicht mehr sehen kann, die historische Altstadt vollmüllen.
    Dabei gibt es tatsächlich Alternativen die Barrierefreiheit und echte Altstadtverträglichkeit unter einem Hut bringen!