Dresdner Bausituation

  • Quote from "heiji"

    Das ist es ja gerade. Wenn man all die Leute aus den Platten in historischen Leerbestand umbettet...


    die frage ist, ob die leute da wirklich rauswollen. außerdem werden die keine hohen mieten zahlen, da musst du erstmal ersatzwohnungen finden.


    aber im ernst, einen großflächigen abriss von plattenbauten in der inneren stadt halte ich für illusorisch

  • Quote from "heiji"

    meine ,2€


    Aus jedem Deiner Worte spricht die Liebe zu Dresden - das ist sympathisch . Liebe macht ja aber auch bekanntlich blind - zumindest nach meiner Meinung gehört du auch zu den leuten die Dresden überbewerten (oder ich sage mal lieber - du könntest zu den Leuten gehören die Dresden überbewerten - ich kenne dich ja nicht und will mir deshalb nicht anmaßen) - was nicht schlecht sein muss. Dresden ist schön - mehr nicht. Und Einzigartig ist fast gar nichts an Dresden (oder Bautzen ist auch völlig einzigartig und Görlitz und Schwerin und...) - schon gar nicht die Landschaftsanordnugn - sie ist serh schön - aber es gibt zig Städte die superschön in der Landschaft liegen - klar Dresden gehört dazu.


    Quote from "heiji"


    Die Fläche Dresdens mit ner angemessenen Grosstadtdichte von 2500 multipliziert ergibt 700.000 EW (ja, ich hab die Grünflächen schon abgezogen). Das halte ich für normal für diese Stadt. Nur potentiellen zuwanderern muss man was bieten und das geht nicht mit weitflächigen Brachen und hässlichen Plattenprotzen.


    Ich bin dagegen das Dresden weiter auf Kosten seines Umlandes wächst -(das passiert ja aktuell schon) in der Lausitz könnten auch locker doppelt so viele Einwohner wohnen. Oder strebst du ein Dresden an- wo 50% der Einwohner aus Afrika und Vorderasien kommen - ich könnte mri was besseres für Dresden vorstellen.
    Und irgendwelche Großmaßnahmen würden soweiso nie nur mit Mitteln der Stadt Dresden finanziert werden, sondern immer mit Landesmitteln - siehe die Ansiedlungen von AMD udn CO. Und in dieser Beziehugn wurde Dresden bisher merh als reichlich bedacht - da gibt es gar keien Grund zum lamenteiren - da könnten sich ganz ander Orte in Sachsen aufregen.


    Übrigens auch wenn Paris im zeiten Weltkrieg bis auf den letzten Stein niedergebrannt worden wäre, kann man davon ausgehen - dass es auch weiterhin die 100fach bedeutendere Kulturstadt heute wäre als Dresden

  • Quote from "Frank-W"


    Ich bin dagegen das Dresden weiter auf Kosten seines Umlandes wächst -(das passiert ja aktuell schon) in der Lausitz könnten auch locker doppelt so viele Einwohner wohnen. Oder strebst du ein Dresden an- wo 50% der Einwohner aus Afrika und Vorderasien kommen - ich könnte mri was besseres für Dresden vorstellen.
    Und irgendwelche Großmaßnahmen würden soweiso nie nur mit Mitteln der Stadt Dresden finanziert werden, sondern immer mit Landesmitteln - siehe die Ansiedlungen von AMD udn CO. Und in dieser Beziehugn wurde Dresden bisher merh als reichlich bedacht - da gibt es gar keien Grund zum lamenteiren - da könnten sich ganz ander Orte in Sachsen aufregen.


    Nur angemerkt: die sächsische Leuchtturm- Wirtschaftspolitik fördert Dresden pro Person mit einem 4x höheren Betrag als das Nichtleuchtturm- Land. Das heißt die Stadt Dresden, mit 500.000 Einwohnern, erhält 4x mehr Geld als das gesamte östlich davon gelegene Land bis zur Neiße, welches ca. 600.000 Leute beherrbergt.
    Das Dresden auf Kosten des Umlandes wächst ist ja gewünscht.

  • Quote from "heiji"


    Was ich persönlich nicht verstehe: Dresden ist schuldenfrei, hat also relativ zu anderen Städten Geld ohne Ende.


    Das stimmt so leider nicht.
    Es gibt Bettler, die sind auch schuldenfrei.


    Dresden ist, was die eigene Wirtschaftskraft und steuerliche Ertragskraft anbelangt, gemessen am deutschen Durchschnitt eine bettelarme Stadt.
    Ein Großteil der Einnahmen des Stadtetats stammt aus Transfermitteln.


    Der Einmaleffekt des Wohnungsverkaufs erspart die jährlichen Zinszahlungen von einigen Millionen Euro und hat den Planern etwas Luft verschafft.
    Davon kann man pro Jahr ein paar Schulen sanieren, mehr aber nicht.


    Neue Schulden machen wäre bei der Altersstruktur unverantwortlich.

  • Quote from "Frank-W"

    Dresden ist schön - mehr nicht. Und Einzigartig ist fast gar nichts an Dresden (oder Bautzen ist auch völlig einzigartig und Görlitz und Schwerin und...) -


    Ich habe mir gestern die Dixieland Riverboat-Dampferparade an der Elbe angeschaut - das ist durchaus einmalig.


    Morgen die Dixielandmeile mit 20 Bands auf 5 Bühnen entlang der vielgeschmähten Prager Straße, kostenlos ohne Eintritt - hat man auch selten.
    Da können die Prager-Straße-Hasser mal hingehen und sehen was da für 'ne Stimmung ist!

  • Quote from "Miwori"


    Ich habe mir gestern die Dixieland Riverboat-Dampferparade an der Elbe angeschaut - das ist durchaus einmalig.


    Morgen die Dixielandmeile mit 20 Bands auf 5 Bühnen entlang der vielgeschmähten Prager Straße, kostenlos ohne Eintritt - hat man auch selten.
    Da können die Prager-Straße-Hasser mal hingehen und sehen was da für 'ne Stimmung ist!


    klar hat Dresden was zu bieten - aber da findest du in jeder Stadt was einzigartiges- in Bautzen ist es eben das Ostereierschieben, das Ostereiten (auch wenn das auf Dörfern auch noch stattfindet) , das ganze andere "sorbische"- binational usw. - man findet immer was - und wenn es der größte Stiefel der Welt ist - wie in Döbeln - naja- wenn eine Stadt sich selbst Stiefelstadt nennt, finde ich das schon nicht so schön wie Elbflorenz (Dresden) oder sächsischesn Nürnberg (Bautzen) :-) - Dresden ist schön - das habe ich schon mehrfach hier gesagt - aber eine Überhöhung der Stadt ist nicht notwendig bzw. meiner Ansicht nach auch nicht angebracht - aber es ist ja schön das die Dresdner sich so mit ihrer Stadt identifizieren -wir Lausitzer identifizieren uns auch oft mit der Lausitz (zumindest würde ich z.B. dei Beiträge von Karasek auch so deuten :-))


    Übigens möche ich mit meinen Aussagen hier keinesfalls Bautzen mit Dresden auf eine Stufe stellen - das sind ganz andere Größenkategorien. - Vorsicht Provokation: Im Verhältnis zu jeweiligen Größe hat Bautzen sowieso viel mehr zu bieten als Dresden, dass heißt der Prozentanteil an schönem in der STadt ist deutlich höher ;-)

  • Ein sich an der Vorkriegssituation orientierender Wiederaufbau (auch in ästhetischer Hinsicht) steht und fällt imho in einer Demokratie mit der Wirtschaftskraft einer Stadt und ihrer vermögenden Bürger.
    Die tollen bürgerlichen Bauten, die wir alle heute so schmerzlich vermissen, wurden zu ihrer Zeit auch nicht vom Tagelöhner (die wir auch heute noch fast alle sind) gebaut, sondern von reichen Leuten, die nicht aufs Geld schauen mußten.
    Diese Oberschicht gibt es in Dresden heute nicht mehr (so wie in den ganzen neuen Bundesländern). Alles was da im Zentrum gebaut wird, sind kapitalfinanzierte Renditeobjekte oder vereinzelt Projekte von Süddeutschen mit Herz :D . Wo sind heute ein Güntz (Güntzbad) oder ein Lingner (Hygienemuseum), die ihrer Stadt was Gutes tun wollen (und können).
    Wenn der Wiederaufbau in Frankfurt in Gang kommt, wird sich bestimmt der eine oder andere vermögende Frankfurter finden, der mal ein paar Millionen in die Hand nimmt, um ohne auf die Rendite zu schauen, ein tolles Fachwerkhaus denkmalgerecht zu errichten, zu seiner Freude und zur Freude der Stadt.
    Nicht ein Dresdner ist dazu heute in der Lage und solange das so ist wird weiterhin nur eine Renditekiste an die andere gestellt, bis alles voll ist. Die gewünschte Kleinteiligkeit und Bauqualität wird sich nicht einstellen.


    Die gesamte weggebomte und abgerissene Innenstadt ist nach 45 für eine ganz andere Bevölkerungsschicht gebaut worden und sieht eben nun aus, wie eine vorstädtische Mietshaussiedlung.
    Für Max Mustermann war es unbestritten ein Glücksfall, daß er aus dem muffigen Hinterhaus mit Toilette auf halber Treppe in die zentralgeheizte Innenstadtplatte ziehen konnte. Das Ganze hat mit einem Stadtzentrum im gutbürgerlichen Sinne (Geschäft und Repräsentation) nichts mehr zu tun.
    Das kann man beklagen, aber ändern wird es sich erst, wenn auch der eine oder andere Dresdner ein paar Millionen übrig hat für sich auf dem Neumarkt ein schönes Barockhaus als Alterssitz zu rekonstruieren. Ich würde die unschöne Entwicklung deswegen auch nicht nur einem Stadtentwicklungsbürgermeister zuschreiben. Die Gesellschaftsstruktur der Stadt läßt zur Zeit einfach keine kleinteilige hochwertige Bebauungsstruktur zu, es fehlen einfach die Leute, die das Geld dafür hätten.
    Ich würde mich freuen, wenn sich das in Zukunft ändern könnte, aber mit den Hemmnissen unserer deutschen Neidkultur wird das wohl dauern...

  • Quote

    Die Gesellschaftsstruktur der Stadt läßt zur Zeit einfach keine kleinteilige hochwertige Bebauungsstruktur zu, es fehlen einfach die Leute, die das Geld dafür hätten.


    Absolut treffend analysiert. 100%-ige Zustimmung!

    "Wenn es zutreffen sollte, daß ich nicht nur weiß, was schlimm und häßlich, sondern auch, was schön ist, so verdanke ich diese Gabe dem Glück, in Dresden aufgewachsen zu sein."


    Erich Kästner (1899 - 1974)

  • Quote from "aurinko83"


    die frage ist, ob die leute da wirklich rauswollen. außerdem werden die keine hohen mieten zahlen, da musst du erstmal ersatzwohnungen finden.


    aber im ernst, einen großflächigen abriss von plattenbauten in der inneren stadt halte ich für illusorisch


    Genau das ist ja das Problem, ist mir bewusst. ,) Aber irgendwie muss das doch durchführbar sein. ^^ Vlt Ratten in den Platten ansiedeln? *fg*


    Quote from "Frank-W"


    Aus jedem Deiner Worte spricht die Liebe zu Dresden - das ist sympathisch . Liebe macht ja aber auch bekanntlich blind - zumindest nach meiner Meinung gehört du auch zu den leuten die Dresden überbewerten (oder ich sage mal lieber - du könntest zu den Leuten gehören die Dresden überbewerten - ich kenne dich ja nicht und will mir deshalb nicht anmaßen) - was nicht schlecht sein muss. Dresden ist schön - mehr nicht. Und Einzigartig ist fast gar nichts an Dresden (oder Bautzen ist auch völlig einzigartig und Görlitz und Schwerin und...) - schon gar nicht die Landschaftsanordnugn - sie ist serh schön - aber es gibt zig Städte die superschön in der Landschaft liegen - klar Dresden gehört dazu.


    hehe, ich bewerte diese Stadt nicht über. Es ist mir durchaus bewusst, dass Dresden heutzutage einfach eine deutsche Grossstadt unter vielen ist mit Besonderheiten, die jede Stadt hat. Aber ich wage es, zu behaupten, dass man durch die Möglichkeit der einfacher durchzuführenden Stadtgestaltung und Rekonstruktionmöglichkeiten Dresdens (der Neumarkt ist das beste Bsp dafür) wieder eine noch grössere kleine Perle machen kann. ,) Man muss es nur geschickt anstellen und da sind wir uns doch alle weitgehend einig. ^^
    In Stuttgart oder Frankfurt ist sowas viel undenkbarer.


    Quote from "Frank-W"

    Ich bin dagegen das Dresden weiter auf Kosten seines Umlandes wächst -(das passiert ja aktuell schon) in der Lausitz könnten auch locker doppelt so viele Einwohner wohnen. Oder strebst du ein Dresden an- wo 50% der Einwohner aus Afrika und Vorderasien kommen - ich könnte mri was besseres für Dresden vorstellen.
    Und irgendwelche Großmaßnahmen würden soweiso nie nur mit Mitteln der Stadt Dresden finanziert werden, sondern immer mit Landesmitteln - siehe die Ansiedlungen von AMD udn CO. Und in dieser Beziehugn wurde Dresden bisher merh als reichlich bedacht - da gibt es gar keien Grund zum lamenteiren - da könnten sich ganz ander Orte in Sachsen aufregen.

    Mir wäre es am liebsten, wenn sich Rückzüge aus dem Westen und Zuzüge aus dem Ausland in etwa die Waage halten. Internaionalität mach auch eine Stadt sehr interessant. Nur ausufern dürfte es nicht.


    Quote from "Frank-W"

    Übrigens auch wenn Paris im zeiten Weltkrieg bis auf den letzten Stein niedergebrannt worden wäre, kann man davon ausgehen - dass es auch weiterhin die 100fach bedeutendere Kulturstadt heute wäre als Dresden

    Das ist ja klar. Nochmal: Ich will Dresden nicht mit Paris gleichsetzten! Die Massstäbe sind anders, aber die Strucktur doch ähnlich, nur eben in einem kleineren Rahmen. ,)




    Ja stimmt, Dresden ist nicht die Wirtschaftskraft schlechthin. Die Finanzströme in Dresden kenn ich nicht, deswegen meine so aus dem Fenster lehnende Hochstimmung. ^^ Ein Werfen mit Geldscheinen verlange ich ja nicht. Sanieren ist ja ok, aber DDR Bauten wie den Kulturpalast? Nein danke.


    Quote from "Miwori"


    Ich habe mir gestern die Dixieland Riverboat-Dampferparade an der Elbe angeschaut - das ist durchaus einmalig.


    Morgen die Dixielandmeile mit 20 Bands auf 5 Bühnen entlang der vielgeschmähten Prager Straße, kostenlos ohne Eintritt - hat man auch selten.
    Da können die Prager-Straße-Hasser mal hingehen und sehen was da für 'ne Stimmung ist!


    Nur ist es landesweit bekannt? Ich will ja nicht ein Münchner Oktoberfest 2, aber durchaus mehr Anziehungskraft bzw Anerkennung dürfte man damit wohl erwarten.
    Ich kenne mich jetzt im Jazz nicht soooo aus. Aber kann man das nicht mit paar echten Knallern verbinden? Bands aus den Saaten oder aus Japan suche ich im Angebot irgendwie vergebens.Und warum nicht zu einem richig tollen Jazzfestival evolieren? Wirkliche heads wie zB Katie Melua, Michael Buble oder Jamie Cullum würden Aufsehen erregen und Vorbands Medienpräsenz bringen. Solche grösseren Dinge würden Dresden einmal im Jahr richtig gut tun und würde hervorragend zum Flair passen. Ich will jetzt nicht den Dixieland-Jazz diffamieren. Es ist ein bisher ein tolles Ereignis.


    Quote from "Frank-W"

    klar hat Dresden was zu bieten - aber da findest du in jeder Stadt was einzigartiges- in Bautzen ist es eben das Ostereierschieben, das Ostereiten (auch wenn das auf Dörfern auch noch stattfindet) , das ganze andere "sorbische"- binational usw. - man findet immer was - und wenn es der größte Stiefel der Welt ist - wie in Döbeln - naja- wenn eine Stadt sich selbst Stiefelstadt nennt, finde ich das schon nicht so schön wie Elbflorenz (Dresden) oder sächsischesn Nürnberg (Bautzen) :-) - Dresden ist schön - das habe ich schon mehrfach hier gesagt - aber eine Überhöhung der Stadt ist nicht notwendig bzw. meiner Ansicht nach auch nicht angebracht - aber es ist ja schön das die Dresdner sich so mit ihrer Stadt identifizieren -wir Lausitzer identifizieren uns auch oft mit der Lausitz (zumindest würde ich z.B. dei Beiträge von Karasek auch so deuten :-))


    Übigens möche ich mit meinen Aussagen hier keinesfalls Bautzen mit Dresden auf eine Stufe stellen - das sind ganz andere Größenkategorien. - Vorsicht Provokation: Im Verhältnis zu jeweiligen Größe hat Bautzen sowieso viel mehr zu bieten als Dresden, dass heißt der Prozentanteil an schönem in der STadt ist deutlich höher ;-)


    Als gebürtiger Lausitzer ist mir die Gegend auch nicht weniger im Herzen. ,) Ich liebe Städte wie Bautzen oder Görlitz. Nur Reisezentrum ist nunmal Dresden. Und wer erstmal Dresden gefunden hat, der wird auch schnell Bautzen finden. ,)



    Alles ja richtig, stimme ich voll zu. Ich habe aber nichts gegen einen Rekoaufbau, der "trotzdem" Gewinn bringend genutzt wird. ,)
    Dumm ist, dass potentielle Mäzenen lieber in Fussballklubs investieren... *nach Hoffenheim rüber schiel*


    ____________________________________________________
    ^ Schlussstrich =D Sollte ja eigentlich nicht in diesem thread sein.



    Zur Bausituation:


    Am Postplatz an den beiden Stellen des früheren Post- und Fernmeldeamtes ist doch hoffentlich noch nichts konkretes im Kasten oder?


    Desweiteren hätte ich gerne mal gewusst, was da eigentlich auf der Prager Strasse alles aufgerissen wurde. Werden da nur die Bodenbeläge neu gemacht?


    PS: Entschuldigung für einem an Zitaten reichhaltigen posting.

  • @ vossi: du hast die ostdeutsche situation sehr gut erfasst.


    @ heiji: dresden ist deswegen schuldenfrei, weil die stadt die häuser verkauft hat, deren abriss du von ihr forderst. das ist die quadratur des kreises.


    Karasek: "leuchtturm" versus "giesskanne" ist ja ein immerwährendes thema. mit reiner arithmetik lässt sich diese frage meines erachtens nicht beantworten. die dresdner chipfabriken hätten sich meiner ansicht nach auch unter gleichen subventionsbedingungen nicht in der lausitz oder dem erzgebirge angesiedelt. schon wegen fehlender rahmenbedingungen (uni, fachkräfte,...). die überhaupt ins land geholt zu haben, halte ich für einen erfolg. ähnliches gilt für die infrastrukturellen voraussetzungen bei der ansiedelung der automobilindustrie oder gar der luftfrachtbranche. auch dabei geht der entlegenere ländliche raum vordergründig leer aus. aber wenn man den entwicklungsstand der lausitz beispielsweise mit dem des mansfelder landes oder vieler anderer regionen ostdeutschlands vergleicht, wird meines erachtens deutlich, dass - zumindest mittelbar - ganz sachsen von der bisherigen wirtschaftspolitik profitiert.
    bei der vermarktung der lausitz als touristisches ziel, da gebe ich dir recht, ist allerdings noch viel luft nach oben.

  • Die Lausitz hat nicht zuletzt aus geographischer Sicht verloren und dabei bleibt es auch. Tillich wird ein bißchen was für seine Landsleute rausholen können; das Sterben der sorbischen Kultur um ein, zwei Jahrzehnte hinauszögern, aber ansonsten wars das.
    Nicht die Leuchtturmpolitik, sondern von Anfang an vorhersehbare, unvermeidbare Faktoren haben der Region nie eine echte Chance gelassen. Und wenn man darum weiß - warum soll man nicht eine höherwertige Chance nutzen als eine mit gar keiner Erfolgsaussicht ?


    Das durch Leuchtturmpolitik, Restbestände und Bekanntheit geputschte "Sachsendreieck" nimmt in sehr viel leichterer, fragilerer Form jene Entwicklung auf, die im Westteil Deutschlands seit Jahrzehnten zu beobachten ist; die Konzentration der Kapital- und Wissensströme zugunsten ohnehin begünstigter Regionen sowie entlang der Verbindungswege zwischen ihnen.


    Einst besaß Mitteldeutschland eine solche Schwerpunktfunktion und die Lausitz als Transitweg nach Schlesien konnte profitieren. Nun, Schlesien ist Geschichte(ja, abgesehen von diesem kulturellen Zombie rund um Kattowitz) und Mitteldeutschland kann froh sein, wenn es die baldige Zusammenstreichung der Osthilfe wirtschaftlich halbwegs übersteht.
    "Zentrum" wird nichts mehr; die Anziehungskraft der wenigen Leuchttürme ggü. den im Vergleich überstarken west- und süddeutschen Kraftzentren auf die Mehrheit der jungen Menschen ist zu schwach. Die einzige Möglichkeit aus meiner Sicht besteht am Festhalten an den Leuchttürmen bzw. des sehr sorgfältigen Förderns eines festumrissenen "Städtenetzes" von Eisenach bis Dresden.
    Eine Stadt wie Gera, das ist klar, dürfte trotz ihrer knapp hunderttausend Einwohner auf Dauer erledigt sein; ebenso wie etwa Döbeln, Mittweida, Plauen...die Frage ist aus meiner Sicht nur die, ob Jena, Ilmenau, Merseburg, Freiberg, Meißen u.a. irgendwann auch dran glauben müssen(sich selbst überlassen werden), trotz ihrer Leistungen und Vorbildfunktion - weil sie als Inseln in der Steppe nicht "gefragt" sind...und die Gelder dank der Langzeitfolgen von 1968 sowieso nicht mehr beschafft werden können. Sachsen hat eigentlich alles richtig gemacht; viel effizienter und besser als z.B. das viel größere und wirtschaftlich bedeutendere NRW. Dennoch kann es noch verlieren - aber das ist nicht die Schuld der Sachsen, auch nicht des Westens...eigentlich kann niemand mehr "Verantwortung" tragen, da der Genickbruch bereits sechzig Jahre zurückliegt

    Nein, die werden gedünstet

  • Quote from "heiji"


    hehe, ich bewerte diese Stadt nicht über. Es ist mir durchaus bewusst, dass Dresden heutzutage einfach eine deutsche Grossstadt unter vielen ist mit Besonderheiten, die jede Stadt hat. Aber ich wage es, zu behaupten, dass man durch die Möglichkeit der einfacher durchzuführenden Stadtgestaltung und Rekonstruktionmöglichkeiten Dresdens (der Neumarkt ist das beste Bsp dafür) wieder eine noch grössere kleine Perle machen kann. ,) Man muss es nur geschickt anstellen und da sind wir uns doch alle weitgehend einig. ^^
    In Stuttgart oder Frankfurt ist sowas viel undenkbarer.


    Also, dass Dresden wieder eine größere Perle werden kann, bestreitet ja überhaupt niemand. Entwicklungspotential hat jede Stadt- und Dresden hat schon überdurchschnittliche Entwicklungsmöglichkeiten. Aus nationaler Sicht kann man sich ja nur freuen, wenn Deutschland die eine odere andere Perle wieder dazugewinnt bzw. etwas aufpoliert :-)


    Quote from "Wissmut"

    Die Lausitz hat nicht zuletzt aus geographischer Sicht verloren und dabei bleibt es auch. Tillich wird ein bißchen was für seine Landsleute rausholen können; das Sterben der sorbischen Kultur um ein, zwei Jahrzehnte hinauszögern, aber ansonsten wars das.
    Nicht die Leuchtturmpolitik, sondern von Anfang an vorhersehbare, unvermeidbare Faktoren haben der Region nie eine echte Chance gelassen. Und wenn man darum weiß - warum soll man nicht eine höherwertige Chance nutzen als eine mit gar keiner Erfolgsaussicht ?


    Oh - ein Fatalist :-) Ganz so negativ sehe ich eine Zukunft doch nicht - wie schnell sich auch mal Dinge ändern können, haben wir ja erst vor 20 Jahren gesehen - ich könnte mir durchaus vorstellen, dass dies nicht der letzte tiefgreifende Wandel war. - Übrigens ist die Lausitz nicht nur sorbische Kultur - und z.B. in der DDR-Zeit hat die Lausitz (aus welchen Gründen auch immer - von mir aus Gründen die man ablehnen kann - aber egal) gegenüber Dresden deutlich besser entwickelt - als Bautzen mal 25.000 Einwohner hatte hatte Dresden schonmal fast 700.000 - heute steht es 42.000 zu 500.000 :-) Auch hat Bautzen mehr Arbeitsplätze pro Einwohner als Dresden aktuell - - Auch hat die Lausitz nicht schon immer verloren -- ein Blick in die Geschichte sagt anderes aus. - Auch in einer möglicherweise deutlich dünner besiedelten Region - kann in Zukunft potential da sein - und wenn es eine besonders naturnahe Entwicklung wäre - wo einzelne Leute (die durchaus reich sein können) ihr dasein sehr glücklich genießen. - Nächster Punkt: Ohne sein Umland geht auch Dresden früher oder später krachen. Die aktuellen positiven Entwicklungen sind ja gerade dem nahen Umland geschuldet - von meinem Abiturjahrgang ist ein großer Teil an Personen in Dresden - und genau die sind es , die die Statistiken von Dresden so gut aussehen lassen. Auch Dresden ist als Insel in der Steppe niemals mehr gefragt.


    Übrigens das vielbeschworene Sachsendreieck ist meiner Ansicht nach auch ein substanzloses Konstrukt - wenn man ein bischen durch die Gegend fährt von Dresden nach Leipzig - eben z.B. über Döbeln (einer Stadt, der ich nie im Leben höhere Chancen einräume als Bautzen und auch nicht Görlitz - ich will Döbeln nicht miesmachen - ein nettes Städtchen ) wird feststellen, dass es da Null räumliche Kontinuität gibt -- da hätte man auch gleich eine Metropolregion Ostdetuschland - einschließlich Berlin ausrufen können - der räumliche bezug zwischen Leipzig und Dresden ist künstilich (ja ich kenen die Geschichte der Eisenbahn - aber was gibt es da noch) - damit eben diese Städte auf ihren Werbeslogans behaupten können - zu unseer Metropolregion gehören über 2 Millionen Menschen - na toll. Wenn es seinen Werbezweck erfüllt - dann schön - ansonsten messe ich diesem Gebilde keinerlei Bedeutung zu. (es sei denn es gibt den politischen Willen - nur noch im Sachsendreiekc wird gefördert oder irgend so was)


    Übrigens zeigt (zumindest nach meienr Meinung) die interessante Bildergalerie von Schanghei unter Galerien - das es nicht unbedingt so wichtig für die Lebensqualität sein muss im zentrum von "Kapital und Wissensströmen zu liegen" - Island und Finnland liegen da auch völlig abseits - also gibt es keinen Grund so eine Entwicklung grundsätzlich als Maß aller Dinge zu nehmen.


    Auf alle Fälle ist es sicher der flasche Weg fatalistisch an das Ganze heraunzugehen - so tot fühle ich mich eigetnlich noch nicht- und auch die Leute die Jünger sind als ich in der Lausitz schauen nicht alle pessimsitisch in die Zukunft - auch wenn der Anteil der Minderbemittelten (in jeder hinsicht) immer mehr zunimmt :-) - es gibt durchaus auch genug Leute in Bautzen die Mercedes fahren (ich gehöre nicht dazu ;-) ) und zwei oder drei Kinder haben - und etwas darstellen in der Region.

  • Quote from "Wissmut"

    Die Lausitz hat nicht zuletzt aus geographischer Sicht verloren und dabei bleibt es auch. Tillich wird ein bißchen was für seine Landsleute rausholen können; das Sterben der sorbischen Kultur um ein, zwei Jahrzehnte hinauszögern, aber ansonsten wars das.
    Nicht die Leuchtturmpolitik, sondern von Anfang an vorhersehbare, unvermeidbare Faktoren haben der Region nie eine echte Chance gelassen. Und wenn man darum weiß - warum soll man nicht eine höherwertige Chance nutzen als eine mit gar keiner Erfolgsaussicht ?


    Nun, diese Ansicht zeigt erstens das Du dich mit der Region nicht auskennst. Die südliche Ecke dieser Region grenzt an das derzeit boomende Liberec, welchem nach Prag die besten Wachtumchancen in Tschechien eingeräumt werden. Man hat Hochschulen und Universitäten (Görlitz und Zittau) die mit Liberec und Breslau gut vernetzt sind. Was man nicht hat ist eine leistungsfähige vernetzte Infrastruktur, welche der Staat Sachsen nicht bereit ist aufzubauen (derzeit hat man ja andere Luftschlösser im Sinn, wie einen ICE- Tunnel von Dresden durch das Elbsandsteingebirge).
    Niemand behauptet das dieser Raum Wachstumschancen wie Dresden hat, aber es ist kein lebloser Körper ohne Potenzial. Dazu macht ihn die sächsische Politik, die massiv weniger Geld zur Verfügung stellt.


    Und zweitens: dieser Abgesang auf eine ganze Region ist in einem autoritären Staat machbar, nicht aber in einer Demokratie. Gegenbewegungen haben es da leichter, und selbst in autoritären Staaten gewinnen sie irgendwann die Oberhand, wie wir von vor 20 Jahren wissen. Wenn die Demokratie die Region nicht will will die Region vielleicht die Demokratie auch nicht mehr? Linkspartei und NPD sind doch kein Zufall?! Über deren Erfolge wundert man sich vielleicht im Leuchtturm, nicht aber auf dem Land! Warum soll ich bspw. mein Kreuzchen bei den Parteien machen die mir keine Zukunft bieten? Das ist einfach nicht logisch.
    Mein Großvater hat in 5 deutschen Staaten gelebt, es wäre vermessen die Bundesrepublik für das Ende der Geschichte zu halten.

  • Es stimmt, ich kenne die Region nicht so gut wie z.B. die westsächsische oder mittelfränkische Ecke. Aber ich frage mich bei all diesen seit vielen Jahren von allen Seiten (Medien, Bundesregierung, EU) fabulierten "Wachstumschancen" von Seiten Polens und Tschechiens, warum dennoch die Mehrheit der (jungen) Leute abhaut und die besagten Chancen nicht nutzt. Vielleicht, weil heutzutage frühzeitig Kontakte zur Wirtschaft geknüpft werden müssen und man an die Rente denken muß.
    Da kann man ICE's und transrapid hinstellen, wie man will; die Region wird im toten Winkel der großen Geld- und Wissensströme bleiben.


    Was noch schwerwiegender ist; die Wahrnehmung durch die alten Bundesländer sowie durch Westeuropa. In Cottbus oder Zittau bzw. Reichenberg und Aussig mögen durch Soli- und EU-Gelder wunderbare, modernste Einzelstrukturen geschaffen worden sein; die ohne dauernde Westzuschüsse nicht funktionieren würden. In Afrika nennt man es verfehlte Entwicklungshilfe. Breslau, d.h. das heutige, ist eine wirklich vitale, boomende Stadt - beschaut man sich den Stadtkern. Aber die Peripherie hat davon nichts mitbekommen; die Schere scheint dort noch krasser auseinanderzugehen als in der Zone.


    Wenn jedoch die kulturelle und wirtschaftliche Basisstruktur einer Stadt oder Region und die Vernetzung mit den Kraftzentren des Westens unzureichend ist bzw. nicht wahrgenommen wird, nützt die beste Ausstattung nichts. Eine Stadt wie Jena war und ist auch abhängig von Fördergeldern; aber dank ihrer wirtschaftsräumlichen Umstände und des regen Kulturlebens (traditions- und zuzugsbedingt) könnte sie auch nach Wegfall der Gelder weitermachen, dank Schott, Jenoptik & Co. Sie platzt mittlerweile aus allen Nähten, die Mieten steigen stetig; man könnte meinen, auf hohem Weststandard. Will man diesen aber beschauen, so reise man nach Baden-Württemberg...oder bloß ins Ruhrgebiet. So fertig, wie es sich einem heutzutage darbietet, ist es für die große Mehrheit zumindest der Westdeutschen immer noch attraktiver als Leipzig oder Dresden; selbst noch als Studienstandort (obwohl die Bedingungen objektiv gesehen viel besser sind als an den oft heruntergekommenen Massenunis des Westens, siehe Bochum).

    Nein, die werden gedünstet

  • >>Mein Großvater hat in 5 deutschen Staaten gelebt, es wäre vermessen die Bundesrepublik für das Ende der Geschichte zu halten.<<


    *schmunzel*


    Man sollte es eigentlich sehen können, daß ich dies ebensowenig glaube. Allerdings sollte man im Osten bei aller Analysierfähigkeit nicht glauben, daß ein derartiger Umschwung von dort ausgehen könnte (selbst wenn in Brandenburg und Sachsen-Anhalt PDS und NPD koalieren). Das kann IMO nur im Westen geschehen, dort befinden sich sämtliche kulturellen und politischen Entscheidungszentren. Nicht in Berlin und schon gar nicht in der ehemaligen SBZ.

    Nein, die werden gedünstet

  • Hallo, ich stimme meinem Vorredner voll zu. Es ist vielmehr auch so, dass alle, die vielleicht etwas bewegen könnten, vorrausgesetzt, sie kommen auf die Idee, vom Osten in den Westen abwandern, und sich dort irgendwie etablieren oder integrieren und so überhaupt nicht mehr auf die idee kommen, was zu ändern.

  • Alles schön und gut, aber ist es nicht langsam an der Zeit, diese Diskussion an anderer Stelle fortzuführen?!


    Da gibt es doch so schöne Freds wie "Stadtumbau Ost" un "Betonflorenz"...


    Ich würde mich mal über neue Bilder freuen. Hat sich z.B. an der Fassade des Wilsdruffer Kubus` schon was getan, oder ist die Fassade des KurPa schon gestrichen? Wird das Dach von QV schon gedeckt?

  • Quote from "Kindvon2dresdnern"

    Alles schön und gut, aber ist es nicht langsam an der Zeit, diese Diskussion an anderer Stelle fortzuführen?!


    Sehe ich auch so! :)

    Der Wind gedreht
    Albtraum verweht
    Zum Schluss jetzt das Glück
    Das Schloss kommt zurück!